Rote Spinne erkennen, unterscheiden und bekämpfen

Eine kleine rote Spinne verursacht in Deutschland große Schäden an Obstbäumen und Weinreben. Gemeint ist die Obstbaumspinnmilbe, deren Gier nach Pflanzensaft vor Zier- und Nutzpflanzen hinter Glas keinen Halt macht. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie den Schädling erkennen und von anderen roten Spinnen unterscheiden. Effektive Hausmittel für eine erfolgreiche Bekämpfung erfahren Sie hier.

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Die Rote Spinne sollte möglichst zeitnah bekämpft werden

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rote Spinne (Obstbaumspinnmilbe) ist 0,6 mm groß, hat 8 rote Beine und einen ziegelroten Körper mit weißen Borsten.
  • Weitere roten Spinnen in Deutschland sind: Rote Sechsaugenspinne, Rote Glanzspinne, die Kräuselspinnen-Art Nigma flavescens sowie die Baldachinspinnen-Art Trematocephalus cristatus.
  • Als Schädling ist die Rote Spinne effektiv zu bekämpfen mit Hausmitteln, wie Wasser-Dusche, Kaliseife, Rapsöl und Pflanzen-Sud sowie den Nützlingen Raubmilben, Florfliegen, Marienkäfer und Ameisen.

Rote Spinne erkennen und unterscheiden

Die Obstbaumspinnmilbe wird in Deutschland Rote Spinne genannt. Tatsächlich handelt sich nicht um eine echte Spinne, sondern ein winzig kleines, rotes Spinnentier aus der Familie der Spinnmilben (Tetranychidae). An welchen Merkmalen Sie den Schädling erkennen und von anderen roten Spinnen unterscheiden, verdeutlicht folgende Tabelle im Überblick:

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 Rote SpinneRote SechsaugenspinneRote GlanzspinneKräuselspinneBaldachinspinne
Größe0,5-0,6 mm7-15 mm3-4,5 mm2-3 mm2-2,6 mm
Farbe Körperrotrot/weißes Hinterteilrotleuchtend rotschwarz-rot
Farbe Beinerotrotbraunrot bis rotbraunrotbraun bis gelbbraunhellbraun bis rotbraun
Besonderes MerkmalRücken mit weißen Borsten6 Augenschwarze Augenhügelweiße Punkte Hinterleibschwarzer Hinterleib
Botanischer NamePanonychus ulmiDysdera erythrinaHypsosinga sanguineaNigma flavescensTrematocephalus cristatus
ZweitnameObstbaum-SpinnmilbeAsseljägerGlanzspinneLauerspinnekeiner
FamilieSpinnmilbenWebspinnenRadnetzspinnenKräuselspinnenRadnetzspinnen

Vertiefende Informationen zum Aussehen der Obstbaumspinnmilbe und häufig vorkommender roter Spinnen in Deutschland können Sie in folgenden Kurz-Porträts nachlesen.

Rote Spinne (Panonychus ulmi)

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Die Obstbaumspinnmilbe ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen

Eine einzelne Obstbaumspinnmilbe erregt trotz ihrer 8 Beine und ziegelroten Farbe noch keine Aufmerksamkeit. Mit einer Größe von maximal 0,6 mm ist das Spinnentier winzig. Die charakteristischen weißen Borsten auf dem Rücken sind mit bloßem Auge kaum auszumachen. Erst mithilfe einer Lupe ist zu erkennen, dass der rote Hinterleib birnenförmig zugespitzt ist. Das stechend-saugende Mundwerkzeug für die Nahrungsaufnahme bleibt einem Betrachter ohne Mikroskop verborgen.

Fatalerweise betreibt die Rote Spinne eine rekordverdächtige Familienpolitik mit bis zu sieben Generationen pro Jahr. In Kombination mit ihrer Vorliebe für Pflanzensäfte von Obst-, Gemüse- und Zierpflanzen machen diese Eigenschaften die Obstbaumspinnmilbe zu einem gefürchteten Schädling in Deutschland und Europa.

