Weide Rückschnitt
Jede Weidenart hat ihren eigenen Schnittzeitpunkt

So schneiden Sie Ihre Weide richtig – Anleitungen im Tutorial

Mit bis zu 150 Zentimeter im Jahr zählt die Weide zu den Wachstumsraketen im Garten. Regelmäßiges Schneiden ist daher für die schönsten Arten und Sorten obligatorisch. Lesen Sie in diesem Tutorial, wann und wie Sie Zierweiden, Kopfweiden und Trauerweiden richtig schneiden.

Bester Zeitpunkt ist im Februar

Im privaten Garten hat sich der Monat Februar herauskristallisiert als idealer Zeitpunkt für die Schnittpflege an Weiden. Für den Gärtner punktet der Termin mit einer guten Übersicht über Struktur und Anordnung der Triebe, weil sie am Ende des Winters noch keine Blätter tragen. Die Gehölze selbst befinden sich im Übergang von der winterlichen Saftruhe zum Austriebsbeginn, sodass Schnittmaßnahmen sich schonend auswirken. Nicht zuletzt geht ein spätwinterlicher Schnitt-Termin konform mit dem Schutz der Natur und den Vorschriften im Bundesnaturschutzgesetz.

Wählen Sie einen Tag mit wolkenverhangenem Himmel und trockener Witterung. Die Temperaturen sollten sich im frostfreien Bereich befinden. Als untere Toleranzgrenze hat sich – 5 Grad Celsius in der Praxis nachweislich bewährt.

Zierweide jährlich schneiden

Zierweiden kokettieren mit elegant hängenden Zweigen oder erstrahlen im farbenprächtigen Laubgewand. Dem Charme von Kätzchenweide, Harlekinweide oder Korkenzieherweide sind Hobbygärtner längst erlegen. Damit sich die dekorativen Weidensorten in jedem Jahr von ihrer schönsten Seite präsentieren, nimmt die Schnittpflege eine Schlüsselfunktion ein. So schneiden Sie eine Zierweide meisterlich:

  • Strauch oder Krone gründlich auslichten
  • Totholz, schwache, nach innen gerichtete oder sich kreuzende Triebe am Ansatz abschneiden
  • Übrige Äste wahlweise um ein Drittel, die Hälfte oder zwei Drittel zurückschneiden
  • Schnittführung an Knospen beachten, 2-3 mm über einem Auge
  • Überlange Triebe idealerweise ableiten auf einen tiefer positionierten, seitlichen Jungtrieb

Die gutmütige Schnittverträglichkeit einer Weide erlaubt einen breiten Ermessensspielraum. Verschneiden Sie die Krone einer Harlekinweide um bis zu zwei Drittel, fördern Sie die Farbenpracht. Zierweide ‘Hakuro Nishiki’ trägt an diesjährigen Trieben die schönsten grün-weiß-rosa-farbenen Blätter. Eine Korkenzieherweide sollte zumindest ausgelichtet werden für ein lichtdurchflutetes Wachstum. Überlange Triebe erhalten nur dann einen Rückschnitt, wenn sie das Gesamtbild stören oder im fortgeschrittenen Alter spröde werden.

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Harlekinweide zweimal jährlich schneiden

Ein sommerlicher Pflegeschnitt bringt neuen Schwung ins farbenfrohe Blätterkleid einer Harlekinweide. Im Laufe der Zeit vergrünen die frischen Blätter und büßen an Strahlkraft ein. Wenn die Weide zwischen Ende Juni und Mitte Juli eine kurze Wachstumspause einlegt, ist der beste Zeitpunkt für einen moderaten Schnitt. Kürzen Sie die Zweige von Krone oder Strauch im Bereich des diesjährigen Zuwachses ein, sprießen erneut fröhlich bunte Blätter.

Hintergrund

Moderater Sommerschnitt ist erlaubt

Hauptsaison für die Schnittpflege an Weiden ist im Winter. Zum Schutz unserer Vogelwelt gestattet das Bundesnaturschutzgesetz radikalen Gehölzschnitt vom 1. Oktober bis 28. Februar. Die Erlaubnis gilt unter der Maßgabe, dass in Hecke, Strauch oder Baumkrone keine wild lebenden Tiere überwintern. Während der sommerlichen Schonfrist vom 1. März bis 30. September sind moderate Schnittmaßnahmen zulässig, sofern diese sich beschränken auf den diesjährigen Triebzuwachs.

