Laubmoos: Arten, Generationswechsel und mehr

Lesen Sie hier einen kommentierten Laubmoos-Steckbrief mit Erläuterungen zu Wachstum, Generationswechsel und Bryophyta-Arten. Lesenswerte Tipps erklären, wie Sie Laubmoos richtig pflanzen und pflegen.

laubmoos
Es gibt etwa 15.000 Arten von Laubmoosen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Bryophyta
  • Reich: Landpflanzen (Embryophyta)
  • Abteilung: Laubmoose mit 15.000 Arten
  • Vorkommen: weltweit
  • Wuchstyp: wurzellose Landpflanze
  • Wuchsform: bodendeckend
  • Wuchshöhe: 1 mm bis 50 cm
  • Blatt: immergrünes Phylloid
  • Blüte: entfällt
  • Giftigkeit: ungiftig
  • Winterhärte: winterhart
  • Vermehrung: Generationswechsel (generativ), Brutkörper (vegetativ)

Wachstum

Laubmoos besiedelt die Erde seit 400 Millionen Jahren von den Tropen bis zur Antarktis. Mit Lebermoosen und Hornmoosen bilden Laubmoose im Reich der Landpflanzen die drei bekannten Sippen der Moose. Im Unterschied zu Stauden besitzen Bryophyta-Moose keine echten Wurzeln, Sprossachsen, Blätter oder Leitgefäße für den Transport von Wasser und Nährstoffen. Stattdessen bilden Laubmoos-Arten spezifische Strukturen, die den Organen einer Samenpflanze ähnlich sind. Folgende Eckdaten des Wachstums nennen wissenswerte Details:

  • Wuchsform: Stämmchen mit winzigen blattartigen Strukturen, polsterbildend, bodendeckend.
  • Wuchshöhe: 1 mm bis 40 cm (Mitteleuropa).
  • Wurzeln: Rhizoide (wurzelersetzende Fäden, mehrzellig und verzweigt zur Verankerung im Boden).
  • Gärtnerisch interessante Eigenschaften: winterhart, immergrün, teppichbildend, extrem robust und widerstandsfähig.

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Generationswechsel

Wachstum und Vermehrung von Laubmoos sind geprägt durch einen Generationswechsel. Hierbei dominiert die geschlechtliche Generation (Gametophyt) gegenüber der ungeschlechtlichen Generation (Sporophyt). Ein Gametophyt bildet mit Stämmchen und Blättchen die eigentliche Moospflanze. Diese Generation ernährt sich eigenständig durch Photosynthese und kann sich geschlechtlich fortpflanzen.

Im Unterschied dazu besteht der Sporophyt lediglich aus einem Stiel mit endständiger Sporenkapsel. Er kann sich nicht selbst mit Nährstoffen versorgen, ist abhängig vom Gametophyt und repräsentiert somit die ungeschlechtliche Generation. Aus den von Wind und Wasser verteilten Sporen bilden sich zunächst Protonema, bestehend aus vielzelligen, hauchdünnen Fäden. Daraus entwickeln sich neue Gametophyten und der Kreislauf des Lebens beginnt von vorn. Folgendes Video erklärt die näheren Zusammenhänge:

Generationswechsel bei Alge, Farn und Moos

Blatt

Laubmoos trägt keine Laubblätter, wie Sie es von Stauden, Bäumen oder Sträuchern kennen. Auf den Stämmchen sitzen zarte, blattähnliche Strukturen, im Fachjargon Phylloide genannt. Dabei handelt es sich um ein flächiges, blattförmiges Zellnetz mit einer Mittelrippe. In der Regel sind die Laubmoos-Blättchen spiralig am Stämmchen angeordnet. Einzige Gemeinsamkeit mit den Blättern von Gefäßpflanzen ist die Funktion. Phylloide und echte Laubblätter sind als Pflanzenorgane zuständig für die Photosynthese.

