Wichtige Schnittarten in der Gehölzpflege – ein Überblick

Der gekonnte Pflanzenschnitt gilt als Königsdisziplin im Hausgarten. Vornehmlich Sträucher und Bäume profitieren davon, wenn sich der Gärtner auf die richtige Schnittführung versteht. Da jede Pflanze im Verlauf der Jahre einer kontinuierlichen Veränderung unterliegt, gibt es für die verschiedenen Entwicklungsphasen adäquate Schnittmaßnahmen. Dieser Überblick informiert Sie über alle wichtigen Schnittarten in der privaten Gehölzpflege.

schnittarten
Welche Schnittart ansteht, hängt von verschiedenen Kriterien ab

Pflanzschnitt stellt die Weichen für ein vitales Wachstum

Nach dem Pflanzen von Sträuchern oder Bäumen zielt ein Schnitt ab auf ein zügiges Wachstum neuer Wurzeln und Triebe. Der Umfang des Rückschnitts hängt davon ab, ob es sich um laubabwerfende oder immergrüne Gehölze handelt. Die wichtigsten Unterschiede bei der Schnittführung stellen wir im Folgenden näher vor:

Wurzelnackte Gehölze

Sträucher und Bäume, die ihr Laub vor dem Winter abwerfen, werden zwischen November und März als preisgünstige wurzelnackte Ware angeboten und gepflanzt. Bei der Rodung in der Baumschule ging ein Teil der Wurzeln verloren oder wurde beschädigt, sodass die bestehenden Jungtriebe nicht mehr vollständig versorgt werden können. Ein Pflanzschnitt stellt das Gleichgewicht wieder her zwischen unterirdischem und oberirdischem Wachstum. Schneiden Sie beschädigte, abgestorbene und trockene Wurzeln ab. Anschließend verkürzen Sie alle Triebe um ein Drittel.

Containerpflanzen

Jungpflanzen im Container können ganzjährig gepflanzt werden, solange der Boden nicht gefroren ist. Da diese Sträucher und Bäume über einen vollständigen Wurzelballen verfügen, fällt der Pflanzschnitt moderater aus, als bei wurzelnackten Gehölzen. Lediglich schwache und beschädigte Äste werden herausgeschnitten. An blühenden Sträuchern entfällt der Pflanzschnitt ganz, sofern sie kurz vor oder während der Blütezeit eingepflanzt werden. Erst wenn die Blüten verwelkt sind, können lädierte Triebe abgeschnitten werden.

Aufbauschnitt dirigiert das Wachstum in die optimale Form

In den ersten Jahren fungiert die Gartenschere als Taktstock für das ideale Wachstum von Zier- und Obstgehölzen. Daher wird der Aufbauschnitt häufig auch als Erziehungsschnitt bezeichnet. Diese Schnittart ist im Obstanbau von größerer Bedeutung, als in der Kultivierung von Ziersträuchern. Die häufigsten Anlässe haben wir im Folgenden für Sie zusammengetragen:

  • Obstbäume: in den ersten 10-15 Jahren für den Aufbau einer stabilen Kronenform
  • Beerensträucher: Erziehung als Busch oder Spindel, am Spalier oder Rankgerüst, als Hoch- oder Fußstämmchen
  • Immergrüne Laubsträucher und Koniferen: Aufbau zur dichten Hecke mit Sichtschutzfaktor

Die meisten Blütensträucher bilden in Eigenregie eine harmonische Silhouette. Lediglich im Kübel oder im kleinen Garten können Sie mittels Aufbauschnitt die Anzahl der Gerüsttriebe beschränken. Ausgeprägt schnittverträgliche Blütengehölze empfehlen sich für die Erziehung zum Hochstämmchen, wie die wunderbare Rispenhortensie.

Auslichtungsschnitt – Garant für ein langes, vitales Pflanzenleben

Ohne einen Schnitt sind Sträucher und Bäume früher oder später nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ausbleibende Schnittpflege mündet in einer vorzeitigen Vergreisung, dem Wegfall der Blütenpracht und in enttäuschenden Obsterträgen. Ein Auslichtungsschnitt gehört daher für jedes Gehölz zum erfolgreichen Pflegeplan.

An Blütensträuchern genügt es bereits, wenn Sie regelmäßig abgestorbene, kümmerliche und nach innen gerichtete Bodentriebe am Ansatz abschneiden. Ähnlich verfahren Sie mit den Kronen von Laubbäumen, die der Zierde des Gartens dienen. An Obstbäumen und Beerensträuchern verfolgt der Auslichtungsschnitt zusätzlich das Ziel, abgetragene Fruchttriebe zu entfernen und junges Fruchtholz zu fördern. Die spezielle Variante des Auslichtungsschnitts wird als Fruchtholzschnitt bezeichnet.

Nimmt ein Strauch oder Baum raumgreifende Dimensionen an, ergänzt die Schnitt-Technik der Ableitung den Auslichtungsschnitt. Indem Sie zu lange Triebe zurückschneiden bis auf eine jüngere Verzweigung, wird das Gehölz verschlankt und nicht verstümmelt. Vor allem langsam wachsende und Schnitt-empfindliche Pflanzen sind die Nutznießer des sachkundigen Ableitungsschnitts.

Sonderfall: Formschnitt zu grünen Skulpturen

Immergrüne Laubsträucher sind prädestiniert für den künstlerischen Formschnitt. Mit viel Geduld und Fantasie verwandeln sich Buchsbaum und Kollegen in Kugeln, Pyramiden, Kegel oder komplexere Formen. Schablonen verhelfen dem Einsteiger zum perfekten Formschnitt. Könner schneiden freihändig.

Verjüngungsschnitt dreht das Rad der Zeit zurück

Vernachlässige Sträucher und Bäume werden revitalisiert mit einem radikalen Verjüngungsschnitt. Im Prinzip handelt es sich um einen erweiterten Auslichtungsschnitt, bei dem alles Totholz konsequent entfernt wird. Die verbliebenen Triebe an Sträuchern schneiden Sie – je nach Art und Sorte – zurück bis auf 10 bis 30 Zentimeter. Kronen von Laubbäumen und Kernobstbäumen werden verjüngt, indem die Leitäste stark eingekürzt werden, um einen Neuaufbau einzuleiten.

Unter den Schnittarten ist der Verjüngungsschnitt ein brisantes Thema, weil Pflanzen sehr unterschiedlich darauf reagieren. Bevor Sie Ihren Strauch oder Baum dieser tiefgreifenden Schnittmaßnahme unterziehen, informieren Sie sich bitte ausführlich über die artkonforme Vorgehensweise.

Tipps

In Sachen Schnitt-Termin hat das Bundesnaturschutzgesetz Mitspracherecht. Im Paragrafen 39 (BNatSchG) ist präzise festgelegt, dass radikale Schnittmaßnahmen an Gehölzen aller Art beschränkt sind auf die Zeit vom 1. Oktober bis 1. März. Zum Schutz wildlebender Tiere dürfen während der Schonfrist von Anfang März bis Ende September lediglich leichte Pflegeschnitte vorgenommen werden.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: Julia Sudnitskaya/Shutterstock

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