Nachtkerzen säen und pflegen

Lesen Sie hier im kommentierten Nachtkerzen-Steckbrief kompakte Infos zu Wachstum, Blüten, Blätter, Verwendung und fünf schönen Oenothera-Arten. Viele Tipps zu Aussaat und Pflege im Garten.

nachtkerzen
Nachtkerzen öffnen erst bei Dämmerung ihre Blüten

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Oenothera
  • Familie: Nachtkerzengewächse (Onagraceae)
  • Gattung: Nachtkerzen mit 200 Arten in 18 Sektionen
  • Vorkommen: Europa, Nordamerika
  • Wuchstyp: Staude
  • Wachstum: zweijährig oder ausdauernd
  • Blätter: lanzettlich
  • Blüte: gelbe Schalenblüte
  • Früchte: Kapseln
  • Giftigkeit: nicht giftig
  • Winterhärte: winterhart
  • Verwendung: Heilpflanze, Zierpflanze, Bienenweide

Wachstum

Nachtkerzen wachsen als zweijährige oder ausdauernde, krautige Pflanzen mit leuchtend gelben Blüten. Seit die Gewöhnliche Nachtkerze im Jahr 1620 von Nordamerika als Zierpflanze eingeführt wurde, hat sie sich in Europa weiträumig ausgebreitet. In Mitteleuropa sind die Stauden in Feld und Wald, auf Ruderalflächen und entlang der Eisenbahnlinien ein vertrautes Bild. Diese Eigenschaften zeichnen das Wachstum aus:

  • Erstes Jahr: Bildung einer bodennahen Blattrosette.
  • Zweites Jahr: Austrieb aufrechter, behaarter Stängel, leicht verzweigt mit Blättern und Blüten.
  • Wurzeln: Pfahlwurzeln bis zu 160 cm tief.

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Die zweijährigen Nachtkerzen sterben nach der Blütezeit und Selbstaussaat ab. Ausdauernde Oenothera-Arten ziehen ihre oberirdischen Pflanzenteile nach dem ersten Frost ein und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.

Gewöhnliche Nachtkerze - naturnahe Zierpflanze und wirksame Heilpflanze vor unserer Haustüre

Arten

Die facettenreiche Nachtkerzen-Gattung umfasst zahlreiche schöne Arten für jeden Gartenstil. Folgende Tabelle listet fünf beliebte Oenothera-Stauden auf, die mit besonderen Merkmalen aufwarten:

Nachtkerzen-Arten Gewöhnliche Nachtkerze Großblütige Nachtkerze Polster-Nachtkerze Große Nachtkerze
Botanischer Name Oenothera biennis Oenothera grandiflora Oenothera macrocarpa Oenothera tetragona
Synonyme Gelbe, Gemeine Nachtkerze Duft-Nachtkerze Missouri-Nachtkerze Garten Nachtkerze
Wuchshöhe 80 cm bis 200 cm 60 cm bis 140 cm 40 cm bis 50 cm 45 cm bis 60 cm
Lebensphase zweijährig zweijährig ausdauernd, mehrjährig ausdauernd, mehrjährig
Besonderheit essbar 8-10 cm große Blüten niederliegend, polsterbildend rote Stängel, bronzebraune Herbstfärbung

Die angegebenen Eigenschaften beziehen sich auf Nachtkerzen in Gartenkultur. Eine verwilderte Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) bleibt mit 80 cm bis 100 cm Wuchshöhe deutlich kleiner, als ihre liebevoll gepflegten Artgenossen im Hobbygarten. Das hindert die zweijährige Staude nicht an einer invasiven Vermehrung mittels Selbstaussaat mit bis zu 20.000 Samen. Diesem Umstand hat die Gewöhnliche Nachtkerze zu verdanken, dass sie in Mitteleuropa als Neophyt klassifiziert wird.

