Ist die Rote Samtmilbe gefährlich oder nützlich?

Wenn ab dem frühen Sommer wieder zahlreiche winzige, rote Spinnen den Garten- oder Terrassenboden bevölkern, macht sich so mancher Gartenbesitzer Sorgen um seine Pflanzen. Das ist meist gar nicht notwendig, denn die Rote Samtspinne ist eine räuberisch lebende Laufmilbe und sehr nützlich.

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Rote Samtmilben sind nützliche Tierchen

Das Wichtigste in Kürze

  • Rote Samtmilbe gehört zu den Nützlingen im Garten, da sie Pflanzenschädlinge und deren Eier vertilgt.
  • Sie ist besonders häufig an warmen und trockenen Orten, z. B. auf der Terrasse oder im Wohnzimmer, anzutreffen.
  • Sie lässt sich jedoch mit einfachen Mitteln (Insektenschutzgitter, Pollennetz) fernhalten.
  • Die Art ist leicht mit äußerlich sehr ähnlichen Schädlingen, z. B. der Obstbaumspinnmilbe, zu verwechseln.

Was ist die Rote Samtmilbe?

Bei der zwischen einen und vier Millimeter großen, leuchtend rot gefärbten Roten Samtmilbe (lat. Trombidium holosericeum) handelt es sich um einen einheimischen Vertreter der so genannten Laufmilben. Die Tierchen werden im Volksmund auch als Sammetmilbe oder Scherflein bezeichnet und sind weit verbreitet.

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In den Sommermonaten – vornehmlich jedoch im Herbst, wenn es kühler wird – machen sie es sich gern in Häusern und Wohnungen gemütlich, schließlich suchen sie nach einer geeigneten Möglichkeit für die Überwinterung. Die Rote Samtmilbe gehört zu den räuberisch lebenden Milbenarten und ernährt sich vornehmlich von anderen Insekten und deren Eiern.

Kleine rote Spinnen im Garten oder auf der Terrasse? Arten erkennen und unterscheiden

Nicht jedes rote Spinnentierchen, das bei Ihnen im Garten oder auf dem Wohnzimmerteppich krabbelt, ist eine Rote Samtspinne. Kleine, rote Spinnentiere gibt es viele verschiedene, zudem sind manche davon im Garten tatsächlich nicht erwünscht. Bevor Sie also das Ungezieferspray zücken oder die Rote Samtmilbe auf andere Weise bekämpfen wollen, schauen Sie doch erst einmal, um welche Art es sich tatsächlich handelt.Beitrag ansehen

Besonders häufig wird die nützliche Rote Samtmilbe mit der Obstbaumspinnmilbe bzw. Roten Spinne verwechselt. Deshalb gibt Ihnen die nun folgende Tabelle für die bessere Unterscheidung einen Überblick über die jeweils arttypischen Merkmale.

Vergleich von Roter Samtmilbe und Obstbaumspinnmilbe

  Rote Samtmilbe Obstbaumspinnmilbe
Lateinischer Name Trombidium holosericeum Panonychus ulmi
Volkstümliche Bezeichnungen Sammetmilbe, Scherflein, Bluttierchen Rote Spinne
Größe 1 bis 4 Millimeter 0,5 bis 06 Millimeter
Behaarung dicht behaarter Körper, wirkt samtig keine, Weibchen habe jedoch deutlich abstehende Borsten auf dem Rücken
Farbe scharlachrot karminrot
Typische Körpermerkmale lange Vorderbeine, scherenartige Kieferklauen, vergrößerter Abdomen wenig ausgeprägt, plump
Kopf relativ groß, kleine Augen deutlich kleinerer Kopf
Vorkommen oft auf Mauern, Terrassen, trockenen Rasenflächen vornehmlich an Gehölzen, z. B. Obstbäumen und Weinstöcken

Ist die Rote Samtmilbe gefährlich?

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Die Samtmilbe ist weder für Mensch noch für Haustiere gefährlich

Nein, die Rote Samtmilbe ist nicht gefährlich – jedenfalls nicht für Menschen, Haustiere oder Gartenpflanzen. Die Tierchen interessieren sich eigentlich nur für andere, bodenlebende und weichhäutige Insekten, die sie jagen und aussaugen. Am liebsten verspeisen sie jedoch Insekteneiner, vor allem von im Garten häufig anzutreffenden Schädlingen und dämmen so deren Population ein.

