Gemüse anbauen
Gemüse aus dem eigenen Garten hat viel mehr Vitamine als aus dem Supermarkt

Ab ins Beet: Warum Sie jetzt Ihren eigenen Gemüsegarten anlegen sollten

Ein Garten voll frischem Gemüse – das bereichert nicht nur die Speisekarte um Gesundes und Günstiges, sondern hat auch noch sehr viel mehr Vorteile für den, der Hacke und Gießkanne schwingt.

Deutschland ist Hobbygärtnerland. Nicht anders lässt sich erklären, was sich alljährlich ab dem späten März landauf landab beobachten lässt: Da bevölkern Heerscharen von Menschen die Gärtnereien, Gartenbaufachgeschäfte und Bauernmärkte. Selbst kaum ein Discount-Supermarkt, der dieser Tage nicht zumindest einen Drehständer mit Gemüsesamen in den Gängen stehen hätte. Fakt ist: Die Deutschen lieben es, ihr eigenes Grün zu züchten. Natürlich, bei vielen beschränkt sich die Gärtnertätigkeit notgedrungen darauf, auf dem Balkon Ampeln aufzuhängen. Aber wer einen „richtigen“ Garten sein Eigen nennt, vielleicht mit einer drei- oder mehrstelligen Quadratmeterzahl an Fläche, hat nicht nur ein Hobby fürs Leben, sondern tut auch noch seiner Gesundheit etwas Gutes. Welche Vorzüge ein solcher Garten genau hat und wie er zu bekommen ist, davon handelt der folgende Artikel.

Garten? Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

So vorteilhaft ein Garten ist, direkten Zugang hinter dem Haus haben dazu leider die Wenigsten: Deutschland hat einen Urbanisierungsgrad von gut 75 Prozent – Dreiviertel aller Deutschen leben in Städten. Das bedeutet aber nicht, dass diese Menschen generell auf Gärten jenseits des Balkons verzichten müssen, denn es gibt mehrere Optionen:

  • Das Einmieten in eine Kleingartenkolonie (Schrebergarten). Das hat den Vorteil einer überschaubaren Gesamtfläche und festgelegter Kosten. Der große Nachteil ist, dass die meisten Laubenkolonien stramm hierarchisch von ihrer Vereinsspitze regiert werden – und die schreibt im Zweifelsfall sogar vor, was wann wo und wie hoch angebaut werden darf. Eher nichts für Freigeister, die nicht zu festgelegten Zeiten den Garten für die „Kontrollkommission“ herrichten möchten. Daneben werden aber auch schlicht die Plätze in diesen Kolonien immer rarer, denn Gärtnern wird auch bei der „20-something-Generation“ immer beliebter.
  • Alternativ bieten viele Bauern und Grundstücksbesitzer im Umland von Städten die Möglichkeit, etwas Land zu pachten. Der große Vorteil: Größe, Bepflanzung und Arbeitsaufwand hängen allein vom Pächter ab. Aber diese Variante ist auch mit viel Arbeit verbunden. Zumal in solchen Gärten in den seltensten Fällen eine Infrastruktur vorhanden ist: Strom gibt es dann keinen und der Durst der Pflanzen muss durch gesammeltes Regenwasser gestillt werden. Zudem: Ein so einsam liegender Garten kann auch immer zum Ziel von Diebstählen und Vandalismus werden.
  • Die dritte Option ist etwas für alle, die mit dem Gedanken spielen, mittel- bis langfristig aus der Stadt ins Eigenheim zu ziehen: Dann kann bereits jetzt das Grundstück erworben und bis zum Baubeginn als Garten genutzt werden. Je nach Lage gibt es dort bereits Nachbarn, die vielleicht ein Auge auf den Garten haben und bei denen sich gegebenenfalls sogar das Werkzeug unterbringen lässt.

Fläche

Die nächste Frage lautet dann automatisch: Wie groß muss denn ein solcher Garten sein? Nun, das kommt nicht nur darauf an, was gepflanzt werden soll, sondern auch, wie viel Arbeit man selbst leisten kann und möchte. Und nicht zuletzt auch, ob das darauf gezogene Gemüse nur eine Ergänzung sein oder zur Vollversorgung ausreichen soll.

