Selbstversorgergarten anlegen

Von einem großen Selbstversorger-Garten träumen viele, vor allem angesichts all der Lebensmittelskandale der letzten Jahre, Pestiziden in Obst und Gemüse etc. Träumen Sie nicht nur, sondern machen Sie einfach - wir zeigen Ihnen, wie Sie das am besten anstellen.

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Wer träumt nicht davon, sich aus dem eigenen Garten zu ernähren

Das Wichtigste in Kürze

  • Um sich fast vollständig selbst mit Obst und Gemüse zu versorgen, sollte der Garten mindestens 100 Quadratmeter groß sein – pro mitessender Person. Hinzu kommt noch der Platz für Obstbäume und -sträucher.
  • Ein Nutzgarten braucht einen vollsonnigen Standort und lockere, humusreiche Erde. Mit Kompost, verrottendem Stallmist und Gründüngung lässt sich der Humusgehalt erhöhen.
  • Gute Planung ist das ganze Gartenjahr hindurch essenziell: Vorziehen der Pflanzen, Aussaat und Pflanzung, Misch- und Folgekulturen, Ernte und Herstellung von Vorräten, Sammeln des Saatguts fürs nächste Jahr, Garten- und Baumpflege etc.
  • Bauen Sie immer mehr Gemüse und Obst an, als Sie verbrauchen – schließlich müssen Sie als Selbstversorger für den Winter Vorräte anlegen.

Selbstversorger-Garten planen

Bevor Sie jetzt jedoch gleich in den Garten rennen und dort Beete anlegen, setzen Sie sich erst einmal mit einem Blatt Papier und einem Stift an den Küchentisch. Gute Planung ist für einen Selbstversorger-Garten nämlich das A und O, damit Sie dort tatsächlich das gewünschte Obst und Gemüse in der richtigen (also benötigten) Menge anbauen und ernten. Zudem sollten keine Leerlaufzeiten entstehen, in denen Beete leer bleiben – wenn sie doch stattdessen noch bepflanzt werden könnten. Neben der Mengen- ist also auch eine Pflanzplanung wichtig, bei der Sie sinnvolle Misch- und Folgekulturen festlegen und somit für eine optimale Ausnutzung der Fläche sorgen.

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Wie groß sollte die Gartenfläche für Selbstversorger sein?

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Wer sich komplett aus dem eigenen Garten versorgen will, braucht mindestens 100qm Fläche pro Person

Die wichtigste Frage zu Beginn lautet: Wie groß muss die Gartenfläche sein, damit Sie sich und Ihre Familie damit ernähren können? Hierauf gibt es verschiedene Antworten, die ganz davon abhängen, was genau Sie bezwecken und wie viel Zeit Sie haben.

SelbstversorgungsgradGröße der Gartenfläche
nahezu vollständig aus dem eigenen Gartenmindestens 100 Quadratmeter pro Person, plus Flächen für Obstbäume und -büsche
größenteils aus dem eigenen Gartenca. 75 Quadratmeter pro Person, plus Fläche für Obstgehölze
teilweise aus dem eigenen Gartenca. 50 Quadratmeter pro Person, plus Fläche für Obstgehölze
nur bestimmte Gemüse- und Obstsortenso viel Fläche, wie für den Anbau der gewünschten Gemüse- und Obstsorten benötigt wird (kann auch nur der Balkon sein…)

Wollen Sie also nicht oder nur sehr wenig Obst und Gemüse zukaufen, so sollte der Garten für eine vierköpfige Familie 400 Quadratmeter groß sein – plus die Anbauflächen für Obstbäume und -büsche. Während die Sträucher sich sehr gut auch entlang von Zäunen pflanzen lassen, brauchen Bäume sehr viel Platz.

