Kohlfliege erkennen und vorbeugen

Kohlfliegen gehören zu den bedeutendsten Schädlingen an Kreuzblütlern wie Raps und Kohl. Sie können den heimischen Garten aufsuchen, wenn sie dort geeignete Nahrungspflanzen für ihre Larven finden. Da eine Bekämpfung schwierig ist, sollten Sie einen Befall mit geeigneten Maßnahmen vorbeugen.

kohlfliege
Die Kohlfliege ist einer der wenigen Schädlinge, die Kohlgewächse befallen

Das Wichtigste in Kürze

  • Kohlfliegenlarven fressen sich in pflanzliches Gewebe, wo sie gut geschützt sind vor Bekämpfungsmitteln. Befallene Pflanzen sollten entsorgt werden. Nützlinge verhindern, dass sich die geschlüpften Larven in den Wurzelhals bohren.
  • Larven hinterlassen Fraßgänge in verschiedenen Kohlpflanzen, in denen Kot und Fraßkrümel vorhanden sind. Mit der Zeit welken befallene Pflanzen, bis sie schließlich absterben.
  • Vorbeugen lässt sich ein Befall durch gründliche Bodenbearbeitung, Mischkulturen und Kulturschutznetze. Im Garten können zwei Arten auftreten: die Große Kohlfliege ist weniger schädlich als die Kleine Kohlfliege.

Kann ich Kohlfliegen mit Hausmitteln bekämpfen?

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Meistens wird der Befall erst dann entdeckt, wenn es für eine Behandlung zu spät ist

Wenn das Gemüse von Kohlfliegen befallen isst, sollten Sie die betroffenen Pflanzen ausgraben und das Ausmaß des Schadens untersuchen. Ist der Befall im Anfangsstadium, können Sie die Maden von den Wurzeln absammeln und das Gewächs wieder einpflanzen. Sollte das Stängelgewebe bereits teilweise abgestorben sein, hilft nur noch die komplette Entsorgung der Pflanze.

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So verhindern Sie eine weitere Ausbreitung:

  • keine Kompostierung
  • Kompost bietet Kohlfliegenlarven optimale Lebensbedingungen
  • Entsorgung befallener Pflanzenteile im Hausmüll

Natürliche Regulierung durch Nützlinge

Zu den natürlichen Feinden der Kleinen Kohlfliege zählen räuberisch lebende Insekten wie Laufkäfer und Spinnen. Die Kurzflügelkäfer der Gattung Aleochara parasitieren die Puppen der Blumenfliegen, während die Schlupfwespe Trybliographa rapae Jagd auf Larven macht. Es ist daher empfehlenswert, artenreiche Saumbiotope zur Förderung solcher Nützlinge zu pflanzen.

Saumbiotop anlegen

Säen Sie die Samenmischungen im Herbst auf ein feinkrümeliges Saatbett aus. Die Saaten werden leicht eingearbeitet, sodass sie nicht mehr als 1,5 Zentimeter vom Substrat bedeckt sind. Licht- und Dunkelkeimer finden bei dieser Saattiefe günstige Keimbedingungen vor. Um die Keimungsrate zu erhöhen, können Sie die Samen mit einem Brett andrücken. Verzichten Sie auf eine Düngung, um unerwünschte und konkurrenzstarke Beikräuter zu unterdrücken. In den ersten zwei Jahren sollten Sie spontane Unkräuter wie Distel, Ampfer und Quecke jäten.

Hier fühlen sich Nützlinge wohl:

  • Mischung als 50 bis 60 Prozent Kamm-, Ruchgras und Aufrechte Trespe
  • maximal zwei Prozent Leguminosen wie Klee und Wicken
  • Klatschmohn, Acker-Rittersporn, Kornrade und Kornblume als auffällig blühende Einjährige
  • zweijährige Pionierarten wie Nachtkerze, Wilde Möhre, Natternkopf und Weiße Lichtnelke
Kohlfliegen: Illustration eines Saumbiotops

Helfen Pflanzenschutzmittel?

Kohlfliegen gehören zu den minierenden Insekten. Ihre Larven fressen sich in das pflanzliche Gewebe, wo sie gut geschützt sind vor Pflanzenschutzmitteln. Selbst im Erwerbsgartenbau ist die Bekämpfung des Pflanzenschädlings schwierig, denn die Larven werden nicht von den Giften erfasst.

So erkennen Sie Schadbilder der Kohlfliege

Im Frühjahr erstreckt sich der Befall häufig über die Randreihen. Diese erste Generation richtet den größten Schaden an. Gefährdet sind Keimlinge, die zwischen März und Mai wachsen, bis zur Ausbildung des ersten Laubblattpaares. Während des weiteren Saisonverlaufs dringen die Schädlinge in das Innere des Pflanzenbestands vor.

