Rapsglanzkäfer schonend und wirkungsvoll bekämpfen

Der Rapsglanzkäfer genießt keinen guten Ruf. Er kann schöne Sommermonate in eine Qual verwandeln. Wer mit dem Rad an Rapsfeldern vorbei fährt, zieht oft hunderte Insekten an. Um den Käfer im eigenen Garten zu bekämpfen, reichen meist einfache Hausmittel aus.

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Rapsglanzkäfer haben sich auf die Pollen von Raps und anderen gelben Blüten spezialisiert

Das Wichtigste in Kürze

  • Rapsglanzkäfer werden in der Landwirtschaft üblicherweise mit Pyrethroiden bekämpft. Mittlerweile erweisen sich die Spritzmittel als wirkungslos.
  • Bevor chemische Mittel eingesetzt werden, sollte der Nutzen abgewägt werden. Schonender und effektiver sind Hausmittel oder Nützlinge.
  • Rapsglanzkäfer hinterlassen typische Fraßschäden an Raps. Die Schadschwelle ist ein Orientierungswert, ab welchem Bekämpfungsmaßnahmen eingeleitet werden sollten.
  • Die Insekten sind durch ihre Aktivität in typischen Lebensräumen eindeutig zu erkennen. Obwohl sie sich zunehmend ausbreiten, sind sie ungefährlich für den Menschen.

Wie kann ich Rapsglanzkäfer bekämpfen?

Dass chemische Mittel das Problem eines Schädlingsbefalls nicht lösen, sondern im schlimmsten Fall wirkungslos sind, hat sich am Beispiel des Rapsglanzkäfers gezeigt. Beachten Sie daher wichtige Hinweise, bevor Sie zu Spritzmitteln aus dem Gartencenter greifen.

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Spritzmittel

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Pyrethroide töten auch alle anderen Insekten

In den letzten 20 Jahren wurde der Rapsglanzkäfer nahezu ausschließlich mit Pyrethroiden bekämpft. Wenn sich die Insekten in einem gespritzten Pflanzenbestand fortbewegen, kommen sie in direkten Kontakt mit dem Insektizid. Nach kurzer Zeit zeigen die Käfer ein desorientiertes Verhalten. Ihre Bewegungen laufen nicht mehr rhythmisch ab, was vergleichbar ist mit einem Torkeln. Sie fallen schließlich auf den Boden und verenden.

Probleme beim Einsatz von Pyrethroiden:

  • Auswaschung durch Regen möglich
  • Wirkstoff baut sich bei starker Sonnenstrahlung ab
  • wirken weniger gut bei Temperaturen unter fünf und über 15 Grad
  • Insektizid wirkt nicht selektiv, sondern tötet alle Insekten

exkurs:
In den vergangenen zehn Jahren konnte in ganz Europa eine sinkende Wirksamkeit von Pyrethroiden beobachtet werden. Der Rapsglanzkäfer zeigt sich zunehmend unbeeindruckt gegenüber dem Einsatz des Spritzmittels. In Laboruntersuchungen wurde festgestellt, dass die Käfer ein Enzym zum Abbau des Giftstoffes entwickelt haben.

Die Hauptursache für diese Entwicklung ist der Fakt, dass in der Vergangenheit ausschließlich Pyrethroide eingesetzt wurden. Bei einem immer gleichen Wirkungsmechanismus überleben die Käfer, die eine geringere Anfälligkeit haben. Der Anteil an unempfindlichen Insekten steigt, sodass das Mittel immer wirkungsloser wird.

Tipps zum Umgang mit chemischen Mitteln

Die Chemiekeule sollte nur im äußerten Notfall eingesetzt werden, denn die giftigen Substanzen bringen weitere Probleme mit sich. Sie haben nicht nur negative Auswirkungen auf die Umwelt, sondern können auch die Gesundheit beeinträchtigen. Der eigene Garten soll ein Raum der Erholung sein und sichere Nahrungsmittel liefern. Bedenken Sie daher vor jeder Bekämpfungsmaßnahme diese Hinweise:

  • Aussitzen: eine Schlechtwetterperiode nach einem Hoch verdrängt die Käfer automatisch
  • Kontrolle: täglich morgens Käfer pro Pflanze zählen, um Effektivität der Bekämpfung zu ermitteln
  • Hinterfragen: jeder Einsatz von Insektiziden sollte auf seine Notwendigkeit überprüft werden

Rapsglanzkäfer – Hausmittel, die helfen

In der Landwirtschaft werden weitere Methoden zur Bekämpfung diskutiert, die bisher nur wenig Eingang in die Praxis erhielten. Alternative Mittel sind der Einsatz von parasitierenden Pilzen, Nützlingen oder Fangpflanzen. Im ökologischen Anbau und in privaten Gärten kann der Käfer mit schonenden Hausmitteln bekämpft werden. Reflektierende Stoffe wie Kalkmilch oder Stroh sollen den Rapsglanzkäfer vertreiben. Sie werden in Norddeutschland an Feldrändern ausgebracht, sodass die Einwanderung der Käfer verzögert wird.

