Bambus gekonnt schneiden – praxiserprobte Anleitung im Tutorial

Bambus steht hoch in der Gunst für die ideenreiche Gartengestaltung. In Bezug auf die Schnittpflege wird die asiatische Staude weder als Gehölz noch als herkömmliches Ziergras behandelt. Lesen Sie in diesem Tutorial, wann und wie Sie Bambus vorbildlich schneiden.

Bambus Rückschnitt
Bambus kann jederzeit kosmetischen Korrekturen unterzogen werden

Ungewöhnliches Wachstum beeinflusst Schnittpflege

Allen Unkenrufen zum Trotz können Sie Ihren Bambus sehr wohl schneiden. Bevor Sie zur Schere greifen, sollten Sie sich vertraut machen mit dem speziellen Wuchsverhalten. Obschon die Pflanze im Laufe der Zeit verholzt, unterscheidet sich ihr Wachstum markant von Bäumen und Sträuchern. Folgende botanischen Aspekte nehmen Einfluss auf die Schnittpflege von Bambus:

  • Bambus ist ein Ziergras und kein Gehölz
  • Wachstum mit mehrjährigen, verholzenden Halmen
  • Immergrün und weitgehend winterhart
  • Jeder Halm wächst nur eine Vegetationsperiode in die Höhe

Es ist primär letztgenannter Punkt, den Sie beim Schneiden von Bambus beherzigen sollten. Bäume und Sträucher wachsen gemäß dem Gesetz der Spitzenförderung in jedem Jahr an den Spitzen etwas länger. Ein Bambushalm treibt im Frühjahr aus und hat bis zum Herbst seine endgültige Höhe erreicht. In den folgenden Jahren beschränkt sich das Wachstum auf den Austrieb belaubter Seitentriebe, abhängig von Art und Sorte. Über diesen Weg erzielen starkwüchsige Bambusarten innerhalb von acht bis zehn Jahren majestätische Höhen von sechs bis acht Metern – aber auch dieses Wachstum erfolgt stets innerhalb einer einzigen Saison.

Bester Zeitpunkt

Bambus ist von Natur aus gut schnittverträglich. Vereinzelte, störende Halme können Sie während der gesamten Saison bedenkenlos abschneiden. Haben Sie dem opulenten Ziergras hingegen einen umfassenden Schnitt verordnet, rückt das Frühjahr in den Fokus. Mit Blick auf die bedingte Winterhärte frischer Halme, sollte die Hauptfrostperiode beendet sein, wenn Sie Bambus verschneiden. Kurz bevor in Ihrer Region das Pflanzenwachstum beginnt, ist der beste Zeitpunkt für die Schnittpflege.

Lassen Sie sich bitte nicht dazu verleiten, Ihrem Bambus im Spätherbst mit Schere oder Säge zu Leibe zu rücken. Gemäß den Gesetzen des Wachstums bewirkt jeder Schnitt einen mehr oder minder starken Austrieb. So kurz vor dem Winter haben krautige Halme strengem Frost nichts entgegenzusetzen und frieren zurück. Daraus entstehende Fäulnis zieht den gesamten Bambus in Mitleidenschaft.

Flachrohrbambus schneiden

Flachrohrbambus (Phyllostachys) begeistert mit grünen, gelben, rötlich-braunen oder schwarzen Halmen, die Farbe ins Gartenbild bringen. Es sind die drei- bis vierjährigen Stiele, deren Färbung in ganzer Pracht erstrahlt. Ältere Halme zollen der Vergänglichkeit Tribut, indem ihre Farben verblassen und die Blätter verwittern. Nach acht bis zehn Jahren hat ein Bambus-Halm seinen Zenit überschritten und stirbt sukzessive ab. Parallel dazu treiben in jeder Saison junge Halme aus, sodass ein kontinuierlicher Verjüngungsprozess stattfindet. Mit einer planvollen Schnittpflege wirken Sie unterstützend auf die Entwicklung ein. So machen Sie es richtig:

  • Flachrohrbambus jedes Jahr teilweise auslichten
  • Abgestorbene Stängel am Ansatz wegschneiden
  • Ein Drittel oder ein Viertel der alten, verblassenden Halme bodeneben abschneiden

Einen massiv verholzten Bambus-Halm meistern Sie mit einer stabilen Zweihand-Astschere, die idealerweise über ein kraftverstärkendes Ratschengetriebe verfügt. Alternativ verwenden Sie eine handliche Klappsäge mit japanischer Zähnung. Regelmäßiges Auslichten sorgt dafür, dass Ihr Bambus lichtdurchflutet gedeiht, damit junge Halme besser ausfärben und zahlreiche belaubte Seitentriebe hervorbringen.

Bambus Rückschnitt

Lichten Sie Ihren Bambus in jedem Frühjahr aus. Abgestorbene Halme schneiden Sie bodeneben ab. Mindestens ein Drittel alter, verblasster Stängel müssen ebenfalls weichen, um Platz zu machen für einen frischen, farbenfrohen Austrieb.

Exkurs

Wurzelsperre dämmt Ausbreitung ein

Beim Kauf von Ausläufer-bildenden Bambus-Sorten gehört eine stabile Wurzelsperre in den Warenkorb. Die optimale Länge einer Rhizomsperre richtet sich in erster Linie nach der zu erwartenden Wuchshöhe. Als grobe Faustregel legen Sie für die Länge der Wurzelsperre die Hälfte der zu erwartenden Höhe zugrunde. Heben Sie einen 65 bis 70 Zentimeter tiefen Graben aus, um darin das unverrottbare Geotextil zu verlegen. Beide Enden sollten sich 10 Zentimeter überlappen und werden mit einer Alu-Schiene verbunden. Wichtig zu beachten ist, dass die Rhizomsperre einige Zentimeter herausschaut. Andernfalls könnten Bambuswurzeln die Barriere überwandern.

Schirmbambus schneiden

Schirmbambus (Fargesia) gibt Anlass für einen Schnitt mit seinen dichten Horsten. Hat der Winter reichlich Schnee im Gepäck, neigen die Horste dazu, im Frühjahr auseinanderzufallen. Schneedruck hat den Bambus derart geschwächt, dass ein kräftiger Regenguss genügt, damit sich etliche Halme neigen und unschön aus der Form ragen. Eingliedern lassen sich die Störenfriede dann nicht mehr. Ursache sind die vergleichsweise geringen Halmdurchmesser, die das hohe Blattvolumen nicht mehr tragen. So beheben Sie das Problem im Rahmen der Schnittpflege:

  • Schneedruck-geschädigte Halme um ein Drittel oder die Hälfte zurückschneiden
  • Abgestorbene, überalterte Stängel bodeneben auslichten

Infolge des verringerten Gewichtes richten sich eingekürzte Halme von selbst wieder auf. Obschon die Stängel die eingebüßte Höhe nicht mehr aufholen, tragen sie mit zahlreichen beblätterten Seitentrieben immerhin bei zu einem dichten, lückenlosen Bambus-Horst.

Tipps

Verholzte Bambushalme eignen sich perfekt, um frisch gepflanzte Bäume oder windwurfgefährdete Stauden abzustützen. Kurze Halmstücke machen sich nützlich als Markierung für Pflanzstellen im Zier- und Nutzgarten.

Bambus-Hecke schneiden

Beim Schneiden einer Bambus-Hecke sollten Sie stets das besondere Wachstum bedenken. Im Gegensatz zu einer Hecke aus Sträuchern, wachsen Bambus-Halme nach einem Schnitt nicht wieder in die Höhe. Verschneiden Sie folglich die Stängel nicht kürzer, als Sie sich die Heckenhöhe wünschen. Mit einem cleveren Stufenschnitt optimieren Sie den Sichtschutzfaktor. So absolvieren Sie den richtigen Schnitt einer Bambus-Hecke:

  • Vorab alle abgestorbenen Halme auslichten
  • Halme in der Heckenmitte auf die erwünschte Höhe zuschneiden
  • Halme auf der Vorder- und Rückseite etwas kürzer stutzen

Im Verlauf der Jahre unterziehen Sie primär die neuen Halme einem Formschnitt, damit sie sich harmonisch ins Heckenprofil integrieren. Sofern sich Schirmbambus zu einer Hecke formiert, kann es zu Schäden infolge von Schneedruck kommen, wie bei solitären Horsten. Kürzen Sie betroffene Halme mit einer Ast- oder Heckenschere so ein, dass sie nicht mehr aus der Heckenform ragen.

