Bergminze pflanzen und pflegen

Lesen Sie hier im kommentierten Bergminze-Steckbrief kompakte Infos zu Wachstum, Blüten, Verwendung und fünf schönen Calamintha-Arten. Viele Tipps rund um Aussaat, Pflanzung und Pflege von Steinquendel.

bergminze
Die Bergminze ist bei Menschen und Insekten gleichermaßen beliebt

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Calamintha (vormals Clinopodium)
  • Gattung: Bergminzen mit etwa 17 Arten
  • Synonym: Steinquendel
  • Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
  • Vorkommen: Europa, Asien, Amerika
  • Wuchstyp: Staude
  • Wachstum: aufrecht, buschig
  • Wuchshöhe: 20 cm bis 60 cm
  • Blatt: oval, gezähnt
  • Blüte: Lippenblüte
  • Winterhärte: winterhart
  • Verwendung: Beet, Topf, Bienenweide

Wachstum

Die Bergminze ist des Hobbygärtners Ass im Ärmel für ein sommerliches Blütenmärchen zum Wohle von Menschen und Insekten. Schon aus der Ferne kündigt sich die Naturschönheit an mit einem zarten Minze-Duft und dem lauten Summen und Brummen fleißiger Bienen. Folgende Übersicht wagt einen Versuch, die malerische Komposition aus Blütenzauber, Farbenpracht und Dufterlebnis in sachliche Eckdaten des Wachstums zu fassen:

  • Wuchstyp: ausdauernde krautige Pflanze mit behaarten Blättern und zahlreichen Lippenblüten entlang der Stängel.
  • Wuchsform: je nach Art locker buschig-aufrecht und horstbildend oder niederliegend und polsterbildend.
  • Stängel: vierkantig
  • Wuchshöhe: 20 cm bis 60 cm, während der Blütezeit bis 80 cm.
  • Wurzeln: flache, kriechende Rhizome.

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In 2009 wurde die Systematik der Bergminzen-Gattung neu geordnet mit 17 anerkannten Calamintha-Arten. Die ehemalige Gattung Clinopodium enthielt bis zu 200 Arten, die sich heute in eigenen Gattungen und Unterfamilien innerhalb der Familie der Lippenblütler wiederfinden.

Blüte

Die duftigen Blütenwolken einer Bergminze bestehen aus scharenweise zarten Einzelblüten, die sich zu dichten Blütenständen versammeln. Bei idealen Rahmenbedingungen entfaltet sich ein üppiges Blütenmeer, das alle Laubblätter verdeckt. An diesen Merkmalen ist eine Calamintha-Blüte zu erkennen:

  • Blütenstände: kurz gestielt, büschelartig mit 5 bis 20 Einzelblüten und lanzettlichen Tragblättern.
  • Einzelblüte: röhren- bis glockenförmige 2-5 cm lange Lippenblüte, 5 Kronblätter, 2 bis 5 Staubblätter.
  • Blütenfarbe: je nach Art weiß, bläulich bis pastell-lila, rosa bis rötlich, violette Farbnuancen.
  • Blütenökologie: zwittrig, reich an Nektar (Insektenwert 4)
  • Blütezeit: je nach Art von Mai bis August oder Juni/Juli bis September/Oktober

Der hochkarätige Insektenwert und die lange Blütezeit machen Bergminzen zu wichtigen Trachtpflanzen. Insbesondere in der blütenarmen Zeit vom Spätsommer bis Spätherbst bieten Steinquendel-Pflanzen Wildbienen, Honigbienen, Hummeln und Schmetterlingen ein reichhaltiges Nektarbuffet.

Steinquendel und weitere Bienenmagneten im spätsommerlichen Garten

Blatt

Das schlichte Erscheinungsbild machen Bergminze-Blätter wett durch einen aromatischen Minze-Duft. An diesen Merkmalen ist ein Steinquendel-Blatt eindeutig zu erkennen:

  • Blattform: gestielt, eiförmig bis länglich-oval, zugespitzt, gezähnter Blattrand, 2 cm bis 8 cm lang.
  • Besonderheiten: wollig behaart, beim Zerreiben intensiviert sich der Minze-Duft, essbar.
  • Blattfarbe: graugrün bis blaugrün, einige Arten mit silbrigem Schimmer.
  • Anordnung: gegenständig

Arten

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Bergminzen-Gattung mit diesen fünf gartentauglichen Arten vertreten:

Bergminze-Arten Kleinblütige Bergminze Großblütige Bergminze Wald-Bergminze Alpen-Steinquendel Echte Bergminze
Botanischer Name Calamintha nepeta Calamintha grandiflora Calamintha menthifolia Calamintha alpinum Calamintha sylvatica
Wuchshöhe 30-40 cm 20-40 cm 30-60 cm 15-20 cm 40-50 cm
Blütenfarbe weißlich-hellblau lilarosa weiß-hellviolett rotviolett violettrosa
Blütezeit Juli bis Oktober Mai bis August Juni bis Oktober Juni bis September Juli bis September
Besonderheit für steinig-kargen Boden 3-4 cm große Glockenblüten Halbschatten-verträglich polsterbildend, niederliegend Pionierpflanze