Allein ein großer Apfelbaum braucht eine Fläche von rund 50 Quadratmeter – halbstämmige oder Säulenformen natürlich weniger. Ein Apfel-Halbstamm kommt mit ca. 25 bis 30 Quadratmetern Fläche aus. Süßkirschen und Walnussbäume hingegen sind wahre Platzräuber, da beide Arten sehr groß und breit werden können und einen entsprechenden Raumbedarf haben. Die folgende Tabelle liefert Ihnen einen Überblick über den Platzbedarf der verschiedenen Obstsorten:

ObstsortePlatzbedarf in Quadratmetern
Apfel, Hochstamm50 bis 60
Apfel, Halbstamm25 bis 40
Birne, Hochstamm50
Birne, Halbstamm20 bis 40
Brombeere6 bis 10 (je nach Wuchsform)
Haselnuss20 bis 50 (je nach Sorte und Wuchsform)
Himbeere6 bis 10 (je nach Wuchsform)
Johannisbeere6 bis 10 (je nach Wuchsform)
Pflaume40 bis 50
Pfirsich30 bis 50
Quitte50 bis 60
Sauerkirsche40 bis 50
Stachelbeere6 bis 10 (je nach Wuchsform)
Süßkirsche80 bis 100
Walnuss80 bis 100

Die Platzangaben mögen auf den ersten Blick übertrieben scheinen, sind allerdings sogar eher knapp bemessen. Bedenken Sie, dass ein Obstbaum mit dem Alter sehr hoch und vor allem breit werden kann – dann ist der Raum notwendig. Überlegen Sie sich auch genau, ob Sie hoch- oder niedrigstämmige Gehölze pflanzen wollen, beides hat seine Vor- und Nachteile. Während sich niedrigstämmige Gehölze leichter beernten und schneiden lassen, sind hochwüchsige in der Regel gesünder und langlebiger – auch wenn Sie dann für die Apfelernte eine Leiter brauchen. Planen Sie, die Wiese unter den Obstbäumen regelmäßig zu mähen, so empfehlen sich hochwüchsige Sorten – sonst wird es mit dem Mähen, insbesondere mit einem Aufsitzrasenmäher, schwierig.

Welche Gemüsesorten sind besonders ertragreich?

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Welche Obst- und Gemüsesorten Sie in Ihrem Garten anbauen, hängt natürlich in erster Linie von Ihrem Geschmack sowie dem Ihrer Familie ab. Als Selbstversorger sollten Sie jedoch darauf achten, auch fürs Einkochen, Trocknen und Lagern geeignete Sorten in ausreichender Menge anzubauen. Damit Sie Ihren Bedarf feststellen, schreiben Sie doch erst einmal einige Wochen lang auf, was Sie jeden Tag an Obst und Gemüse in welchen Mengen im Supermarkt kaufen – und danach planen Sie die Anbaufläche. Vergessen Sie nicht die Wintermonate, denn die dann benötigten Früchte müssen Sie schon im Sommer pflanzen oder ernten.

Wichtig ist auch zu wissen, dass es von den meisten Gemüse- und Obstsorten frühe, mittel und spät reifende Arten gibt. Die frühen Varietäten sind in der Regel wenig haltbar und müssen rasch verbraucht bzw. verarbeitet werden. Gut lagerfähig sind dagegen viele spät reifende Gemüse und Obstsorten, diese sollten nach der Ernte kühl und dunkel – etwa in einem Lagerkeller oder einer Miete – aufbewahrt werden. Besonders wichtig im Selbstversorgergarten ertragreiche Sorten, bei denen Sie reichlich Ernte einfahren.

