Maikäferlarve im Porträt – Tipps zu Bekämpfung und Vorbeugung

Seit jeher ist das Verhältnis zwischen Mensch und Maikäferlarve mit Konflikten belastet. Bis sich die Larven in fliegende Frühlingsboten verwandeln, ziehen sie sich als gefräßige Engerlinge den Unmut zu von Gärtnern und Landwirten. Dieser Ratgeber beleuchtet ökologische Bekämpfungsmaßnahmen, gibt Tipps für eine effektive Vorbeugung und wirft einen Blick auf den Werdegang eines Maikäfers.

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Maikäferlarven sind im Garten nicht besonders beliebt

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Maikäferlarve gilt als schädlich, weil ihre Nahrung aus Pflanzenwurzeln besteht.
  • Massenvorkommen mit verheerenden Schäden gehören der Vergangenheit an.
  • Lokalen Befall mit Maikäfer-Engerlingen bekämpfen Nematoden ohne Gift. Ökologische Gartenpflege ist die beste Vorbeugung.

Maikäferlarve – Schädling oder Nützling?

Ihren schlechten Ruf hat die Maikäferlarve ihrem Speisezettel zu verdanken. Wesentlicher Bestandteil der Nahrung von Maikäfer-Engerlingen sind Pflanzenwurzeln aller Art. Zwischen drei und fünf Jahre seiner Entwicklung verbringt ein Engerling tief im Boden und futtert Wurzeln. Dieser unseligen Ernährung verdankt die Maikäferlarve ihren Status als Schädling. Dramatische Ernteeinbußen oder ernsthafte Waldschäden sind erst zu beklagen bei Massenaufkommen mit einer Population von 100 bis 200 Larven je Quadratmeter.

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Die Zeiten verheerender Schäden durch Maikäferlarven sind freilich längst vorbei. Vielerorts haben nur die Großeltern noch eine Maikäfer-Plage miterlebt. Bis in die 1960er Jahre gab es in einem sogenannten Maikäferjahr sogar schulfrei, damit die Kinder Käfer und Larven einsammeln konnten. Heute kennen Kinder und junge Erwachsene die Käfer vielleicht noch aus “Max und Moritz” von Wilhelm Busch oder als Sumseman aus “Peterchens Mondfahrt”.

Punktueller Befall nicht ausgeschlossen

Lokal bereiten Maikäferlarven dem Hobbygärtner Kopfzerbrechen, wenn sich im Beet oder unter dem Rasen Nester bilden mit einem dichten Gewimmel aus Engerlingen. Erkennbar ist ein Befall am kümmerlichen Wachstum von Stauden, Sträuchern und Bäumen. Im Rasen erscheinen gelbe Flecken, die sich sukzessive vergrößern und eintrocknen. Vor diesem Hintergrund ist es für betroffene Gärtner nur ein schwacher Trost, dass Maikäferdamen vor allem solche Gartenböden als Kinderstube bevorzugen, die ökologisch vorbildlich bewirtschaftet werden.

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Maikäferlarven bekämpfen mit Nützlingen – So geht es

Haben Sie eine einzelne Maikäferlarve gefunden? Dann ist dies ein Anlass, das Beet oder den Rasen gründlich abzusuchen nach weiteren Exemplaren. Wenn Sie eine größere Anzahl Engerlinge finden oder ganze Nester unter dem Rasen aufstöbern, sind Bekämpfungsmaßnahmen eine Option. Damit sich der Befall nicht zur Plage ausweitet, ist der Griff zum chemischen Gift nicht nötig. Stattdessen greifen Sie zurück auf die schlagkräftige Schützenhilfe von Fadenwürmern der Gattung Heterorhabditis. So bekämpfen Sie Maikäferlarven mit Nützlingen:

  1. Bester Zeitpunkt für die Bekämpfung ist 6-8 Wochen nach der Flugzeit
  2. Nematoden frisch kaufen (z. B. 12 Mio. für 24 m²) sowie Gießbalken zum Ausbringen mit der Gießkanne
  3. Nematoden im Tongranulat in Wasser auflösen gemäß Anleitung des Lieferanten
  4. befallene Fläche begießen mit Nematoden-Wasser
  5. behandelten Boden konstant leicht feucht halten für 6 bis 8 Wochen
  6. Beet oder Rasen vorher und nachher nicht kalken (Düngen stört Fadenwürmer nicht)

Die etwa 1 mm kleinen Nematoden machen sich aktiv auf die Suche nach Maikäferlarven und dringen in die Körper ein. Dort geben die Nützlinge ein Bakterium ab, das für die Engerlinge giftig ist. Innerhalb von 2 bis 3 Tagen sind die Larven vernichtet. Dabei haben die Fadenwürmer Engerlinge von Maikäfer und Junikäfer gleichermaßen im Visier. Verpuppte Larven sowie erwachsene Käfer gehören nicht zum Beuteschema der Nematoden.

