Kirschbaum schneiden

Kirschbaum richtig schneiden ist notwendig und wichtig

Beim Schnitt macht man sich die Eigenschaft der Gehölze zunutze, verloren gegangene Organe zu ersetzen und den Verlust durch verstärkten Austrieb wieder wettzumachen. Diese wichtige Pflegemaßnahme dient vor allem der Förderung der Fruchtbildung.

Früher Artikel Kirschbäume benötigen wenig Pflege Nächster Artikel Kirschbaumkrankheiten – vorsorgen ist besser als heilen

Wuchscharakter der Süß- und Sauerkirschbäume

Die meisten Süßkirschensorten weisen eine klar ausgeprägte Stammverlängerung bei gut erkennbarem stufenförmigen Kronenaufbau auf. Die Süßkirschbäume werden nicht selten 20 m hoch und höher. Ihre Verzweigung ist zumeist so kräftig, dass sie gut gegliederte, lockere, lichte Kronen bilden. Ein regelmäßiger Fruchtholzschnitt ist daher nicht erforderlich, wohl aber ein Verjüngungsschnitt zu gegebener Zeit.

Einen ganz anderen Wuchscharakter haben die Sauerkirschen. Sie erreichen die Höhe von ca. 7-8 m. Ihre Entwicklung ist durch starke Langtriebbildung und zahlreiche Verzweigung gekennzeichnet. Mit Einsetzen des Ertrages beschränkt sich der Triebzuwachs dann im Wesentlichen auf die Triebspitzen, während die mit Blütenknospen besetzten Triebteile nach der Blüte bzw. der Ernte verkahlen.

Schnittarten

  • Ein Erziehungsschnitt dient nicht nur dazu, den Kirschbaum in Form und seine Größe in Maßen zu halten. Vielmehr wird dabei die Triebrichtung bestimmt und damit die Blüten- sowie die Fruchtbildung nachhaltig beeinflusst.
  • Sommer- bzw. Winterschnitte nutzt man dazu, den Wachstum zu bremsen oder diesen anzuregen.
  • Einen Pflegeschnitt benötigt man zum Schutz des gesunden Holzes beim Krankheiten- bzw. Schädlingsbefall.
  • Pflanzschnitt unmittelbar nach dem Pflanzen.
  • Verjüngungs-/Erneuerungsschnitt der vergreisenden Bäume.

Anleitung zum Schneiden

Grundsätzliches

  • die Schnittwunde so klein und so senkrecht wie möglich halten,
  • die stärkeren Äste nur im tatsächlich nötigen Umfang schneiden, dabei entstehende Wunden über 4 cm mit geeignetem Mittel verschließen;
  • sich überkreuzende und in Richtung Stamm wachsende Äste entfernen;
  • regelmäßiger Pflegeschnitt von Anfang an sichert gesundes Wachstum und Fruchtbarkeit.

Süßkirsche

Für die Süßkirsche benötigt man in der Regel lediglich den Erziehungsschnitt und bei den älteren Bäumen den Erneuerungsschnitt. Der Erziehungsschnitt dient dazu, bei den jungen Bäumen die Bildung von zu vielen Seitentrieben (Quirlholz) aus dem für die Süßkirsche typischen Bukettspross zu verhindern. Die übermäßige Quirlholzbildung führt sonst dazu, dass die unterhalb des Quirls liegenden Zweige verkahlen.

Am einfachsten unterstützt man die Verzweigung an der Spitze des Bukettsprosses durch Ausbrechen der um die Endknospe angeordneten übrigen Knospen. Hat man den Zeitpunkt dafür verpasst, kann nach dem Austrieb durch Entspitzen nachgeholfen werden. Ist auch dafür zu spät, schneidet man die frischen Austriebe am Ansatz ab. Sind diese bereits verholzt, führt man einen Zapfenschnitt auf ein nach außen gerichtetes Auge durch, wobei die Saftwaage zu beachten ist.

Bei den überalterten Kirschbäumen wendet man einen mehr oder weniger radikalen Verjüngungsschnitt zum Anregen der neuen Triebe an. Dafür schneidet man die Gerüstäste und die Stammverlängerung so weit zurück, dass eine neue Krone entstehen kann. Bei diesem Schnitt wird auf jeden Fall eine Baumsäge benötigt, während der Erziehungsschnitt durchaus mit einer Baumschere zu bewältigen ist.

Sauerkirsche

Die Sauerkirsche benötigt im Gegensatz zur Süßkirsche mehr Schnitteingriffe. Sie bestehen vor allem im Vereinzeln der Langtriebe, im Auslichten und regelmäßigem Beseitigen abgetragener Fruchtäste durch Zurücksetzen auf basisnahe Jungtriebe bzw. junge Äste. Je nach Sorte fruchten die Sauerkirschen ausschließlich am einjährigen Trieb, die älteren Triebe verkahlen deshalb und müssen regelmäßig ausgeschnitten werden.

Ein Pflanzschnitt der Sauerkirsche ist erforderlich für die Kronengestaltung und für das gute Anwachsen. Hierfür wählt man außer dem Mitteltrieb zwei bis vier starke, günstig zueinander stehende Leittriebe, die man auf vier bis sechs Augen unter Beachtung der Saftwaage zurückschneidet. Die restlichen Triebe werden entfernt.

In den Folgejahren ist der Erziehungsschnitt, der sich auf die Nebentriebe der Gerüstäste erstreckt, so durchzuführen, dass nach und nach die gewünschte Form entsteht. Hier geht es hauptsächlich darum, den Sauerkirschbaum an die Gegebenheiten des eigenen Gartens anzupassen. Je nach vorhandenem Platz können die Sauerkirschbäume am Spalier als Fächer oder freistehend als Spindeln erzogen werden. Die letztere Form ist gerade in den kleinen Gärten sehr beliebt.

Der richtige Zeitpunkt

Wenngleich technisch gesehen der unbelaubte Baum im Winter den besten Überblick bietet, sollte bei den Kirschbäumen der Winterschnitt vermieden werden. Die Schnittwunden verheilen zu dieser Jahreszeit nur schwer und stellen deshalb eine Angriffsfläche für die Pilzinfektionen dar.

Optimal ist der Schnitt nach der Ernte im August bzw. bei Sauerkirsche auch noch im September. Dieser sogenannte Sommerschnitt bremst das Wachstum und fördert die Fruchtbarkeit. Im Frühjahr schneidet man die Kirschbäume ab Anfang März, was wiederum deren Wachstum anregt.

Tipps & Tricks

Eine Schnittwunde verheilt um so besser und schneller, je kleiner sie ist, je glatter und sauberer ihre Schnittfläche ist und je günstiger diese zu den Leitgefäßen liegt.

Schreibe einen Kommentar