Keinesfalls fehlen sollten:

  • Fruchtgemüse wie Zucchini, Kürbis und Gurken
  • Tomaten, Paprika und Chili – vor allem im Gewächshaus!
  • Wurzelgemüse wie Möhren, Pastinaken, Meerrettich, Rote Bete
  • verschiedene Kohlarten (Weiß- und Rotkohl, Wirsing, Blumenkohl, Brokkoli, Grünkohl etc.)
  • Salate (Pflücksalat, Schnittsalat, Asia-Salate, Kopfsalat, Wintersalate wie Feldsalat etc.)
  • Hülsenfrüchte wie Bohnen (Buschbohnen, Stangenbohnen) und Erbsen (Zucker- und Schälerbsen)
  • Zwiebeln und Knoblauch
  • Kartoffeln
  • gegebenenfalls Mais und andere Besonderheiten wie etwa Physalis, Topinambur, Tomatillo (je nach Geschmack und persönlichen Vorlieben)

Wichtig für Selbstversorger: Würz- und Heilkräuter aus dem eigenen Garten

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Kräuter sind lecker, gesund und halten Schädlinge fern

Ebenfalls unverzichtbar für Selbstversorger sind frische Kräuter zum Würzen in der Küche sowie zu Heilzwecken – etwa, wenn es im Hals kratzt und ein Salbeitee dagegen helfen soll. Diese können Sie in einem extra Kräuterbeet – die einzelnen Arten schön sortiert nach den jeweiligen Vorlieben im Hinblick auf Standort und Boden – anbauen oder auch in Mischkultur Im Gemüsebeet. Manche Kräuter eignen sich auch sehr gut als Beetumrandung, halten sie doch durch ihren starken Duft so manchen Schädling fern. Gerade Sorten wie Lavendel, Salbei und Basilikum eignen sich sehr gut für diesen Zweck.

Exkurs

Wie viel Zeit muss man für die Gartenarbeit einplanen?

Was Sie bei der Planung eines Selbstversorgergartens nicht vergessen dürfen: So ein Garten macht sehr viel Arbeit und zwar das ganze Jahr hindurch! Durchschnittlich sollten Sie für einen rund 500 Quadratmeter großen Garten pro Tag etwa eine halbe bis eine Stunde Arbeit einplanen, wobei der zeitliche Aufwand natürlich auch davon abhängig ist, was gerade zu tun ist. Für alltägliche Aufgaben wie wässern, hacken, Unkraut jäten kommen Sie mit diesen Angaben ganz gut hin.

Geht es jedoch um Arbeiten wie das Anlegen von Beeten, Pflanzen und Säen, Ernten und Haltbarmachen, dann sind Sie durchaus ganze Tage beschäftigt. Auch im Winter bleiben noch Tätigkeiten übrig, etwa, weil Sie schon ab Januar mit dem Vorziehen der Pflanzen für die neue Saison, dem Obstbaumschnitt etc. beschäftigt sind. Wichtig ist also das kontinuierliche Arbeiten im Garten.

Selbstversorger-Garten anlegen

Nachdem Sie nun die benötigte Gartenfläche sowie die anzubauenden Gemüse festgelegt haben, können Sie sich nun an die Arbeit machen. Zuvor jedoch noch ein Tipp: Sofern Sie Gartenneuling sind, sollten Sie nicht gleich mit einer großen Fläche starten – auch wenn es verlockend ist. Fangen Sie klein an, vielleicht zunächst mit nur einem Beet. Sammeln Sie Erfahrungen und vergrößern Sie Ihren Garten allmählich Jahr für Jahr: Dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Sie tatsächlich dabei bleiben. Fangen Sie jedoch zunächst mit einer Riesenfläche an (womöglich noch mit wenig Erfahrung im Garten), so ist der Frust schnell da und damit auch die Gefahr, das Projekt darüber zu beenden.

