Feigenbaum tadellos schneiden – Tutorial mit nützlichen Schnitt-Anleitungen

Süße Feigen aus eigenem Anbau übertrumpfen Früchte aus dem Ladenregal hinsichtlich Geschmack und Qualität. Grund genug für einen eigenen Feigenbaum im Beet oder Kübel. Zu den Schlüsselfunktionen für eine reiche Feigen-Ernte zählt die fachkundige Schnittpflege. Dieses Tutorial macht Sie vertraut mit der richtigen Schnittführung für vitales Fruchtholz, das Ihnen bis zu zweimal im Jahr frische Feigen beschert.

Feigenbaum Rückschnitt
Ein professioneller Rückschnitt fördert den Ertrag

Feigenbaum jährlich schneiden – Schnitt-Optionen

Moderne Feigensorten sind auch nördlich der Alpen winterhart. Vornehmlich in wintermilden Regionen, wie am Niederrhein oder in Weinanbaugebieten, gedeihen Feigen als reich verzweigter Strauch oder kleiner Baum im Beet. Wo im Winter die Temperatur unter – 10 Grad Celsius fällt, bescheren die mediterranen Obstgehölze als Kübelpflanze den süßen Fruchtgenuss. Eine umsichtige Standortwahl und adäquate Überwinterung alleine reichen nicht für eine alljährliche Feigenernte. Der fachkundige Schnitt garantiert dafür, dass Ihr Ficus carica vital und blühfreudig bleibt mit einem hohen Anteil an Fruchtholz. Mit welchen Schnitt-Optionen Sie zum Ziel kommen, fasst folgende Tabelle zusammen:

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SchnittartenZiel/Anlassbester Termin
Erziehungsschnittharmonische Krone aufbauen, Fruchtholz fördernFebruar bis Anfang März
Erhaltungsschnittabgestorbene, ungünstige Triebe entfernen, lichtdurchflutetes Wachstum fördernFebruar bis Anfang März
SommerschnittFörderung überwinterungsfähiger FruchtanlagenEnde Juli bis Mitte August
Verjüngungsschnittvernachlässigten Feigenbaum revitalisierenSpätwinter

Feigenbaum richtig erziehen

Traditionell kultivieren Hausgärtner nördlich der Alpen einen Feigenbaum als ausladenden, reich verzweigten Strauch. Zumindest in wintermilden Regionen der Winterhärtezonen 7 und 8 beschert das Obstgehölz als ausgepflanzter Strauch im August und nochmals im Oktober eine sattsame Feigen-Ernte. Befindet sich der Garten innerhalb rauer Winterhärtezonen 5 und 6, gedeiht ein Feigenbaum im Kübel, um die kalte Jahreszeit hinter Glas zu verweilen. Unter diesen Voraussetzungen erweist sich die Erziehung zum kleinen Baum mit kurzem Stamm und stabiler Krone als vorteilhaft. Ziehen Sie diese empfehlenswerte Option in Erwägung, verschneiden Sie eine junge Feige so:

  • Am Pflanztag: Mitteltrieb stehen lassen, übrige Bodentriebe am Ansatz abschneiden
  • Bis zur erwünschten Stammhöhe: Mitteltrieb am Stützstab aufleiten, nicht einkürzen, Seitentriebe regelmäßig entfernen
  • Kronenbildung: Mitteltrieb-Spitzenknospe abschneiden mindestens 4 Knospen oberhalb vom Kronenansatz

Wie untenstehende Abbildung verdeutlicht, sollte ein Feigenbaum mit kurzem Stamm und einer Krone aus Stammverlängerung und vier Seitentrieben erzogen werden. Entscheidend für Stamm-Erziehung und Kronenaufbau ist, dass Sie die Spitzenknospe erst dann schneiden, wenn diese sich 4 bis 6 Knospen über dem gewünschten Kronenansatz befindet. Schneiden Sie die Spitzenknospe zu früh, kommt das Höhenwachstum zum Erliegen und Ihr Feigenbaum bleibt mickrig klein.

Feigenbaum Rückschnitt

Erziehen Sie einen Feigenbaum im Topf und Beet mit kurzem Stamm und pyramidaler Krone. Dekorativ und lichtdurchflutet gedeiht die Krone mit dominantem Mitteltrieb, um den sich vier seitliche Leitäste als Gerüst versammeln. Das Kronengerüst trägt das einjährige Fruchtholz.

Exkurs

Ausströmender Milchsaft löst Juckreiz und Allergien aus.