Nur mit Notfallzulassung – Bodenpilz killt Maikäferlarven

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Pilzinfektionen töten Maikäfer qualvoll

Auf der Suche nach Alternativen zu DDT und anderen Giften gegen Maikäferlarven wurden die Wissenschaftler fündig bei den Bodenpilzen. Beauveria brongniartii macht sich seit mehr als 100 Jahren nützlich im Kampf gegen Massenaufkommen von Engerlingen und Maikäfern. Der Pilz infiziert seinen Wirt mit Sporen, was weder Larven noch adulte Käfer überleben.

Ausgebracht wird das Bekämpfungsmittel in Form von Getreidekörnern, die mit dem Pilz umwachsen sind. In 5 bis 10 Zentimetern Bodentiefe bilden sich die Sporen und infizieren vorhandene Maikäferlarven. In Deutschland erfordert die Anwendung des Mittels bislang noch eine Notfallzulassung. In Österreich ist das Präparat gegen Vorlage eines Pflanzenschutzausweises erhältlich. Die Schweiz hat das Mittel freigegeben für die Anwendung im Klein- und Hausgarten.

Exkurs

Rosenkäferlarve oder Maikäferlarve?

Mit ihren metallisch grün glänzenden Flügeln sind Rosenkäfer eine Augenweide. Das schmucke Erscheinungsbild macht die Identifizierung der edlen Käfer selbst für den Laien zum Kinderspiel. Problematischer ist die Unterscheidung zwischen Rosenkäferlarve und Maikäferlarve. Beide Arten zählen zur Familie der Blatthornkäfer und sehen sich auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich. Diese Ähnlichkeit endet für die geschützten Engerlinge des Rosenkäfers tragisch. Der Fundort gibt einen wichtigen Hinweis darauf, welche Larve Sie im Garten entdeckt haben. Die Rosenkäferlarve lebt vorzugsweise im Kompost, weil ausschließlich abgestorbene, sich zersetzende Pflanzenteile auf ihrem Speiseplan stehen. Die Maikäferlarve besiedelt den Boden unter Beet und Rasen, um an den Wurzeln von Sträuchern, Bäumen, Stauden, Gräsern und Gemüse zu knabbern.

Vorbeugung ist die beste Bekämpfung

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Igel lieben Larven und Engerlinge

Eine gezielte Vorbeugung kann die direkte Konfrontation mit Maikäferlarven erfolgreich vermeiden. Zu diesem Zweck steht ein breit gefächertes Spektrum wirksamer Methoden zur Verfügung, damit Maikäferweibchen ihre Eier erst gar nicht im Beet oder Rasen ablegen. So gelingt es:

Insektenschutznetze

Nach dem letzten Frost fällt der Startschuss für die Hauptflugzeit von Maikäfern. Jetzt verlassen die fertigen Käfer ihre Puppenhülle, in deren Schutz sie den Winter verbrachten. Männchen und Weibchen fackeln nicht lange mit der Familiengründung. Innerhalb kurzer Zeit sind die geflügelten Mädels begattet und auf der Suche nach einem Standort für die Eiablage. Indem Sie den Garten mit Insektenschutznetzen überziehen, machen Sie den Käferdamen einen Strich durch die Rechnung. Im Zuge der Klimaerwärmung sollte bereits für Anfang/Mitte April die Vorbeugungsmaßnahme im Terminkalender notiert sein.

Natürliche Feinde anlocken

Zu den erklärten Feinden von Maikäfer-Engerlingen zählen Maulwurf, Igel, Dachs, Star und Krähe. Zahlreiche weitere biologische Gegenspieler haben die saftigen Larven zum Fressen gern. Damit sich die Fressfeinde im Garten einfinden und Jagd machen auf die Maikäferlarve, sind passende Rahmenbedingungen vorteilhaft. Folgende Tipps & Tricks mögen Sie inspirieren für einen naturnahen Garten, in dem schädliche Maikäferlarven und andere Engerlinge schlechte Karten haben:

  • konsequenter Verzicht auf Pestizide
  • Gartengestaltung mit wilden Ecken, Laubhaufen, morschen Baumstämmen als Rückzugsorte
  • Misch- und Benjeshecken anlegen als Versteckmöglichkeiten für Nützlinge

Die Haltung von Hühnern und Laufenten zählt zu den effektivsten Bekämpfungsmethoden im naturnahen Garten. Pickende Hühner und emsige Laufenten entdecken jedes kleine Maikäfer-Ei und jeden Engerling im Nu. Positiver Nebeneffekt, Laufenten vereiteln die Pläne gefräßiger Nacktschnecken, sich über Blumen, Stauden und Gemüsepflanzen herzumachen.