Laubmoose Arten

Von den weltweit mehr als 16.000 bekannten Moosarten bildet Laubmoos die größte Abteilung. Stellvertretend für die immense Artenvielfalt stellt Ihnen folgende Tabelle fünf bekannte Laubmoose als Beispiele vor:

Laubmoos-Arten Mittleres Torfmoos Goldenes Frauenhaarmoos Polster-Kissenmoos Silbermoos Quellmoos
Botanischer Name Sphagnum angustifolium Polytrichum commune Grimmia pulvinata Bryum argenteum Fontinalis antipyretica
Wuchsgröße 10-20 cm 10-40 cm 1-2 cm 0,3-1 cm 5-40 cm
Färbung leuchtend grün dunkelgrün, blaugrün eisgrau silbrig-grün bis blaugrün dunkelgrün
Besonderheit Moos des Jahres 2016 gelb-rot-braune Sporenkapseln Stämmchen gabelig verzweigt trittfest Unterwassermoos

Interessant für die kreative Gartengestaltung ist das Alpen-Widertonmoos (Polytrichastrum alpinum). Seine bis zu 20 cm langen, dicht beblätterten Stämmchen sind an der Spitze nochmals verzweigt. Als Begrünung für problematische Lagen empfehlen sich Sumpf-Torfmoos (Sphagnum palustre) am staunassen, moorigen Standort sowie Girgensohns Torfmoos (Sphagnum girgensohnii) für dekorative Moospolster auf saurer Erde mit einem pH-Wert von 3,0 bis 4,5.

Laubmoos pflanzen

Pflanzfertiges Laubmoos kann man als getopftes Moospolster in Gärtnereien und bei Amazon preisgünstig kaufen. Hobbygärtner entscheiden sich gerne für die Pflanzung durch Vermehrung. Beste Pflanzzeit ist von April bis September. An den geeigneten Standort stellt Laubmoos bescheidene Ansprüche. Wie und wo Sie Laubmoos im Garten erfolgreich pflanzen, lesen Sie hier:

Vermehrung

Für die Vermehrung von Laubmoos stehen drei einfache Methoden zur Wahl. Getrocknete Moospolster werden durch Wasser wieder zum Leben erweckt. Wird ein Gametophyt durch ein Küchensieb passiert, entstehen aus den Einzelteilen erneut vollständige Gametophyten. Reife Sporenkapseln am Sporophyt eignen sich für die Aussaat, wie Sie es von Blumensamen kennen. Praktische Tipps und Tricks rund um die Laubmoos-Vermehrung:

  • Moos sammeln: Laubmoos-Stücke im Wald oder Garten mithilfe eines Spachtels sammeln.
  • Vermehrung auf der Fensterbank: Schale füllen mit Kakteenerde-Sand-Gemisch, anfeuchten, Moosstücke im Abstand von 5-8 cm mit einer Pinzette ins Substrat drücken, Plastiktüte überstülpen.
  • Vermehrung auf Stein: feuchte Laubmoos-Stämmchen durch ein Sieb passieren, mit Buttermilch verrühren, Laubmoos-Milch auf steinerne Unterlage auftragen.
  • Sporophyten sammeln: aus Laubmoospolstern ragende Stiele mit reifen Sporenkapseln abschneiden, Kapseln auf einem Teller zerdrücken.
  • Sporen-Aussaat: Saatschale füllen mit Kokoserde, anfeuchten, Laubmoos-Sporen mit einem Pinsel aufnehmen, auf das Substrat streichen, unter einer transparenten Haube konstant feucht halten.

Standort

Laubmoos wächst überall dort, wo es sich mit seinen Rhizoiden im Boden verankern kann. Schöne, dichte Polster bilden sich an einem Standort mit diesen Rahmenbedingungen:

  • Halbschatten bis Schatten.
  • Kühl und luftfeucht, gerne unter Bäumen oder in der Nähe von Teich oder Bachlauf.
  • Frisch-feuchter, magerer, saurer Gartenboden mit einem pH-Wert von 4,0 bis 6,0.

Für einen sonnigen Standort eignet sich einige wenige Sonnenanbeter unter den Laubmoos-Arten. Hierzu zählen das Wacholder-Widertonmoos (Polytrichum juniperinum) und das unverwüstliche Glockenhutmoos (Encalypta vulgaris).

Pflanzanleitung

Pflanzfertig gekauftes oder gezüchtetes Laubmoos ist einfach zu pflanzen. Freilich erfordert die Pflanz-Technik ein Umdenken, denn über einen Wurzelballen verfügt die Landpflanze nicht. Folgende Anleitung erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Laubmoos im Beet richtig pflanzen:

  1. Unkraut jäten, Erde feinkrümelig harken, pH-Wert testen (bei einem Wert größer 6,0 Moorbeeterde einarbeiten).
  2. Beetfläche mit Regenwasser anfeuchten.
  3. Laubmoos-Flicken in die Erde drücken im Abstand von 5 cm bis 10 m.