Hintergrund

Saftstau fördert dichte Seitenbelaubung

Damit eine Bambus-Hecke zuverlässig neugierige Blicke abwehrt, kommt es auf eine dichte Seitenbelaubung an. Indem Sie einen Halm einkürzen, bewirken Sie unterhalb der Schnittstelle einen Saftstau. Bislang ruhende Augen werden munter und treiben fleißig aus. Kürzen Sie beim stufigen Formschnitt Ihrer Bambus-Hecke die äußeren Halme ein wenig mehr ein, als Halme im Heckeninneren. Daraufhin treiben auch im unteren Bereich zahlreiche Blätter aus für einen perfekten Sichtschutz bis in Bodennähe.

Zwerg-Bambus gelegentlich verjüngen

In der kreativen Gestaltung asiatischer Gärten steht Zwergbambus (Pleiobastus pymaeus) hoch im Kurs als immergrüner Bodendecker. Sofern sein invasiver Charakter mithilfe von Wurzelsperren im Zaum gehalten wird, erweist sich die kleine Bambusart als pflegeleicht.

Gegen den natürlichen Alterungsprozess ist Zwergbambus ebensowenig gefeit, wie seine großen Brüder. Wenn die Halme absterben und die Blätter verblassen, bringen Sie Schwung ins Wachstum mit einem Auslichtungsschnitt. Wahlweise schneiden Sie überalterte Partien heraus oder Sie führen einen vollständigen, bodennahen Rückschnitt durch. Dank einer vitalen Wuchskraft können Sie sich auf einen kräftigen, frischen Austrieb verlassen.

Formschnitt an Bambus – geht das?

Gutmütige Schnittverträglichkeit und imposante Wuchskraft qualifizieren zahlreiche Bambus-Arten und Sorten für den Formschnitt. Gerne verleihen kreative Hausgärtner ihrem Schirmbambus eine kugelige Gestalt. Ein welliger Hecken-Formschnitt lässt sich mit mannigfaltigen Fargesia-Sorten ausgezeichnet realisieren. Zu diesem Zweck sollten Sie mehrmals pro Saison die Schere kreisen lassen. Gewähren Sie Ihrem Bambus zunächst ein oder zwei Jahre, um sich am Standort zu etablieren.

Den ersten Schnitt absolvieren Sie im Frühjahr, bevor die neuen Blätter sprießen. Erst wenn Ihr Bambus vollständig beblättert ist, führen Sie den zweiten Schnitt durch. Nach weiteren vier bis sechs Wochen vollenden Sie den diesjährigen Formschnitt. Im Folgejahr genügt es, wenn Sie sich dem Neuaustrieb widmen, um diesen in die gewünschte Silhouette zu bringen.

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Häufig gestellte Fragen

Sollte Bambus mit einer Wurzelsperre gepflanzt werden?

Nicht jeder Bambus sendet seine Wurzeln aus, um den Garten zu erobern. Verschiedene Arten und Sorten gedeihen als Horste und verzichten auf ein invasives Wachstum mit Ausläufern. Zu den friedlichen Bambus-Arten zählen insbesondere alle Fargesia-Sorten. Planen Sie die Pflanzung von Phyllostachys-Bambus, ist die Verwendung einer Rhizomsperre dringend angeraten.

Ist Bambus winterhart?

Für Garten und Balkon geeignete Bambus-Sorten sind zumeist winterhart. Temperaturen bis – 26 Grad Celsius tolerieren gut verwurzelte Exemplare im Beet sehr gut. Lediglich eine Schattierung gegen Sonneneinstrahlung ist ratsam, um Trockenstress vorzubeugen. Eine Ausnahme gilt für Bambus im Kübel. Die exponierte Position des Wurzelballens macht ihn angreifbar für frostige Temperaturen. Idealerweise räumen Sie die Pflanzen rechtzeitig ein. Alternativ umwickeln Sie Kübel mit Vlies oder Luftpolsterfolie und schieben einen Holzblock darunter.