Rasen vertikutieren

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Regelmäßiges Vertikutieren birgt einem Befall durch Engerlinge vor

Der Rasen ist für Maikäferweibchen ein beliebter Ort, um ihre Eier zu platzieren. Eine gepflegte Grünfläche mit dichter Grasnarbe ist allerdings bei den Käferdamen nicht gerne gesehen. Regelmäßiges Vertikutieren zählt zu den klugen Vorbeugungsmaßnahmen gegen Engerlinge, zumal der beste Termin in die Zeit der Eiablage fällt. Der Vertikutierer (76,01€ bei Amazon*) kämmt nicht nur Rasenfilz aus und macht Platz für kräftige Edelgräser. Bereits abgelegte Maikäfer-Eier werden ebenfalls vernichtet.

Rasenschutzgewebe

Wenn Sie einen Rasen neu anlegen, lohnt sich die Investition in ein Schutzgewebe zwischen Grobplanum und Feinplanum. Ratsam ist die Vorkehrung immer dann, wenn Sie oder Ihre Nachbarn schon einmal mit verstärktem Maikäfer-Aufkommen zu kämpfen hatten. Diese Vorbeugungsmaßnahme hat zwar ihren Preis. Im Gegenzug wehren Sie nicht nur Maikäferlarven ab. Weitere ungebetene Gäste, wie Maulwürfe, bleiben ebenfalls Ihrem Rasenteppich fern.

Hintergrund

Massenaufkommen alle 30 bis 45 Jahre

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass alle 30 bis 45 Jahre ein Massenaufkommen an Maikäferlarven zu verzeichnen ist. Wenn sich die Larven mit einer Population von 200 Engerlingen pro Quadratmeter im Waldboden tummeln und an Baumwurzeln knabbern, sterben betroffene Bäume flächendeckend ab. Allerdings sind Maikäfer-Plagen zumeist lokal zu beklagen, wie 2010 in einem südhessischen Landkreis. Dort griffen die Verantwortlichen zu einem chemischen Insektizid, um die Schädlinge zu bekämpfen. Das löste bundesweite Proteste von Naturschutzverbänden aus. Explizit der NABU (Naturschutzbund Deutschland) machte in einem viel beachteten Positionspapier bereits 2006 darauf aufmerksam, dass natürliche Regulationsmechanismen das Problem ebenso schnell aus der Welt schaffen, wie giftige Chemie.

Es gibt keine Maikäfer mehr…Vielleicht ängstigt mich ihr Fortgehen und vielleicht schließe ich daraus, die Maikäfer gehen uns nur ein kleines Stück voraus (Reinhard May)

Maikäferlarve im Porträt – Steckbrief zum Kennenlernen

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Maikäferlarven werden bis zu 5cm groß

Der Werdegang einer Maikäferlarve beginnt als winziges, 3 mm langes, gelblich gefärbtes Ei. Wenn nach 4 bis 6 Wochen aus dem Ei die Larve schlüpft, haben die Eltern längst das Zeitliche gesegnet. Männliche Maikäfer sterben unmittelbar nach der Begattung. Weibchen suchen mit Bedacht verschiedene Standorte aus, um 15 bis 100 Eier etwa 10 cm tief im Boden abzulegen. Mit dieser Arbeit haben Maikäferweibchen ihren Lebenszweck erfüllt und sterben ebenfalls. Folgender Steckbrief fasst wichtige Eigenschaften von Engerlingen zusammen:

Maikäferlarve 
InsektenfamilieBlatthornkäfer (Scarabaeidae)
GattungMaikäfer (Melolontha)
Größe3-5 cm
Körperformwalzenförmig, gekrümmt
Extremitäten3 Beinpaare vorne
Färbunghell bis creme mit braunem Kopf
Entwicklung3 bis 5 Jahre
Schlupf und Ausflugab Ende April/Anfang Mai
LebensraumBoden bis in 100 cm Tiefe
NahrungPflanzenwurzeln

Unmittelbar nach dem Schlüpfen aus dem Ei beginnen Maikäferlarven mit der Nahrungsaufnahme. In den ersten Tagen vertilgen die Engerlinge hauptsächlich Mulm und hauchzarte Wurzeln. Proportional zum Wachstum fressen die Larven an dickeren Wurzeln, die sie mithilfe von Wurzelausscheidungen ausfindig machen. Ein kräftiges Mundwerkzeug erlaubt es den nimmersatten Larven, sich an nahezu allen Pflanzenwurzeln im Erdreich zu vergreifen. Bei Trockenheit suchen Engerlinge tiefere Bodenschichten auf mit höherem Feuchtigkeitsgehalt. Feuchte Witterung lockt sie in höhere Schichten, allerdings nicht bis ans Tageslicht.