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Absammeln

Käfersammelmaschinen sind in landwirtschaftlichen Betrieben gängig, die Schädlinge biologisch bekämpfen. Im heimischen Garten erfüllt das Absammeln per Hand den gleichen Effekt. Mit dieser Maßnahme kann der Befallsdruck um etwa 30 Prozent gesenkt werden, sodass für Zier- und Nutzpflanzen kein weiterer Handlungsbedarf besteht.

Gesteinsmehl

Stäubende Substanzen werden vor Beginn der Knospenentwicklung auf den Rapspflanzen verteilt. Für einen größtmöglichen Erfolg sollten Sie das Mittel erstmals bei Überschreiten der Temperaturschwelle von zehn Grad Celsius anwenden. Eine weitere Anwendung erfolgt nach dem Erscheinen der ersten Blütenknospen. Gesteinsmehl (10,49€ bei Amazon*) verhindert, dass sich der Käfer durch das Pflanzengewebe frisst. Der Befall kann bei rechtzeitiger Anwendung um ein Drittel gesenkt werden. Sie können das Mehl entweder per Hand ausstreuen oder mit Wasser mischen und spritzen.

Pflanzenöle

Um die Einwanderung der Käfer vom Feldrand zu reduzieren, werden die Randbereiche mit Raps- oder Sonnenblumenöl eingesprüht. Die Löslichkeit von unformulierten Pflanzenölen wird durch die Beimischung einer Neutralseife erhöht. In englischen Laborversuchen wurde herausgefunden, dass die Weibchen der Rapsglanzkäfer sensibel auf Lavendelöl reagieren. Es wirkt stark abstoßend auf die Insekten.

Schlupfwespen

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Schlupfwespen (21,90€ bei Amazon*) sind sehr hilfreich im Kampf gegen Rapsglanzkäfer

Die Insekten erweisen sich als nützliche Schädlingsbekämpfer, welche die Larvenbestände des Rapsglanzkäfers um mehr als 50 Prozent reduzieren können. Um Schlupfwespen im eigenen Garten zu fördern, sind naturnahe Strukturen essentiell. Diese sorgen allgemein für eine höhere Artenvielfalt und gewährleisten den natürlichen Feinden der Rapsschädlinge optimale Lebensbedingungen.

Lebensraum für Schlupfwespen:

  • blütenreiche Hecken
  • morsche Baumstämme mit Rückzugnischen
  • artenreiche Mauern in sonniger Lage
  • Wildblumenstreifen auf der Wiese

Welchen Schaden hinterlassen Rapsglanzkäfer?

Im Frühjahr gehen Rapsglanzkäfer auf Nahrungssuche. Sie ernähren sich von Blütenstaub, der sich im Inneren der Rapsknospen befindet. Das Schadinsekt verursacht sichtbare Fraßspuren, die sich bei starkem Befall über den gesamten Pflanzenbestand erstrecken. Kleine Knospen werden vollständig abgefressen, während größere Knospen den typischen Bohrfraß aufweisen. Stark beschädigte Knospen zeigen Vergilbungen und vertrocknen langsam, bis sie vom Stiel abfallen. Sind die Fraßschäden gering, entwickeln sich verkümmerte Blüten und missgestaltete oder verdrehte Schoten.

Der Rapsglanzkäfer, seine Larve und Fraßschäden

Schadschwelle

Die Bekämpfungsschwelle ist ein Wert zur Orientierung, ab wann eine Bekämpfung sinnvoll ist. Dieser Wert verändert sich im Laufe der Vegetationsperiode, da die Pflanzen mit zunehmendem Alter besser mit Fraßschäden zurecht kommen. Daher liegt die Schadschwelle zu Beginn der Knospenentwicklung niedriger als kurz vor dem Öffnen der Blüte. Zählen Sie die Käfer an jeder Pflanze, um über eine mögliche Bekämpfung entscheiden zu können. Die Ermittlung des Befalls erfolgt zwischen März und April.

  ungefährliche Population Bekämpfung sinnvoll bei
Knospen sind sehr klein ein bis zwei Insekten drei bis vier Käfern
14 Tage vor der Blüte drei bis vier Insekten sieben bis acht Käfern
Knospe ist kurz vor dem Öffnen fünf bis sechs Insekten mehr als acht Käfern

Sind Rapsglanzkäfer gefährlich?