Muss ich einen Schirmbambus nach dem Einpflanzen schneiden und für den Winter zusammenbinden?

Weder noch. Bei Bambus handelt es sich um ein Ziergras und kein Gehölz. Ein Pflanzschnitt zur Förderung der Verzweigung ist nicht erforderlich. Damit Schirmbambus wohlbehalten die kalte Jahreszeit übersteht, empfehlen wir im ersten und zweiten Jahr ein Schattiernetz zum Schutz vor Trockenstress bei praller Wintersonne.

Ich möchte meine Bambus-Hecke unterpflanzen mit kleinen Ziergräsern. Welche Sorten sind geeignet?

Als Unterpflanzung sehr zu empfehlen sind die Japan-Segge (Carex morrowii), speziell die Sorte ‘Aureovariegata’ sowie die Weißrandige Segge (Carex foliosissima) ‘Icedance’. Dekorativ zu Füßen einer Bambus-Hecke liegen fernerhin die Teppich-Zwergmispel ‘Radicans’, Bodendecker-Kirschlorbeer (Lonicera pileata) oder die Niedrige Kranzspiere (Stephanandra incisa) ‘Crispa’.

Kann ich Bambus oben abschneiden, wenn er zu hoch wächst?

Das ist problemlos möglich. Bester Zeitpunkt ist im Frühjahr, kurz vor Austriebsbeginn. Allerdings sollten Sie sich über die endgültige Höhe im Klaren sein, weil einmal eingekürzte Halme nicht mehr in die Höhe wachsen.

Unsere beiden Schirmbambus sind nach einem strengen Winter hellgrün, werfen Blätter ab und rollen das übrige Laub ein. Sind die Pflanzen erfroren? Was können wir tun?

Abwurf und Einrollen von Blättern nach dem Winter ist kein Grund zur Sorge. Strenger Frost verursacht an Bambus Trockenstress. Die immergrünen Blätter verdunsten weiterhin Wasser, ohne dass die Wurzeln im gefrorenen Boden für Nachschub sorgen können. Folglich verkleinert Schirmbambus die Verdunstungsfläche, indem er seine Blätter einrollt. Starker Kahlfrost veranlasst die Pflanze, einige Blätter abzuwerfen. Pünktlich zum Beginn des Frühjahrs treiben frische Halme aus dem Wurzelballen aus und die Blätter rollen wieder auf.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Wer Bambus über einen Kamm schert mit herkömmlichen Gräsern, unterliegt beim Schneiden einem der häufigsten Irrtümer. Weitere häufige Pannen beruhen auf einer ungeeigneten Terminwahl sowie dem vollkommenen Verzicht auf einen Schnitt. Folgende Tabelle fasst die drei häufigsten Schnittfehler zusammen mit Hinweisen zum Schadbild und einer gekonnten Vorbeugung:

SchnittfehlerSchadbildVorbeugung
wie herkömmliches Ziergras radikal zurückgeschnittenTotalausfallgelegentlich auslichten, nur bei Bedarf einkürzen
nie geschnittenvorzeitige Alterung mit verblassenden Halmenüberalterte, blasse Halme auslichten
im Herbst geschnittenFrostschädenBambus im Frühjahr schneiden

Tipps

Heiliger Bambus oder Himmelsbambus steht in keiner botanischen oder gärtnerischen Verbindung mit echtem Bambus. Tatsächlich handelt es sich um einen immergrünen, unbewehrten Blütenstrauch aus der Familie der Berberitzgewächse. Nandina domestica wird 150 bis 200 cm hoch, blüht im Frühsommer und trägt roten Beerenschmuck im Herbst. Der Name nimmt Bezug auf seine häufige Verwendung in japanischen Tempelgärten.

Text: Paula Jansen

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