Tipps zum igelfreundlichen Garten

Igel sind im Garten gern gesehene Gäste. Warum das so ist und wie Sie Ihr grünes Reich einladend gestalten für die possierlichen Stacheltiere, erläutert dieser Ratgeber im Detail. Praxiserprobte Tipps bringen auf den Punkt, wie Sie Igeln richtig helfen in Notsituationen.

Igel gefunden
Wird ein Igel im Garten gefunden, kann im Futter zur Verfügung gestellt werden

Indizien für Igel im Garten

Im Herbst wagen sich nachtaktive Igel für kurze Zeit auch bei Tag aus der Deckung. Jetzt ist der tierische Terminkalender prall gefüllt mit wichtigen Vorbereitungen für die den Winter. Fettreserven sind anzufuttern und ein kuscheliges Quartier für den Winterschlaf ist nicht von heute auf morgen bezugsfertig. In dieser Jahreszeit bestehen die besten Chancen, die putzigen Stachelträger am Tag im Garten live zu beobachten.

Den Rest des Jahres sind Gärtner auf folgende Indizien angewiesen, um festzustellen, ob die anspruchsvollen Nützlinge alle Bemühungen um einen naturnahen Garten mit ihrer erhofften Präsenz belohnen.

  • Losung im Garten: Kot 2-5 cm lang, fest, bleistiftdick, geruchsintensiv
  • Löcher im Garten: 2 cm kleine Vertiefungen im Rasen oder Beet
  • Schnüffelgeräusche am Abend: hörbares Schnuppern der spitzen Nase im stillen, dunklen Garten

Um sich letzte Gewissheit über die Anwesenheit von Igeln im Garten zu verschaffen, werden wissbegierige Gärtner zum Hobby-Fährtenleser. Igelfüße hinterlassen unverwechselbare Spuren auf feuchter Erde oder im Schnee. An Vorder- und Hinterfüßen verfügen die Sohlengänger über je 5 Zehen, wobei die innerste Zehe, als Daumenabdruck nicht immer gut zu erkennen ist. Ein Fuß ist etwa 28 mm breit und 25 mm lang. Untenstehendes Bild visualisiert typische Igelspuren.

Spuren eines Igels

Igel gefunden – was tun?

Im ersten Moment ist die Freude groß, wenn unterwegs oder daheim im Garten ein Igel gefunden wird. Zur Begeisterung über die unerwartete Begegnung gesellt sich rasch die Ungewissheit: Ist der Igel in Bedrängnis? Geht es ihm gut oder benötigt er meine Hilfe? Längst nicht alle gefundenen Igel sind auf menschliche Unterstützung angewiesen. Eindeutige Merkmale zeigen an, wann Sie einem Igel wirklich helfen sollten. Folgende Infos vermitteln kurz und knapp, wie Sie hilfebedürftige Igel erkennen:

  • Abgemagerter Körper: längliche Gestalt, eingefallene Flanken, hochbeiniger Gang, eingesunkene Augen
  • Macht komische Geräusche: hustet oder röchelt
  • Unnormale Bewegungen: torkelt, hinkt, bewegt sich nicht oder kaum
  • Verletzungen: sichtbare Verletzungen, blutige Stellen
  • Jungtier: tagsüber gefunden, geschlossene Augen, verwaist

Hegen Sie die Vermutung, dass es sich um einen kranken oder verletzten Igel handelt? Dann nehmen Sie das Tier mit einem Tuch oder Handschuhen behutsam auf und drehen es auf den Rücken. Rollt sich der Igel nicht sogleich zur Kugel zusammen und fühlt sich der Bauch deutlich kälter an, als Ihre Hand, fehlt ihm etwas. Es besteht dringender Handlungsbedarf. So gehen Sie richtig vor:

  • Fundort und Fundzeit notieren
  • Eine Kartonschachel auslegen mit Zeitungspapier
  • Darin den leidenden Igel legen
  • Zum nächsten Tierarzt transportieren

Hat die Tierarztpraxis zur Zeit keine Sprechstunde, nehmen Sie bitte Kontakt auf mit einer Igelpflegestation.