Rote Sechsaugenspinne (Dysdera erythrina)

Die kleine rote Spinne aus der Gattung der Sechsaugenspinnen ist nachtaktiv und selten live in Aktion zu bewundern. Asseln sind ihre Leibspeise, worauf ihr Zweitname Bezug nimmt. Aus diesem Grunde sind Gebäude und Keller ihr bevorzugter Lebensraum. Eindeutig zu identifizieren ist die Rote Sechsaugenspinne am weißen Hinterleib, der auffallend kontrastiert mit dem roten Vorderleib und rotbraunen Beinen.

Rote Glanzspinne (Hypsosinga sanguinea)

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Die Rote Glanzspinne tut den Pflanzen nicht – im Gegenteil sie fängt und frisst auch Pflanzenschädlinge

Zwergsträucher und andere niedrige Vegetation sind das Revier der Roten Glanzspinne. Hier webt die kleine rote Spinne emsig ihre Radnetze auf der Jagd nach saftigen Fliegen, unvorsichtigen Mücken und ähnlich schmackhaften Beutetieren. Den roten bis rotbraunen Körper zieren am Hinterleib helle Streifen auf jeder Seite, die sich mitunter in helle Punkte auflösen.

Kräuselspinne (Nigma flavescens)

Kräuselspinnen lieben die Abwechslung. Die Farbe der Körper reicht von leuchtend rot über rotbraun bis hellgelb. Bei genauerem Hinsehen ist auf dem Hinterleib häufig eine unregelmäßige, weiße Fleckenzeichnung zu erkennen. Einige Exemplare prahlen hinten mit einem herzförmigen Mal.

Baldachinspinne (Trematocephalus cristatus)

Es sind die Weibchen dieser Spinnenart, die mit schwarz-roter Farbkombination begeistern. Den roten Vorderleib ergänzen schwarze Augenhügel. Am schwarzen Hinterleib trägt die kleine Spinnen-Schönheit eine zarte, weiße Behaarung. Ihre hellbraunen Beine peppt die Baldachinspinne auf mit zierlichen Ringeln.

Exkurs

Samtmilbe – unschuldiger Doppelgänger

Die Samtmilbe (Trombidium holosericeum) ist mit 2-4 mm Länge winzig klein, hat 8 Beine und einen roten Körper. Mit diesen Attributen sieht die weit verbreitete Milbenart der infamen Roten Spinne (Obstbaumspinnmilbe) zum Verwechseln ähnlich. Im Gegensatz zu ihrem schädlichen Doppelgänger, ist die rote Samtmilbe als Nützling unterwegs. Ganz oben auf der Speisekarte stehen die Eier und Larven zahlreicher Schädlinge, wie der gefürchteten Reblaus. Der Fundort gibt einen wichtigen Hinweis, ob Sie den samtroten Nützling oder den ziegelroten Schädling vor sich haben. Samtmilben lieben sonnige Mauern, Trockenrasen und Waldränder. Die Rote Spinne besiedelt Obstgehölze und nimmt hier auch halbschattige Nischen in Kauf.

Rote Spinne biologisch bekämpfen – Mittel im Überblick

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Typische Anzeichen für einen Befall der Roten Spinne sind verkrümmte, kleine Blätter und Triebe sowie die feinen Netze der Milben

Der Befall mit Roten Spinnen ist am typischen Schadbild zu erkennen. Auf jungen Blättern breiten sich helle bis bräunliche Sprenkelungen aus, die Obstbaumspinnmilben mit ihrem saugenden und stechenden Mundwerkzeug verursachen. Weil die Schädlinge einer Pflanze den Lebenssaft entziehen, sind verkrüppelte Triebe und verkümmerte Blätter die Folge. Früchte bleiben mickrig klein. Die Fruchtschalen verkorken und verderben uns den Appetit. Soweit muss es nicht kommen, wenn Sie Ihre Pflanzen ab März/April regelmäßig auf Rote Spinnen kontrollieren. Im Ernstfall stehen Ihnen diese biologischen Bekämpfungsmittel zur Verfügung:

HausmittelNützlinge
Wasser-DuscheRaubmilben
Kaliseifen-LösungFlorfliegen
Rapsöl-LösungMarienkäfer
Pflanzen-SudAmeisen

Wappnen Sie sich für visuelle Kontrollen mit einer Lupe. Je früher Sie Roten Spinnen auf die Spur kommen, desto effektiver die Wirksamkeit der empfohlenen Bekämpfungsmittel. Kontrollieren Sie im Garten insbesondere Obstgehölze, wie Apfel, Birne, Pflaume, Stachelbeere, Johannisbeere sowie Begonie, Gardenie, Primel, Hibiskus und alle Dickblattgewächse. Im Gewächshaus und Wintergarten werfen Sie einen Blick auf Gurken, Tomaten, Orchideen, Kakteen, Palme und Zitronenbaum.

Folgendes Video demonstriert praxisbezogen und nachvollziehbar, wie die Spinnmilben-Bekämpfung im Gewächshaus an Gurken mit natürlichen Mitteln gelingt:

Youtube

Hausmittel gegen Rote Spinne – Tipps für die Bekämpfung

Die Hausmittel obiger Tabelle haben sich drinnen und draußen hervorragend bewährt im Kampf gegen listige Rote Spinnen. Wie Sie die natürlichen Mittel sachkundig verwenden, erklären folgende Anleitungen im Detail:

Wasser-Dusche

  • Im Garten oder im Gewächshaus: befallene Pflanzen mit lauwarmem Wasser aus dem Gartenschlauch kräftig abbrausen (Ober- und Unterseiten der Blätter)
  • Zimmerpflanzen: Wurzelballen in Plastiktüte packen, Pflanze aufrecht und kopfüber abduschen

Empfindliche Orchideen und andere tropische Zimmerpflanzen nehmen Ihnen eine Wasserdusche übel. In diesem Fall umhüllen Sie betroffene Pflanzen für 14 Tage mit einem Folienbeutel. Es entsteht im unmittelbaren Umfeld der Pflanze eine markant hohe Luftfeuchtigkeit, die Rote Spinnen zuverlässig vernichtet.

Kaliseifen-Lösung

  • 1 Liter Wasser erwärmen
  • 15 ml flüssige Kaliseife einrühren
  • einige Spritzer Spiritus hinzufügen
  • befallene Pflanzen im Abstand von 3-4 Tagen besprühen

Rapsöl-Lösung

  • 1 Liter Wasser erwärmen
  • 200-300 ml Rapsöl einrühren
  • Ober- und Unterseiten der Blätter besprühen

Pflanzen-Sud

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Brennnesseljauche ist ein super Dünger und vertreibt auch die Rote Spinne

  • 500 Gramm Blätter von Brennnesseln, Wermut, Rainfarn oder Beifuß in einen Bottich werfen
  • mit 5 Litern Regenwasser übergießen
  • Bottich abdecken mit Maschendraht (14,99€ bei Amazon*) und am halbschattigen Standort im Garten aufstellen
  • täglich umrühren
  • nach 8 bis 14 Tagen gärende Brühe abgießen

Die Pflanzenbrühe verdünnen Sie mit Regenwasser im Verhältnis 1:5, bevor Sie mit Spinnmilben befallene Pflanzen wiederholt einsprühen.

Tipps

Die Rote Spinne ist für Menschen nicht giftig oder gefährlich. Mit 0,6 mm Körperlänge ist die rote Obstbaumspinnmilbe viel zu klein, um mit ihrem winzigen Mundwerkzeug die menschliche Haut zu perforieren. Für Haustiere geht ebenfalls keine Gefahr aus von roten Spinnen, die es einzig auf Pflanzensaft abgesehen haben.