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Rapsglanzkäfer beißen nur in Blüten, nicht in menschliche Haut

Die Ernteschädlinge sind in den Sommermonaten weit verbreitet. Sie setzen sich auf heller Kleidung und Badetüchern ab und werden beim Fahrradfahren zur Plage. Die Insekten beißen zu – allerdings hat der Mensch keinen Stich oder Biss vom Rapsglanzkäfer zu befürchten. Sie fressen sich ausschließlich durch pflanzliches Gewebe, um an den begehrten Pollen zu gelangen.

Wenn Sie bei schönem Wetter mit dem Rad unterwegs sind und keine Käfer anziehen möchten, sollten Sie auf dunkle Kleidung achten. Helle Shirts und Hosen wirken anziehend auf die Insekten. Sie verwechseln gelbe Kleidung mit einer strahlenden Blüte.

Obwohl Rapsglanzkäfer im Sommer lästig werden können, stellen sie keine Gefahr für den Menschen dar.

Ausbreitung in den letzten Jahren

In den vergangenen Jahren begünstigte die Witterung eine Ausbreitung der kleinen schwarzen Insekten. Der Rapsglanzkäfer fand 2018 optimale Lebensbedingungen vor, da die Temperaturen früh im Jahr in den Optimalbereich anstiegen. Unter windstillen Verhältnissen und sonnigen Bedingungen können besonders viele Insekten zur gleichen Zeit schlüpfen, sodass es schnell zu einer Plage kommt.

Der Rapsglanzkäfer war 2019 ein viel diskutiertes Insekt. Durch die zahlreichen Meldungen über zunehmende Resistenzen gegenüber Pyrethroiden wurden neue Insektizidstrategien entwickelt. Sie sollten die Bildung von Resistenzen abschwächen. Seit dem Frühjahr 2019 sind neue Mittel für die Bekämpfung des Rapsglanzkäfers zugelassen.

Rapsglanzkäfer erkennen

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Die kleinen Käfer sehen ganz niedlich aus

Das Insekt trägt den wissenschaftlichen Namen Brassicogethes aeneus. Sein englischer Name common pollen beetle deutet auf seine bevorzugte Nahrung hin. Rapsglanzkäfer gehören zur Familie der Glanzkäfer, von denen in Mitteleuropa 140 bis 150 Arten bekannt sind.

Aussehen

Die Käfer erreichen eine Größe zwischen 1,5 uns 2,5 Millimeter. Sie besitzen einen Panzer aus Chitin, der meist schwarz gefärbt ist und metallisch glänzt. Gelegentlich können Exemplare mit blauen, grünen oder violetten Grundtönen beobachtet werden. Beine und Fühler heben sich farblich vom oval geformten Körper ab. Sie erscheinen in dunklen Brauntönen. Die kurzen Fühler ähneln durch ihre verdickte Form einer Keule. Bei genauerem Hinschauen sind kleine Härchen auf den Flügeldecken erkennbar.

Lebensdauer

Nachdem die Käfer im Jahr der Eiablage geschlüpft sind, verbringen sie den Rest des Jahres mit der Suche nach Nahrung. Ab Ende August fliegen die Insekten in die Nähe von Waldrändern, um dort ein geeignetes Winterquartier zu suchen. Sie überwintern in der lockeren Humusschicht in Wäldern oder Hecken. Wenn im nächsten Frühjahr die Sonne den Erdboden erwärmt, verlassen die Insekten ihr Versteck. Sie werden etwa 14 Monate alt.

Tipps

Ungünstige Witterungsbedingungen können die Sterblichkeitsrate erhöhen. Warten Sie Regenfälle und Tiefdruckgebiete ab. Auch Wind vertreibt die Schädlinge.

Lebensraum und Lebensweise

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Rapsglanzkäfer stehen auf Gelb

Rapsglanzkäfer haben sich auf die Farbe Gelb spezialisiert. In Jahren mit günstigen Witterungsbedingungen können sie sich trotz ihrer natürlichen Feinde massenhaft ausbreiten. Vögel finden in den kleinen schwarzen Käfern einen proteinreichen Leckerbissen. Die Hauptfeinde der Käfer sind Parasiten.

Aktivität

Rapsglanzkäfer fliegen bei Temperaturen zwischen zehn und 15 Grad Celsius. Sie bevorzugen sonnige Bedingungen und windstille Verhältnisse. Eine milde Witterung kann eine besonders frühe Ausbreitung der Käfer begünstigen. Die Insekten sind tagaktiv und fliegen bevorzugt auf Rapsfelder.

