Kraut- und Braunfäule an Tomaten: Erkennen und Behandeln

Hauptauslöser für die Kraut- und Braunfäule ist oft regnerisches Wetter, bei dem die Tomaten dauerhaft ungeschützt stehen. Maßnahmen gegen die Pilzerkrankung müssen schon vor den ersten Anzeichen der Krankheit getroffen werden.

Kraut- und Braunfäule an einer Tomatenpflanze
Eine anhaltend hohe Luftfeuchtigkeit sorgt für braunes Kraut an Tomaten.

Schadbild

Zuerst äußert sich ein Befall an den unteren Blättern, die braune Flecken bekommen und mit der Zeit welken. Ähnlich ergeht es den Früchten – sie bekommen braune Stellen, egal ob reif oder noch unreif. Der Pilz schädigt darüber hinaus auch den Stängel, auf dem sich braun-schwarze Flächen bilden. Feuchtes Wetter begünstigt die Infektion und Ausbreitung erheblich.

Lesen Sie auch

Kraut- und Braunfäule an einer Tomatenpflanze erkennen

Früchte

Gelbe, grüne oder rote Tomaten weisen das gleiche Schadbild auf. Sie bekommen meist auf der oberen Hälfte hellbraune oder gelbliche Flecken. Während sie im Anfangsstadium noch hart sind, weichen die verfärbten Stellen nach und nach auf, bis sie matschig und faul sind.

Blätter

Die Blätter werden von der Spitze ausgehend braun-schwarz. Es bilden sich Flecken, die unscharf begrenzt sind und feucht wirken. Mit der Zeit welkt das gesamte Blatt, bis es schließlich abfällt. Die Blattunterseite offenbart einen weißlichen Belag, ähnlich wie der des Mehltaus. Ab diesem Punkt ist meist schon die gesamte Pflanze befallen.

Wie lässt sich die Kraut- und Braunfäule im Anfangsstadium erkennen?

Das Anfangsstadium der Kraut- und Braunfäule lässt sich meist am unteren Blattwerk beobachten:

  • unscharf abgegrenzte grau-braune Flecken
  • weißer Flaum auf der Blattunterseite
  • Stängel wird stellenweise schwarz
  • faulende Tomatenfrüchte

Verursacher der Pilzinfektion sind meinst infizierte Kartoffelknollen. Aus diesem Grund sollten Tomaten und Kartoffeln nicht in Fruchtfolge gepflanzt werden und keine direkten Beetnachbarn sein. Im Frühjahr verbreiten sich die Pilzsporen über Boden und Luft und sorgen so für eine Infektion der Tomatenpflanzen. Im fortgeschrittenen Wachstumsstadium der Pflanze zeigen sich erste Merkmale meist an den Blättern.

Zyklus der Kraut- und Braunfäule als Illustration

Was hilft gegen Kraut- und Braunfäule bei Tomaten?

Alle Pflanzenteile der Tomate sollten regelmäßig nach braunen Flecken untersucht werden. Eine frühzeitige Feststellung einer akuten Kraut- und Braunfäule ermöglicht Gegenmaßnahmen. Und wenn im Vorjahr schon mit der Kraut- und Braunfäule zu kämpfen war, empfehlen sich vorbeugende Methoden wie Spritzungen mit Hausmitteln und Schutz vor Witterungseinflüssen.

Hausmittel

Bevor die Chemiekeule aus dem Keller geholt wird, empfiehlt sich zunächst der Einsatz von nachhaltigen Hausmitteln. Auch die Tomate selbst, das Beet und nicht zuletzt der Mensch profitieren von einer ökologischen Behandlung. Deshalb sollten chemische Spritzmittel immer hinter nicht minder wirkungsvollen Hausmitteln Verwendung finden.

Hausmittel gegen Kraut- und Braunfäule als Illustration

Akute Behandlung mit Hausmitteln

Sud aus Ackerschachtelhalmen: Vorbeugend sollte der Sud von Frühling bis zum Sommer in regelmäßigen Abständen auf die Blätter gespritzt werden. Falls ein leichter Befall bemerkbar ist, spritzt man alle Pflanzenteile drei Tage hintereinander ein. Alternativ kann auch ein fertiger Ackerschachtelhalmsud verwendet werden. Das Konzentrat von der Marke Brandling ist im 3 L Kanister für ca. 25 Euro erhältlich.

Salbeitee mit Backpulver: Ist der Befall schon weit fortgeschritten, kann Salbeitee mit Backpulver den Pilz noch aufhalten. Dafür wird Salbei wie ein Tee mit heißem Wasser aufgekocht und ca. 10 min ziehen gelassen. Nach dem Abkühlen werden dem Aufguss zwei Teelöffel Backpulver zugegeben. Alles gut durchrühren, in eine Sprühflasche umfüllen und die Pflanze tropfnass abspritzen.