Der optimale Standort und der passende Gartenboden

Damit die Pflanzen in Ihrem Nutzgarten emsig wachsen und auch schmecken, brauchen sie Sonne – und zwar davon so viel wie nur möglich. Ein optimales Wachstum ist gewährleistet, wenn

  • die Beete möglichst sonnig und geschützt liegen
  • der Standort luftig, aber windgeschützt und warm ist
  • der Boden locker und gut durchlässig ist
  • aber trotzdem Wasser speichern kann (Lehmanteil!)
  • und einen hohen Humusgehalt hat

Nun hat natürlich nicht jeder einen solchen Gartenboden. Sie können jedoch die bei Ihnen vorliegenden, speziellen Voraussetzungen verbessern, indem Sie reifen Kompost hinzufügen und im Herbst Gründüngung – vornehmlich Leguminosen, da diese den Stickstoffgehalt im Boden erhöhen – aussäen. Diese Maßnahmen sind auch notwendig, um gärtnerisch intensiv genutzte Flächen zu erhalten. Diese Formen der natürlichen Düngung verbessern das Bodenleben und erhöhen so den Humusanteil im Boden.

Beete und Wege anlegen

Nun können Sie die Beete und Wege anlegen. Am besten machen Sie sich hierfür einen Plan, indem Sie die vorhandene Fläche maßstabsgetreu auf ein Blatt Papier übertragen und dann die entsprechenden Flächen einzeichnen. Die Illustration zeigt Ihnen ein geeignetes Beispiel für eine solche Planung:

Selbstversorger: Sinnvolle Beetaufteilung

Optimalerweise:

  • sind Gemüsebeete nicht breiter als 1,30 Meter
  • damit lassen sie sich besser bearbeiten, weil Sie alle Stellen gut erreichen
  • sind sie rechteckig oder quadratisch
  • auch dies dient der leichteren Bearbeitung
  • verlaufen zwischen ihnen gestampfte und mit Rindenmulch etc. befestigte Wege
  • kleine Wege sollten mindestens 60 Zentimeter breit sein
  • Hauptwege mindestens einen Meter (damit man gut mit der Schubkarre überall hinkommt)

Keinesfalls vergessen dürfen Sie zudem das Gewächshaus sowie den Geräteschuppen. Beides sollte sich möglichst nach am Wohnhaus, aber auch nicht allzu weit weg vom Nutzgarten befinden und mit breiten Wegen gut zu erreichen sein. Achten Sie darauf, dass keines der Gebäude einen Schatten auf die Gemüsebeete wirft. Am weitesten entfernt dürfen die Obstbäume – optimalerweise auf einer Streuobstwiese, das ist auch gut für eine Vielzahl an nützlichen Insekten und Vögeln – stehen.

Darf in keinem Selbstversorger-Garten fehlen: Der Komposthaufen

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Der Komposthaufen ist ein Muss für jeden Selbstversorgergarten

Ebenfalls keinesfalls fehlen darf der Komposthaufen, denn einerseits fallen bei einer Selbstversorgung viele Garten- und Küchenabfälle an, die möglichst natürlich entsorgt werden sollten und andererseits gewinnen Sie auf diese Weise einen wertvollen ökologischen Dünger für Ihren Garten. Es bietet sich an, die Abfälle nicht einfach nur auf einen Haufen zu werfen, sondern die Kompostierung sinnvoll zu planen:

  • Wählen Sie einen halbschattigen Standort aus, gern etwas von Büschen und Bäumen verdeckt.
  • Dieser sollte sich möglichst nahe am Wohnhaus und an den Beeten befinden.
  • So haben Sie weder aus der Küche noch von den Beeten einen allzu weiten Weg.
  • Verwenden Sie mehrere Komposter, die Sie beispielsweise aus Holz selber bauen können.
  • So können Sie verschiedene Sorten Kompost gewinnen.
  • Sehr gut eignen sich für diesen Zweck Euro-Paletten.
  • Der Boden sollte jedoch offen bleiben, damit die für die Humusbildung wichtigen Bodenlebewesen in den Kompost gelangen.

Wichtig ist außerdem, dass der Komposthaufen durch einen breiten, gut befestigten Weg leicht zu erreichen ist – und Sie dort genug Platz haben, um mit Schaufel und Schubkarre hantieren zu können.

Exkurs

Welche Gartengeräte braucht man im Selbstversorgergarten?

