Pfirsichbaum schneiden
Pfirsichbäume brauchen kräftige Rückschnitt

Pfirsichbaum vorbildlich schneiden – Tutorial hat die Anleitung

Die Messlatte für eine sachkundige Schnittpflege am Pfirsichbaum liegt höher, als bei heimischen Obstgehölzen. Damit der asiatische Obstbaum ertragreich gedeiht, wird er jedes Frühjahr kräftig geschnitten. Die perfekte Schnittführung erfordert ein geübtes Auge. Es gilt, wahre von falschen Fruchttrieben zu unterscheiden. Alles Wissenswerte rund um den perfekten Schnitt am Pfirsichbaum können Sie in diesem Tutorial nachlesen.

Kurzlebiges Fruchtholz jährlich schneiden

Das ergiebigste Fruchtholz sitzt am Pfirsichbaum an einjährigen Langtrieben. Wie an heimischen Sauerkirschen, sind diese im Vorjahr gewachsen auf eine Länge von 20 bis 40 Zentimetern. Saftige Pfirsiche trägt ein Langtrieb nur einmal in seinem Leben. Bereits ab dem dritten Jahr hat das Holz überhaupt keine Blütenknospen mehr zu bieten und verkahlt merklich. Von einem ungeschnittenen Pfirsichbaum werden Sie nur wenige Jahre leckere Früchte ernten. Indem Sie alljährlich die Schere kreisen lassen, bleibt das Obstgehölz viele Jahre lang fruchtbar und vital.

Bester Zeitpunkt ist im Frühling

Für eine meisterliche Schnittführung ist es obligat, Blüten- und Blattknospen eindeutig zu erkennen. Einsteigern in die Schnittpflege von Pfirsichbäumen empfehlen wir als besten Zeitpunkt für den Erhaltungsschnitt den Monat Februar, kurz vor Beginn der Blütezeit. In dieser Phase sind rundliche Blütenknospen selbst für das ungeübte Auge deutlich zu identifizieren. Wer den Termin versäumt, schneidet unmittelbar nach der Ernte. In beiden Fällen ist die Gefahr minimal, dass wertvolles Fruchtholz der Schere zum Opfer fällt.

Solange sich ein Pfirsichbaum in der Erziehungs- und Aufbauphase befindet, ist das zeitige Frühjahr als Schnitt-Termin sinnvoll. Ein Schnitt im auslaufenden Winter regt das Wachstum an, was für den eher schwachwüchsigen Baum wünschenswert ist.

Hintergrund

Gehölze schneiden vom 1. Oktober bis 1. März – zum Wohl unserer Vogelwelt

Wenn Sie Ihren Pfirsichbaum wahlweise schneiden im Frühjahr oder Herbst, leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz. Von Anfang März bis Ende September erstreckt sich die Brutzeit unserer massiv bedrohten Vogelwelt. Im Kampf gegen den „stummen Frühling“ verleiht das Bundesnaturschutzgesetz der elementar wichtigen Schonfrist Nachdruck mit Paragraf 39. Hier ist festgeschrieben, dass Gehölzschnitte grundsätzlich untersagt sind. Sofern im Vorfeld ausgeschlossen wird, dass sich in Baumkrone oder Hecke überwinternde Wildtiere befinden, darf zwischen 1. Oktober und 1. März geschnitten werden.

Sinnvolle Schnittarten

In der Pflege von Pfirsichbäumen ist die Schere ein ständiger Begleiter. Am Pflanztag setzt eine kontinuierliche Schnittpflege ein, die sich in den ersten drei bis vier Standjahren mit einem Erziehungsschnitt fortsetzt und in einen jährlichen Erhaltungsschnitt mündet. Alle sinnvollen Schnittarten für einen reich tragenden Pfirsichbaum fasst folgende Tabelle zusammen:

Schnittart Ziel/Anlass bester Termin Alternativ-Termin
Pflanzschnitt vitale Verzweigung anregen, Erziehung einleiten im Frühjahr nach der Pflanzung keiner
Erziehungsschnitt ertragreiche Krone aufbauen Februar keiner
Erhaltungsschnitt junges Fruchtholz fördern, Wachstum regulieren, auslichten Februar Anfang bis Mitte Oktober

Einen Verjüngungsschnitt führt die Tabelle aus gutem Grund nicht auf. Größere Schnittwunden vertragen Pfirsich und Nektarine nicht. Geht die Größe einer Verwundung über den Durchmesser einer 2-Euro-Münze hinaus, setzt ein massiver Gummifluss ein, von dem sich das asiatische Obstgehölz zumeist nicht mehr erholt.