Gefundenen Igel pflegen – so geht es

Unter Umständen kann es erforderlich sein, dass Sie einen gefundenen Igel über Nacht bei sich aufnehmen müssen. Als Übergangsquartier polstern Sie eine möglichst große Pappschachtel aus mit Zeitungspapier. Eine etwas kleinere Schachtel fungiert als Nest. Gut geeignet als Nestmaterial ist zerrissenes Küchen- oder Zeitungspapier. Schneiden Sie in jede Box ein Loch als Ein- und Ausgang. Beide Schachteln platzieren Sie idealerweise in der Badewanne. Zum guten Schluss füllen Sie zwei flache Schälchen mit frischem Wasser (keine Milch) und Katzendosenfutter.

Mithilfe des bereitgestellten Futters können Sie beurteilen, ob es sich um einen kranken oder hungernden Igel handelt. Ein krankes Tier rührt das Futter nicht an. Ein 500 Gramm leichter, junger, kleiner Igel vertilgt innerhalb eines Tages rund 150 Gramm Nassfutter. Ein etwa 1000 Gramm schwerer erwachsener Igel hat bis zum nächsten Tag 200 Gramm Nassfutter verputzt.

Diese Informationen sind hilfreich für Tierarzt oder Mitarbeiter einer Igelpflegestation für die sachkundige Betreuung des stacheligen Findlings.

Igel füttern

Frisst der Igel ausreichend, ist das meist ein Zeichen dafür, dass er gesund ist

Unterkühlten Igel aufwärmen

Fundzeitpunkt im Winter und ein fühlbar kalter Igelbauch deuten auf eine Unterkühlung hin. Bevor Sie sich anderen Hilfsmaßnahmen widmen, muss das Tier dringend aufgewärmt werden. Füllen Sie handwarmes Wasser in eine Wärmflasche. Darauf legen Sie den Igel und gönnen ihm erst einmal viel Ruhe.

Ein verletzter und kranker Igel gehört umgehend in die Obhut eines Veterinärs.

Igel richtig füttern – Tipps für die Speisekarte

Im Frühling und Sommer hat die Natur den Tisch reich gedeckt für hungrige Igel. Üppiges Pflanzenwachstum geht einher mit Myriaden von Insekten und Würmern, was die Insektenfresser sehr zu schätzen wissen. Füttern während der Vegetationsperiode ist überflüssig, schädlich und kontraproduktiv. Das gilt nicht für akute Notsituationen im zeitigen Frühjahr oder späten Herbst nach einem unvorhergesehenen Wintereinbruch. Helfen Sie abgemagerten Igeln, indem Sie Futterstellen im Garten einrichten. Folgende Tabelle stellt gegenüber, welches Futter für kleine Igelmägen geeignet ist und was nichts auf dem Teller zu suchen hat:

Geeignetes Igel-FutterUnbekömmlich für Igel
IgeltrockenfutterMilch
KatzenfutterJoghurt, Quark und ähnliche Milchspeisen
HaferflockenObst aller Art
Weizenkleierohes Fleisch von Rind, Schwein oder Geflügel
ungesalzene ErdnüsseHundedosenfutter mit viel Soße
Rührei 
ungewürztes, angebratenes Hackfleisch 

Solange in freier Natur Futternotstand herrscht, stellen Sie die empfohlenen Futtermittel bereit. Kleine Igelherzen schlagen höher, wenn Sie die verschiedenen Zutaten schmackhaft miteinander kombinieren. Hoch im Kurs steht bei den stacheligen Feinschmeckern eine Kombination aus 100 Gramm Katzendosenfutter, 2 Esslöffel Haferflocken oder Igeltrockenfutter und 1 Esslöffel Rührei, zubereitet mit ein wenig Sonnenblumenöl.

Bieten Sie das Futter bitte auf einem flachen Teller oder Untersetzer an. Wählen Sie den Standort dergestalt, dass die Futterstelle vor anderen Tieren geschützt ist. Versäumen Sie nicht, den hungrigen Gästen Wasser zu geben. Zu diesem Zweck stellen Sie eine flache Schale mit frischem Wasser dazu, das Sie täglich auswechseln. Bei dieser Gelegenheit wird der gesamte Futterplatz gründlich gereinigt zum Schutz vor Schimmel, Fäulnis und Parasiten.

Igel – gut oder schlecht für den Garten?

