Totholzhecke für Einsteiger – Definition, Aufbau, Tipps für die Begrünung

Als Totholzhecke kommt Gehölzschnitt zu neuen Ehren und bereichert den Garten als eine Oase des Lebens. Lesen Sie in diesem grünen Ratgeber eine kompakte Definition mit Hinweisen zu Konzept und Nutzen. Wie Sie eine Totholzhecke richtig anlegen und begrünen, erfahren Sie hier.

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Eine Totholzhecke hat einen hohen ökologischen Wert

Das Wichtigste in Kürze

  • Totholzhecke ist eine lockere Aufschüttung von Gehölzschnitt zwischen zwei Pfostenreihen, die als Lebensraum für Pflanzen, Insekten und Kleintiere dient.
  • Naturnahe Hobbygärtner können eine Totholzhecke selber bauen aus dicken, in den Boden eingeschlagenen Ästen, im Abstand von 60-100 cm und in einer Breite von 0,5-2 m.
  • Zu beschleunigen ist die Begrünung einer Totholzhecke mittels Aussaat oder Pflanzung heimischer Blumen, Stauden und Gehölze.

Was ist eine Totholzhecke?

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Eine Totholzhecke birgt eine Mengen Leben in sich

Als Hecke verwandelt sich profanes Totholz in einen Quell des Lebens. Diese Erkenntnis propagierte Anfang der 1980er Jahre der bekannte Naturfotograf, Schriftsteller und Landschaftsgärtner Hermann Benjes. Auf der Suche nach einer unkomplizierten und sinnvollen Verwertung von Gehölzschnitt nahm das ökologisch wertvolle Konzept in seinen Schriften konkrete Formen an. Folgende Definition bringt auf den Punkt, was sich hinter dem Begriff Totholzhecke verbirgt:

  • Definition: Totholzhecken sind lockere, linienförmige Aufschichtungen von überwiegend dünnerem Gehölzschnitt, in denen sich nach und nach Pflanzen, Insekten und Kleintiere ansiedeln.

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Angelehnt an den Begründer und Verfechter des ökologischen Prinzips wird die Totholzhecke auch Benjeshecke genannt. Mit der Parole “Es lebe das Totholz” hat der Naturschutzbund Deutschland das Konzept aufgegriffen und weiterentwickelt. Für die Totholzhecke wirbt der NABU bei allen Gärtnergenerationen als einen der lebendigsten Lebensräume unserer Natur.

Konzept und Nutzen

Gemäß dem Grundprinzip entsteht eine Totholzhecke ohne Neuanpflanzung. Zwischen einfachen Holzpfosten aufgeschichteter Gehölzschnitt bietet anfliegenden Samen eine natürliche Lebensgrundlage. Es entsteht eine abwechslungsreiche Pflanzengesellschaft, die Insekten und kleine Säugetiere als Nahrungsquelle zu schätzen wissen. Zugleich übernimmt der Wall wichtige Schutzfunktionen für die beherbergte Flora und Fauna. Sukzessive entfaltet sich ein lebendiges Mini-Ökosystem. Im gleichen Zug weiß der Hobbygärtner immer, wohin mit dem Schnittgut seiner Gehölze und profitiert von einem Sichtschutz zum Nulltarif.

Tipps

Die Totholzhecke ist auf dem Vormarsch als naturnahe Alternative zu kostspieligen Zäunen, wuchtigen Mauern und pflegeintensiven Hecken. Ab einer Höhe von 180 Zentimetern wehrt eine Benjeshecke als selbst gebauter Sichtschutz neugierige Blicke ab und wahrt die Privatsphäre im Garten. Obacht: Wie bei allen Einfriedungen, bedarf auch die Totholzhecke unter Umständen einer gesonderten Baugenehmigung.

Totholzhecke anlegen – Bauanleitung für Einsteiger

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Totholzhecke anzulegen

Hat Sie das bewährte Konzept der Benjeshecke mit den mannigfaltigen Vorzügen in den Bann gezogen? Dann integrieren Sie die natürliche Oase des Lebens mit einfachen Mitteln in Ihren Garten. Folgende Bauanleitung erläutert Schritt für Schritt, wie Sie eine Totholzhecke richtig anlegen:

Material und Werkzeuge

Tief in die Tasche greifen müssen Hobbygärtner nicht, wenn sie eine Totholzhecke selber bauen. Folgende Materialien befinden sich bereits griffbereit in Garten und Werkzeugkiste. Geeignete Holzpfähle werden von Grünabfallanlagen, Straßenmeistereien oder Gartenbaubetrieben gerne kostenlos an Selbstabholer abgegeben:

  • dicke, gerade Äste oder Holzpfosten 150-200 cm lang (idealerweise Hartholz, wie Eiche, Buche, Apfelbaum, Birnbaum und ähnliche)
  • Markierungsschnur mit kleinen Pflöcken
  • Zollstock, Zimmerer-Bleistift
  • Holzschlegel, Zaunschläger oder Vorschlaghammer
  • Leiter
  • Handsäge

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Bester Zeitpunkt für den Startschuss zu Ihrer Benjeshecke Marke Eigenbau ist im Frühling, wenn für die meisten Bäume und Sträucher die Schnittpflege auf dem Programm steht. Bitte beachten Sie, dass folgende Angaben zu Aufbau, Breite und Abstand der Pfosten lediglich als Anregung dienen und reichlich Spielraum lassen für individuelle Lösungen. So bauen Sie eine Totholzhecke richtig:

  1. Heckenverlauf der Länge nach ausmessen
  2. mit aufgespannter Schnur 2 parallele Pfostenreihen markieren für eine Hecken-Breite von 0,5 bis 2 m
  3. Holzpfosten am unteren Ende anspitzen
  4. Einschlagtiefe von 30 cm auf jedem Pfosten gut sichtbar markieren
  5. Pfosten auf jeder Heckenseite im Abstand von 60-100 cm entlang der Schnüre auslegen
  6. jeden Pfosten in die Hand nehmen, auf die Leiter steigen und bis zur Markierung in die Erde schlagen
  7. Faustregel: je kürzer anfallendes Schnittgut, desto kürzer der Pfosten-Abstand

Im letzten Arbeitsschritt befüllen Sie den Heckenrahmen mit Ästen und Zweigen. Idealerweise beginnen Sie mit dickeren Ästen, auf denen Sie dünnere Zweige und Reisig anhäufen. Überstehende Triebe schneiden Sie ab. Lange Zweige können Sie zwischen den Pfosten einflechten, um die Standfestigkeit der Totholzhecke zu optimieren.

Im folgenden Video können Sie miterleben, wie im Naturgarten von Gärtnerin Birgit Recktenwald eine Totholzhecke entsteht.

Youtube

Totholzhecke begrünen – Ideen für den Pflanzplan

Bis sich eine üppige Pflanzengesellschaft ohne Ihr Zutun in einer Totholzhecke einfindet, ziehen viele Jahre ins Land. Den Wachstumsprozess innerhalb des Walls können Sie beschleunigen, indem Sie heimische Pflanzen in den Aufbau integrieren. Folgende Tabelle möge Sie inspirieren, Ihre Benjeshecke kreativ und Konzept-getreu zu bepflanzen:

Stauden/Blumenbotanischer NameSträucherbotanischer NameKletterpflanzenbotanischer Name
AkeleiAquilegia vulgarisKornelkirscheCornus masGelbe WaldrebeClematis akebioides
BuschwindröschenAnemone nemorosaSauerdornBerberis vulgarisKnöterichPolygonum aubertii
GlockenblumeCampanula latifoliaSommerfliederBuddleja davidiiFrauenmantelAlchemilla mollis
KönigskerzeVerbascumSchlehePrunus spinosaEchter WaldmeisterGalium odoratum
Roter FingerhutDigitalis purpureaWeißdornCrataegus monogynaStauden-WickeLathyrus latifolius
NatternkopfEchium vulgareHolunderSambucus nigra  
StockroseAlcea roseaHaselCorylus avellana  
VergissmeinnichtMyosotis sylvaticaPfaffenhütchenEuonymus europaeus  
Wilde KardeDipsacus sylvestrisKupfer-FelsenbirneAmelanchier lamarckii  
WaldfrauenfarnAthyrium filix-feminaGemeine HeckenkirscheLonicera xylosteum  

Stauden und Blumen säen Sie einfach aus, bevor Sie die erste Lage an Schnittgut in den Heckenrahmen einfüllen. Die luftig-lockere Aufschichtung lässt ausreichend Sonnenlicht hindurch, damit die Samen keimen. Von den Gehölzen Ihrer Wahl setzen Sie Ableger in den Heckenboden. Junge Sträucher sind den Herausforderungen als Bepflanzung einer Totholzhecke besser gewachsen, wenn Sie Kornelkirsche, Sauerdorn oder Holunder ab Februar auf der Fensterbank vorziehen. Mitte/Anfang Mai setzen Sie vorgezogene Kletterpflanzen an der Außenseite, damit eine sommerliche Blütenpracht die Totholzhecke in Szene setzt.