Verwendung

Mit natürlichem Charme begrünen Bergminzen steinig-karge Lagen. Über ihre geschätzte Funktion als dekorative Pionierpflanze hinaus empfehlen sich Calamintha-Arten für mannigfaltige Verwendungsmöglichkeiten. Lassen Sie sich von diesen Ideen inspirieren, Steinquendel kreativ in die Gestaltung von Beet und Balkon zu integrieren:

  • Im Naturgarten und Staudenbeet: Duftpflanze, Kulissenpflanze, Einfassung, Bienenweide.
  • Im Landhaus- und Bauerngarten: Beetumrandung, Bodendecker, Zaunbegrünung.
  • Im Rosengarten: dekorative Begleitstaude, malerische Unterpflanzung von Rosenstämmchen.
  • Im Steingarten: blütenreiche Bepflanzung von Kiesbeeten, perfekt kombiniert mit Seggen, Sandkraut oder Rotschwingel.
  • Im Obstgarten: zwischen oder unter Obstbäumen und Beerensträuchern als verlockende Trachtpflanze für Bestäuber.

Auf Balkon und Terrasse macht sich Steinquendel nützlich als naturverbundene Kübelpflanze, Unterpflanzung von Sichtschutz-Sträuchern oder duftende Topfschönheit auf der Kräutertreppe. Kleinwüchsige, polsterbildende Arten zieren den Blumenkasten (34,00€ bei Amazon*) als dekorative Hängepflanzen.

Exkurs

Amerikanische Bergminze – Scheinbergminze mit Gardemaß

Die Amerikanische Bergminze (Pycnanthemum pilosum) erfüllt den Wunsch nach einer stattlichen Staude für den Steingarten. Weil die Naturschönheit von jenseits des Atlantiks nicht zur Bergminzen-Gattung gehört, wird sie auch behaarte Scheinbergminze genannt. Mit einer Wuchshöhe von 120 Zentimetern überragt das Lippenblütengewächs die echte Bergminze um das Doppelte. Ihre weißen Glockenblüten sind umschwärmt von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen. Dekorativ setzen sich die weiß-purpur-gesprenkelten Blätter in Szene, die aromatisch nach Pfefferminze duften und ebenso zu verarbeiten sind.

Bergminze pflanzen

In der Baumschule oder Staudengärtnerei können Sie Bergminzen pflanzfertig kaufen. Ambitionierte Hobbygärtner entscheiden sich für die unkomplizierte Aussaat. Lesen Sie hier die besten Pflanz-Tipps für Steinquendel im Beet und auf dem Balkon.

Aussaat

Die keimfreudigen Calamintha-Samen eignen sich für die Anzucht auf der Fensterbank. Ab Ende Februar streuen Sie die zarten Samen aus auf magerer, durchlässiger Kokoserde. Decken Sie die Lichtkeimer nicht ab. Leichtes Andrücken reicht aus für einen guten Bodenschluss. Halten Sie Bergminzen-Saat am hellen Standort bei 20° Celsius konstant feucht ohne Staunässe. Die Keimzeit beträgt ein bis zwei Wochen. Nach erfolgter Keimung stellen Sie das Saatgefäß kühler bei 16° bis 18° Celsius. Sämlinge mit mehreren Blättern, vereinzeln Sie in 9 cm Töpfe mit nährstoffarmer Pikiererde.

Standort

Bergminze ist ein Muster an Genügsamkeit. Die Anspruchslosigkeit schlägt sich nieder in diesen Standortbedingungen:

  • Vollsonniger, warmer und trockener Standort.
  • Im nährstoffarmen, steinig-sandigen bis lehmig-kiesigen, durchlässigen Boden.

Dank ihrer gutmütigen Anpassungsfähigkeit tolerieren Calamintha-Arten auch einen halbschattigen, frischen Standort in normaler Gartenerde, solange die Stauden sich nicht mit Staunässe herumplagen müssen.

Pflanz-Tipps

Das Zeitfenster für die Pflanzung von Bergminze im Beet ist geöffnet von Mitte Mai bis Mitte Oktober. Im Topf ist Steinquendel eingeschränkt winterhart und wird am besten im Frühling eingepflanzt. Einfache Handgriffe beim Pflanzen stellen die Weichen für ein überschwängliches Blütenfestival. Ein Blick auf diese Pflanz-Tipps lohnt sich:

  • Normalen Gartenboden anreichern mit Sand, feinkörnigen Splitt oder Lavagranulat (14,00€ bei Amazon*) für optimale Durchlässigkeit.
  • Bergminze austopfen und ebenso tief einpflanzen, wie zuvor im Anzuchttopf oder Kauf-Container.
  • Pflanzabstand im Beet: 35 cm oder 7 bis 10 Pflanzen je m²
  • Pflanzabstand im Topf und Blumenkasten: 20 cm bis 25 cm.
  • Als Topfsubstrat einen Mix aus torffreier Balkonpflanzenerde, Kokosfasern, Sand und Blähton verwenden.
  • Als Vorbeugung gegen Staunässe auf dem Topfboden eine Drainage anlegen aus Tonscherben, Blähton (19,00€ bei Amazon*) oder Splitt.