Garten: Mehr als ein Hobby

Wie bereits kurz angeschnitten hat ein Garten weit mehr Potenzial, um „nur“ ein Hobby zu sein – wer sich auf dieses Steckenpferd schwingt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er nur im Winter wirkliche Ruhe haben wird. Im Hochsommer ist das Tränken der Pflanzen alle zwei Tage Pflicht. Das Entfernen von Unkraut sowieso. Und selbst wenn gerade nichts zu rupfen oder gießen ist, gibt es eigentlich immer etwas zu tun im eigenen Garten. Aber was winkt demjenigen, der bereit ist, sich so viel Arbeit anzutun?

1. Bio pur

Was selbst im eigenen Garten gezogen wird, vielleicht vom Samenkorn an, das ist der vielbeschworene „Kontrollierte Anbau“ in Perfektion: Hier bestimmt ausschließlich der Gärtner, was an sein Gemüse kommt. Gleichsam müssen Schädlinge nicht wie in Großbetrieben aus Zeit- und Kostengründen mit der „chemischen Keule“ bekämpft, sondern können auch mit Omas Rezepten vertrieben werden. Das Ergebnis: Gemüse, wie es sauberer, schadstoffärmer und gesünder nicht sein kann. Das zeigt sich nicht nur am Geschmack, sondern auch an Konsistenz und Vitamingehalt. Wer den ersten eigenen Kopfsalat auf dem Schneidbrett in der Küche liegen hat, der merkt es direkt: Knackiger, fester und einfach „irgendwie besser“.

2. Stressabbau

Es ist ein Lied, das in Industrieländern seit Jahren gesungen wird: Die traurige Ballade der schief hängenden Work/Life-Balance: Zu viel Arbeit, zu viel Druck, zu viel Stress. Kann dieser negative Stress nicht abgebaut werden, leidet die Leistungsfähigkeit, der Kreislauf baut ab, der Blutdruck steigt. Ein eigener Garten fernab von Technik und Termindruck ist das krasse Gegenteil davon: Hier klingelt kein Telefon, hier meckert kein Chef. Im Garten existiert nur der Gärtner im totalen Einklang mit der Natur. Wenn um einen herum nur Grün ist und die Arbeit, die investiert wird, nur fürs eigene Ich geleistet wird, verschwindet Stress mitsamt seinen ungesunden Folgen fast wie im Flug.

3. Fitness

Wie viele Menschen gehen täglich ins Fitnessstudio, um dort den Körper zu stählern? Sie heben, ziehen und drücken Gewichte, setzen sich aufs Trimmrad und nicht wenige legen sich danach noch auf die Sonnenbank. Ein Garten macht all das samt und sonders überflüssig: Wer randvolle Gießkannen im Dutzend durch die Beete schleppt, der braucht keine Hantelbank und stundenlanges Umspaten trainiert die Ausdauer besser als jede Rudermaschine. Die Sonne gibt’s in solchem Überfluss, dass manche Gärtner schon nach der Pflanzphase zu Beginn des Sommers aussehen, als hätten sie einen Urlaub am Äquator hinter sich. Und wer sich jegliche maschinelle Unterstützung spart und sogar das Gras mit der Sense mäht, lernt auch noch ein Rhythmusgefühl, auf das so mancher Boxer vor dem Punchingball neidisch wäre. Gärtnern ist ein Fitnessprogramm für den ganzen Körper; wer mit dem Hobby beginnt, kann gleich auf dem Heimweg vom Vertragsabschluss den selbigen beim Fitnessstudio kündigen.