Wenn die Art des Öfteren auf Ihrer Terrasse oder sogar in der Wohnung zu finden ist, dann hat das einen ganz einfachen Grund: Dort ist es schon warm und trocken. Ein solches Klima bevorzugen die Milbentierchen, nicht nur (aber vor allem) im Herbst auf der Suche nach einem geeigneten Plätzchen zum Überwintern.

Wie erkenne ich den Biss der Roten Samtmilbe?

Da die Rote Samtmilbe keinen Stachel hat, kann sie nicht stechen. Ihre Mundwerkzeuge sind zudem nicht ausgeprägt genug, um etwa menschliche Haut damit zu durchdringen. Somit kann diese Art auch nicht beißen! Ein eventueller Milbenbiss ist hingen auf ganz andere Arten zurückzuführen, etwa auf diese:

  • Herbst- oder Erntemilbe: gelbe bis blassrote, winzige Milben, die sich bevorzugt an feuchten Plätzen im Garten (gerne auch im Kompost) aufhalten und häufig für stark juckende Bisse verantwortlich sind
  • Grab- bzw. Krätzmilbe: Sarcoptes scabiei, verursacht durch Grabgänge in der Haut Krätze (Scabies)
  • Vogelmilben: Befall kommt häufiger bei Vogelhaltern vor (Hühner, Tauben etc.), kann aber auch durch befallene Gartenvögel übertragen werden (z. B. durch Kontakt mit kontaminierten Nestern)
  • Grasmilben: Grasmilben kommen im Garten sehr häufig vor und beißen gerne

Charakteristisch für Milbenbisse sind:

  • rote Flecken auf der Haut
  • treten häufig nicht einzeln, sondern mehrfach auf (mehrfache Bisse)
  • jucken stark
  • Verursacher sind oft schon verschwunden, deshalb sind juckende Stellen meist unerklärlich

Exkurs

Überträgt die Rote Samtmilbe tatsächlich Borreliose?

Es wird des Öfteren behauptet, dass die Rote Samtmilbe Borreliose überträgt. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies passiert, ist allerdings verschwindend gering – schließlich sind die Tierchen keine Blutsauger, die den Menschen beißen oder stechen würden. Allerdings kann die Erkrankung durchaus durch andere Milbenarten (siehe oben) oder vor allem Zecken übertragen werden.

Muss ich die Rote Samtmilbe bekämpfen?

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Rote Samtmilben sollte nicht bekämpft sondern gefördert werden

Die Rote Samtspinne gilt als ausgesprochener Nützling, denn das emsige Tierchen verspeist mit großem Appetit allerlei für Gartenpflanzen schädliche Insekten wie etwa Blattläuse oder auch Schneckeneier. Hierzu laufen die adulten Tiere nicht nur auf dem Boden, sondern auch auf Mauern sowie auf Pflanzen umher. Sofern Sie also rote Spinnentierchen auf Ihrem Weinstock oder dem Apfelbaum erspähen, handelt es sich nicht automatisch um eine Obstbaumspinnmilbe – stattdessen kann es auch eine Rote Samtspinne auf der Jagd nach der Obstbaumspinnmilbe sein.

Übrigens wird manchmal behauptet, dass das Tierchen selbst auch gelegentlich Pflanzensaft abzapfen würde. Dies ist falsch, da es sich um einen reinen Jäger handelt. Der Irrtum kommt wahrscheinlich durch die Verwechslung mit der auch als „Roten Spinne“ bezeichneten und äußerlich recht ähnlichen Obstbaumspinnmilbe zustande.

Demzufolge ist das Bekämpfen der Roten Samtspinne wenig sinnvoll, schließlich würden Sie sich selbst damit eines wichtigen Mitkämpfers gegen die Schädlingsplage im Garten berauben.

Faszinierende Aufnahmen jagender Roter Samtspinnen zeigt das folgende Video:

Rote Samtmilbe ist wichtig für einen gesunden Boden

Nicht nur, dass die Rote Samtmilbe schädliche Insekten und deren Eier vertilgt, sie ist auch noch aus einem weiteren Grund wichtig für den Garten: Sie ist Teil der Bodengliederfüßer, die die Struktur des Bodens erhalten und zudem relevant für die Humusbildung. Zwei Entwicklungsstadien verbringt die Art in der Bodenoberfläche, wo sie sich neben bodenlebenden Insekten und Insekteneiern auch von Bakterien und Pilzen ernährt. Deshalb trägt sie zur Aufspaltung der Bodenbestandteile und damit zur Bildung des für das Pflanzenwachstum so wichtigen Humus bei.

