Lein: Aussaat und Anbau

Lesen Sie hier im kommentierten Steckbrief alles Wissenswerte zum Lein-Anbau. Viele Tipps rund um Leinsamen-Blüte und Verwendung. So pflanzen und pflegen Sie Lein im Garten richtig.

lein
Lein bringt schöne blaue Blüten hervor

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Linum usitatissimum
  • Familie: Leingewächse (Linaceae)
  • Synonyme: Flachs, Leinpflanze, Leinsamenpflanze
  • Wuchstyp: einjährige, krautige Pflanze
  • Wuchshöhe: 20 cm bis 100 cm
  • Wachstum: aufrechter, faserreicher Stängel
  • Blüte: Wickel
  • Blütezeit: Mai bis August
  • Frucht: Kapsel
  • Fruchteigenschaft: essbar
  • Winterhärte: frostempfindlich
  • Verwendung: Nutzpflanze, Heilpflanze, Zierpflanze

Leinpflanze

Gemeiner Lein ist die wichtigste Art aus der Familie der Leingewächse und von weltweiter, wirtschaftlicher Bedeutung. Seit dem Altertum wird die krautige Pflanze einjährig angebaut und zählt zu den historischen Kulturpflanzen. Im Fokus stehen die aufrechten Stängel mit einem Zellulose-Anteil von bis zu 70 Prozent für die Herstellung von Flachs oder Leinen. Weitere Pflanzenteile spielen eine tragende Rolle in unserem Alltag, wie gepresste und geschrotete Leinsamen. Der botanische Namensteil usitatissimum bedeutet ’sehr nützlich‘, was folgende Übersicht untermauert:

Lesen Sie auch

Nutzpflanze (gewerblicher Anbau) Gartenpflanze (privater Anbau)
Herstellung von Faserlein Zierpflanze
Ernte von Leinsamen Kübelpflanze
Gewinnung von Leinöl für: Gründüngung
+ Speiseöl Naturgarten
+ Farben, Lacke Bauerngarten
+ Holzschutz Balkonbegrünung
+ Korrosionsschutz Apothekergarten
+ Kosmetika  
+ Biokraftstoff  

Seit 2012 zahlt die EU keine Fördermittel mehr, sodass der gewerbliche Lein-Anbau einige Zeit zum Erliegen kam. Die gesteigerte Nachfrage nach alten Kulturpflanzen mit gesunden Inhaltsstoffen bringt neuerdings den Anbau wieder in Schwung, wie folgendes Video demonstriert:

Revival einer alten Kulturpflanze - Lein-Anbau in Bayern

Frucht und Samen

Den unscheinbaren Früchten einer verwelkten Leinpflanze ist ihr wertvoller Inhalt nicht anzusehen. Ein Blick auf diese Merkmale von Frucht und Samen offenbart erstaunliche Eigenschaften:

  • Kapselfrucht außen: braun, kugelig-eiförmig, 6 mm bis 9 mm klein.
  • Kapselfrucht innen: 5 Fächer mit je 2 Samen.
  • Samen: gelb bis dunkelbraun, 4 mm bis 5 mm lang, 2,5 mm bis 3 mm breit.
  • Inhaltsstoffe: 40 % Leinöl, davon bis zu 70 % ungesättigte Fettsäure, Lysin, Eiweiß, Linolsäure, Lecithin, Jod, Ballaststoffe.
  • Besonderheiten: Samenschale bildet Schleimstoffe, höchster Anteil an ungesättigten Omega-3-Fettsäuren aller Pflanzenöle.

Schleimstoffe und Ballaststoffe sind verantwortlich für die geschätzte Heilwirkung von Lein. Die geschroteten Leinsamen werden Müsli, Joghurt oder Brot zugegeben und lösen Verstopfung. Gegenanzeigen sind Darmverschluss, Durchfall und Verengung der Speiseröhre. Wichtig zu beachten ist eine Tageshöchstdosis von 20 Gramm, weil die Samen Cadmium sowie eine Vorstufe giftiger Blausäure enthalten können. Zu Leinöl gepresste Samen sind unter anderem ein gesundes Speiseöl. Bei Halsschmerzen oder Husten kann man die geschroteten Leinsamen mit Milch eindicken, in ein Baumwollsäckchen füllen und heiß auf die Brust legen.

Blüte

Für naturnahe Hobbygärtner ist Lein im Garten ein dekorativer Volltreffer. Schönster Schmuck sind die aparten Blüten als florales Spiegelbild eines wolkenlosen Himmels. Diese Attribute prägen die Leinsamen-Blüte:

  • Blütenstand: rispenförmiger Wickel
  • Einzelblüte: fünfzählig, schalenförmig, 2 cm bis 4 cm im Durchmesser
  • Blütenfarbe: himmelblau mit dunkler Aderung, Unterarten rot, rosa, weiß oder gelb
  • Blütenökologie: homogam (Selbstbestäubung), nektarführende Scheibenblume
  • Blütezeit: Mai bis August

Wickel ist ein spezieller Blütenstand. Von einer Hauptachse mit endständiger Blüte zweigt eine Nebenachse ab, die ebenfalls eine endständige Blüte trägt. Von dieser Nebenachse zweigt wiederum ein Blütenstängel ab und so fort. Die Nebenachsen sind abwechselnd rechts und links angeordnet, als hätte Mutter Natur sie aufgewickelt.