4. Kosten

Gehen Sie mal durch einen beliebigen Supermarkt Ihrer Wahl und schauen Sie, was dort beispielsweise zwei Maiskolben kosten – ungekocht und einfach nur in Folie verpackt. Meist sind es deutlich mehr als zwei Euro. Für den gleichen Preis bekommt der Gärtner eine Tüte Maissamen, aus denen sich zwei, drei Dutzend Pflanzen ziehen lassen – an jeder hängen ein bis zwei Kolben. Ähnlich spektakulär ist die Kostenrechnung bei nahezu allen anderen Gemüsesorten. Und sie ist selbst dann noch beeindruckend, wenn statt Samen kleine Jungpflanzen gekauft und einfach nur in den Boden gesetzt werden. Fakt ist: Wer sein eigenes Gemüse anbaut, der spart mächtig viel Geld. Und nicht nur, weil Einkäufe gespart werden: Sind erst einmal die grundlegenden Werkzeuge (siehe weiter unten) angeschafft, fallen außer einer eventuellen Pacht kaum noch weitere Ausgaben an.

Gartenjournal.net Grafik 1

Loslegen

Wer die Logik hinter diesen Punkten begriffen hat, vielleicht sogar schon ein Stück Land sein Eigen nennt, der kann praktisch sofort loslegen. Jetzt im Frühjahr ist die beste Zeit. Aber auch im Herbst kann mit dem Hobby angefangen werden – hier gibt es kein richtig oder falsch, weil es im Garten rund ums Jahr etwas zu tun gibt. Hier ein paar erste Schritte

  • Einen Gartenkalender kaufen, der sagt dem Gärtner, wann was gepflanzt werden muss.
  • Werkzeug besorgen. Dabei gilt die Maxime: Besser etwas mehr ausgeben und lange Freude daran haben, als billiges Gerät jährlich zu ersetzen.
  • Einen kleinen hölzernen Unterstand im Garten errichten: Der bietet nicht nur Unterschlupf für den Gärtner, sondern ist auch wichtig, um Regenwasser fürs Gießen zu sammeln.
  • Falls nicht vorhanden, sollte der Garten rundherum eingezäunt werden, um ihn vor Dieben und Tieren zu schützen.
  • Anschließend müssen die Beete umgegraben werden. Das ist zwar immens anstrengend, aber unabdingbar, um den Boden aufzulockern. In den kommenden Jahren reicht es dann aber meist, im Spätwinter mit einem Sauzahn den Boden zu belüften, Umgraben ist nicht jährlich nötig.

Gartenregeln

Wer das Gärtnern als gesundes Hobby für Entspannung und Fitness betreiben will, der muss natürlich auch darauf achten, dass es dabei bleibt. Daher sind einige Regeln tatsächlich unabdingbar.

  • Im Garten ist das Handy nur für Notfälle da. Es werden weder E-Mails noch sonstige Arbeitsaufgaben erledigt.
  • Was heute nicht bearbeitet wird, wird eben morgen gemacht. Der Garten kennt keinen minutiösen Termindruck.
  • Regenwürmer, Igel und Maulwürfe sind keine Schädlinge, sondern die besten Freunde des Gärtners und sollten nicht von ihm behindert und vertrieben werden.
  • Natur gibt, Natur nimmt: Pflanzenreste gehören auf den Kompost, damit daraus wieder hochwertigste Erde entsteht, die im Laden viel Geld kosten würde.
  • Im Garten zählt Einsatz und Leidenschaft, nicht die Fähigkeit, möglichst viel Geld in Richtung Equipment zu werfen und zu erwarten, dass sich die Arbeit von selbst erledigt.
  • Der „Grüne Daumen“ ist eine Legende. Jeder kann durch Erfahrung, Lernwilligkeit und Arbeitseinsatz höchste Ergebnisse erzielen.

Wer sich an diese Worte hält, sorgt dafür, dass sein Garten auf lange Sicht ein Hort der inneren Einkehr, der Ruhe und Entspannung wird und damit im Einklang mit der Natur existiert.

Fazit

Der eigene Garten ist eines der multifunktionalsten Hobbys, das es überhaupt gibt. Er vereinbart Ruhe mit Arbeit, Anstrengung mit Entspannung und füllt nebenbei noch den eigenen Teller mit den leckersten Mahlzeiten. Und starten kann jeder, selbst wenn er sein bisheriges Leben in einer Großstadt verbrachte.

Artikelbild: ampol sonthong/Shutterstock

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