Wahre von falschen Fruchttrieben unterscheiden

Die hohe Kunst im Schneiden von Pfirsich und Nektarine ist die Unterscheidung von wahren und falschen Fruchttrieben. Das klingt komplizierter, als es tatsächlich ist. Wir laden Sie ein zu einem kurzen Ausflug ins botanische Grundwissen, um die Zusammenhänge zu verstehen und beim Pfirsich-Schnitt umzusetzen. Untenstehende Abbildung illustriert, dass sich an den Gerüsttrieben einer Pfirsichkrone vier unterschiedliche Triebarten bilden können. Alle wichtigen Erkennungsmerkmale fasst folgende Übersicht zusammen:

Holztrieb (1)

Holztriebe sind geprägt durch spitze Triebknospen. Diese Triebe werden auch als sterile Zweige bezeichnet, weil sie weder blühen noch fruchten. Sofern ein Holztrieb in der Erziehungsphase nicht zum Kronenaufbau beiträgt, wird er stark eingekürzt. Indem Sie eine oder zwei Knospen stehen lassen, wahren Sie an dieser Stelle die Chance, dass im nächsten Jahr hier ein wertvoller Fruchttrieb gedeiht.

Falscher Fruchttrieb (2)

Einen falschen Fruchttrieb identifizieren Sie an zahlreichen rundlichen Blütenknospen von der Basis bis zum Ende. Lediglich an der Triebspitze befindet sich eine spitze Blattknospe. Pseudo-Fruchttriebe stellen für Hausgärtner die größte Herausforderung in der Schnittführung dar. Die vielen Blüten führen zunächst in die Irre, weil sie sich malerisch entfalten und sogar kleine Früchte bilden. Allerdings fehlen Blätter für eine ausreichende Nährstoffversorgung. Früher oder später fallen Blüten und Früchte mangels Energieversorgung ab. Vollständig entfernt werden falsche Fruchttriebe dennoch nicht. Solange ein kleiner Rest mit schlafenden Augen stehen bleibt, kann sich daraus dennoch ein wahrer Fruchttrieb entwickeln.

Wahrer Fruchttrieb (3)

Am wahren Fruchttrieb ist die Welt in Ordnung. An jedem Knospenansatz gedeiht eine Kombination aus rundlichen Blütenknospen und spitzen Blattknospen. In welcher Anordnung die Knospen sprießen, kann unterschiedlich sein. Wichtig für die Fruchtbarkeit ist, dass sich in unmittelbarer Nähe zur Blütenknospe eine Blattknospe als Versorgungsquelle befindet. Häufig endet ein wahrer Fruchttrieb an Basis oder Spitze mit Blattknospen, was seiner Fruchtbarkeit nicht entgegenspricht.

Buketttrieb (4)

Zum wertvollen Fruchtholz zugerechnet werden alle kurzen Triebe, die reich garniert sind mit dicken Blütenknospen und an der Spitze eine Blattknospe aufweisen für die Nährstoffversorgung. Buketttriebe werden aus diesem Grund auch als Fruchtspieße bezeichnet und erhalten keinen Schnitt.

Pfirsich Bukettrieb

Alle Triebarten am Pfirsichbaum im Überblick: Holztrieb (1) trägt einzig spitze Triebknospen – falscher Fruchttrieb (2) trägt auf ganzer Länge Blütenknospen und am Ende eine Blattknospe – wahrer Fruchttrieb (3) besitzt an jedem Knospenansatz zwei runde Blütenknospen, die eine Blattknospe flankieren – Buketttrieb (4) kurzer Fruchtspieß, reich garniert mit Blütenknospen und einer spitzen Blattknospe.

Pflanzschnitt-Anleitung

Dem Pflanzschnitt obliegen wichtige Aufgaben. Er bringt die Verzweigung in Schwung und leitet die Kronenerziehung ein. Beste Pflanzzeit für wärmeliebende Gehölze, wie Pfirsich und Nektarine, ist im Frühling. Gleich anschließend unterziehen Sie das Bäumchen einem ersten Schnitt. So machen Sie es richtig:

  • Ideales Kronengerüst wählen aus dominantem Mitteltrieb und 4 Seitengerüsttrieben
  • Übrige Triebe entfernen
  • Seitengerüsttriebe um ein Drittel zurückschneiden
  • Wichtig: Spitzenknospe muss eine nach außen weisende Blattknospe sein

Den Mitteltrieb als Stammverlängerung verschneiden Sie bitte so, dass seine Spitzenknospe sich etwa eine Scherenlänge über den Spitzenknospen der Leitäste befindet. Deren Triebspitzen stehen auf annähernd gleicher Höhe, was in Gärtnersprache als Saftwaage bezeichnet wird. Sollte eine Spitzenknospe höher stehen, greift an dieser Stelle das Wachstumsgesetz der Spitzenförderung. Das Resultat wäre ein verstärktes, einseitiges Wachstum, was einer harmonischen Kronenform entgegenläuft und den gesamten Pfirsichbaum instabil macht.