Am schönsten kommen Bergminzen zur Geltung in Tuffs mit drei bis fünf Pflanzen.

Bergminze pflegen

Die Bergminze ist sehr pflegeleicht. Ein Rückschnitt zur rechten Zeit entlockt den Blütenschönheiten eine Nachblüte im Herbst. Leichter Winterschutz ist lediglich für Topfpflanzen und nach einer Herbstpflanzung zu notieren. So einfach pflegen Sie Steinquendel im Beet und auf dem Balkon:

  • Gießen: nach dem Pflanzen regelmäßig gießen, später bei langanhaltender Trockenheit.
  • Düngen: Bergminze nicht düngen.
  • Schneiden: Rückschnitt um die Hälfte bis zwei Drittel nach dem ersten Blütenflor, bodennaher Rückschnitt im Spätwinter.
  • Vermehrung: Teilung des Wurzelballens im Frühjahr, Stecklinge schneiden im Frühsommer, Aussaat im Frühling oder Herbst.
  • Überwintern: Topf auf Holz stellen und mit Vlies ummanteln, im Herbst gepflanzte Staude mit Laub abdecken.

Über Krankheiten und Schädlinge werden Sie an Bergminze selten zu klagen haben. Schnecken machen einen Bogen um die duftende Staude. Blattläuse werden offenbar ebenfalls abgeschreckt von den ätherischen Ölen, die den Minze-Duft erzeugen. Bei feucht-warmer Witterung kann Mehltau auftreten, erkennbar am weißen Belag. Schneiden Sie betroffene Pflanzenteile ab und entsorgen Sie das Schnittgut im Hausmüll.

Beliebte Sorten

Die wilden Calamintha-Ursprungsarten dienten als florale Ausgangsbasis für diese schönen Sorten:

  • Calamintha nepeta ‚Triumphator‘: Premium-Sorte für Beet und Topf, weiße bis pastellviolette Blütenähren, 35 cm klein.
  • Kleinblütige Bergminze ‚White Cloud‘: Calamintha nepeta mit strahlend weißen Blüten bis zum Herbst, 20-40 cm groß.
  • Kleinblütige Bergminze ‚Blue Cloud‘: verzaubert mit violettblauen Blütenwolken von Juli bis Oktober, 50-60 cm Wuchshöhe.
  • Aufsteigende Bergminze ‚Gottfried Kühn‘: besonders standfeste Sorte mit lila-rosafarbenen Blüten, 30-50 cm hoch.
  • Großblütige Bergminze ‚Variegata‘: prahlt mit bis zu 4 cm großen, violettrosa Blüten und weiß-grünen Blättern, 40 cm hoch.

FAQ

Sind Bergminze-Blätter essbar?

Ja, die Blätter von Bergminze sind essbar. Ätherische Öle verleihen dem Laub einen leckeren Pfefferminz-Geschmack. Sie können die Blätter und Blüten bedenkenlos als Küchenkraut verwenden oder daraus einen erfrischenden Tee zubereiten.

Wie ist eine Bergminze zu vermehren?

Die Bergminze ist nicht nur besonders pflegeleicht, sondern auch ganz einfach zu vermehren. Folgende Methoden stehen zur Wahl: Aussaat, Teilung und Stecklinge. Die Teilung hat den Vorteil, dass Sie die Staude zugleich verjüngen und der Blühfreudigkeit neuen Schwung verleihen.

Wann und wie erhält die Bergminze einen Rückschnitt?

Im Grunde genommen müssen Sie eine Bergminze überhaupt nicht schneiden. Vorteilhaft für Vitalität und Blühwilligkeit ist freilich ein zweimaliger Rückschnitt pro Jahr. Schneiden Sie die Staude nach dem ersten Blütenflor um zwei Drittel zurück. Mit ein wenig Glück erscheint im Herbst eine hübsche Nachblüte. Die eingezogenen Pflanzenteile schneiden Sie im Spätwinter bodeneben ab, was den Weg freimacht für den frischen Austrieb.

Kann ich vorgezogene Bergminze Anfang Mai ins Beet pflanzen?

Wenn Sie vorgezogene Bergminze bereits Anfang Mai auspflanzen, sollten Sie die zarten Pflänzchen bis Mitte Mai mit einem Vlies abdecken. Besser ist, die Jungpflanzen absolvieren bis zu den Eisheiligen eine Phase der Abhärtung auf dem halbschattigen Balkon vor der schützenden Hausmauer.

Sollte man eine Bergminze mit Wurzelsperre pflanzen?

Die Bergminze wächst horstbildend. Im Laufe der Jahre gewinnt die Staude an Breite, ohne sich mit invasiver Ausbreitung unbeliebt zu machen. Im Gegensatz zur echten Pfefferminze (Mentha piperita) ist die Pflanzung mit Wurzelsperre nicht erforderlich.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: Traveller70/Shutterstock

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