knospenarten
Die Blütenknospe ist nur eine von mehreren Knospenarten

Knospenarten – Hintergrundwissen für Einsteiger

Knospe ist nicht gleich Knospe. Tatsächlich bestehen prägnante Unterschiede, die einen maßgeblichen Einfluss ausüben auf den fachkundigen Schnitt von Zier- und Obstgehölzen. Dieser Ratgeber macht Sie vertraut mit den wichtigsten Knospenarten und deren Funktion im Wachstumsprozess.

Was ist eine Knospe?

Alle höheren Pflanzen, wie krautige Stauden und Blumen sowie verholzende Pflanzen, verfügen über Wachstumspunkte, den Knospen. Diese bilden sich im Verlauf der Vegetationsphase auf allen Pflanzenteilen, vom Trieb oder den Stamm bis hin zur Wurzel. Stellen Sie sich eine Knospe als winziges Kraftpaket vor, das alle Komponenten enthält, die für das diesjährige Wachstum erforderlich sind. Das Signal für den Austrieb erhält eine Knospe über den Weg von Pflanzenhormonen, die ihrerseits durch die Witterungsverhältnisse gesteuert werden.

Knospenarten im Überblick

Die Pflanzenart, das Wachstumsverhalten, der Zeitpunkt der Anlage und die Position bestimmen darüber, ob sich Knospen in eine Blüte, ein Blatt oder einen Trieb verwandeln. So legen sommerblühende Sträucher ihre Blütenknospen an den diesjährigen Trieben an, wohingegen Frühlingsblüher diese Aufgabe schon im Vorjahr absolvieren. Mitunter verharrt eine Knospe im Ruhezustand und bleibt lange Zeit winzig klein, um plötzlich auszutreiben. Die wichtigsten Knospenarten und deren Hauptfunktionen stellt Ihnen die folgende Übersicht vor:

Knospenarten Hauptfunktion Position
Blütenknospe Entfaltung zur Blüte zumeist an den ein-, zwei- oder dreijährigen Trieben
Blattknospe Austrieb von Blatt und/oder Seitentrieb entlang der Sprossachse
Terminalknospe Austrieb von Blatt und/oder Blüte am Ende eines verholzenden Triebs
Adventivknospe Wachstum von Blättern, Blüten, Trieben und Wurzeln aus altem Holz spontan am Stamm, an Trieben und Wurzeln
Schlafendes Auge (Proventivknospe) Wiederherstellung verloren gegangener Pflanzenteile, vornehmlich an Obstgehölzen lange Zeit unter der Rinde

Adventivknospen und schlafende Augen sind die heimliche Reserve von Sträuchern und Bäumen. An älteren Gehölzen können sie spontan und unmittelbar aus dem Kambium sprießen, wie Adventivknospen. Oder sie warten jahrelang auf ihren großen Auftritt, wie Proventivknospen. Zieht ein starker Rückschnitt einen hohen Verlust an Zweigen nach sich, greift die betroffene Pflanze auf die knospige Zweitbesetzung zurück, um einen Ausgleich herzustellen. Dank dieser Knospenarten sind zahlreiche Gehölze in der Lage, nach einem Verjüngungsschnitt aus altem Holz auszutreiben.

Tipps

Die essenzielle Bedeutung von Knospen für das Pflanzenwachstum erfordert bei Gehölzen eine besondere Schnittführung. Eine Knospe darf nicht verletzt werden, weil sie daraufhin eintrocknet und abstirbt. Im Gegenzug sollte kein langer Stummel über dem Wachstumspunkt stehen, weil sich daraus ein Infektionsherd entwickeln kann. Setzen Sie das Schneidwerkzeug daher wenige Millimeter oberhalb einer Knospe in leichter Schräghaltung an.

Text: Paula Jansen Artikelbild: Virktoria/Shutterstock

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