Kopfweide schneiden – so gehts

Damit eine Kopfweide ihren authentischen Habitus bewahrt, sollten Sie den Baum jedes Jahr schneiden. Auf diese Weise motivieren Sie die Weide, kontinuierlich dünne, biegsame Triebe zu produzieren, ohne dass die Krone zu schwer wird. Regelmäßiges Schneiden hat zudem den Vorteil, dass keine großen Schnittwunden entstehen. So machen Sie es richtig:

  • Bester Zeitpunkt ist im Winter von November bis Ende Februar
  • Alle Äste abschneiden, die aus dem Kopf wachsen
  • Keine langen Stummel stehen lassen
  • Triebe aus dem Stamm ganzjährig und zeitnah entfernen

Für den Schnitt einer Kopfweide benötigen Sie eine Zweihand-Astschere mit Teleskoparmen sowie eine Klappsäge. Triebe bis maximal 3 Zentimeter Durchmesser bewältigen Sie mit einer Astschere, die idealerweise über ein kraftverstärkendes Ratschengetriebe sowie Bypass-Mechanik verfügt. Dickere Äste meistern Sie mit einer Japansäge.

Exkurs

Wundverschlussmittel sind tabu

Ein Schnitt an alten Weiden kann größere Wunden hinterlassen. Versiegeln Sie die Wundflächen nicht mit Baumwachs. Wissenschaftler und Baumchirurgen haben nachgewiesen, dass ein luftdichter Verschluss etliche Nachteile hat. Unter anderem wird das wertvolle Teilungsgewebe daran gehindert, die Wunde zu überwallen. Besser ist, Sie glätten Schnittwunden mit einem sauberen, scharfen Messer. Sollten noch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zu befürchten sein, bestreichen Sie die äußeren Wundränder dünn mit Baumwachs, um das Kambium vor Frostschäden zu schützen.

Trauerweide selten schneiden

Charakteristisch für Trauerweiden ist ein Wachstum mit malerisch herabhängenden Trieben. Ein Teil der Äste wächst aufrecht, jedoch selten weit über die Veredelungsstelle hinaus. Im Laufe der Jahre entwickelt sich eine imposante, weit ausladende Krone. Ihr prächtiges Erscheinungsbild entfaltet eine Trauerweide von Natur aus. Im Gegensatz zu ihren mannigfaltigen Artgenossen, steht ein Schnitt nur selten auf dem Pflegeplan. Ein zu dichtes Wachstum mit verkahlenden Trieben ist häufigster Anlass für folgende Schnittführung:

  • Trauerweide alle 6 bis 8 Jahre schneiden
  • Bester Zeitpunkt ist zwischen November und Februar bei mildem, trockenem Wetter
  • Zu Beginn abgestorbene, verkahlte Äste auslichten auf Astring
  • Stark herabhängende Triebe zurückschneiden auf einen flachen Seitentrieb
  • Große Schnittwunden mit mehr als 3 cm Durchmesser vermeiden

Untenstehende Abbildung illustriert die Schnittführung als Kombination aus Form- und Auslichtungsschnitt. Wichtig zu beachten ist, dass Sie nicht in die Veredelungsstelle schneiden. Diese befindet sich im Übergang vom Stamm zur Hängekrone. Das formschöne, natürliche Wachstum bleibt erhalten, wenn Sie zu lange oder stark verästelte Zweige nicht einfach irgendwo abschneiden, sondern gezielt ableiten auf einen jungen Seitentrieb.

Trauerweide Rückschnitt

Alle 6 bis 8 Jahre lichten Sie eine Trauerweide aus. Bei dieser Gelegenheit verschlanken Sie massiv verzweigte Äste durch einen Ableitungsschnitt.

Häufig gestellte Fragen

Wie schneide ich eine drei Jahre alte Korkenzieherweide, damit sie als dichter Strauch mit Sichtschutzfunktion wächst?

Den vorhandenen Strauch schneiden Sie zu Beginn im Spätwinter auf etwa 60 Zentimeter über dem Boden zurück. Die Korkenzieherweide treibt daraufhin kräftig aus. Haben die Neutriebe im Sommer eine Länge von 25 Zentimeter erreicht, beschneiden Sie diese um 5 Zentimeter. Am Ende des folgenden Winters beschneiden Sie den vorjährigen Zuwachs um 5 bis 10 Zentimeter. So fahren Sie fort, bis die Korkenzieherweide die gewünschte Wuchshöhe erreicht hat.