Der Markt für Gartengeräte ist riesig, kein Wunder, dass man gerade als Neuling gerne mal den Überblick verliert. Unbedingt notwendig sind vor allem diese Gerätschaften: Spaten, Grabegabel, Schaufel, Harke(n), Rechen, Hacke(n), Unkrautstecher, Garten- und Astscheren in verschiedenen Größen, Axt oder Beil, Gießkannen, Eimer (möglichst Kunststoff oder Emaille), Schubkarre(n) sowie einen Rasenmäher (sofern Rasen vorhanden ist) oder eine Sense (bei vorhandenen Wiesen). Last but not least sollte eine Leiter nicht fehlen. Sind hohe Obstbäume vorhanden, ist zudem ein Obstpflücker recht praktisch, das erspart Ihnen das ständige Auf- und Absteigen von der Leiter.

Der Selbstversorger-Garten durchs Jahr

Die ersten Pflanzen, die Sie in Ihrem Selbstversorger-Garten pflanzen sollten, sind übrigens Obstbäume und -sträucher. Dies ist so schnell wie möglich zu erledigen. Diese Gehölze brauchen einige Jahre nach der Pflanzung, bis sie das erste Mal blühen und Sie ernten können. Wie Sie weiter durchs Gartenjahr planen, zeigt Ihnen dieser Abschnitt.

Mischkultur verhindert Krankheiten und Schädlingsbefall

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Zwiebeln schützen Erdbeeren vor Schädlingen

Im Selbstversorger-Garten empfiehlt sich eine gut durchdachte Mischkultur in den Beeten. Das bedeutet, Sie bepflanzen nicht jedes Beet mit nur einer Gemüsesorte, sondern kombinieren miteinander besonders gut harmonierende Gewächse. Diese befeuern sich gegenseitig in ihrem Wachstum und halten Schädlinge sowie Krankheitserreger voneinander fern. Zudem bietet eine solche Mischkultur den Vorteil, dass sich pflanzenspezifische Krankheiten nicht ausbreiten – anders als in Monokulturen, bei denen dann gleich die gesamte Ernte gefährdet ist. Doch Vorsicht: Nicht alle Pflanzenarten vertragen sich miteinander, weshalb Sie eine solche Bepflanzung sorgfältig planen müssen.

Kluge Fruchtfolge für hohe Erträge und lange Vegetationszeit

Manche Gemüsepflanzen haben eine sehr lange Kulturdauer, andere reifen schneller und werden somit auch schneller geerntet. Auch hier sorgt eine kluge Planung dafür, dass nach der Ernte schneller reifender Gemüse das Beet nicht leer bleibt, sondern weiterhin genutzt wird. Eine gute Idee ist es daher, im Frühjahr mit schnellwüchsigen Sorten – etwa Radieschen, Spinat, Salaten etc. – zu beginnen, nach deren Ernte etwas langsamere Gewächse ins Beet zu setzen (vor allem solche, die ohnehin erst ab Mitte bis Ende Mai nach draußen dürfen, so wie Zucchini und andere Kürbisgewächse) und das Jahr schließlich mit schnellwüchsigen Gemüsen oder spät zu säenden Wintersorten (Beten und anderen Wurzelgemüsen, späte Kohlsorten usw.) zu beschließen. Doch auch hier gilt: Nicht jede Gemüsesorten harmonieren miteinander.

Erste Hilfe gegen Schädlinge und Pflanzenkrankheiten: Heilung aus der Natur

“In den Selbstversorger-Garten gehört keine Chemie – alles, was man braucht, kommt völlig nebenwirkungsfrei aus der Natur!”