Pfirsich mit Hohlkrone erziehen

Heimische Obstbäume, wie Apfel und Süßkirsche, gedeihen ertragreich mit einer klassischen Rundkrone. Das gilt nicht für Pfirsich und Nektarine. Damit die asiatischen Obstgehölze üppig blühen und fruchten, hat sich in der Gartenpraxis die Hohlkrone ausgezeichnet bewährt. Wie untenstehende Abbildung demonstriert, wird bei dieser Kronenform nach drei Jahren der dominante Mitteltrieb zurückgeschnitten, damit mehr Sonnenlicht ins Kroneninnere gelangt. So gehen Sie Schritt für Schritt richtig vor:

  • Bester Zeitpunkt ist im Februar zweites bis viertes Standjahr
  • Bis zum dritten Jahr: Krone mit Mitteltrieb und 4 gleichmäßig verteilten Leitästen erziehen
  • In jedem Jahr das Gerüst um maximal 30 cm verlängern
  • Im Februar des dritten oder vierten Jahres den Mitteltrieb entfernen

Die Fruchtbarkeit von Leitästen wird optimiert, wenn diese in einem idealen Winkel von 60° zum Stamm ausgerichtet sind. Zu steil stehende Äste spreizen Sie mit Wäscheklammern oder Spreizhölzern ab. Zu flach stehende Triebe binden Sie hoch. Achten Sie beim Erziehungsschnitt bitte darauf, dass sich die Endknospen der Leittriebe auf gleichem Niveau, sprich in der Saftwaage befinden. Unterhalb der Krone aus dem Stamm sprießende Zweige werden entfernt.

Pfirsichbaum erziehen

Erziehen Sie einen Pfirsichbaum mit lichtdurchfluteter Hohlkrone. Spätestens im dritten Standjahr wird der Mitteltrieb entfernt, damit alle vier Leitäste gleichmäßig vom Sonnenlicht erreicht werden.

Exkurs

Pfirsichbaum nach dem Umpflanzen zurückschneiden

Einen Schnitt außer der Reihe erhält Ihr Pfirsichbaum, wenn Sie ihn umgepflanzt haben. Innerhalb der ersten fünf Standjahre übersteht das Obstgehölz einen Standortwechsel gut. Bester Zeitpunkt ist im zeitigen Frühjahr, kurz vor Beginn des Austriebs. Umpflanzen geht für jeden Baum mit einem massiven Verlust von Wurzelmasse einher. Ergänzend zum herkömmlichen Erhaltungsschnitt, schneiden Sie die gesamte Krone um ein Drittel zurück. Dank dieser Maßnahme stellen Sie die Balance wieder her zwischen unterirdischen und oberirdischen Pflanzenteilen.

Schnitt-Anleitung für Einsteiger

In der Schnittpflege von Pfirsichbäumen ist der Übergang von Erziehung zur Erhaltung fließend. Kompetente Baumschulen bieten die Gehölze als Buschbäume an mit einem 60 Zentimeter kurzen Stamm und einer Gesamthöhe von 150 Zentimetern. Ohne einen Schnitt erzielen die Bäume eine maximale Höhe von 500 Zentimetern. Der besondere Vorteil ist ein früher Beginn der Ertragsphase im zweiten oder dritten Jahr. So absolvieren Sie den perfekten Erhaltungsschnitt:

  • Holztriebe zurückschneiden auf 2 Augen, damit sie – mit etwas Glück – Fruchtholz sprießen lassen
  • Von den abgetragenen Trieben drei Viertel aus der Krone entfernen bis auf einen kurzen Stummel
  • Verbliebene, abgetragene Triebe einkürzen auf 3 Knospen, aus denen neue Fruchttriebe wachsen
  • Falsche Fruchttriebe zurückschneiden auf 2 cm kurze Zapfen

Häufig sind die Triebspitzen an wahren Fruchttrieben mit zahlreichen Blattknospen besetzt. Diesen Teil der Triebe können Sie abschneiden. Entfernen Sie fernerhin alle ungünstigen Äste und Zweige, die keinen Beitrag zum Kronengerüst oder Fruchtertrag leisten.

