Rotschwingel als Rasen oder Untersaat

Lesen Sie hier einen kommentierten Rotschwingel-Steckbrief. Wichtige Unterarten der Rotschwingel-Gruppe im Überblick. Die besten Tipps für Aussaat und Pflege von Festuca rubra im Hobbygarten.

rotschwingel
Rotschwingel eignet sich hervorragend als Rasen oder Untersaat

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Festuca rubra agg.
  • Sammel-Art: Rotschwingel-Gruppe
  • Familie: Süßgräser (Poaceae)
  • Vorkommen: Europa, Asien, Nordamerika
  • Wuchstyp: Gras
  • Wuchsform: horstig, ausläufertreibend
  • Wuchshöhe: 20 cm bis 80 cm
  • Blatt: länglich-schmal, glattrandig, gerieft
  • Blüte: Ährenrispe
  • Wurzeln: Rhizome mit oder ohne Ausläufer
  • Winterhärte: winterhart
  • Verwendung: Zierrasen, Landschaftsrasen, Futtergras

Wachstum

Rotschwingel ist ein wichtiger Bestandteil von Saatgutmischungen für Rasen und Landwirtschaft. Keine anderen Süßgräser gedeihen so feinblättrig, dicht-buschig, ebenmäßig und genügsam, wie die Unterarten der Rot-Schwingel-Gruppe. Folgende Übersicht fasst signifikante Eckdaten des Wachstums zusammen:

  • Straff aufrechte, steife Halme mit lanzettlich-schmalen Stängelblättern und federleichten Ährenblüten.
  • Je nach Unterart Ausläufer-bildend, locker-rasig, regenerationsfreudig oder horstig und dichtwüchsig.

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Unabhängig vom unterschiedlichen Wachstum begeistert Rotschwingel als winterhartes, ausdauerndes Ziergras mit bescheidenen Ansprüchen an Klima, Bodenbeschaffenheit und Nährstoffversorgung.

Rot-Schwingel-Gruppe

Die verschiedenen Unterarten der Rotschwingel-Gruppe sind eingeteilt in die Kategorien ‚ausläufertreibend‘ und ‚hostbildend‘. Dieses Kriterium bestimmt maßgeblich über die bestmögliche Verwendung von Rotschwingel als Rasen, Grünlandteppich, Wiese oder Futtergras. Folgende Tabelle gibt einen Überblick:

Unterarten Gewöhnlicher Rotschwingel Ausläuferrotschwingel Horstrotschwingel Haarblättriger Rotschwingel
Botanischer Name Festuca rubra L. Festuca rubra rubra Festuca rubra commutata Festuca rubra trichophylla
Synonym Binsen-Rotschwingel Ausläufer-Schwingel Festuca nigrescens Rotschwingel mit Kurz-Ausläufern
Wuchshöhe 15 cm bis 100 cm 20 cm bis 80 cm 20 cm bis 90 cm 30 cm bis 70 cm
Wachstum ausläufertreibend ausläufertreibend horstbildend schwach ausläufertreibend
Verwendung + Grünlandanlage + Gebrauchsrasen + Zierrasen + Zierrasen
  + Futterwiese + Landschaftsrasen + Golfrasen + Spielrasen
  + Magerrasen + Kräuterrasen + Landschaftsrasen + Gebrauchsrasen
  + Schattenrasen + Blumenwiese + Kräuterrasen + Blumenwiese

Mit den beiden Süßgräsern Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) und Wiesenrispe (Poa pratensis) bildet Rotschwingel (Festuca rubra) das Dream-Team für viele Rasensorten in Premium-Qualität. Im folgenden Video erhalten Sie einen Einblick in die wirkungsvollen Synergieeffekte, wenn sich diese Süßgräser in Saatgutmischungen vereinen:

Die drei wichtigsten Rasengräser im Vergleich - Deutsches Weidelgras, Rotschwingel und Wiesenrispe

Blatt

An den straff aufrechten Halmen gedeihen schlanke Blattspreite, die den Blattscheiden entsprießen. Diese Merkmale prägen das Blatt eines Rotschwingel:

  • Blattspreite: schmal bis fadenförmig, markant gerieft mit 5 bis 7 Riefen.
  • Blattscheiden: fast vollständig geschlossen (im Unterschied zur Sammelart Schaf-Schwingel)
  • Besonderheit: junge Blattscheiden am sonnigen Standort rötlich überhaucht, später gelblich-braun.
  • Blattgrund: kurze Blatthäutchen, keine Öhrchen im Übergang von Blattscheide in die Blattspreite.
  • Blattfarbe: hellgrün bis graugrün

Blüte

Im Sommer thronen locker verzweigte Blütenstände über einem Rotschwingelgras. Diese Ährenrispen baumeln lässig an eigenen, hohen Stängeln. Es ist die schiere Anzahl zierlicher Ährchen im Verband, die dem Rotschwingel ein fluffig-buschiges Erscheinungsbild verleiht, sofern Rasenmäher und Sense es zulassen:

  • Blütenstände: aufrechte, doppelte Trauben mit jeweils 2 bis 3 Ährchen
  • Ährchen: 10 mm lang, unbegrannt, rötlich gefärbt zur Blütezeit.
  • Blütezeit: April bis Oktober
  • Blütenökologie: zwittrig
  • Bestäubung: Wind

Exkurs

Mais profitiert von Rotschwingel-Untersaat

Die Aussaat von Rotschwingel als Untergras von Zuckermais hat veritable Vorteile. Das Bodenleben findet auch im Winter lebenswichtiges Futter. Fernerhin gewinnt die Bodengare an Qualität und es sammeln sich nach der Mais-Ernte wichtige Nährstoffe an für Folgekulturen. Nicht zuletzt unterbindet Rotschwingelgras als Untersaat destruktive Erosion und fördert stattdessen den Aufbau von Humus. Von diesen Vorzügen profitieren Hobbygärtner und Landwirte gleichermaßen.

Rotschwingel pflanzen

Rotschwingelgras ist prädestiniert für die Aussaat als Rasen oder Wiese. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Festuca rubra von anderen Süßgräsern, wie majestätischen Rutenhirsen (Panicum virgatum), die sich als Solitär oder Sichtschutz in Szene setzen. Wo und wie Sie Rotschwingel richtig säen, bringen folgende Zeilen auf den Punkt:

Standort

Rotschwingel ist ein wichtiges Rasen- und Untergras für alle ungünstigen Standorte, an denen Weidelgras (Lolium perenne) und Wiesenrispe (Poa pratensis) versagen. Winterhart, keimfreudig und schnittverträglich, gedeiht Festuca rubra unverdrossen unter diesen Standortbedingungen:

  • Sonnige bis halbschattige Lage (am feuchten Standort auch schattenverträglich).
  • Anspruchslos gegenüber Wärme, Feuchtigkeit und Windexposition.
  • Idealerweise nährstoffarmer Boden, karg und kalkhaltig.

Bietet ein Standort Nährstoffe im Überfluss, wird Rotschwingel in der Regel verdrängt von anderen Gräsern.

Aussaat

Die richtige Aussaat von Rotschwingelgras verlangt Ihnen kein Expertenwissen ab. Ideale Startvoraussetzungen für Samen und Keimlinge generiert eine zweistufige Bodenvorbereitung im Abstand von 14 Tagen. Folgende Kurz-Anleitung erklärt die korrekte Vorgehensweise:

  1. Beste Saat-Termine sind von Ende April bis Anfang Juni und von Mitte September bis Anfang Oktober.
  2. 2 Wochen vor der Aussaat den Boden 30 cm tief umgraben, Sand einarbeiten, jäten, harken und wässern.
  3. Während sich die Saaterde setzt, die Fläche nicht betreten, bei Trockenheit sprengen.
  4. Für das Feinplanum, Saatbeet rechen, jäten, walzen und nochmals glattziehen.