Rote Samtmilbe im Haus? So werden Sie die Tierchen los

Manchmal jedoch treten die Tierchen zu zahlreich auf der Terrasse oder gar in der Wohnung auf, dass man sie trotz aller Vorteile gerne loswerden möchte. Am besten funktioniert das mit den nun folgenden Methoden.

Exkurs

Rote Spinnentierchen im Hühnerstall

Sofern Sie kleine rote Spinnentierchen im Hühnerstall oder gar auf den Hühnern herumkrabbeln sehen, könnte es sich möglicherweise um die Rote Vogelmilbe handeln. Diese sollten Sie umgehend bekämpfen, da dieser kleine Blutsauger den Hühnern erheblichen Schaden zufügt. Rote Vogelmilben werden maximal ca. einen Millimeter groß und sind nicht samtig behaart.

Terrasse mit Wasser abspritzen

Rote Samtmilben halten sich besonders gern an trockenen Orten auf. Sie können die Tierchen also gut von ihrer Terrasse bzw. aus dem Wohnzimmer vertreiben, indem Sie die Oberflächen feucht halten. Spritzen Sie daher vor allem Steinoberflächen regelmäßig mit dem Gartenschlauch ab, wobei Sie Ihr Hauptaugenmerk auf Bauwerke aus Naturstein richten sollten. Wässern Sie den Garten – und vor allem auch den Rasen! – während intensiverer Trockenperioden häufiger und vergessen Sie nicht, auch die Gartenmöbel abzuwischen.

Barriere aus dickem Glas errichten

Bewährt hat sich außerdem eine in den Boden eingelassene Abwehrbarriere aus dickem Glas (z. B. dickwandige Glasbausteine), denn die Rote Samtmilbe (und zudem einige andere lästige Insekten- und Milbenarten) empfinden es als recht unangenehm, über eine solche Oberfläche zu laufen. Auf diese Weise halten Sie sich die Tierchen auf der Terrasse und im Haus zuverlässig vom Leib und schaffen zudem ein attraktives Schmuckelement.

Türen und Fenster geschlossen halten

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Im Haus sind Samtmilben ungern gesehen

Damit sich die kleinen Krabbler nicht in Ihre Wohnung verirren, sollten Sie Türen und Fenster vor allem über Nacht geschlossen halten. Während der Abendstunden suchen sich Rote Samtmilben einen warmen Platz zum Übernachten und wandern deshalb gerne in Häuser. Sind sämtliche Öffnungen jedoch verschlossen, müssen die Tierchen draußen bleiben. Vorsicht: Rote Samtmilben kommen auch durch Katzenklappen und nicht fest schließende Türen oder Fenster. Aufgrund ihrer geringen Größe können sie praktisch jede Lücke ausnutzen. Ein weiterer Nachteil dieser Methode ist auch, dass die wenigsten Menschen im Sommer gerne alle Türen und Fenster verschließen.

Exkurs

Rote Samtmilbe nicht zerdrücken

Wenn Sie eine Rote Samtmilbe an sicher herumkrabbeln sehen: Zerdrücken Sie sie nicht! Die Tierchen hinterlassen rote Flecken, die sich nur sehr schwer aus (heller) Kleidung oder Terrassenböden entfernen lassen. Nicht umsonst werden sie im Volksmund auch als „Bluttierchen“ bezeichnet.

Insektenschutzgitter installieren

Insbesondere, wenn Sie im Erdgeschoss bzw. im Hochparterre eines Hauses wohnen oder eine in den Garten hinausgehende Terrasse haben, kann es manchmal vor kleinen roten Spinnentierchen bei Ihnen nur so wimmeln. In Ihrer Wohnung ist es warm und trocken, was die Rote Samtmilbe sehr zu schätzen weiß und deshalb gerne für sich in Anspruch nimmt. Halten Sie die Spinnentierchen daher am besten von vornherein mit einem engmaschigen Insektenschutznetz bzw. -gitter fern. Derartige Vorrichtungen sind leicht zu installieren und bieten zudem den Vorteil, dass sie auch weitere lästige Insektenarten zuverlässig fernhalten. Außerdem können Sie nun nach Herzensluft Türen und Fenster offen stehen lassen.

Ungezieferspray – ja oder nein?