Vorbeugende Maßnahmen mit Hausmitteln

Spritzung mit Magermilch: Man mische 100 ml Magermilch mit einem Liter Wasser. Gut durchgemischt kann die Lösung großzügig auf die Pflanze gespritzt werden. Die Mikroorganismen in der Milch schaffen eine unwirtliche Oberfläche für Pilze aller Art, ohne der Tomate selbst zu schaden.

Spritzung mit Natron: Die wohl kostengünstigste Methode, um Tomatenpflanzen nachhaltig vor Pilzbefall zu schützen. Für das richtige Mischungsverhältnis werden 8 g Natron in 1 L Wasser aufgelöst. Anschließend kann die Flüssigkeit mit einer Sprühflasche auf die Blätter gespritzt werden.

Spritzmittel

Kommt es zum Worst-Case-Szenario – die Kraut- und Braunfäule befällt das ganze Beet oder Gewächshaus – sind chemische Spritzmittel meist der letzte Ausweg. Mit dem COMPO Pilz-frei kann das Schlimmste verhindert werden. Für ca. 15 Euro erhält man 20 ml des hocheffektiven Fungizids, welches verdünnt 33 L Spritzwasser ergibt.

Sind die mit Kraut- und Braunfäule befallenen Früchte noch essbar?

Auch wenn die Tomate einer an Kraut- und Braunfäule leidenden Pflanze noch essbar aussieht, kann sie bereits mit dem Erreger Phytophthora infestans infiziert sein. Dieser setzt Giftstoffe frei, die krebserregend sein können. Von einem Verzehr raten wir dringend ab. Da der Erreger hitzebeständig ist hilft auch das Kochen oder Braten nicht. Entsorgen Sie die Früchte und befallene Pflanzenteile über den Restmüll (Quelle: Umweltbundesamt).

Wie kann der Kraut- und Braunfäule vorgebeugt werden?

Abgesehen von nachhaltigen Haushaltsmitteln, die auf das Blattwerk und die Früchte gespritzt werden, ist der Standort, die Sorte und nicht zuletzt die Pflege ausschlaggebend, um eine Infektion der Kraut- und Braunfäule zu vermeiden. Eine glückliche Pflanze ist eine gesunde Pflanze!

Standortwahl

Kartoffeln sollten so weit wie möglich von anderen Nachtschattengewächsen (dazu gehört auch die Tomate) angepflanzt werden. Denn gerade in den Wurzeln der Kartoffeln „überwintert“ der Eipilz Phytophthora infestans. Dieser löst sich im Boden und wird über Spritzwasser und Wind auf die nahestehenden Pflanzen transportiert. Je weiter entfernt Tomate und Kartoffel voneinander stehen, desto geringer ist die Chance einer Ansteckung.

Pflanzabstand

Darüber hinaus sollten Tomatenpflanzen mit einem Abstand von etwa 70-80 cm zueinander gepflanzt werden. Dadurch haben die Tomaten zum einen mehr Platz für ihr Wachstum, sodass sich infizierte Blätter nicht berühren. Zum anderen verbessert der Abstand zwischen den Sträuchern die Verdunstung von Wasser.

Sonniger Platz

Dass Tomaten die Sonne lieben, ist jedem bekannt. Aber ein sonniger Platz sorgt nicht nur für süße, reife Früchte, sondern fördert auch die Verdunstung von Wasser. Mindestens sechs Stunden Sonne brauchen die Früchte für ein gesundes Wachstum und trockene Blätter. Regen oder Gießen von oben mögen die empfindlichen Pflanzen übrigens gar nicht.

Resistente Tomatensorten

Obwohl die Züchter weltweit ihr Bestes geben: Eine resistente Tomatensorte gegenüber der Kraut- und Braunfäule gibt es nicht. Allerdings gibt es unter den Wildtomaten von Natur aus besonders widerstandsfähige Sorten. Auch von den veredelten gibt es die ein oder andere Sorte, die im Schnitt besser mit Pilzerkrankungen umgehen kann.

Wildtomaten

Nicht um die Welt, dafür aber mit großer Sicherheit in den Salat gelangen die Früchte der Humboldt-Tomate (Solanum humboldtii). Sie werden in etwa so groß wie Cherrytomaten und haben einen einzigartigen beerigen Geschmack. Wer es noch „ursprünglicher“ mag, sollte die Johannisbeertomate in Betracht ziehen. Sie ist wesentlich kleiner und vom Geschmack mild-süßlich. Gemeinsam haben beide Sorten ihre hohe Resistenz gegenüber der Kraut- und Braunfäule.