Unter seiner glatten, grauen Rinde ist ein Feigenbaum durchströmt von milchigem Pflanzensaft. Unmittelbarer Kontakt von Milchsaft zur Haut unter Sonneneinstrahlung kann Fotodermatitis verursachen. Die allergische Reaktion äußert sich durch heftigen Juckreiz, gefolgt von Bläschenbildung und Ekzemen. Im Gegensatz zu Sonnenbrand, heilen betroffene Hautstellen nur langsam und sind gezeichnet durch eine irreversible Pigmentierung. Tragen Sie daher bei allen Schnittarbeiten Handschuhe mit langen Stulpen.

Erhaltungsschnitt – Schritt-für-Schritt-Anleitung

Als Strauch oder Baum gedeiht die Feige mit einem langlebigen Gerüst aus Bodentrieben oder Kronen-Leitästen. Das Gerüst trägt das kurzlebige Fruchtholz mit unscheinbaren Blüten. An vorjährigen Trieben erblüht das Gehölz im März und beschert ab August die ersehnten Früchte. Am diesjährigen Holz erscheinen im Juli grünliche Blüten, um sich im Herbst in Feigen zu verwandeln. Ein alljährlicher Erhaltungsschnitt zielt ab auf ein lichtdurchflutetes Wachstum und die Förderung von jungem Fruchtholz. Die folgende Schnittführung hat sich in der Praxis ausgezeichnet bewährt:

  • Totholz am Ansatz abschneiden
  • Befrorene Seitentriebe am Gerüst zurückschneiden auf kurze Stummel von 5 bis 10 Zentimetern
  • Von zwei parallelen Senkrechttrieben den schwächeren herausschneiden
  • Nach innen gerichtete Äste zurückschneiden auf eine bis zwei nach außen weisende Knospen

Ein tadelloser Erhaltungsschnitt hinterlässt ein stabiles, tragfähiges Gerüst mit vitalem Furchtholz. Abgetragene Triebe des Vorjahres bleiben idealerweise ungeschnitten, weil sie die erste Ernte im Spätsommer liefern. Hat ein vorjähriger Trieb hingegen eine Länge erreicht, unter deren Fruchtlast er in diesem Jahr brechen könnte, verschneiden Sie ausnahmsweise den Ast um ein Drittel oder die Hälfte. Mehrjähriges Holz wird eingekürzt auf einige wenige Knospen, aus denen in diesem Jahr das frische Fruchtholz sprießt, das im Herbst und nochmals im nächsten Sommer saftig-süße Feigen trägt.

Feigenbaum schneiden

Der Erhaltungsschnitt bringt Ordnung ins Geäst. Lichten Sie abgestorbene, zurückgefrorene oder überkreuz wachsende Triebe aus. Vorjährige Seitenzweige bleiben stehen, denn sie tragen wertvolle Blütenknospen für süße Feigen im August.

Fruchtholz fördern – so gelingt es

Hat ein Trieb zwei oder mehr Jahre Früchte getragen, baut er stark ab. Überaltertes Fruchtholz ist zu identifizieren an einer dichten Verzweigung und herabhängendem Wuchs. Dieses Erscheinungsbild bedeutet nicht, dass Sie den Ast endgültig zum “alten Eisen” erklären und restlos auslichten. Solange er im hinteren Bereich einen unverzweigten, einjährigen Trieb zu bieten hat, eignet sich an dieser Stelle ein vorteilhafter Fruchtholzschnitt.

Wie untenstehende Abbildung illustriert, setzen Sie Schere oder Säge dort an, wo das junge Fruchtholz schräg-aufwärts abzweigt. Den Schnittpunkt setzen Sie bitte einige Millimeter weit ins alte Holz an, um den jungen Seitentrieb nicht zu verletzen. Länger als einen Zentimeter sollte der Stummel nicht sein, weil andernfalls entstehende Fäulnis die Gefahr von Krankheiten nach sich zieht.

Feigenbaum schneiden

An einjährigen, schräg aufwärts gerichteten Seitentrieben trägt ein Feigenbaum die leckersten Früchte. Abgetragenes, massiv verästeltes Holz schneiden Sie dort ab, wo ein junger, mit Knospen garnierter Trieb abzweigt.