Nützlinge bekämpfen Rote Spinne

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Marienkäfer fressen sowohl Blattläuse als auch Rote Spinnen

Raubmilben, Florfliegen und Marienkäfer machen mit Begeisterung Jagd auf Rote Spinnen, vertilgen deren Eier und Larven mit Behagen. Die Nützlinge sind bei speziellen Zuchtfarmen, in Online-Shops und im Fachhandel erhältlich. Fragen Sie bitte genau nach, denn nicht jeder Nützling ist geeignet für die Bekämpfung von Obstbaumspinnmilben. Die richtige Raubmilben-Art gegen Rote Spinnen im Obstgarten heißt Typhlodromus pyri. Im Gewächshaus oder Wintergarten ist die Raubmilbe Amblyseius californicus effektiver unterwegs. In der Wohnung an Zimmerpflanzen erzielen Raubmilben hingegen keine nennenswerten Erfolge gegen Rote Spinnen.

Im Haus sind Florfliegen und Marienkäfer die bessere Wahl gegen Spinnmilben. Geliefert werden die lebenden Nützlinge im Larvenstadium in Pappwaben oder Bio-Boxen, die Sie gemäß beigefügter Anleitung des Züchters ganz einfach zwischen den befallenen Pflanzen in Position bringen.

Haben sich in Ihrem Garten Ameisen angesiedelt? Dann engagieren Sie die fleißigen Insekten als Schützenhilfe gegen die Rote Spinne. Stellen Sie befallene Topf-, Balkon- und Zimmerpflanzen einfach in der Nähe zum Nest auf. Im Handumdrehen haben Ameisen-Arbeiterinnen die Obstbaumspinnmilben als Nahrungsquelle entdeckt und machen mit den Schädlingen kurzen Prozess.

Häufig gestellte Fragen

Wie kann man Spinnmilben-Befall im Gewächshaus vorbeugen?

Effektive Vorbeugung gegen Spinnmilben im Gewächshaus ist eine konstant erhöhte Luftfeuchtigkeit. Fernerhin empfehlen wir eine regelmäßige organische Nährstoffversorgung für kräftiges Blattgewebe, das Obstbaumspinnmilben und Konsorten nicht durchstechen können. Idealerweise verhindert eine regulierbare Beschattung, dass unter Sonneneinstrahlung die Temperaturen auf mehr als 30 Grad Celsius steigen.

Wir haben im Garten eine Spinne mit grauem Körper und roten Streifen entdeckt. Welche Art ist das?

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Die Veränderliche Krabbenspinne hat einen hellen Körper mit roten Streifen

Ihrer Beschreibung zufolge handelt es sich wahrscheinlich um die Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia). Männchen werden maximal 4 mm groß, während Weibchen stolze 10 mm Körperlänge erreichen (Beine nicht mitgerechnet). Weibliche Krabbenspinnen können ihre Körperfarbe aktiv verändern. Hoch im Kurs steht bei den Spinnendamen ein grauer Körper mit roten Streifen auf dem Hinterleib.

Ist der Biss einer roten Asseljäger-Spinne giftig?

Von häufig in Deutschland vorkommenden roten Spinnen ist eine Begegnung mit dem kleinen oder großen Asseljäger selten. Die Sechsaugenspinnen mit dem charakteristischen weißen Hinterteil sind nachts im Keller unterwegs auf der Jagd nach Asseln. Kommt es zu einer Konfrontation mit Menschen, wehrt sich die bedrohte Spinne mit ihren kräftigen Giftklauen. Der Biss kann durchaus schmerzhaft sein. Allerdings ist die verabreichte Menge an Gift für einen Menschen nicht gefährlich.

Tipps

Rote Spinnen lieben begrünte Baumscheiben. Naturnahe Hobbygärtner verzichten daher auf Gras und Bodendecker zur Unterpflanzung von Obstbäumen. Als Abwehrmaßnahme gegen Obstbaum-Spinnmilben hat sich der Praxis gut bewährt, Baumscheiben zu mulchen mit Kies, Kokosscheiben oder Rindenmulch.

Text: Paula Jansen

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