Feuchtwiese – Wie Sie einen seltenen Lebensraum anlegen und erhalten

Bis vor ungefähr 600 Jahren - ergo in Europas tiefem Mittelalter - bestand die deutsche Landschaft zum größten Teil aus Wäldern, Auenwäldern und Feuchtwiesen. Diese natürlichen Biotope wurde schließlich durch die immer stärker anwachsende menschliche Bevölkerung verdrängt, denn diese benötigten Acker- und Weideflächen zur Sicherung der Ernährung. Auch heute sind die sehr artenreichen Feuchtwiesen stark gefährdet, fallen sie doch der Begradigung von Flüssen sowie der Entwässerung und Umgestaltung in Acker- und Weideflächen zum Opfer.

Feuchtwiese

Was ist eine Feuchtwiese?

Feuchtwiesen sind vor allem in der Nähe von Bach- oder Flussläufen, an Seen sowie in Senken zu finden, wo der Untergrund feucht bis nass ist – gelegentliche Überschwemmungen sind die Böden dieser sehr artenreichen Biotope gewöhnt. Sie sind ab dem Mittelalter durch die landwirtschaftliche Nutzung als Mahd- und Weidefläche entstanden und benötigen auch heute noch eine pflegende, menschliche Hand. Anderenfalls würde diese eher von krautigen Pflanzen bewachsene Wiese schnell von hohen Stauden und Gebüschen besiedelt werden und sich schnell in einen Auenwald verwandeln. Landwirtschaftlich werden Feuchtwiesen vor allem zur Heugewinnung genutzt, für die Weidehaltung etc. sind sie dagegen eher ungeeignet. Sie werden synonym auch als Sumpfwiesen bezeichnet, obwohl die Vegetation derselben sich teils – je nach Grad der Bodenfeuchtigkeit – stark unterscheiden kann.

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Typische Feuchtwiesen-Pflanzen

Je nach Bodenbeschaffenheit und daraus folgendem Bewuchs werden drei verschiedene Arten an Feuchtwiesen unterschieden:

1. Sumpfdotterblumenwiesen

Die kräftig gelb blühende Sumpfdotterblume gedeiht vor allem auf nährstoffreichen Böden, die im Sommer aufgrund eines geringeren Grundwasserspiegels auch abtrocknen können. Neben der Sumpfdotterblume (Caltha palustris) finden sich auf dieser landwirtschaftlich nutzbaren Feuchtwiese Pflanzen wie

  • Trollblume (Trollius europaeus)
  • Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis)
  • Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis)
  • Kuckuckslichtnelke (Lychnis flos-cuculi)
  • sowie das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), eine heimische Orchideenart.

Dieser Typus von Feuchtwiesen sollte, sofern er landwirtschaftlich genutzt wird, regelmäßig gemäht und gedüngt werden.

2. Pfeifengraswiesen

Im Gegensatz zu den meist üppig blühenden, auf nährstoffreichen Böden gedeihenden Sumpfdotterblumenwiesen sind typische Pfeifengraswiesen vor allem auf eher nährstoffarmen, wechselfeuchten Böden zu finden. Mögliche Standorte sind etwa entwässerte Moore. Die Vegetation ist stark durch verschiedene Pfeifengrasarten sowie Blumen wie

geprägt. Pfeifengraswiesen sollten möglichst nicht gedüngt werden, da die für diesen Typus charakteristischen Pflanzen sonst zurückgehen.

3. Brenndoldenwiesen

In Deutschland ist dieser Typus von Feuchtwiesen vor allem in den Flusstälern der großen Flüsse Elbe, Havel und Oder zu finden. Die typische Vegetation besteht aus

  • Sumpf-Brenndolde (Cnidium dubium)
  • Wiesensilge (Silaum silaus)
  • Gottes-Gnadenkraut (Gratiola officinalis)
  • oder die Sumpf-Platterbse (Lathyrus palustris)

gekennzeichnet. Brenndoldenwiesen werden auch als Stromtalwiesen bezeichnet und müssen wechselseitig Überschwemmungen und Austrocknung tolerieren.

Eine Feuchtwiese anlegen

Natürlich können Sie auch selbst eine Feuchtwiese anlegen. Optimal für ein solches Vorhaben ist ein naturfeuchter Standort, der jedoch meist trockengelegt wird. Auf normal trockenem Gartenboden müssen Sie dagegen wie folgt vorgehen:

  • Tragen Sie zunächst die obere Bodenschicht mitsamt der kurz geschnittenen Bepflanzung ab.
  • Heben Sie eine flache Mulde aus oder wählen Sie einen Standort in einer Senke.
  • Füllen Sie diese Mulde mit Lehm oder Ton sowie anschließend mit – je nach Wiesenart – nährstoffreicher Erde oder einem Erd-Sand-Gemisch auf.
  • Bringen Sie eine spezielle Samenmischung für Feuchtwiesen aus.

Tipps & Tricks

Feuchtwiesen müssen regelmäßig – mindestens zweimal pro Jahr – gemäht werden, damit der Artenreichtum erhalten bleibt und sich die Fläche nicht verbuscht. Wichtig ist die Mahd vor allem im frühen Herbst.

Text: Ines Jachomowski

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