Da sie sich nicht ausschließlich von Raps ernähren, treten Rapsglanzkäfer auch auf anderen Pflanzen mit gelben Blütenblättern auf. Sie ernähren sich von Pollen und können auch Stempel und Fruchtknoten der Blüten zerstören. Wenn die Blüten noch nicht geöffnet sind, fressen sich die Käfer durch die Knospenblätter bis ins Innere. Ihre Larven ernähren sich ausschließlich von Pollen und zerstören keine Blütenorganen.

Vorkommen

Rapsglanzkäfer kommen nicht nur in Europa sondern auch in Nordafrika, Asien und Nordamerika vor. In offenen und buschreichen Landschaften finden sie optimale Lebensbedingungen. Da die Käfer bevorzugt gelbe Blütenpflanzen anfliegen, können Sie auch im Garten oder auf dem Balkon beobachtet werden. Sie setzen sich auf Blüten und Knospen von Rapspflanzen und fliegen an gelb blühende Kreuzblütler oder Pflanzen aus anderen Familien wie Kapuzinerkresse. Wenn die Käfer in der Wohnung oder im Haus auftreten, besteht kein Grund zur Sorge. Sie haben sich durch geöffnete Fenster und Türen verirrt.

Tipps

Rapsglanzkäfer scheinen den Geruch von Zitronengras nicht zu mögen. Frische Zitronengrasstängel eignen sich ideal zum Vergrämen.

Häufig gestellte Fragen

Wie kann ich eine Ausbreitung des Rapsglanzskäfers vorbeugen?

Schaffen Sie optimale Wachstumsbedingungen für Ihre Pflanzen und verhindern Sie Staunässe oder Bodenverdichtung. Abgestimmte Düngungen und schonenden Bodenbearbeitungen fördern eine zügige Blüte. Die Käfer wandern vom Rand in die Felder ein. Legen Sie große und kompakte Beete anstatt kleiner schmaler Streifen an, um Fraßschäden in kleinem Ausmaß zu halten.

Die Verabreichung von Gülle kann die Fraßschäden ebenfalls verringern, sofern diese bei trockener Witterung ausgebracht wird. Verzichten Sie auf den Anbau von Sommerraps und wählen Sie stattdessen früh blühende Rapssorten. Durch ihre schnellere Blütenentwicklung werden diese Sorten weniger geschädigt.

Wie entwickeln sich Rapsglanzkäfer?

Die Weibchen bohren von unten ein Loch in kräftig entwickelte Knospen, um ihre Eier in der Nähe der Staubgefäße abzulegen. Wenige Tage später schlüpfen die Larven und finden gute Nahrungsbedingungen vor. Sie ernähren sich von Pollen und richten keinen Schaden an der Pflanze an.

Die Larven häuten sich mehrmals und lassen sich im letzten Larvenstadium zu Boden fallen. Sie leben die nächsten drei bis vier Wochen im Substrat, um sich zu verpuppen. Zur Zeit der Rapsblüte schlüpft die neue Käfergeneration. Die Lufttemperatur kann auf neun Grad Celsius absinken.

Wie überwintern Rapsglanzkäfer?

Wenn die Temperaturen ab Ende August allmählich sinken und das Nahrungsangebot schwindet, schwärmen die Käfer der diesjährigen Generation aus. Sie fliegen geschützte Hecken und Waldränder an und machen sich auf die Suche nach einem geeigneten Winterquartier. Dieses finden sie in einem aufgelockerten Boden mit grobem Material. Im nächsten Frühjahr verlassen sie ihr Versteck, wenn die Lufttemperatur über zehn Grad Celsius steigt.

Gibt es wirksame Lockstoffe, die Rapsglanzkäfer anziehen?

Da Rapsglanzkäfer nicht ausschließlich auf Raps sondern allgemein auf gelbblühende Kreuzblütler fliegen, können andere Kulturpflanzen als Lockmittel dienen. Die tagaktiven Käfer besiedeln ein Rapsfeld, indem sie über die Ränder nach Innen vordringen. Ein sechs bis zwölf Meter breiter Randstreifen mit Rübsen oder früh blühenden Kreuzblütlern, der sich um das gesamte Feld zieht, lenkt die Käfer von der Hauptkultur ab.

Auf diese Weise ist der Raps während der kritischen Entwicklungsphase geschützt. Wegen der Lebensweise der Käfer sollte Raps in großen und kompakten Parzellen angebaut werden. Das verringert die Fraßschäden.

Text: Christine Riel
Artikelbilder: Tomasz Klejdysz/Shutterstock, ID-VIDEO/Shutterstock, Dan4Earth/Shutterstock, ChWeiss/Shutterstock

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