Blätter

Charakteristisch für Nachtkerzen sind hellgrüne Blätter als Rosette und dekorative Blütenkulisse entlang der Stängel. Diese Eigenschaften kennzeichnen das formschöne Laub:

  • Grundblätter: bodennah, eiförmig bis länglich, 10-30 cm lang, 2-5 cm breit.
  • Stängelblätter: wechselständig, sitzend oder kurz gestielt, lanzettlich-zugespitzt, 5-22 cm lang, 1-6 cm breit.
  • Blattspreite: markanter, roter Mittelnerv, schwach ausgeprägte Seitennerven
  • Blatteigenschaft: essbar (gilt nur für die Wildart Oenothera biennis)

Blüte

Das Erlebnis einer Nachtkerzen-Blüte ist den Nachtschwärmern unter den Hobbygärtnern vorbehalten. Erst bei Anbruch der Dämmerung entfalten sich die duftenden, leuchtend gelben Schalenblüten. Am nächsten Morgen sind die kurzlebigen Blüten bereits verwelkt und räumen das Feld, damit sich die rötlich-braunen Knospen der nächsten Nachtblüte entfalten können.

  • Blütezeit: Juni bis September bei Nacht
  • Blütenform: einfach, schalenförmig
  • Blütenökologie: zwittrig
  • Bestäubung: überwiegend Nachtfalter, seltener langrüsselige Bienen, Hummeln und Tagfalter
  • Blüteneigenschaften: essbar, duftend
  • **Besonderheit: Nachtkerzen-Blüten öffnen sich innerhalb weniger Minuten.

Weil sich die nächtliche Blüte bis in den Vormittag erstreckt, fliegen auch tagaktive Insekten die leuchtend gelben Schalenblüten an. Mit diesem Blührhythmus in Verbindung mit einem reich gedeckten Nektar-Buffet sind Nachtkerzen eine umschwärmte Bienenweide in jedem Naturgarten.

Verwendung

Im 17. Jahrhundert wurden Nachtkerzen importiert als malerische Zierpflanzen, schmackhafte Gemüsepflanzen und würziges Küchenkraut für den Bauerngarten. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts genießt die Gewöhnliche Nachtkerze eine hohe Wertschätzung als Heilpflanze. Findige Wissenschaftler entdeckten in den Samen eine hohe Konzentration an Gamma-Linolensäure. Dieser lebenswichtigen, essenziellen Fettsäure wird eine natürliche Stärkung der geistigen und körperlichen Spannkraft attestiert.

Aus den Samen gewonnenes Nachtkerzenöl entfaltet weitere wohltuende und heilsame Wirkungen. Innerlich oder äußerlich angewendet, wirkt Nachtkerzenöl entzündungshemmend und lindert qualvolle Neurodermitis. Empfohlen wird das Naturheilmittel fernerhin bei Asthma, Rheuma, Migräne, Heuschnupfen, Bluthochdruck, Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden.

Nachtkerzen pflanzen

Die Pflanzung von Nachtkerzen gelingt am einfachsten durch Aussaat von Samen. Als vorgezogene Jungpflanzen können Sie Nachtkerzen zur besten Pflanzzeit ab August in Baumschulen und Gartencentern kaufen. Der richtige Standort für die anspruchslosen Naturschönheiten ist schnell gefunden. Die besten Pflanz-Tipps zum Nachlesen:

Standort

Das ist der optimale Standort für Nachtkerzen im Garten:

  • Sonnige bis halbschattige Lage.
  • Warm und windgeschützt.
  • Sandig-lehmiger, durchlässiger und kalkhaltiger Gartenboden, vorzugsweise trocken bis frisch.

Aussaat

So säen Sie Nachtkerzen-Samen richtig aus:

  • Saat-Termine: Ende April bis Mitte Mai und Mitte Juli bis Anfang August (Herbst-Aussaat primär für Gemeine Nachtkerze).
  • Vorbereitung: Erde feinkrümelig harken, Lehmboden mit Sand auflockern.
  • Aussaat: Lichtkeimer 0,5 cm bis 1 cm tief in die Erde drücken, mit feiner Brause wässern.