Im Selbstversorger-Garten geht es in erster Linie um Unabhängigkeit. Das erstreckt sich natürlich auch auf die Düngung, die Schädlingsbekämpfung sowie den Pflanzenschutz. Hierfür brauchen Sie keine vermeintlichen chemischen Wundermittel, sondern können ganz auf die Kräfte der Natur vertrauen:

  • Kompost, Stallmist und herbstliche Grünsaat als ökologische Düngemittel
  • naturnah gestalteter Garten, in dem sich allerlei nützliche Tiere wohl fühlen
  • viele Insekten, Vögel, Igel, Spitzmäuse, Eidechsen, Frösche und Kröten helfen emsig bei der Schädlingsbekämpfung
  • selbst hergestellte Pflanzenjauchen aus Brennnessel, Rainfarn, Ackerschachtelhalm etc. lassen sich gegen Pflanzenkrankheiten sehr gut einsetzen
  • auch Knoblauch und Zwiebel – etwa als Extrakte – helfen gegen Krankheiten und Schädlinge

Überlegen Sie sich des Weiteren, wann Sie welchen Pflanzen wohin setzen – auch gut durchdachte Misch- und Folgekulturen helfen dabei, die Gartenpflanzen gesund zu halten und Schädlingen erst gar keine Angriffspunkte zu liefern. Eine ausgewogene Düngung und ebensolche Bewässerung tun dazu ihr übriges.

Saatgut gewinnen und Jungpflanzen heranziehen

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Ein paar Pflanzen (hier Salat) sollten nicht geerntet werden, damit sie Samen ausbilden

Im Garten beginnt die neue Vegetationsperiode schon sehr früh, denn die ersten Gemüsepflanzen müssen schon ab Januar, spätestens jedoch im Februar und März vorgezogen werden. Gerade viele Fruchtgemüse, die aufgrund ihrer Empfindlichkeit erst im Mai ins Beet dürfen, oder Sorten, die eine lange Keimphase haben, sollten schon früh ausgesät werden. Hierfür gibt es, je nach Gemüseart und Aussaatzeitpunkt, unterschiedliche Möglichkeiten:

  • im Zimmergewächshaus / auf der Fensterbank im Haus
  • im Frühbeet / unter Glas
  • im Beet unter Folie

Wann Sie welches Gemüse aussäen können, entnehmen Sie am besten den Saattüten der gewählten Sorten. Mit der Zeit wissen Sie schließlich auch, zu welchem Zeitpunkt selbst gesammelte Saaten ins Beet kommen. Übrigens: Nicht alle Gemüse eignen sich zum Vorziehen, manche sollten gleich ins Beet. Dazu gehören viele Wurzelgemüse wie etwa Möhren, Radieschen, aber auch schnellwüchsiges, unempfindliches Gemüse wie Spinat.

Tipps

Wenn Sie Gemüse aussäen bzw. vorziehen, so bringen Sie nicht gleich das ganze Saatgut auf einmal aus. Säen Sie stattdessen die geplanten Möhren / Radieschen / Kohlrabi etc. etwas zeitversetzt, damit nicht alles Gemüse zur gleichen Zeit erntereif wird.

Ernten und Haltbarmachen

Wer sich selbst versorgen möchte, muss Vorräte anlegen. Deshalb sollten Sie immer so viel Obst und Gemüse anbauen, dass Sie für den Winter ausreichende Mengen

  • einkochen: Gemüse und Obst, welches nicht allzu lange lagerfähig ist
  • trocknen: Kräuter, Dörrobst und Dörrgemüse
  • einfrieren: für fast alle Gemüse, Kräuter und Obstsorten geeignet, jedoch sehr energieaufwändig
  • oder lagern: viele späte Gemüse- und Obstsorten wie Kartoffeln, Möhren, Lageräpfel, Kürbisse

können. Beachten Sie dabei, dass es für eine sinnvolle Vorratshaltung viel Platz braucht. Am besten eignet sich dafür ein kühler, dunkler und trockener Keller. Manche Gemüse lassen sich auch in Erdmieten einlagern, insbesondere Kartoffeln, Kohl- und Wurzelgemüse. Achten Sie am besten schon bei der Sortenwahl auf die entsprechende Lagerfähigkeit – so lassen sich längst nicht alle Kartoffel- oder Apfelsorten über längere Zeit aufbewahren.