In diesem Frühling haben wir eine Kätzchenweide gepflanzt, die hübsche Blüten getragen hat. Jetzt im Juni haben sich am Stamm und direkt aus dem Boden kleine Triebe gebildet. Was tun? Kann ich die Zierweide jetzt noch schneiden?

Wenn an Weiden-Hochstämmchen unterhalb der Krone Triebe wachsen, handelt es sich um Wildlinge. Diese müssen am Stamm sauber abgeschnitten werden. Wildtriebe aus dem Boden reißen Sie mit einem beherzten Ruck ab. Ende Juni stellen alle Weiden das Wachstum kurzzeitig ein. Zu dieser Phase etwa bis Mitte Juli ist ein leichter Rückschnitt möglich, sofern er bei bedeckter und nicht zu heißer Witterung erfolgt und sich auf den diesjährigen Zuwachs beschränkt.

Welche Weiden-Arten sind geeignet für die Kultivierung als Kopfweide?

Traditionell wird die Korb-Weide (Salix viminalis) als Kopfweide gezogen. Ursprüngliches Ziel dieser speziellen Erziehungsform war die Ernte langer Ruten für die Korbflechterei. Daher ist die Korbweide auch bekannt als Flechtweide und Hanfweide. Fernerhin infrage kommen Silber-Weide (Salix alba) und Purpur-Weide (Salix purpurea).

Kann ich das Schnittgut einer Weide für die Vermehrung verwenden?

Die markante Wuchskraft einer Weide macht die Vermehrung mit Stecklingen zu einem erfolgreichen Vergnügen. Das Schnittgut können Sie für diesen Zweck verwenden, wenn es sich um halb verholzte, etwa fingerdicke Triebe handelt mit einer Länge von 20 bis 30 cm. Stecken Sie einen Trieb zu zwei Drittel in die Erde, sodass lediglich einige wenige Augen herausschauen. Am halbschattigen, geschützten Standort achten Sie bitte auf eine konstant leicht feuchte Erde, damit die Bewurzelung zügig voranschreitet.

Unsere Trauerweide ist 2 Jahre alt und 5 Meter hoch. Der Baum hat sich gut eingelegt. Allerdings wachsen im unteren Stammbereich büschelweise Seitentriebe. Was tun?

Sie können und sollten die Triebe entfernen. Es handelt sich um Wildlinge, die danach streben, die schöne edle Kaskadenkrone zu überwuchern. Fernerhin entziehen die ungebetenen Triebe dem Baum wertvolle Nährstoffe. Schneiden Sie jeden Wildling kurz vor der Stammrinde ab. Die Schnittstellen müssen Sie nicht weiter behandeln, denn sie schließen sich von selbst.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Schneiden bei Frost beeinträchtigt eine Weide ebenso massiv, wie der gänzliche Verzicht auf eine Schnittpflege. Obschon Salix-Arten die meisten Schnittfehler gutmütig verzeihen und aus eigener Kraft ausbügeln, sollten Ihnen die fatalsten Irrtümer bekannt sein. Die drei häufigsten Fehler mit Schere und Säge führt folgende Tabelle auf und gibt Tipps für die Vorbeugung:

SchnittfehlerSchadbildVorbeugung
bei Frost geschnittenzurückgefrorene Äste bis hin zum Totalausfallnicht bei Frost schneiden unterhalb von – 5 Grad Celsius
nie geschnittendichtes Gestrüpp aus vergreisten ZweigenZierweide und Kopfweide jährlich, Trauerweide alle 6-8 Jahre schneiden
in die Veredelungsstelle geschnittenKrone bricht oder stirbt abnicht in die Veredelungsstelle schneiden am Kronenansatz

Tipps

Umpflanzen einer Weide ist eng verknüpft mit einem Rückschnitt. Jeder Standortwechsel bedeutet den Verlust von Wurzelmasse. Daraus resultierendes Ungleichgewicht zwischen unterirdischem und oberirdischem Wachstum bringt jedes Gehölz an seine Grenzen. Indem Sie alle Triebe um ein Drittel oder die Hälfte einkürzen, stellen Sie die Balance wieder her. Diese Prämisse gilt übrigens nicht für Weiden im Kübel, die umgetopft werden.

Text: Paula Jansen

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