Die Rotschwingel-Samen schütten Sie in einen Streuwagen und stellen die Streumenge auf 25 g/m² ein. Schreiten Sie die Fläche im Schachbrettmuster ab für eine gleichmäßige Aussaat. Zum guten Schluss wird das Saatbeet gewalzt und durchdringend gewässert.

Sonderfall: Magerrasen mit Horstrotschwingel

Naturnahe Hobbygärtner haben eintönigen Rasen aus dem Garten verbannt und legen einen Magerrasen, Kräuterrasen oder eine Wildblumenwiese an. Am sonnigen Standort versammeln sich regionale Naturschönheiten, wie Horstrotschwingel (Festuca rubra commutata), Schafgarbe (Achillea), Salbei (Salvia), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum) und Wiesenklee (Trifolium pratense) zu einem Tummelplatz für Bienen, Hummeln, Käfer und Schmetterlinge.

Für die Pflanzung heben Sie die Fläche 50 cm tief aus. Befüllen Sie die Grube 40 cm hoch mit Kies und Splitt.(9,00€ bei Amazon*) Darüber verteilen Sie eine 10 cm dünne Schicht aus Mutterboden und Sand als Feinplanum für die Aussaat.

Rotschwingel pflegen

Auch genügsames Rotschwingelgras ist auf ein Mindestmaß an Pflege angewiesen. Regelmäßiges Gießen und Schneiden sowie die richtige Düngung sind wichtig für eine sattgrüne, dichte und strapazierfähige Grünfläche. Abgerundet wird das Pflegeprogramm durch jährliches Vertikutieren, gelegentliches Sanden und Kalken für einen repräsentativen Rotschwingelteppich auf Augenhöhe mit einem Englischen Rasen. Wissenswerte Pflege-Tipps für Hobbygärtner:

  • Gießen: bei Trockenheit Rotschwingelgras-Fläche durchdringend wässern (10-15 Liter je m²)
  • Schneiden: vom Frühjahr bis zum Herbst ein- bis zweimal wöchentlich Rasenmähen auf 4-5 cm Halmhöhe.
  • Düngung: reine Rotschwingel-Grünfläche nicht düngen, gemischtes Grün im März und Juni düngen.
  • Vertikutieren: vermoosten Rotschwingel-Rasen nach dem ersten Mähen vertikutieren.
  • Sanden: vertikutierten Rasen sanden mit feinkörnigem Quarzsand (11,00€ bei Amazon*) (je m² 1 Eimer Sand).
  • Kalken: bei einem pH-Wert kleiner 5,5 Rasenfläche kalken.

Zum Saisonabschluss widmen Sie sich nochmals der Rotschwingel-Pflege und machen die Grünfläche winterfest. Zur Stärkung der Frostverträglichkeit verabreichen Sie einen Kalium-reichen Herbstdünger oder überbrausen die Grasfläche mit Beinwell-Jauche. Den letzten Schnitt absolvieren Sie nach dem ersten Bodenfrost. Die winterliche Pflege beschränkt sich auf regelmäßiges Abkehren von Laub.

Magerrasen Pflege-Tipps

Zu den mannigfaltigen Vorzügen von naturbelassenem Trockenrasen mit Horstrotschwingel zählt eine Pflege auf Sparflamme:

  • Magerrasen, Kräuterrasen und Wildblumenwiese nicht düngen.
  • Im Sommer bei langanhaltender Trockenheit einmal pro Woche wässern.
  • Zweimal pro Saison sensen oder mähen, idealerweise im Juli und September.

Beliebte Sorten

Im Fachhandel sind diese Rotschwingel-Sorten als Saatgut erhältlich:

  • Barlineus: horstbildend, langsam wachsend, feinblättrig, dichte Grasnarbe, ideal für den Spiel- und Sportrasen.
  • Spice: ausläufertreibend, gute Unkrautverdrängung, schließt schnell Lücken in der Grasnarbe.
  • Gondolin: bildet unterirdische Ausläufer, sehr kurze Blatthäutchen, weidefestes Untergras für frische, nährstoffarme Standorte.
  • Rafael: Festuca rubra Sorte mit hoher Narbendichte und frühem Austrieb, empfohlen von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.
  • Reverent: resistent gegen Rostspitzigkeit, mittelspäter Austrieb, mittlere Narbendichte.