Bei normaler Witterung beträgt die Keimzeit 12 bis 16 Tage. Vereinzeln Sie die kräftigsten Keimlinge auf einen Abstand von 25 cm x 20 cm.

Pflanzung

Beste Pflanzzeit für Nachtkerzen-Stauden im Container ist im frühen Herbst. Setzen Sie die ausgetopften Wurzelballen in geräumige Pflanzgruben. Bestreuen Sie jede Grubensohle mit Sand oder Lavagranulat als Drainage gegen Staunässe. Der richtige Pflanzabstand für ausdauernde Arten beträgt 25 cm bis 30 cm. Polsterbildende Arten pflanzen Sie bitte mit einem Abstand von 40 cm bis 50 cm. Für die majestätische, zweijährige Nachtkerze (Oenothera biennis) planen Sie bitte einen Pflanzabstand von 65 cm ein.

Exkurs

Königskerze Nachtkerze Verwechslung ausgeschlossen

Auf den ersten Blick sehen sich Echte Königskerze (Verbascum thapsus) und Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) zum Verwechseln ähnlich. An zwei Merkmalen können Sie die Stauden treffsicher unterscheiden: Blätter und Stängel von Königskerzen sind sehr viel stärker behaart. Die gelben Schalenblüten einer Königskerze öffnen sich bei Sonnenaufgang und verwelkten am Abend. Nachtkerzen entfalten ihre duftenden Blüten von der Abenddämmerung bis Sonnenaufgang.

Nachtkerzen pflegen

Nachtkerzen sind sehr pflegeleicht. Eine Wasser- und Nährstoffversorgung auf Sparflamme reicht aus für ein gesundes, blütenreiches Wachstum. Vorteilhaft ist ein Rückschnitt zum richtigen Zeitpunkt für eine schöne Nachblüte im Herbst. Ein einfacher Winterschutz im Pflanzjahr ist empfehlenswert, insbesondere in rauen, winterkalten Lagen. Die besten Pflege-Tipps für Nachtkerzen in Kurzfassung:

Gießen

  • Nachtkerzen bei längerer Trockenheit gießen nach vorherigen Fingerprobe.
  • Als Gießwasser normales Leitungswasser verwenden für eine Extraportion Kalk.
  • Am frühen Morgen oder nach Sonnenuntergang durchdringend wässern, ohne dass sich Staunässe bildet.

Düngen

  • Zweijährige Nachtkerzen im zweiten Jahr (März/April) düngen mit Kompost und Hornspänen.(26,00€ bei Amazon*)
  • Mehrjährige Nachtkerzen jedes Frühjahr mit Komposterde als Startdüngung versorgen.
  • Alternativ im April und Juni (kurz vor der Blütezeit) flüssigen Kräuterdünger verabreichen zwecks Schonung der Blattrosette.

Schneiden

  • Verwelkte Blüten ausputzen zur Steigerung der Blütenfülle und Verlängerung der Blütezeit.
  • Nach dem ersten Blütenflor verwelkte Pflanzenteile abschneiden für eine herbstliche Nachblüte.
  • Extra-Tipp: Im Anschluss an den sommerlichen Rückschnitt die Stauden flüssig düngen.
  • Vor Wintereinbruch abgestorbene Stängel zurückschneiden bis zur Blattrosette.

Überwintern

Mit einer robusten Winterhärte von bis zu – 35° Celsius zählt Winterschutz eigentlich nicht zum Pflegeprogramm. Was Nachtkerzen gefährlich werden könnte, sind Dauerregen, Schneematsch und stehendes Wasser. Schon einfache Vorkehrungen reichen als Nässeschutz aus. Bedecken Sie die Blattrosette vor dem ersten Frost mit Laub und Fichtenreisig, bleibt der nässeempfindliche Wurzelballen auch im Winter weitgehend trocken.