  • Fraßgänge in Wurzelhals, Stängel und Keimblättern
  • Fraßkrümel und Kotreste in den Gängen
  • Pflanzen welken und verfaulen
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Betroffene Pflanzen

Die Maden von Kohlfliegen richten Schäden an Kohlgewächsen an, die dicht über der Erde wachsen. Blumenkohl ist besonders anfällig. Die Insekten gelten als gefährliche Schädlinge an Raps. Im privaten Garten orientieren sie sich an der saisonalen Verfügbarkeit verschiedener Nahrungspflanzen. Während ab April schnell wachsendes Gemüse wie Radieschen durch die erste Generation befallen wird, ernährt sich die zweite Generation im Hochsommer bevorzugt von Chinakohl, aber auch Rettich und Kohlrabi. Im Herbst stehen spätreifende Arten wie Rosenkohl und Kohlrüben auf dem Speiseplan der dritten Generation.

Eine Bekämpfung der minierenden Kohlfliegenlarven ist äußerst schwierig.

Hintergrund

So vermehren sich Kohlfliegen

Weibchen orientieren sich mit Hilfe ihrer Sinne. Sie nutzen optische Reize oder Duftstoffe, um einen geeigneten Platz für die Eiablage zu finden. Presssaft von Kohlrüben oder das Senfölglykosid Sinigrin wirken stark anziehend. Das Weibchen nimmt die potentielle Nahrungspflanze genau in Betracht, indem es zuerst auf den Blättern und anschließend stängelabwärts bis zum Boden krabbelt. Die Eier werden am Wurzelhals abgelegt.

  • ovale Eier sind etwa einen Millimeter lang
  • pro Weibchen werden ca. 100 Eier produziert
  • erste Maden schlüpfen nach vier bis acht Tagen
  • bohren sich in den Wurzelhals und dringen bis zur Wurzel vor
  • Fraßaktivität erstreckt sich über drei bis vier Wochen

So beugen Sie einen Befall vor

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Holzasche verdirbt Kohlfliegen den Appetit

Da es für den privaten Gebrauch keine Pflanzenschutzmittel gibt und die Wirksamkeit der Hausmittel schnell an die Grenzen stößt, sollten Sie durch optimales Gärtnern einer Ausbreitung des Pflanzenschädlings entgegenwirken. Eine gründliche Bodenbearbeitung ist vor jeder Aussaat Pflicht. Nach der Ernte dürfen keine Strünke oder Blätter auf dem Beet verbleiben, da hier Kohlfliegen bevorzugt überwintern.

  • Früh- und Spätsaaten umgehen die Hauptflugzeit der Blumenfliegen
  • Holzasche in das Pflanzloch geben und auf die Erde streuen
  • Gesteinsmehl (14,95€ bei Amazon*) um den Wurzelhals streuen
  • Mulchschicht aus Farnlaub verteilen
  • pflanzliche Dünger erhöhen die Attraktivität des Bodens für Weibchen

Ökologisches Gleichgewicht durch Mischkultur

Eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung eines Schädlingsbefalls sind gemischte Saaten, in denen sich auf natürliche Weise Gegenspieler einstellen. Tomaten und Sellerie sind gute Partner für Kohlgewächse, da sie mit ihrem intensiven Duft Kohlfliegen auf Abstand halten.

 geeignete Partnerungeeignete Nachbarn
RapsKlee, Wicke, KörnererbseSenf
RadieschenMöhre, PetersilieGurken, Chinakohl
BlumenkohlPhacelia, BuschbohnenKnoblauch, Zwiebeln
ChinakohlSpinat, Bohnen, SalatRadieschen, Rettich
KohlrabiBorretsch, Dill, Porree, SchwarzwurzelKohl
RettichKapuzinerkresse, Spinat, SalatChinakohl, Gurken

Kulturpflanzen mit einem Netz schützen

Da Kohlfliegen durch Zuflug in einen Pflanzenbestand gelangen, gilt ein Schutznetz als sicherste Methode zur Abwehr der Schädlinge. Es sollte besonders engmaschig sein, damit die bis zu fünf Millimeter großen Fliegen keinen Zugang zu den Nahrungspflanzen finden. Die Kulturschutznetze haben idealerweise eine Maschenweite von 1,8 Millimeter. Sie werden direkt nach der Saat anfälliger Arten über das Beet gespannt und verbleiben dort bis zur Ernte.

Tipps

Es gibt spezielle Kohlkragen, welche um den Stängel der Jungpflanzen gelegt werden. Sie verhindern, dass Kohlfliegen ihre Eier am Wurzelhals ablegen. Die aus Filz oder Pappe hergestellten Kragen werden kurz vor der Ernte entfernt und kompostiert.