FAQ

An welchen Merkmalen ist Rotschwingel zu erkennen?

Gut erkennbar ist Rotschwingel an seinen feinen, borstigen, markant gerillten Blättern und steifen Halmen. Die Blätter sind fadenförmig bis schmal mit einer Breite von maximal 1,5 mm. Die rasenbildenden Blattspreiten der Grundblätter sind gefaltet. Wer genau hinschaut, erkennt sehr kurze Blatthäutchen. Der Name Rotschwingel nimmt Bezug auf die jungen, rötlichen Blattscheiden, die sich im Verlauf des Jahres gelblich-braun verfärben. Im Übergang von Blattscheiden zu Blattspreiten bildet Rotschwingelgras keine Öhrchen.

Welchen Futterwert hat Rotschwingelgras?

Rotschwingelgras wird ein mittlerer Futterwert von FWZ 5 attestiert. In der Landwirtschaft wird Festuca rubra dort angebaut, wo die Rahmenbedingungen heikel sind. Rotschwingel gedeihen gut in rauen, nährstoffarmen Lagen, vertragen Trockenheit und sauren Boden. Diese Vorzüge machen primär Gewöhnlichen Rotschwingel zu einem bedeutenden Gras für die Kultivierung von Wiesen und Weiden, wenn andere Futtergräser schlappmachen, wie Deutsches Weidelgras und Wiesenrispe mit einem Futterwert von FWZ 8.

Welche Bedeutung hat Rotschwingel für den Rasen im Naturgarten?

Aus mehreren Gründen hat Rotschwingel einen hohen Stellenwert für Rasen und Natur. Aus diesem Grunde sind beide Wuchsformen in jeder guten Saatmischung enthalten. Die horstbildenden Unterarten werden geschätzt für ihre Feinblättrigkeit und robuste Toleranz gegenüber häufigem Rasenmähen und ungünstigen Bodenqualitäten. Die ausläufertreibenden Schwingel-Unterarten punkten mit ihrem Talent, unschöne Lücken in der Grasnarbe im Handumdrehen zu schließen. Kurz gesagt: Als wichtige Saatgut-Komponente gibt Rotschwingelgras jedem Rasen Halt und Dichte im Einklang mit der Natur.

Kann man Horstrotschwingel als Topfpflanze kaufen für das Staudenbeet?

Horstrotschwingel (Festuca rubra commutata) hat sich einen Namen gemacht als wichtige Komponente in Saatgut-Mischungen. Im Topf wird das Süßgras nicht angeboten, wie die anderen Unterarten der Rotschwingel-Gruppe auch. Als Alternative empfehlen wir, auf vergleichbare Schwingel-Arten auszuweichen. So wird Schaf-Schwingel (Festuca amethystina ‚Aprilgrün‘) in Baumschulen und Gärtnereien als Topfpflanze angeboten. Beliebter Lückenfüller im Staudenbeet und mageren Steingarten ist Blau-Schwingel (Festuca cinerea) mit 10-25 cm Wuchshöhe.

Welche Gräser sollten in einer guten Spielrasensorte enthalten sein?

Ein Blick auf die Verpackung von Rasen-Saatgut gibt wichtige Informationen zur Qualität und Strapazierfähigkeit. Achten Sie auf ein breit gefächertes Sortenspektrum für eine dichte, robuste Grasnarbe. Eine empfehlenswerte Mischung enthält die drei Rotschwingel-Unterarten Horstrotschwingel (Festuca rubra commutata), Ausläuferrotschwingel (Festuca rubra rubra) sowie Rotschwingel mit kurzen Ausläufern (Festuca rubra trichophylla). Ergänzt werden die Urprungsarten durch 2 Sorten Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) und 2 Sorten Wiesenripse (Poa pratensis).

Text: Paula Jansen
Artikelbild: valkoinen/Shutterstock
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