Veredelte Tomaten

Die Auswahl an Kulturtomaten ist deutlich größer (und bunter). Eine gute Mischung aus Popularität und Resistenz liefert die Sorte Primabella. Die robuste Cocktailtomate schmeckt spritzig-säuerlich und wird deshalb gerne zum puren Nascherlebnis angebaut. Viel Fruchtfleisch und bunte Untersorten machen die De-Berao-Tomaten zum Liebling von Soßen-Spezialisten. Die schnittfeste Phantasia F1 eignet sich hervorragend für Salate und die italienische Küche.

Pflege

Die vorbeugende Pflege umfasst im wesentlichen drei Aspekte: Regenschutz, richtiges Gießen und Ausgeizen. Damit man nicht ständig mit dem Regenschirm bei seinen Tomaten stehen muss, empfiehlt sich entweder ein Standort unter dem Dach oder die Konstruktion eines Regensdaches. Beim Gießen und Ausgeizen kommt man um die tägliche Aufmerksamkeit allerdings nicht herum.

Regenschutz

Pilze brauchen Feuchtigkeit, um sich zu verbreiten und zu wachsen. Daher ist der Nutzen eines Regenschutzes selbsterklärend: Das Blattwerk der Tomate möglichst trocken und pilzfrei halten. Dazu sucht man entweder gleich zum Einpflanzen ein überdachtes (aber dennoch sonniges!) Plätzchen für die Tomate oder baut ihr ein kleines Dach im Beet.

Richtiges Gießen

Mit dem Gießen von unten ist buchstäblich noch nicht alles im Reinen. Denn ein harter Wasserstrahl auf der weichen Erde kann schnell Spritzer erzeugen, die auf den unteren Pflanzenteilen landen. In der Erde befinden sich viele Schaderreger, die – gut angefeuchtet – so ihren Weg auf die Tomate finden.

Hilfsmittel zum Tomaten gießen als Illustration

Topf mit Loch im Boden: In unmittelbarer Nähe zur Wurzel der Tomatenpflanze wird ein Tontopf mit Loch im Boden eingesetzt und bis zum Rand vergraben. Das Gießwasser wird folglich nur in den Topf gegeben, der die Feuchtigkeit gleichmäßig an den Boden abgibt.

Gießring: Die etwa 10-20 Euro teuren Kunststoffringe funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie der einfache Topf mit Loch. In der Erde eingesetzt wird der Stängel jedoch zusätzlich von seinem persönlichen Wassergraben umgeben, der Schädlinge wie Schnecken fernhält.

Olla: Eine Olla ähnelt dem Tontopf mit Loch im Boden, ist aber ein geschlossenes Gefäß. Das Wasser wird kontinuierlich an die Erde abgegeben, wenn die Erde zum trocken wird. Der Vorteil der Olla ist ihr Fassungsvermögen. Mit bis zu 6 L kann man 1 m² Beetfläche auch über Trockenperioden hinweg nachhaltig feucht halten und mehrere Pflanzen versorgen.

Ausgeizen und Entblättern

Man unterscheidet bei der Tomate zwischen zwei Arten von Trieben: die fruchtragenden und die geizigen. Letztere bilden sich ausschließlich in den Achseln zwischen dem Stamm und den erstgenannten Wuchstrieben. Sie sind deshalb geizig, weil sie keine Früchte, sondern nur Blätter bilden. Deshalb sollten die Geiztriebe entfernt werden, was die Durchlüftung fördert.

Gleicher Standort im Folgejahr trotz Braunfäule?

Der alte Standort zieht mehrere Nachteile mit sich. So ist die Infektionsgefahr dort allgemein hoch, da bereits eine Pflanze infiziert wurde. Möglicherweise steht im benachbarten Garten eine Kartoffelpflanze, die über den Wind (und durch den Zaun) die eigene Tomate angesteckt hat. Außerdem ist die Erde am alten Standort durch die Infektion belastet.

Braunfäule im Gewächshaus: Erde austauschen oder nicht?

Die Erde im Gewächshaus muss trotz eines Befalls nicht ausgewechselt werden. Wichtig ist aber, gut zu Mulchen und frisches Substrat in den Boden einzuarbeiten. Stangen und Schnüre, die als Rankhilfen dienten, müssen mit heißem Wasser gereinigt oder vernichtet werden.

Braunfäule im Beet: Gleicher Standort im Folgejahr?

Vorbeugend ist es gut, einen anderen Standort zu wählen. Aufgrund der meist begrenzten Fläche im Garten kann aber –wie im Gewächshaus – neues Substrat eingearbeitet werden und der Boden durch Mulchen und Düngen aufgearbeitet werden. Dies führt der Erde neue Nährstoffe zu.

Stamm fault, Früchte braun – Ähnliche Krankheiten

Nicht alle braunen Flecken auf den Früchten und Blättern müssen die Kraut- und Braunfäule als Ursache haben. Es gibt weitere Tomatenkrankheiten, die ähnliche Symptome aufweisen. Dazu zählen die Stängelfäule und die Blütenendfäule.

