Streuwiese – ein artenreiches Biotop für Tiere und Pflanzen

Der Name "Streuwiese" mag auf den ersten Blick etwas verwirrend erscheinen, allerdings leitet er sich von der jahrhundertelangen Nutzungsform dieser Feuchtwiesenart ab: Streuwiesen werden seit jeher einmal im Jahr gemäht, wobei das Mähgut nicht als Futtermittel - dafür ist es ungeeignet - sondern aus Einstreu für die Viehställe verwendet wurde und wird. Die Mahd wird traditionell erst im späten Herbst / Winter durchgeführt.

Streuwiese

Was ist eine Streuwiese?

Streuwiesen gehören zu den typischen Feuchtwiesen, die vor allem im Umland von Gewässern sowie auf Moor- und Tonböden zu finden sind. Charakteristisch ist der eher magere, nährstoffarme Boden. Streuwiesen gehören zu den artenreichsten Naturräumen in Mitteleuropa und beherbergen nicht nur durchschnittlich etwa 70 verschiedene Pflanzenarten pro Quadratmeter, sondern auch zahlreiche Kleintiere und Vögel, insbesondere Amphibien und Bodenbrüter. Braunkehlchen, Kiebitz, der winzige Wachtelkönig sowie Rohrammer und Sumpfrohrsänger sind hier ebenso zuhause wie Gras- und Moorfrosch – vorausgesetzt, der Boden ist feucht genug und bietet durch einen dichten Bewuchs ausreichend Versteckmöglichkeiten.

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Streuwiesen sind sehr artenreich

Streuwiesen befinden sich immer auf nährstoffarmen Böden, wobei sich die konkret vorzufindenden Pflanzenarten von Standort und Bodenbeschaffenheit unterscheiden. Zu den typischen Pflanzenarten einer Streuwiese gehören die verschiedenen Pfeifengrasarten, weshalb dieser Wiesentyp oft auch als Pfeifengraswiese bezeichnet wird. Neben zahlreiche Pflanzen, Vögeln und Amphibien finden auch seltene Schmetterlinge hier ihre bevorzugte Nahrung. Aufgrund der landwirtschaftlich sehr beschränkten Nutzungsmöglichkeiten sind Streuwiesen – ebenso wie alle Feuchtwiesen – stark im Rückgang begriffen, was wiederum zugleich bedeutet, dass viele an diesen Lebensraum angepasste Tiere und Pflanzen selten geworden oder bereits vom Aussterben bedroht sind.

Typische Pflanzen einer Streuwiese

An dieser Stelle sollen nur einige charakteristische Pflanzenarten aufgeführt werden, die tatsächliche Vielfalt ist natürlich um ein Vielfaches höher. Des Weiteren ist das tatsächliche Vorkommen bestimmter Pflanzen von der Lage abhängig, da manche Gewächse nur im Alpenvorland und andere nur im Tiefland heimisch sind.

  • verschiedene Pfeifengrasarten
  • verschiedene Binsenarten
  • Kümmelblättrige Silge (Selinum carvifolia)
  • Gewöhnlicher Teufelsabbiss (Succisa pratensis)
  • Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis)
  • Trollblume (Trollius europaeus)
  • Wiesen-Knöterich (Polygonum bistorta)
  • Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea)
  • Blutwurz (Potentilla erecta)
  • Kanten-Lauch (Allium angulosum)
  • Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica)

Eine Streuwiese anlegen und pflegen

Für die Neuanlage einer Streuwiese eignet sich ein naturfeuchter Boden (z. B. an einem See, Teich – auch einem Gartenteich – einem Bach oder Fluss), möglichst in einer Senke. Hier sammelt sich das Wasser und schafft somit die notwendigen Voraussetzungen. Wollen Sie dagegen eine künstliche Streuwiese an Ihrem Gartenteich anlegen, so sollten Sie den Boden mit einer dicken Lehm- oder Tonschicht abdichten. Ansonsten wird der Boden wie beschrieben vorbereitet:

  • Entfernen Sie alle Gehölze und Sträucher.
  • Mähen Sie die Wiese so kurz wie möglich.
  • Entfernen Sie das Schnittgut.
  • Graben Sie die Fläche gründlich um bzw. bearbeiten Sie sie bei entsprechender Größe mit dem Pflug.
  • Arbeiten Sie gegebenenfalls Sand und / oder Kalk ein, um den Boden abzumagern.
  • Lockern Sie den Boden mit einem Rechen / Harke bzw. mit einer Egge auf.
  • Bringen Sie eine Samenmischung mit möglichst für Ihre Gegend typischen Streuwiesenpflanzen aus.

Tipps & Tricks

Entsprechendes Saatgut erhalten Sie entweder im spezialisierten Internet-Fachhandel oder durch das sogenannte Heumulchen. Dabei bringen Sie auf der zu besäenden Fläche frisches Heu mit reifen Samen von Streuwiesen aus Ihrer Umgebung aus und lassen es dort über den Winter liegen.

IJA

Text: Burkhard

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