Beliebte Sorten

Schöne, pflegeleichte Nachtkerzen-Sorten verzaubern den Garten mit dem gelben Leuchtfeuer ihrer imposanten Blütenkerzen:

  • Hohes Licht: repräsentative Garten-Sorte mit 10 cm großen, zitronengelben Schalenblüten bei Nacht, 50-60 cm hoch.
  • African Sun: malerische Polster-Nachtkerze für den sandig-trockenen Steingarten, 25 cm hoch und 50 cm breit.
  • Erica Robin: prächtige Nachtkerzen-Staude, dunkelgrüne Blätter mit roter Herbstfärbung, 40-50 cm hoch.
  • Yella Fella: langlebige Nachtkerze mit regenfesten Schalenblüten von Juni bis November, Wuchshöhe bis 70 cm.
  • Michelle Ploeger: pflegeleichte, farbenprächtige Sorte, empfehlenswerte Anfänger-Pflanze mit Blühgarantie.

FAQ

Was ist Nachtkerzenöl?

Aus den Samen der Gemeinen Nachtkerze wird ein heilsames und wohltuendes Öl gewonnen. Nachtkerzenöl ist geeignet für die innerliche und äußerliche Anwendung als Naturheilmittel. Die Einnahme verspricht Linderung bei Kreislaufproblemen, Bluthochdruck, Asthma und Durchfall bis hin zu Kopfschmerzen und Wechseljahresbeschwerden. Fernerhin wirkt Nachtkerzenöl entzündungshemmend und hilft bei extrem trockener Haut. Verantwortlich für das breite Wirkspektrum ist eine hohe Konzentration wertvoller Gamma-Linolensäure in den Samen.

Ist eine Nachtkerze giftig?

Nein, die Nachtkerze ist nicht giftig. In der Tat sind alle Pflanzenteile der Gemeinen Nachtkerze (Oenothera biennis) nicht nur essbar, sondern zudem sehr gesund. Schon unsere Vorfahren wussten die Blätter, Blüten und Samen als Rohkost und Wintergemüse sehr zu schätzen. Werden die fleischigen Wurzeln vor der Blütezeit geerntet, verwöhnen sie den Gaumen mit süßlich-würzigem Geschmack, der an rohen Schinken erinnert. Alle anderen Oenothera-Arten sind ebenfalls ungiftig, jedoch nicht für den Verzehr geeignet.

Kann man Nachtkerzenöl selber machen?

Als Zutaten benötigen Sie 6 g Nachtkerzen-Samen und 20 ml Mandelöl. Geerntet werden die reifen Kapselfrüchte mit den schwarz-braunen Samen im Herbst. Klopfen Sie die Samen aus den getrockneten Kapseln in einen Mörser. Die zermahlenen Samen mischen Sie mit dem Mandelöl. Im 50° warmen Wasserbad wird die Öl-Samen-Mischung 2 Stunden lang erwärmt. Das fertige Nachtkerzenöl lassen Sie durch ein feines Sieb oder Filterpapier in ein dunkles Fläschchen laufen.

Welche Wirkung hat Nachtkerzen-Tee? Wie gelingt die Zubereitung?

Für eine Tee-Zubereitung sind die Blätter einer Gewöhnlichen Nachtkerze (Oenothera biennis) geeignet. Geerntet werden Nachtkerzen-Blätter idealerweise kurz vor Beginn der Blütezeit. Einen Esslöffel frischer oder getrockneter Blätter überbrühen Sie mit 500 Millilitern sprudelnd kochendem Wasser. Nach 10 Minuten sieben Sie die Blätter ab. Genießen Sie die entkrampfende und entspannende Wirkung von Nachtkerzen-Tee bei Magen- und Darmbeschwerden, Kopfschmerzen, Alltagsstress und Bluthochdruck.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: Andrew Swarga/Shutterstock
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