Stängelfäule

Die Stängelfäule lässt sich an den braunen Stellen am Stamm der Tomatenpflanze erkennen. Der Pilz Didymella lycopersici ist der Auslöser. Anders als bei der Kraut- und Braunfäule wird zuerst der Stamm fleckig und verfärbt sich. Es bilden sich schwarze, eingewölbte Abdrücke in der Rinde. Aber auch die Blätter und die Früchte werden faulig. Informieren Sie sich über schwarze Flecken an Tomaten.

Stängelfäule an einer Tomatenpflanze erkennen

Ursachen: Der Pilz tritt über Spritzwasser in die Pflanze durch Verletzungen oder Atemöffnungen ein. Dort verbreitet sich der Erreger zuerst über die Leitbahnen, die dadurch die entsprechende Krankheitssymptome aufweisen.

Symptome: Schwarze, eingewölbte Stellen auf dem Stängel werden als Erstes sichtbar. Dann breitet sich der Pilz auf die Blätter aus, die kreisförmige braune Flecken aufweisen, die immer blasser werden. Im Inneren der Kreise zeigen sich dunkle Punkte. Die Früchte werden vom Stielansatz ausgehend faul.

Vorbeugung: Widerstandsfähige Sorten, die aus einem gesunden Saatgut stammen, erkranken seltener an der Stängelfäule. Außerdem sollte ein hoher Wert auf Hygiene am Beet gelegt werden. Beim Ausgeizen darauf achten, keine großen Schäden an der Rinde zu verursachen, da diese als Eintrittspforte für Schaderreger fungieren.

Blütenendfäule

Die Blütenendfäule ist keine klassische Erkrankung, sondern ein Anzeichen für ein Nährstoffungleichgewicht. Die Tomatenfrüchte werden um den Blütenansatz herum faul. Es fehlt an Kalzium, welches für stabile Zellwände verantwortlich ist. Folglich wird die Haut der Früchte immer weicher, bis sie schließlich zusammenfällt. Das darunterliegende Gewebe wird faulig-weich und verhärtet dann.

Blütenendfäule an einer Tomate

Ursachen: Kommt es zur Blütenendfäule, fehlt es am wichtigen Pflanzennährstoff Calzium. Es kann sein, dass zu wenig in der Erde vorliegt. Häufig ist auch der Einsatz von zu viel Stickstoff-Dünger die Ursache. Dadurch wächst die Tomatenpflanze so schnell, dass sie andere Mineralien nicht mehr nachreichen kann.

Symptome: Am ehemaligen Blütenansatz der Tomatenfrucht sind plötzlich kleine schwarze Punkte zu erkennen. Nach kurzer Zeit wird die Haut braun, weich und sinkt ein. Dann wird das Gewebe hart und fühlt sich ledrig an.

Vorbeugung: Falls die Pflanze einen übermäßig starken Wuchs aufweist, sollte die Stickstoff-Düngung für eine oder zwei Wochen ausgesetzt werden. Ist das nicht der Fall oder bessern sich die Symptome nicht, kann der Tomate Urgesteinsmehl zugeführt werden. Außerdem eignet sich ein spezieller Calcium-Dünger, der auch auf betroffene Pflanzenteile gesprüht werden kann. Wir empfehlen dazu den flüssigen Calciumdünger von Wuxal.

FAQ

Dürfen Tomatenpflanzen mit Braunfäule auf den Kompost?

Nein, Tomatenpflanzen mit Kraut- und Braunfäule dürfen nicht auf den Kompost, da die Sporen lange überleben.

Hilft Kupferdraht bei Kraut- und Braunfäule?

Nein, wissenschaftlich konnte der Einsatz von Kupferdraht weder vorbeugend noch akut bei der Kraut- und Braunfäule helfen.

Was hilft gegen Kraut- und Braunfäule?

Am meisten hilft eine gute Vorbeugung. Die umfasst neben der Behandlung mit Hausmitteln vornehmlich eine entsprechende Pflege.

Wie entsteht die Kraut- Braunfäule?

Die Kraut- und Braunfäule wird von einem Pilz namens Phytophthora infestans ausgelöst. Der Schaderreger gelangt über Berührung, Wind oder Spritzwasser an die Tomatenpflanze.

* Für Produkte, die mit einem Stern markiert sind, erhalten wir beim Kauf eine kleine Provision. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Text: Gartenjournal.net
Artikelbild: praneem79/Shutterstock

Jetzt für unseren Newsletter anmelden

Erhalten Sie den monatlichen Newsletter von Gartenjournal in Ihr
E-Mail-Postfach. Abmelden ist jederzeit möglich.