Die drei Gesetze des Wachstums an Laubbäumen

Die drei Gesetze des Wachstums zu verstehen, ist für die fachgerechte Schnittpflege an Laubbäumen von entscheidender Bedeutung. Mit den Gesetzmäßigkeiten vertraute Hausgärtner können vorhersagen, wie ein Zier- und Obstbaum auf die jeweilige Schnittart reagieren wird. Kurz gesagt, beschreiben die Wachstumsgesetze, wie sich der Energiefluss im Baum auf die einzelnen Knospen verteilt. Je stärker eine Knospe mit Reservestoffen bedacht wird, desto kräftiger der Austrieb. Daraus folgt, je sattelfester der Gärtner in den Wuchsgesetzen, desto erfolgreicher seine Schnittpflege.

wachstumsgesetze
Das Wachstum zu kennen ist wichtig, um professionell zurückzuschneiden

Gesetz der Spitzenförderung mit Erläuterungen

Kurzfassung: Das Wachstum ist in den Triebspitzen am stärksten. Je höher eine Endknospe am Ast positioniert ist, desto stärker treibt sie aus.

Das Gesetz der Spitzenförderung gilt für den gesamten Baum und einen einzelnen Trieb gleichermaßen. Je höher sich ein Ast in der Hierarchie befindet, desto intensiver schreitet sein Wachstum voran. An der Spitze von Stammverlängerung, Leitast und Seitenast ist immer der kräftigste Austrieb zu verzeichnen. Weiter unten in der Krone positionierte Äste sowie weiter unten am Ast stehende Knospen treiben proportional schwächer aus. Untenstehende Abbildung verdeutlicht die Gesetzmäßigkeit am aufrecht stehenden Seitentrieb. Mit dieser Strategie verfolgt ein Baum das Ziel, den Kampf um die optimale Lichtausbeute gegen benachbarte Pflanzen zu gewinnen.

Wachstumsgesetze Triebe

Am aufwärts gerichteten Zweig wird die Spitzenknospe begünstigt und treibt am stärksten aus. In Richtung der Triebbasis wird der Austrieb aus den Knospen sukzessive schwächer.

Gesetz der Oberseitenförderung mit praxisbezogenen Hinweisen

Kurzfassung: An schräg stehenden Trieben treiben Knospen schwächer aus. Auf der Oberseite ist der Austrieb stärker, als auf der Unterseite eines Triebs.

Befindet sich ein Ast in Schrägstellung, verteilt sich der Saftdruck gleichmäßiger, als an einem steil aufwärts gerichteten Ast. In diesem Fall hat das Spitzenförderungsgesetz keine Gültigkeit mehr. Jetzt profitieren alle Knospen auf der Oberseite eines Zweigs von der breiter angelegten Nährstoffverteilung. Diese Augen werden gegenüber den Augen auf der Unterseite bevorzugt, weil sie dem Licht näher sind.

Die vorhandene Energie reicht in der Regel nur aus, um Kurztriebe zu bilden. Für die Bildung von wertvollem Fruchtholz ist das Wuchsgesetz von entscheidender Bedeutung. Obstgärtner binden Triebe in eine waagerechte Position, um die Bildung von Fruchtholz zu fördern. Untenstehende Abbildung dokumentiert, wie die Oberseitenförderung sich am schrägen Trieb auswirkt.

Rückschnitt Wachstum Oberseite

Am schräg nach oben gerichteten Trieb verteilen sich die Reservestoffe auf den gesamten Ast. An Knospen auf der Oberseite setzt ein stärkeres Wachstum ein, als auf der Unterseite.

Gesetz der Scheitelpunktförderung mit Anmerkungen

Kurzfassung: An bogig überhängenden Ästen wachsen aus den Knospen im Scheitelpunkt die kräftigsten Triebe.

An mehrere Jahre alten Sträuchern verzweigen sich die Triebe immer mehr, woraufhin sie sich gen Boden neigen. Ähnlich ergeht es den abgetragenen, mehrjährigen Fruchtästen eines Obstbaums. In dieser Phase rückt das Gesetz der Scheitelpunktförderung in den Fokus, wenn Sie die Gehölze schneiden. Da Strauch und Baum stets bemüht sind um ein Wachstum zum Licht, treiben die Knospen im Scheitelpunkt erkennbar kräftiger aus. Schneiden Sie das alte Holz genau dort ab, wo der junge Trieb gedeiht, haben Sie alles richtig gemacht.

Scheitelpunkt fördern Rückschnitt

Hängt ein mehrjähriger Trieb bogig über, erhalten die Knospen in der Spitze kaum noch Nährstoffe. Die Knospen im Scheitelpunkt treiben nunmehr am stärksten aus.

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Tipps

Das Gesetz der Spitzenförderung ist eng verknüpft mit dem Prinzip der Saftwaage. Ein junger Baum bildet nur dann eine harmonische Krone, wenn sich die Spitzenknospen seiner Leittriebe auf gleicher Höhe befinden. Zusammen mit der Spitzenknospe der Stammverlängerung sollten die Gerüsttriebe einen Winkel von 90 bis 120 Grad bilden.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: photowind/Shutterstock

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