Tipps

In Pfirsichbäumen mit Hohlkrone dürfen einjährige Langtriebe ausnahmsweise nach innen weisen. Am vollsonnigen Standort bewahren sie das Kroneninnere vor Sonnenbrand.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Pfirsichbaum selbstfruchtbar?

Im Fachhandel erhältliche Pfirsichbäume sind in der Regel selbstfruchtbar. Für eine Ernte saftig-süßer Früchte reicht ein Exemplar im Garten aus. Gleichwohl ist es ratsam, zwei Pfirsichsorten zu kombinieren, um den Ertrag deutlich zu erhöhen. Fragen Sie beim Erwerb in der Baumschule Ihres Vertrauens nach, welche Sorten-Konstellation vorteilhaft ist.

Mit welchem Wurzelsystem wächst ein Pfirsichbaum? Wir möchten ihn in der Nähe einer gepflasterten Fläche pflanzen.

Pfirsichbäume wachsen als Herzwurzler. Dabei breitet sich ein System aus zahlreichen, kräftigen Wurzelsträngen in alle Richtungen aus. Halten Sie daher bitte zu gepflasterten Flächen einen Abstand von mindestens 100 Zentimetern ein. Andernfalls besteht die Gefahr, dass horizontale Wurzeln das Pflaster anheben.

Mein Zwerg-Pfirsichbaum im Kübel hat in diesem Jahr prächtig geblüht. Leider trägt er keine Früchte. Derzeit treiben unten am Stämmchen zwei dünne Äste aus. Kann ich diese Triebe einfach abschneiden?

Unbedingt sollten Sie beide Triebe entfernen, weil es sich um sogenannte Wildtriebe oder Wasserschosse handelt. Reißen Sie jeden Zweig mit einem beherzten Ruck ab. Nach einem Schnitt verbleibt reichlich Zellgewebe, aus dem die Wildtriebe munter austreiben. Vermutlich handelt es sich bei Ihrem Zwerg-Pfirsichbaum um eine nicht selbstfruchtende Sorte. Damit sich die Blüten in Früchte verwandeln, müssen sie bestäubt werden. Hierzu sind sowohl eine Bestäubersorte in der Nähe erforderlich, als auch fleißige Insekten, die den Transport der Pollen von einem Pfirsich zum nächsten erledigen.

Wieviel Frost hält ein Pfirsichbaum aus?

Ein gut angewachsener Pfirsichbaum erträgt bis zu – 25 Grad Celsius. Das gilt unter der Voraussetzung, dass er sich am sonnigen, windgeschützten Standort befindet. In jungen Jahren muss sich der Baum die Winterhärte erst noch erarbeiten. Ein leichter Winterschutz ist im ersten und zweiten Standjahr ratsam. Bedecken Sie die Baumscheibe mit Laub und Reisig. Drohen Spätfröste, hüllen Sie die Krone ein mit atmungsaktivem Vlies.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Die besonderen Merkmale im Wachstum von Pfirsich und Nektarine verleiten Hausgärtner zu typischen Irrtümern in der Schnittpflege. Fatale Resultate sind ein undurchdringliches Geflecht aus alten und jungen Ästen oder ein reich blühender Baum ohne Früchte. Damit Sie mit derartigen Schadbildern nicht hadern, listet folgende Tabelle die drei häufigsten Schnittfehler auf und gibt Kurz-Tipps für die Vorbeugung:

Schnittfehler Schadbild Vorbeugung
nie geschnitten dichtes Gewirr aus alten, sterilen und verkahlenden Ästen Pfirsichbaum jedes Jahr kräftig schneiden
sterile und falsche Triebe nicht beschnitten trotz Blüten keine oder wenige Früchte Holztriebe und falsche Fruchttriebe auf kurze Zapfen zurückschneiden
Erziehung mit Rundkrone vorzeitige Verkahlung im Kroneninneren Pfirsich mit Hohlkrone erziehen
Youtube

Tipps

Pfirsichbäume zählen zu den Rosengewächsen. Diese Eigenschaft erfordert besondere Beachtung bei der Fruchtfolge. Pflanzen Sie niemals Pfirsich nach Pfirsich. Die Gartenpraxis hat erwiesen, dass an jungen Bäumen massive Schäden infolge von Bodenmüdigkeit zu befürchten sind. Eine Anbaupause von vier bis fünf Jahren garantiert, dass sich der Boden erholen kann, um erneut Pfirsichbäume oder andere Rosengewächse zu beherbergen.

Text: Paula Jansen

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