Der Selbstversorger-Garten im Winter

Welche tollen Tipps Selbstversorger Rigotti für eine Ernte im Winter hat, zeigt dieser informative Beitrag.

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Häufig gestellte Fragen

Was essen Selbstversorger eigentlich im Winter?

Ganz einfach: Das, was noch im Garten zu ernten ist bzw. die während des Sommers angelegten Vorräte. Insofern ist es wichtig, gut zu planen und so viel Gemüse und Obst anzubauen, dass Sie davon noch einkochen und einfrieren können. So manches Gemüse wie etwa Pastinake, Rosenkohl etc. lässt sich auch in den Wintermonaten noch frisch ernten – sofern es nicht zu kalt ist und Sie diese rechtzeitig angepflanzt / ausgesät haben. Gute Planung ist im Selbstversorger-Garten alles! Und was noch so fehlt bzw. nicht im eigenen Garten wächst, können Sie trotzdem im Supermarkt kaufen.

Kann ich mich eigentlich auch mit Gemüse von meinem Balkon selbst versorgen?

Natürlich lässt sich nahezu jedes Gemüse auch auf dem Balkon anbauen, so dass Sie auch hier bei guter Planung und Pflege eine reiche Ernte einfahren können. Neben den obligatorischen Tomaten und Gurken eignen sich vor allem Paprika, Physalis, Salate, Radieschen, Zuckererbsen (niedrige Sorten!) und Buschbohnen für einen Balkonanbau. Auch Zucchini wachsen hier gut, sofern der Pflanztopf ausreichend groß ist und Sie gegebenenfalls mehrmals am Tag kräftig gießen. Für eine vollständige Selbstversorgung reicht der Platz jedoch nicht aus.

Was mache ich, wenn das Wetter schlecht ist und die Ernte auszufallen droht?

Auch hier hilft eine gute Planung, um Ernteausfälle durch einen möglicherweise verregneten Sommer vorzubeugen. Manche Gemüsesorten sollten von vornherein im Gewächshaus angebaut werden bzw. bei Freilandanbau beispielsweise durch eine Überdachung geschützt werden. Hierzu gehören beispielsweise Tomaten, die im Freien gerne durch die Kraut- und Braunfäule zugrunde gehen. Aber auch Salatgurken und Paprika fühlen sich im Gewächshaus wohler. Fürs Freiland empfehlen sich unempfindlichere Gewächse wie etwa die verschiedenen Kohlarten.

Ganz vermeiden lassen sich Ausfälle durch schlechtes Wetter jedoch nicht. Starkregen und Hagel können trotzdem ganze Ernten vernichten. Allerdings haben Sie auch nach einem solchen Ereignis die Möglichkeit, durch das anschließende Anpflanzen oder Aussäen (schnellwachsender) Gemüsesorten dennoch ernten zu können.

Hilfe, Schnecken fressen mein Gemüse weg – was hilft?

Gefräßige Schnecken sind der ärgste Feind eines jeden Gärtners, fressen sie doch im Handumdrehen den ganzen Garten kahl. Dagegen hilft jedoch kein Schneckenkorn,(16,95€ bei Amazon*) sondern sinnvollere, ungiftige Maßnahmen wie ein Schneckenzaun um die Beete, grobes Mulchmaterial auf den Beeten sowie die gezielte Ansiedlung und Förderung von schneckenfressendem Getier wie Vögeln, Igeln, Spitzmäusen und Tigerschnegeln. Die halten den Bestand an Nacktschnecken kontinuierlich klein, so dass noch genug Salat und Co. für die Ernte übrig bleiben.

Tipps

Wer im Juni schon Kartoffeln ernten möchte, sollte frühe Sorten wählen und diese ab Februar, spätestens jedoch ab März vortreiben.

Text: Ines Jachomowski

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