Tipps

Ein ganz anderes Kaliber, als Maikäferlarven, sind die Engerlinge vom Nashornkäfer. Mit einer Körperlänge von bis zu 12 Zentimetern, zählen Nashornkäferlarven zu den Giganten unter den Käfernachkommen. Zumeist ist Öko-Gärtnern mit eigenem Komposthaufen das Privileg vorbehalten, eine Nashornkäferlarve oder einen adulten Käfer zu bewundern.

Häufig gestellte Fragen

Sind Maikäferlarven giftig?

Hobbygärtner und Waldbesitzer kreiden Maikäferlarven an, dass Pflanzenwurzeln ganz oben auf dem Speiseplan stehen. Abhängig von der Population im Garten oder Forst hinterlassen die nimmersatten Engerlinge Schäden an Stauden und Gehölzen aller Art. Während sich krautige Pflanzen und Laubbäume nach einem oberirdischen Kahlfraß durch adulte Maikäfer erholen können, entziehen Maikäfer-Engerlinge den Pflanzen ihre Lebensgrundlage ohne Aussicht auf Regeneration. Die Schadwirkung beruht auf dem unersättlichen Appetit. Giftige Substanzen geben Maikäferlarven weder an die Pflanzen, noch an den Boden ab.

In unserem Garten gibt es eine Maikäferlarve. Wie lange dauert die Entwicklung vom Engerling bis zum fertigen Maikäfer?

Eine Maikäferlarve verbringt drei bis fünf Jahre im Boden. Im Durchschnitt nimmt die Entwicklung vom frisch geschlüpften Engerling bis zum geflügelten Maikäfer vier Jahre in Anspruch. Während dieser Zeit besteht die Nahrung ausschließlich aus Wurzeln von Blumen, Stauden und Gehölzen. Unter günstigen Bedingungen überwintert eine Maikäferlarve zwei Mal, verpuppt sich im August des dritten Jahres, überwintert in der Puppenwiege und fliegt im April oder Mai des vierten Jahres aus dem Boden als fertiger Käfer.

Gibt es manuelle Bekämpfungsmethoden gegen einen lokalen Befall mit Maikäferlarven im Blumen- und Staudenbeet?

Hegen Sie den Verdacht, dass sich Maikäferlarven im Beet tummeln, graben Sie betroffene Pflanzen mitsamt Wurzelballen aus. Sammeln Sie von Hand alle Engerlinge, die Sie im Wurzelgeflecht entdecken. Dabei können Sie nicht sicher sein, dass Sie sämtlicher Maikäferlarven habhaft geworden sind. Aus diesem Grunde empfehlen wir, die Pflanzen in einem geräumigen Topf mit frischem Substrat erneut ins Beet einzusetzen. Versteckte Exemplare können sich auf diese Weise im Garten nicht weiter ausbreiten.

Wir kämpfen im Garten mit hohem Aufkommen von Maikäferlarven. Sollten wir den kontaminierten Boden nicht einfach fräsen?

Erst wenn alle Bekämpfungsmethoden versagen, sollte der Einsatz einer Bodenfräse gegen Maikäferlarven in Betracht gezogen werden. Bis in 10 Zentimeter Tiefe pflügt die Fräse durch die Erde und vernichtet sämtliche Engerlinge. Weitere Bekämpfungsmittel sind nicht mehr erforderlich. Allerdings müssen alle anderen Bodenlebewesen die radikale Bodenbearbeitung ebenfalls mit ihrem Leben bezahlen. Fernerhin wird die Bodenstruktur komplett zerstört. Die anschließende Regeneration dauert lange Zeit.

Tipps

Keinen Erfolg beschieden war der Bekämpfung einer gigantischen Population mit Milliarden von Maikäfern im französischen Avignon. Im Jahre 1320 wurde den Schädlingen per Gerichtsbeschluss befohlen, sich “binnen drei Tagen zurückzuziehen auf ein durch Tafeln gekennzeichnetes Feld, woselbst ausreichend Nahrung für sie vorhanden sei.” Zuwiderhandelnde würden als vogelfrei behandelt und ausgerottet, hieß es weiter. Obschon die Verlautbarung erste Ansätze einer ökologischen Grundhaltung erkennen lässt, verlief die Maßnahme im Sande.

Text: Paula Jansen

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