Exkurs

Totholzhecke für die Pferde-Koppel

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Auch für eine Pferdeweide ist eine Benjeshecke eine gute Wahl

Hätten Pferde Mitspracherecht beim Bau einer Koppel, würden sie mit Begeisterung plädieren für eine Totholzhecke. Der ökologische Wert von Totholz ist den cleveren Pferden freilich schnuppe. Aus Sicht hungriger Pferdeaugen wird die Koppel umzäunt von einer einladenden Äste-Bar, die zum genussvollen Knabbern einlädt. Aus diesem Grunde darf eine Benjeshecke in Reichweite von Pferdemäulern ausschließlich mit verträglichem, ungiftigem Schnittgut bestückt sein. Hierzu zählen beispielsweise die Zweige von Obstbäumen und Beerensträuchern. Tabu sind hingegen: Ahorn (Acer), Berberitze (Berberis), Besenginster (Cytisus scoparius), Buchsbaum (Buxus), Eibe (Taxus baccata), Goldregen (Laburnum anagyroides) und insbesondere tödlich giftiges Efeu (Hedera helix).

Totholzhecke – Pflege-Tipps

Die Totholzhecke trumpft auf als pflegeleichte und nützliche Komponente in der naturnahen Gartengestaltung. Erst im Laufe der Zeit fallen leichte Pflegearbeiten an. Folgende Tipps weisen den Weg zur perfekt gepflegten Benjeshecke:

  • Auffüllen: regelmäßig frischen Gehölzschnitt nachfüllen, um zersetztes Schnittgut auszugleichen
  • Rückschnitt: starkwüchsige Sträucher innerhalb der Totholzhecke radikal einkürzen oder roden
  • Zwischenlagen: sporadisch zwischen dem Schnittgut dünne Schichten aus Erde, Laub oder Staudenschnitt einfügen
  • Gießen: während sommerlicher Dürreperioden ab und zu wässern

Weit verbreitete Unkräuter lassen sich die paradiesischen Rahmenbedingungen einer Totholzhecke nicht entgehen. Aus diesem Grunde zählt lästiges Unkrautjäten ebenfalls zum Pflegeprogramm.

Häufig gestellte Fragen

Welchen Tieren dient die Totholzhecke im Garten als Lebensraum?

In einer etablierten Totholzhecke geht es hoch her. Bereits im zweiten Jahr finden sich Wildbienen, Käfer, Spinnen und Regenwürmer ein. Es kommt eine Zersetzung der Befüllung in Gang, die wertvollen Humus erzeugt als Lebensgrundlage für viele Pflanzen. Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis Igel, Frösche, Kröten, Haselmäuse und Vögel die Totholzhecke als Rückzugsort für sich entdecken.

An welchem Standort kann man eine Totholzhecke im Garten anlegen?

Eine Totholzhecke können Sie an nahezu jedem Standort im Garten anlegen. Sehr zu empfehlen ist eine sonnige bis halbschattige Lage, was vielen Pflanzen und Tieren sehr behagt. Ein Platz im Schatten ist möglich, birgt hingegen das Risiko, dass sich nur wenige Pflanzen mittels Samenanflug ansiedeln. Vermeiden Sie fernerhin einen feuchten, staunassen Gartenboden, weil hier der natürliche Zersetzungsprozess durch Bildung von Fäulnis und Schimmel beeinträchtigt werden kann.

Darf das Schnittgut von jeder Gehölzart in die Totholzhecke?

Vorsicht geboten ist bei allen Gehölzen, die selbst nach einem radikalen Rückschnitt munter wieder ausschlagen. Hierzu zählen beispielsweise Brombeer-Ruten. Bedenklich ist fernerhin das Schnittgut stark wachsender Bäume und Sträucher, wie Birke, Esche oder Bergahorn. Aufgrund des invasiven Charakters treibt das Schnittgut innerhalb der Benjeshecke aus. Rasch überwuchern die Wachstumsraketen die Totholzhecke und rauben anderen Pflanzen den Zugang zum Licht.

Wie kann man eine Totholzhecke optisch verschönern?

In der ersten Zeit sind Farbtupfer in einer Totholzhecke Mangelware. Indem Sie bunte Blumentöpfe kopfüber auf die Pfosten setzen, kommt Farbe ins Spiel. Füllen Sie die Töpfe zuvor mit Holzwolle, freuen sich Insekten über einen einladenden Rückzugsort. Dekorativ und nützlich kommt ein kleines Igelhaus zur Geltung, das Sie beim Aufbau in die Totholzhecke integrieren. Stellen Sie Ihrer Benjeshecke urige Pflanzengefäße zur Seite, üppig bepflanzt mit Wildblumen, deren Samen später einen Beitrag leisten zur Begrünung.

Tipps

Im selbst angelegten Bauerngarten fungiert die Totholzhecke als perfekter Sichtschutz für den Komposthaufen. Längst haben langweilige, krankheitsanfällige Buchsbäumchen als Beetumrandung ausgedient. Stattdessen verleiht eine dekorative Benjeshecke im Miniformat den Gemüsebeeten authentisches Flair.

Text: Paula Jansen

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