Wenn sich nachweislich Igel im Garten tummeln, bereitet deren Gegenwart unerfahrenen Gärtnern Kopfzerbrechen. Es steht die Frage im Raum, ob Igel positiven oder negativen Einfluss auf den Anbau von Zier- und Nutzpflanzen nehmen. Im Vordergrund steht die Furcht vor Schäden, insbesondere mit Blick auf zahlreiche Löcher in Beeten und Rasen. An dieser Stelle können wir Entwarnung geben. Darum sind Igel ein Segen für jeden Garten:

  • Schädlingsvertilger: Igel fressen primär pflanzenschädigende Insekten, Käfer, Raupen, Engerlinge und Würmer
  • Bodenbelüfter: auf der Suche nach Beute lockern spitze Igelnasen das Erdreich wunderbar auf
  • Gartenpolizei: Aas bleibt nicht lange liegen im Igel-Revier

Ein Blick auf ihren Speiseplan zeigt, dass Igel keine Vegetarier sind. Obst, Gemüse oder Blumen verspeisen die liebenswerten Gartenbewohner nicht. Wenn sich ein Igel dem Fallobst widmet, hat er es auf darin befindliche Larven und Raupen abgesehen.

Hintergrund

Funktion der Stacheln

Stacheln fungieren als Defensivwaffe. Für das charakteristische ‚Einigeln‘ stehen einem Igel durchschnittlich 8.000 spitze, schwarz-weiße Stacheln zur Verfügung. Bei Gefahr durch Fressfeinde, wie Hund, Katze, Marder oder Fuchs rollt sich der bedrängte Igel zu einer stachelbewehrten Kugel ein. Für die empfindlichen Schnauzen der Aggressoren ist diese clevere Verteidigungsstrategie Grund genug, schnellst möglich das Weite zu suchen.

Stachelige Nützlinge ansiedeln – so gelingt es

Die fundamentale Bedeutung von Igel im Garten, gepaart mit ihrem unwiderstehlichen Charme weckt im Gärtner den Wunsch, die stacheligen Nützlinge anzusiedeln. Damit sich die scheuen Nachtschwärmer gut aufgehoben fühlen, kommt es auf wichtige Kriterien der naturnahen Gartengestaltung an, die den natürlichen Lebensraum der einheimischen Säugetiere perfekt simulieren.

Igel streifen mit Vorliebe durch leicht verwilderte, reich strukturierte Grünanlagen, wie Streuobstwiesen, Friedhöfe und Hausgärten auf der Suche nach sicheren Rückzugsorten. Sie fühlen überall dort heimisch, wo sich ein reiches Nahrungsangebot befindet sowie ein Refugium für die Aufzucht der Jungen und einen unbehelligten Winterschlaf. Was in einen igelfreundlichen Garten gehört und was nicht, fasst folgende Tabelle zusammen:

Einladende KomponentenVergrämende Komponenten
dichte Hecke aus heimischen LaubgehölzenBetonmauer oder Maschendrahtzaun als Einfriedung
Trockenmauer mit blühender Bepflanzungversiegelte Gartenflächen
Laubhaufen, Steinhaufen mit Hohlräumenpenibel aufgeräumte Beete
Totholzhaufen oder BenjesheckeVerwendung von Pestiziden
Igelhaus (selbst gebaut oder fertig gekauft)wenige blühende Stauden und Gehölze
morsches Holz als Quelle für InsektenKiesbeete und Steingärten
Obstbäume mit insektenreichem Fallobst 
offene Grasflächen mit Würmern und Engerlingen 
barrierefreier Grundstückszugang 
Futterstellen bei Nahrungsknappheit 
Youtube

Je mehr natürliche Nahrungsquellen ein Garten zu bieten hat, desto schneller siedeln sich Igel darin an. Wo sich Insekten, Larven, Ohrwürmer in Scharen tummeln, sind die umworbenen Stacheltiere nicht fern.

Tipps

Als Prolog für den igelfreundlichen Garten empfehlen wir, einen Laubhaufen für Igel anzulegen. Auf einer Grundfläche von 2 m x 2 m schichten Sie Äste oder Spalthölzer so auf, dass ein Hohlraum entsteht von 30 cm x 30 cm x 30 cm. Dieser Hohlraum wird bedeckt mit einer großen Menge Herbstlaub und fixiert mit Nadelreisig oder Tannenwedeln.