Blatt

Ein feinnadeliges Laubgewand verleiht Flachs-Pflanzen im Garten grüne Fülle und kontrastiert schön mit den himmelblauen Blüten. Schon vor Beginn der Blütezeit können Sie ein Lein-Blatt an diesen Attributen erkennen:

  • Blattform: lineal-lanzettlich, ungestielt
  • Größe: 2 cm bis 4 cm lang, 1,5 mm bis 3 mm breit (bis zu 15-mal länger, als breit)
  • Anordnung: wechselständig

Für die Gewinnung von Faserlein oder Leinöl haben die Blätter keine Bedeutung. Übrigens können Sie mithilfe dieser Hinweise auch Zweijährigen Lein (Linum bienne) treffsicher beim Namen nennen, weil diese Unterart in unseren Breiten häufig verwildert auf Wiesen und an Waldrändern zu bewundern ist.

Lein pflanzen

Im Garten und auf dem Balkon wird Gemeiner Lein wegen seiner filigranen, blütenreichen Schönheit angebaut. Für die Pflanzung im Beet und Kübel hat sich die Direktaussaat gut bewährt. Die Anzucht auf der Fensterbank mit anschließender Verpflanzung ist heikel aufgrund episch langer Pfahlwurzeln. So pflanzen Sie Lein richtig:

Standort

In diesen Lagen zeigt sich Lein von seiner schönsten Seite:

  • Sonniger bis halbschattiger Standort
  • Gerne warm und windgeschützt
  • Im Beet: sandig-durchlässiger, überwiegend trockener Lehmboden
  • Ausschluss-Kriterien: nasser, mooriger Gartenboden mit saurem pH-Wert unter 5,5
  • Im Kübel: Mix aus torffreier Kübelpflanzenerde, Sand und Blähton

Lein im Garten ist mit sich selbst unverträglich. Am gewählten Standort sollten in den vorhergehenden vier Jahren keine Leinpflanzen gewachsen sein.

Leinsamen Aussaat im Beet

Für ein prächtiges Wachstum ist die frühe Aussaat im März/April empfehlenswert, weil Lein als Langtagspflanze gedeiht. Für Nachzügler bleibt das Zeitfenster geöffnet bis Anfang Juli. Auftretende Spätfröste beeinträchtigen die Keimung nicht. Dieser Umstand ist von besonderem Vorteil für die Verwendung von Lein als Gründüngung. So säen Sie Leinsamen richtig aus:

  1. Beet ein bis zwei Spaten tief umgraben, harken und feinkrümelig rechen.
  2. Wichtig: Saatbeet nicht organisch düngen.
  3. Leinsamen breitwürfig verteilen.
  4. Dunkelkeimer 2 cm bis 3 cm tief in die Erde einarbeiten.
  5. Erde andrücken und beregnen.

Unter normalen Witterungsbedingungen beträgt die Keimdauer eine bis zwei Wochen. Im weiteren Verlauf der Keimung vereinzeln Sie die Lein-Keimlinge auf einen Abstand von 20 Zentimetern.

Leinsamen Aussaat im Kübel

Verwenden Sie für Saat-Lein einen tiefen Kübel, der den langen Pfahlwurzeln genügend Entfaltungsraum bietet. Bevor Sie das empfohlene Substrat einfüllen, bedecken Sie den Kübelboden mit einer Drainage aus Blähton oder Tonscherben. Auch für den Lein-Anbau im Kübel gilt die Empfehlung, auf die Zugabe von Kompost oder Hornspänen (9,00€ bei Amazon*) zu verzichten.

Exkurs

Gelbes Dream-Team im Naturgarten

Naturnahe Hobbygärtner spendieren zwei massiv bedrohten Naturschönheiten neuen Lebensraum. Gelber Lein (Linum flavum) und Adonisröschen (Adonis vernalis) leuchten mit der Sonne um die Wette, machen sich als Bienenweide nützlich und lieben kalkhaltige Magerwiesen. Neigt sich die Adonisröschen-Blütezeit im Mai dem Ende zu, setzt Gelber Lein das malerische Blütenfestival fort bis in den September.