Zum guten Schluss gießen Sie die Moosfläche mit feiner Brause an. Diese Anleitung lässt sich mit wenigen Modifikationen auf die Pflanzung von Laubmoos als Zimmerpflanze übertragen.

Exkurs

Laubmoos Mitglied der Pflasterritzen-Trittgesellschaft

Inmitten der Großstadt stellt Laubmoos seinen unerschütterlichen Überlebenswillen unter Beweis. Als allgegenwärtige Laubmoos-Art bildet Silbermoos (Bryum argentum) gemeinsam mit dem Niederliegenden Mastkraut (Sagina procumbens) und Einjährigen Rispengras (Poa annua) die Pflasterritzen-Trittgesellschaft. Von eilig hastenden Menschen unbemerkt, besiedeln die drei Überlebenskünstler Bordsteine, Bahnsteige und gepflasterte Gehwege. Clever duckt sich das Laubmoos in Pflasterritzen, um der Trittbelastung zu entgehen.

Laubmoos pflegen

Die Laubmoos-Pflege ist ganz einfach. Wichtig für ein samtig-grünes, dichtes Wachstum ist die regelmäßige Wasserversorgung. Das gelingt am besten mit gesammeltem Regenwasser aus einer Gießkanne mit Brausekopf. Weil Laubmoose ausgeprägt konkurrenzschwach sind, sorgt gelegentliches Unkrautjäten für ein gepflegtes Erscheinungsbild. Darüber hinausgehende Pflegemaßnahmen, wie Düngen, Schneiden oder Überwintern sind ersatzlos zu streichen.

Beliebte Sorten

Über die fünf Protagonisten obiger Laubmoose-Arten-Tabelle hinaus sind in Deutschland diese Laubmoos-Arten weit verbreitet:

  • Filzmützenmoos (Pogonatum urnigerum): prahlt mit rotbraunen Kapselmützchen am oberen Ende vom Sporophyt-Stiel.
  • Schönes Widertonmoos (Polytrichastrum formosum): prächtiges Waldmoos mit blaugrünen, sternenförmigen Moospolstern, Wuchshöhe 5-15 cm.
  • Weißmoos, Ordenskissenmoos (Leucobryum glaucum): nasse, hellgrüne Stämmchen bilden bei Trockenheit weiße, gewölbte Polster, Wuchshöhe 10 cm bis 20 cm.
  • Grünes Koboldmoos (Buxbaumia viridis): zeigt oberirdisch lediglich sein Sporophyt mit 1 cm großer, grüner Sporenkapsel am orange-braunen Stiel.

FAQ

Eignet sich Laubmoos als Zimmerpflanze?

Laubmoose sind beliebte Gestaltungselemente in der modernen Wohnraumbegrünung. Im Trend sind die wurzellosen Landpflanzen als pflegeleichte Moospolster im dekorativen Glas-Zylinder, kombiniert mit Dekoelementen. In flachen Schalen auf Kokossubstrat kommt Laubmoos malerisch zur Geltung. Ausgezeichnet harmoniert Laubmoos als Unterpflanzung mit einem Bonsai. Im Terrarium macht sich Laubmoos als immergrünen Bodengrund nützlich.

Was ist der Unterschied zwischen Lebermoos und Laubmoos?

Die Namensgebung gibt einen wichtigen Hinweis auf den Unterschied. Lebermoos (Marchantiophyta) gedeiht mit einem fleischigen, lappigen Pflanzenkörper, der an ein leberförmiges Laubblatt erinnert. Laubmoos (Bryophyta) bildet hingegen dichte Moospolster mit bis zu 50 cm langen, beblätterten Stämmchen.

Wie lautet die Lösung für Laubmoos im Kreuzworträtsel?

Im Kreuzworträtsel wird für Laubmoos zumeist ein Lösungswort mit 10 Buchstaben gesucht. Die richtige Antwort lautet: Frauenhaar.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: Gaian child/Shutterstock

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