Gräser schneiden: Der richtige Zeitpunkt für Pampasgras, Seggen & Co.
Wenn im späten Winter die ersten milden Tage kommen, kribbelt es vielen in den Fingern. Der Garten soll endlich wieder ordentlich aussehen, und die vertrockneten Grashalme stehen ganz oben auf der Aufräumliste. Aber Vorsicht: Wer zu früh zur Schere greift, tut den Gräsern – und dem Garten als Ökosystem – keinen Gefallen.
- Was Gräser im Winter leisten
- Warum ein Herbstschnitt tabu ist
- Der optimale Zeitpunkt: Frühjahr, aber wann genau?
- Was passiert bei zu frühem Schnitt?
- Und wenn man zu spät dran ist?
- Sommergrün oder immergrün: Der entscheidende Unterschied
- Pampasgras: Der Sonderfall
- Seggen: Weniger ist mehr
- Praktische Tipps für den Rückschnitt
- Ein guter Kompromiss
Was Gräser im Winter leisten
Die braunen Halme sind weit mehr als ein Relikt der vergangenen Saison. Sie bilden einen natürlichen Schutzmantel für das Herz der Pflanze und verhindern, dass Regen und Schneeschmelze direkt in den Wurzelbereich eindringen. Gelangt zu viel Feuchtigkeit dorthin, droht Fäulnis – und im schlimmsten Fall das Ende der Pflanze.
In den hohlen Halmen und dichten Horsten überwintern außerdem zahlreiche Nützlinge: Marienkäfer, Florfliegen, Ohrwürmer, Schmetterlingslarven und Spinnen nutzen die trockenen Strukturen als Winterquartier. Wer zu früh schneidet, zerstört diese Rückzugsorte.
Warum ein Herbstschnitt tabu ist
Der häufigste Fehler: Gräser im Herbst zurückschneiden. Die hohlen Halme stehen danach als offene Röhren nach oben, Regenwasser fließt direkt ins Pflanzeninnere und erzeugt Staunässe. In Kombination mit Frost ist das ein sicheres Rezept für Fäulnis. Außerdem fehlt ohne die alten Blätter der isolierende Kälteschutz rund um die Pflanzenbasis.
Der optimale Zeitpunkt: Frühjahr, aber wann genau?
Sommergrüne Ziergräser werden idealerweise zwischen Mitte Februar und Anfang März geschnitten. Das genaue Datum hängt von Region und Witterung ab. Entscheidend ist das Zeitfenster: Die härtesten Fröste sollten vorbei sein, der neue Austrieb aber noch nicht begonnen haben.
In milden Lagen oder geschützten Stadtgärten funktioniert ein Schnitt schon im Februar. In raueren Gegenden empfiehlt sich eher Anfang bis Mitte März. Ein guter Anhaltspunkt: Sobald die Forsythien blühen, ist in der Regel auch für Gräser die Zeit gekommen.
Was passiert bei zu frühem Schnitt?
Ein Rückschnitt mitten im Winter oder bei anhaltender Frostgefahr birgt mehrere Risiken:
- Frostschäden am Wurzelwerk
- Fäulnis durch eindringende Nässe
- Verlust wichtiger Winterquartiere für Insekten
Wer der Tierwelt einen Gefallen tun möchte, wartet bis Ende März oder Anfang April.
Und wenn man zu spät dran ist?
Kein Drama – aber deutlich mehr Arbeit. Wenn sich die frischen Triebe schon zwischen den alten Halmen hervordrücken, muss jeder alte Halm einzeln entfernt werden, um den Neuaustrieb nicht zu beschädigen.
Der Nachteil ist vor allem optischer Natur. Die Pflanze selbst nimmt keinen Schaden – sie sieht nur weniger aufgeräumt aus. Im Laufe des Sommers überwachsen die neuen Triebe die alten Reste meist von selbst.
Sommergrün oder immergrün: Der entscheidende Unterschied
Sommergrüne Gräser sterben oberirdisch ab und treiben im Frühjahr neu aus. Sie brauchen einen jährlichen Rückschnitt. Dazu gehören unter anderem Chinaschilf, Pampasgras, Lampenputzergras, Rutenhirse und Pfeifengras.
Immergrüne Gräser behalten ihr Laub und werden nicht zurückgeschnitten, sondern nur ausgeputzt. Abgestorbene Blätter werden per Hand entfernt.
Pampasgras: Der Sonderfall
Pampasgras ist frostempfindlich und reagiert besonders sensibel auf Winternässe. Im Herbst wird es zusammengebunden und geschützt.
Im Frühjahr werden die alten Blütenstängel bodennah abgeschnitten und abgestorbene Blätter entfernt. Grüne Blätter bleiben stehen.
Wichtig: Handschuhe tragen – die Blätter sind messerscharf.
Seggen: Weniger ist mehr
Seggen brauchen in der Regel keinen Rückschnitt. Abgestorbene Blätter lassen sich im Frühjahr einfach auskämmen.
Wer einen sehr aufgeräumten Look möchte, kann im März alles stark zurückschneiden. Das ist eine optische Entscheidung, kein Muss für die Pflanzengesundheit.
Praktische Tipps für den Rückschnitt
- Halme vor dem Schneiden bündeln
- Sommergrüne Gräser 10–20 cm über dem Boden schneiden
- Scharfes Werkzeug verwenden
- Handschuhe und lange Ärmel tragen
- Schnittgut kompostieren oder mulchen
- Zeitpunkt an Region und Wetter anpassen
Ein guter Kompromiss
Der Rückschnitt ist immer eine Abwägung zwischen Ordnungssinn und ökologischer Vernunft. Der einzige echte Fehler bleibt der Herbstschnitt. Alles andere ist eine Frage des richtigen Moments.
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