Lein pflegen

Lein ist sehr pflegeleicht. Eckpfeiler einer guten Pflege sind Unkraut-jäten, Gießen und gelegentliches Düngen. Weil Leinsamenpflanzen einjährig wachsen, fallen weitere Maßnahmen nicht an. So pflegen Sie Linum usitatissimum vorbildlich:

Unkraut entfernen

Die Leinpflanze ist konkurrenzschwach. Gegen unerwünschte Beikräuter zieht die Pflanze schnell den Kürzeren. Pflichtprogramm in der Lein-Pflege ist daher regelmäßiges Unkraut-jäten ab dem Tag der Leinsamen-Aussaat. Zupfen Sie naseweise Unkräuter zeitnah aus, damit Wasser und Nährstoffe ausschließlich dem Wachstum von Lein zur Verfügung stehen.

Gießen

Eine ausgewogene Wasserversorgung ist besonders wichtig im Mai und Juni. Mindestens 120 Millimeter Niederschlag sollten vom Himmel regnen, damit Saat-Lein vital wachsen und opulent blühen kann. Bei trockener Witterung gießen Sie regelmäßig, wenn die Erde im Beet oder Kübel fühlbar angetrocknet ist. Lassen Sie das Wasser aus der Gießkanne direkt auf die Wurzelscheibe laufen, ohne dass sich Staunässe bildet. Bester Zeitpunkt ist am frühen Morgen oder nach Sonnenuntergang. Vermeiden Sie bitte einen gezielten Beschuss mit dem Wasserschlauch, damit die Stängel nicht umknicken oder Mehltau die feuchten Blätter befällt.

Düngen

Um die Bildung von Knospen und Blüten zu fördern, können Sie einen Dünger mit extra Phosphor und Kalium verabreichen. Eine Kombination aus diesen beiden Hauptnährstoffen fungiert als Blütenbooster bei Lein. Im Gegensatz dazu stärkt Stickstoff das Wachstum der Blätter zulasten der himmelblauen Blütenpracht. Verabreichen Sie das Düngemittel nach Angaben des Herstellers. Im Beet reicht in der Regel die einmalige Düngung Anfang/Mitte Mai aus. Kübelpflanzen düngen Sie alle zwei Wochen.

Beliebte Sorten

Die folgenden Unterarten und Sorten überzeugen mit dekorativen Eigenschaften, die Hobbygärtner zu schätzen wissen:

  • Roter Lein (Linum grandiflorum): Pracht-Lein mit scharlachroten Kronblättern, einjährig, 45 cm hoch.
  • Zweijähriger Lein (Linum bienne): Unterart mit zweijährigen Stängeln, die einmal blassviolett blühen und fruchten.
  • Stauden-Lein ‚Saphir‘: ausdauernder Lein (Linum perenne), hellblaue Blüten, Wuchshöhe 20 cm bis 30 cm.
  • Garten-Lein ‚Diamant‘: winterharte Leinpflanze mit weißen, blau gezeichneten Blüten, aufrechte Stängel bis 80 cm hoch.
  • Weißer Lein ‚Album‘: reichblühender Stauden-Lein mit strahlend weißen Blüten, Wuchshöhe 40 cm bis 50 cm.

FAQ

Wächst blauer Lein einjährig oder ausdauernd?

Blauer Lein (Linum perenne) ist eine dekorative Staude für Beet und Kübel. Die Pflanze sieht Linum usitatissimum (Gemeiner Lein) zum Verwechseln ähnlich. Beide Leinpflanzen sind eng verwandt und prahlen mit blauen Blüten. Blauer Lein wird auch Stauden-Lein genannt, weil er als ausdauernde Zierpflanze im Garten gerne gepflanzt wird. Im Gegensatz dazu wird Gemeiner Lein als Nutzpflanze weltweit einjährig angebaut für die Gewinnung von Faserlein, Leinöl und Leinsamen.

Welcher Lein wird als Flachs-Pflanze bezeichnet?

Der Gemeine Lein (Linum usitatissimum) wird auch Flachs-Pflanze genannt und das aus gutem Grund. Im bis zu 100 Zentimeter großen Stängel ist reichlich Zellulose enthalten für die Gewinnung von Flachs- oder Leinenfasern. Die Industrie fertigt daraus hochwertige Gewebe, wie Leinwand oder Linnen sowie Natur-Textilien aus Leinen. Alle anderen Lein-Unterarten spielen im Flachs-Anbau keine Rolle.

Was ist der Unterschied zwischen Faserlein und Öllein?

Beide Leinpflanzen sind Unterarten von Linum usitatissimum. Bei Faserlein steht das Wachstum kräftiger Stängel mit hohem Zellulose-Anteil im Mittelpunkt für die Herstellung von Flachs oder Leinenstoffen. Öllein wächst kompakter, weil hier der Fokus auf zahlreichen Früchten und Samen liegt. Von Natur aus springen reife Lein-Kapsel auf und schicken das Saatgut auf die Reise. Diese Eigenschaft wurde bei Öllein-Sorten weggezüchtet, damit die Leinsamen bei der Ernte nicht verloren gehen.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: krolya25/Shutterstock

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