Alten Kirschbaum schneiden – so machen Sie es richtig

In der Schnittpflege von Obstbäumen nimmt die Süßkirsche eine Sonderstellung ein. Die ausgeprägte Schnittempfindlichkeit gestattet lediglich alle paar Jahre einen Erhaltungsschnitt. Ohne einen gelegentlichen Rückschnitt lässt die Fruchtbarkeit sehr zu wünschen übrig und der Baum vergreist. Diese Anleitung erklärt, wie Sie einen alten Kirschbaum richtig schneiden und den Ernteertrag optimieren.

Alten Kirschbaum verjüngen
Ein Verjüngungsschnitt sorgt für mehr Fruchtertrag

Schnittzeitpunkt im Spätwinter

Auf einem alten Kirschbaum geht es hoch her zur Sommerzeit. Die dichte Krone haben Vögel zum Nistplatz auserkoren. Scharen nützlicher Insekten tummeln sich im betagten Geäst. Empfehlungen für einen sommerlichen Verjüngungsschnitt treffen folglich bei verantwortungsvollen Hausgärtnern auf taube Ohren. So sieht es auch das Bundesnaturschutzgesetz. Darin schreibt Paragraf 39 vor, dass radikale Schnittmaßnahmen zwischen 1. Oktober und 28. Februar durchzuführen sind zum Schutz unserer massiv bedrohten Tierwelt.

Betagte Kirsche etappenweise schneiden

Damit ein alter Kirschbaum den Verjüngungsschnitt verkraftet, sollten Sie etappenweise vorgehen. Verteilen Sie die Maßnahme auf drei Jahre. Ab dem zweiten Jahr ergänzt ein sommerlicher Pflegeschnitt, was die winterliche Schnittetappe in Gang gesetzt hat. Mit folgender Strategie revitalisieren Sie einen vergreisten Kirschbaum erfolgreich:

  • Bester Zeitpunkt ist jeweils im Februar bei frostfreier, trockener Witterung
  • Jeweils ein Drittel der Krone auslichten
  • Abgestorbene und ungünstig stehende Äste auf 10-20 cm lange Zapfen zurückschneiden
  • Stark überhängende Leitäste ableiten auf einen jungen Seitentrieb in Stammnähe

Jeder Auslichtungsschnitt bewirkt im Kirschbaum einen kräftigen Austrieb. Im zweiten und dritten Jahr unterziehen Sie bereits verjüngte Kronen-Sektoren einem regulierenden Erhaltungsschnitt. Haben Sie die gesamte Krone verjüngt, mündet die Schnittpflege in einen Rückschnitt in Intervallen von drei bis vier Jahren nach der Erntezeit.

Zapfenschnitt mildert Verjüngungsstress

Ausgediente Kronenäste einer Kirsche schneiden Sie bitte grundsätzlich auf Zapfen, statt auf Astring. Mit dieser Schnittführung mildern Sie die Stressbelastung für den alten Obstbaum ab. Fernerhin bestehen gute Aussichten, dass aus den 10-20 cm langen Stummeln frische Triebe sprießen, die sich zum Fruchtholz eignen. Nach zwei Jahren wählen Sie je Zapfen die beiden vielversprechendsten Triebe aus. Alle übrigen Zweige sowie die Zapfenreste werden nach der sommerlichen Erntezeit entfernt.

Dicken Ast stückweise abschneiden

Beim Verjüngungsschnitt werden Sie im alten Kirschbaum mit zahlreichen dicken Ästen konfrontiert, die zu entfernen sind. Ab einem Durchmesser von 10 Zentimetern, schneiden Sie die Äste stückweise auf Zapfen ab. Eingangs sägen Sie den Ast im Abstand von 30 Zentimetern zum Stamm von unten an. Versetzen Sie die Säge ein Stück, um nunmehr von oben zu sägen. Daraufhin fällt der Ast zu Boden. Zum guten Schluss schneiden Sie den Stumpf auf Zapfen ab.

Tipps

Sauerkirschen spielen aus Sicht der Schnittpflege in einer anderen Liga, als Süßkirschen. Saftige Schattenmorellen gedeihen an den vorjährigen Trieben. Köstliche Weichselkirschen trägt das ein- bis dreijährige Fruchtholz. Dieses Gebaren verlangt nach einem alljährlichen Erhaltungsschnitt im Anschluss an die sommerliche Ernte.

Text: Paula Jansen

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