Welche Arten von Kohlfliegen gibt es?

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Die Kleine Kohlfliege sieht eigentlich ganz harmlos aus

Kohlfliegen gehören zur Gattung Delia innerhalb der Familie der Blumenfliegen. Bekannte Schädlinge sind Kleine und Große Kohlfliege. Während die Kleine Kohlfliege ab April aktiv ist, fliegt die Große Kohlfliege (Delia floralis) erst zwischen August und September. Sie bringt eine Generation pro Jahr hervor und ist daher weniger schädlich als die verwandte Art. Delia floralis nutzt hauptsächlich Radieschen und Rettich als Wirtspflanzen.

Aussehen

Die Kleine Kohlfliege erinnert an eine Miniaturausgabe der Stubenfliege. Sie wird bis zu fünf Millimeter lang und ernährt sich von Nektar und Pollen. Ihre Larven entwickeln sich in Wurzelnähe. Sie sind weiß gefärbt, bein- und kopflos. Ihre Puppen erscheinen braun und tönnchenförmig. Sie sind im Boden zu finden und werden durch Ameisen davongetragen.

Tipps

Die räuberische Nematodenart Steinernema feltiae gilt als wirksamer Regulator von Wurzelfliegenlarven. Bisher wird der Nützling jedoch kaum gegen Kohlfliegen eingesetzt.

Lebensweise

Die erste Generation der Kleinen Kohlfliege schlüpft im Frühjahr. Als Orientierung dient die Kastanienblüte, die in der Pfalz bereits Ende April stattfindet. In solchen milden Regionen können pro Saison drei bis vier Generationen schlüpfen. Die Eientwicklung wird durch warme Temperaturen unter Folie und Vlies begünstigt.

  • April: Eiablage
  • Mai bis Juni: Larven schlüpfen, fressen und verpuppen sich nach zwei bis drei Wochen
  • Juli: Eiablage
  • Juli bis August: Entwicklung der zweiten Madengeneration
  • Sepbtember: Eiablage
  • Septmeber bis Oktober: Larven der dritten Generation schlüpfen und hinterlassen bis zur Verpuppung Fraßschäden

Häufig gestellte Fragen

Gibt es weiße Kohlfliegen?

Ausgewachsene Kohlfliegen sind nicht weiß gefärbt. Ihr Aussehen erinnert an die Erscheinung einer Stubenfliege. Ihre Larven leben nicht unter den Blättern sondern im Verborgenen und sind erst sichtbar, wenn Sie befallene Pflanzen aus dem Boden ziehen. Sollten Sie weiße Fliegen auf den Pflanzen entdecken, handelt es sich vermutlich um Mottenschildläuse.

Verwechslungsgefahren:

  • Mottenschildläuse: weiße Fliegen auf der Blattunterseite, fliegen bei Berührung auf
  • Kohlweißling: legt erst grünliche und später gelbe Eier auf Blattunterseite ab
  • Kohlmotte: grüne Raupen fressen Blätter
  • Mehlige Kohlblattlaus: bepuderte Blattläuse saugen an Blattunterseiten

Warum befallen Kohlfliegen Kohlgewächse?

Diese Insekten haben sich auf Kohlgewächse spezialisiert, denn hier konkurrieren sie mit wenigen Nahrungsspezialisten. Viele Kreuzblütler enthalten Senfölglykoside, die eine antibakterielle und antimikrobielle Wirkung besitzen. Dadurch schützen sich Pflanzen vor potentiellen Fressfeinden, doch Kohlfliegen können die Stoffe verdauen.

Welchen Schaden können Kohlfliegen anrichten?

Wegen der hohen Reproduktionsrate und der schnellen Entwicklung gilt die Kleine Kohlfliege als einer der gefährlichsten Schädlinge am Raps. Sie ist in der Lage, eine Ernte vollständig zu vernichten. Da die Fliegen äußerst mobil sind, werden sie kaum durch Insektizide erfasst. Ihre Larven entwickeln sich geschützt im Wurzelgewebe. Da die größten Pflanzen stärker befallen sind als schwächer entwickelte Gewächse, weisen Frühsaaten einen größeren Befall als Spätsaaten auf.

Helfen Pflanzenjauchen aus Knoblauch oder Brennnessel gegen Kohlfliegen?

Pflanzensude dienen der Stärkung von geschwächten Pflanzen. Da sich Kohlfliegenlarven bevorzugt in kräftig wachsende Pflanzen bohren, liefern selbst hergestellte Jauchen keinen sicheren Schutz vor einem Befall. Wegen ihres intensiven Geruchs können Sude unterstützend verabreicht werden.

Text: Christine Riel

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