Das Gesetz der Spitzenförderung verstehen und anwenden – so geht es

Die Spitzenförderung gehört zu den drei wichtigsten Wachstumsgesetzen. Kennen sich Hausgärtner mit der Gesetzmäßigkeit aus, können sie genau vorhersagen, wie ein Strauch oder Baum auf die angewandte Schnitt-Technik reagiert. Dieser Ratgeber erklärt, was es mit dem Gesetz der Spitzenförderung auf sich hat und wie Sie Ihr neues Wissen richtig einsetzen.

spitzenfoerderung
Die Spitzen haben die meiste Kraft in sich

Spitzenförderung – Definition mit Erläuterungen

In der Kurzfassung lautet das Gesetz der Spitzenförderung:

  • Die Spitzenknospe hat die stärkste Wuchskraft, sie treibt kräftiger aus, als tiefer stehende Knospen.

Die Knospe an der Spitze eines einjährigen Triebs erhält die meisten Nährstoffe. Aus diesem Grund treibt sie stärker aus, als alle anderen Knospen entlang des Triebs und bildet zugleich den längsten Neutrieb. Je größer der Abstand einer Knospe zur Spitze, desto geringer die Nährstoffversorgung und kürzer der Neutrieb.

Was bedeutet die Spitzenförderung für die Praxis im privaten Garten?

Werfen Sie bitte einen Blick auf untenstehende Abbildung. Links sehen Sie einen einjährigen, unverzweigten Langtrieb. In A ist dokumentiert, wie sich dieser Langtrieb nach einem Jahr entwickelt hat, wenn er nicht geschnitten wird. Aus der Spitzenknospe schießt ein kräftiger Neutrieb gen Himmel. Aus den tiefer gelegenen Knospen sprießen zusehends kürzere Triebe, je tiefer die Knospenposition.

In engem Zusammenhang mit dem Spitzenförderungsgesetz steht die Wirkung des Saftdrucks auf das Wachstum. Dieser kommt zum Tragen, sobald Sie einen Trieb schneiden. Bleiben wir weiterhin bei untenstehendem Bild. Der Trieb in B wurde im Februar um ein Drittel zurückgeschnitten. Wiederum wirkt sich das Gesetz der Spitzenförderung so aus, dass aus den oberen Knospen die längsten Triebe gedeihen. Da sich die Anzahl der Knospen reduziert hat, stehen mehr Reservestoffe für jede Knospe zur Verfügung. Dieser Umstand führt dazu, dass die Neutriebe länger werden, wobei der Spitzentrieb das längste Wachstum aufweist.

In C ist dokumentiert, dass der Austrieb umso kräftiger ist, je stärker Sie schneiden. Die gesamte Energie wird in wenige Knospen investiert, woraufhin sich sehr lange Triebe bilden. Nach kurzem Blüten- oder Fruchtholz werden Sie hier vergeblich Ausschau halten.

Knospen schneiden

Am ungeschnittenen Zweig treibt die Spitzenknospe am stärksten aus (A). Je kräftiger der Rückschnitt, desto stärker das Wachstum aus den obersten Knospen (B, C)

Zusammenspiel aus Spitzenförderung und Saftdruck – Fazit

In der Schnittpflege von Obstgehölzen hängen die Gesetzmäßigkeiten von Spitzenförderung und Saftdruck eng zusammen. Als Fazit der oben dargestellten Wechselbeziehung ist festzuhalten:

  • Starker Rückschnitt fördert das Wachstum in die Höhe
  • Schwacher Rückschnitt reduziert die Wuchskraft zugunsten der Blüten- und Fruchtholzbildung

Wenn Sie einen Strauch oder Baum wiederholt stark zurückschneiden, entsteht ein Ungleichgewicht zwischen dem ungeschnitten Wurzelvolumen und den geschnittenen Trieben. Der starke Saftdruck führt zu einem starken Wachstum, sodass lange, unansehnliche Schosse entstehen und die kompakte Form verloren geht.

Tipps

Das Gesetz der Spitzenförderung spielt eine wichtige Rolle bei der Erziehung von Blütensträuchern zu Hochstämmchen. Die Spitze des Mitteltriebs wird erst dann gekappt, wenn sie mindestens 3 bis 5 Knospen über der erwünschten Kronenhöhe thront. Schneiden Sie die Spitzenknospe zu früh weg, wird das Hochstämmchen niemals die vorgesehene Höhe erreichen.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: Adam Radosavljevic/Shutterstock

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