„Muss man wirklich alles gleich töten, nur weil man sich davor ekelt?“

Falls so gar nichts anderes hilft, können Sie auch mit Hilfe von Ungezieferspray eine Geruchsbarriere rund um die Terrasse oder vor der Terrassentür aufsprühen. Diese Mittel sind effektiver als herkömmliches Ungezieferspray, welches die Milben zu töten versucht (und damit nicht wirklich erfolgreich ist). Wenden Sie diese Mittel jedoch auf keinem Fall im Haus an (Giftstoffe!) und überlegen Sie sie die Anwendung gut. Biozide wirken nämlich nicht nur gegen die Rote Samtmilbe, sondern haben weitere gravierende Nachteile:

  • Wirkung hält je nach Produkt zwischen sechs Wochen und sechs Monaten an.
  • Biozide wirken auch gegen andere, teils für den Garten wichtige Insekten (Bienen, Hummeln).
  • Sie sind zudem für Wasserorganismen extrem giftig.
  • Deshalb verunreinigen sie im Garten befindliche Wasserquellen möglicherweise stark.
  • Biozide reizen die Haut sowie die Schleimhäute.
  • Bei falscher Anwendung kann es zu Ekzemen, Hautausschlägen oder Rissen in der Haut kommen.

Dennoch kann eine solche chemische Geruchsbarriere sinnvoll sein, wenn etwa die Population der Roten Samtspinne überhand nimmt und Sie sich angesichts der schieren Masse nicht mehr anders zu helfen wissen.

Häufig gestellte Fragen

Wie verbreitet ist die Rote Samtmilbe?

Die Rote Samtmilbe ist in Mittel- und Südeuropa weit verbreitet. Dabei bevorzugt sie keine speziellen Lebensräume, sondern kommt in Mischwäldern, zwischen Felsen, in der trockenen Wüste sowie in Gärten ebenso häufig vor wie in Wohnungen und Häusern. Ab dem späten Frühling sowie den ganzen Sommer über kann man die kleinen Tierchen über den Boden huschen sehen, wobei sie manchmal in größerer Anzahl auftreten.

Was frisst die Rote Samtmilbe?

Die Rote Samtmilbe gehört zu den räuberisch lebenden Milben und lebt schon als Nymphe parasitisch auf anderen Insekten. Hier saugt sie mehrere Tage lang die Gewebeflüssigkeit ihres Wirts – häufig sind beispielsweise Weberknechte (Opilio parietinus) betroffen – aber nur sehr selten Blut. Als erwachsenes Tier jagt sie bodenbewohnende Insekten und deren Larven, etwa Fransenflügler, kleine Raupen, Heuschrecken, Mücken, Blatt- und Rebläuse, andere Milben sowie deren Eier. Die Rote Samtmilbe kann pro Tag bis zu 40 Blattläuse vertilgen.

Wie kann ich schädliche von nützlichen Milbenarten unterscheiden?

Rote Spinne oder Rote Samtspinne? Schädling oder Nützling? Im Garten kann diese Unterscheidung sehr wichtig sein und sollte daher nicht übereilt getroffen werden. Einen Hinweis auf die mögliche Art gibt Ihnen jedoch die Schnelligkeit der Fortbewegung: Räuberisch lebende Milben (wie etwa die nützliche Rote Samtspinne) sind grundsätzlich schnell unterwegs und huschen ständig im Garten umher. Schädlinge (wie etwa die Rote Spinne bzw. Obstbaumspinne) sind dagegen eher langsam. Kein Wunder, schließlich kann ein Apfelbaum nicht davon laufen.

Hilfe, ich habe eine rote Spinne in meinem Haar gefunden! Was soll ich jetzt tun?

Gar nichts, außer vielleicht die kleine Spinne vorsichtig aus dem Haar zu holen. Rote Samtspinnen interessieren sich nicht für Menschen und beißen bzw. stechen diese auch nicht, selbst andere rote Spinnenarten sind ungefährlich und nur durch Zufall auf Ihrem Kopf gelandet. Also bewahren Sie Ruhe und machen Sie sich keine Sorgen.

Was macht die Rote Samtmilbe im Winter?

Den Winter verbringen Rote Samtmilben gern dort, wo es warm und trocken ist. Normalerweise vergraben sich die Tierchen in die oberen Bodenschichten, wo sie die kalte Jahreszeit überstehen und dann im folgenden Frühjahr als adulte Tiere in Erscheinung treten. Die kleinen Milben können bis zu einem Jahr alt werden.

Tipps

Auch ein Pollennetz, normalerweise für gegen allerlei Pollen allergische Menschen gedacht, hält die Rote Samtmilbe aus Haus und Wohnung fern.

Text: Ines Jachomowski
Artikelbilder: Ezume Images/Shutterstock, Jay Ondreicka/Shutterstock, Jordan Roper/Shutterstock, eleonimages/Shutterstock
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