Umwerben erwünscht – fangen verboten

Lassen Sie sich angesichts segensreicher Vorzüge bitte nicht dazu verleiten, Igel einzufangen und zu züchten, um sie Nützlinge im Garten zu halten. Als bedrohte Tierart unterliegen Igel dem Naturschutzgesetz. Es ist streng untersagt, die fleißigen Insektenfresser zu stören oder gar einzufangen. Allerdings spricht nichts dagegen, mit einer igelfreundlichen Gartengestaltung um ihren Besuch zu werben.

Exkurs

Achtung Flöhe!

Igel haben Flöhe im Gepäck. Nicht nur Maulwürfe, Vögel oder Mäuse tragen Flöhe als blinde Passagiere mit sich herum. Igel zählen ebenfalls zu den Hauptwirten der lästigen Plagegeister. Damit sich keine Flöhe im Garten durch Igel ausbreiten, sollten Sie ein Igelhaus mindestens zweimal jährlich gründlich reinigen: im Frühjahr, wenn Igel das Winterquartier verlassen haben und im Herbst, wenn der Igel-Kindergarten aufgelöst wurde und der Winter nicht mehr fern ist. Entsorgen Sie vorsichtshalber das Nistmaterial nicht auf dem Kompost, sondern in der Mülltonne.

Häufig gestellte Fragen

Die ganze Familie ist traurig, denn wir haben im Garten einen toten Igel gefunden. Wie ist ein toter Igel zu entsorgen?

Igel zählen zu den Kleintieren und dürfen ohne besondere Genehmigung im Garten beerdigt werden. Als Alternative können Sie den Kadaver bei der regionalen Tierbeseitigungsstelle abgeben. Wenig pietätvoll, jedoch erlaubt ist die Entsorgung in der Biomülltonne. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang, dass die Entsorgung verstorbener Tiere im Restmüll als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldstrafe geahndet wird.

Wie überwintern Igel im Garten?

Damit Igel den Nahrungsmangel während des Winters überleben, verfallen sie von November bis April in Winterschlaf. Als Winterquartier suchen sich die Säugetiere im Spätherbst einen sicheren Unterschlupf und bauen ihn aus zum temperaturisolierten, gut gepolsterten Nest. Allerdings sind viele Igel vor dem Winter von Wohnungsnot geplagt, weil ihre natürlichen Lebensräume schrumpfen und igelfreundliche Gärten Mangelware sind. Sie können den bedrängten Nützlingen helfen, indem Sie im Garten Laub- und Holzhaufen als Rückzugsorte anlegen. Premium-Lösung für die winterliche Wohnungsnot ist ein katzensicheres Igelhaus, wahlweise Marke Eigenbau oder aus dem Fachhandel.

Wie lange bleiben Igel im Garten?

Igel sind standorttreue Wildtiere. Wo es den Insektenfressern gefällt, verweilen sie ein Leben lang. Die Lebenserwartung beträgt zwischen 3 und 7 Jahren, abhängig von der Gefahrensituation am Standort. Leider ist eine hohe Todesrate unter Baby-Igeln zu beklagen. Bis zu 75 Prozent junge Igel erreichen den ersten Geburtstag nicht.

Wie erkenne ich, ob ein Igel im Garten schläft oder gestorben ist?

Es ist keine Seltenheit, dass Gärtner bei der Pflanzenpflege auf schlafende Igel stoßen. Die fleißigen Insektenfresser sind nachtaktiv und schlafen tagsüber. Anhand regelmäßiger Atembewegungen können Sie vom Frühling bis zum Herbst erkennen, dass es sich um einen schlafenden Igel handelt. Schwieriger wird es, wenn das Stacheltier seinen Winterschlaf hält. Von November bis April rollen sich Igel zu einer Kugel zusammen und atmen nur noch 3 bis 4 Mal pro Minute ganz flach und kaum wahrnehmbar. Im Gegensatz zum schlafenden Igel liegt ein verstorbenes Tier offen und hat sich nicht mehr eingerollt.

Tipps

Der Bundesverband der Reservisten in Deutschland honoriert mit dem Medienpreis Goldener Igel herausragende Veröffentlichungen rund um das Thema Bundeswehr. Anfang der 1990er Jahre fiel die Wahl auf das goldfarbene Logo, weil seit dem Altertum der Igel für die Werte Friedfertigkeit und Wehrhaftigkeit steht. Auf diese Weise wird das Preis-Motto gekonnt veranschaulicht ‚Demokratie muss wehrhaft sein‘.

Text: Paula Jansen
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