Sommerschnitt

Für einen vitalen Feigenbaum und Früchte in Premium-Qualität garantiert ein leichter Sommerschnitt. Die folgende Schnittführung ist für ausgepflanzte Feigen gedacht und zielt darauf ab, das kräftezehrende Wachstum mangelhafter Herbstfrüchte zu unterbinden. Im Gegenzug wird die Anlage überwinterungsfähiger Fruchtanlagen unterstützt für eine frühe Ernte in bester Qualität. So machen Sie es richtig:

  • Bester Zeitpunkt ist Ende Juli bis Mitte August (nach der Sommerernte)
  • Strauch oder Krone sorgfältig auf brütende Vögel untersuchen, um den Termin gegebenenfalls zu verschieben
  • Alle diesjährigen, unverzweigten Seitentriebe zurückschneiden auf 6 bis 8 Blätter

Infolge der sommerlichen Schnittmaßnahme bilden die verbliebenen Blütenknospen rudimentäre Fruchtanlagen, die überwintern und im nächsten Sommer zu reifen Feigen werden.

Sofern es sich um eine Feige im Kübel handelt, die hinter Glas überwintert, findet kein Sommerschnitt statt. Aus den Blüten im Juli werden Feigen, die im hellen, warmen Wintergarten noch ausreifen.

Hintergrund

Was ist Fruchtholz eigentlich genau?

Beim Schneiden von Feigen dreht sich alles um die Förderung und Erhaltung von Fruchtholz. Per Definition für Obstgehölze aller Art handelt es sich bei Fruchtholz nicht um das Holz, aus dem sich das langlebige Grundgerüst für Strauch oder Baumkrone formt. Vielmehr bezieht sich die Bezeichnung auf eher kurzlebige Seitenverzweigungen. Im konkreten Fall einer Feige stammt das vitalste Fruchtholz aus dem Vorjahr und diesem Jahr. Am einfachsten ist junges Fruchtholz zu identifizieren am schrägen bis waagerechten und wenig verzweigten Wachstum. Ältere Seitentriebe am tragenden Gerüst blühen und fruchten kaum. Die nachlassende Vitalität ist gut zu erkennen an massiv verzweigten, herabhängenden Triebspitzen.

Verjüngungsschnitt

Die beachtliche Schnittverträglichkeit eines Feigenbaums beruht auf der Eigenschaft, aus altem Holz frische Triebe hervorzubringen. Das florale Bravourstück gelingt, weil die Pflanze im Verlauf des Wachstums zahlreiche schlafende Augen unterhalb der Rinde einrichtet. Die winzig kleinen, nahezu unsichtbaren Vegetationspunkte warten nur darauf, verloren gegangene Äste oder Stämme zu ersetzen. Auf diese “eiserne Reserve” können Sie bauen, wenn Sie einen vergreisten oder vernachlässigten Feigenbaum mit einem Verjüngungsschnitt revitalisieren. So gehen Sie sachkundig vor:

  • Bester Zeitpunkt ist während der laublosen Winterzeit
  • Befrorene Zweige zurückschneiden bis ins gesunde Holz
  • Totholz am Ansatz abschneiden
  • Verbliebene Äste ableiten auf einen tiefer stehenden, nach außen gerichteten Seitentrieb

An ausgepflanzten Feigen können in einem harten Winter zahlreiche Äste vollständig zurückfrieren. Betroffen von dem Schaden ist das langlebige Gerüst aus dicken, mehrjährigen Ästen in der Regel nicht. Sind Sie unsicher, ob in einem Trieb noch Leben ist oder nicht, räumt ein Vitalitätstest jegliche Bedenken aus. Kratzen Sie mit Messer oder Fingernagel ein wenig Rinde ab. Alternativ schneiden Sie ein kleines Triebstück ab. Tritt saftiges, cremefarbenes bis grünes Gewebe hervor, pulsiert das Leben im Trieb. Braunes Gewebe lässt hingegen keinen Zweifel daran, dass Sie es mit Totholz zu tun haben, das herauszuschneiden ist.

Häufig gestellte Fragen

Unser Feigenbaum ist jetzt zwei Jahre alt. Er wächst unaufhörlich und hat nunmehr eine Höhe von zwei Metern erreicht, leider ohne Seitentriebe. Aus der Baumscheibe sprießen jetzt neue Triebe. Sollen wir den Stamm kürzen?

Entscheiden Sie sich bitte für eine geeignete Stammhöhe, beispielsweise 150 Zentimeter. An diesem Punkt schneiden Sie den Stamm etwa einen Zentimeter über einer Knospe ab. Unterhalb der Schnittstelle setzt in der Folgezeit das Wachstum von Seitenzweigen ein, die sich zur künftigen Krone formieren. Die Triebe aus der Baumscheibe konkurrieren mit der Krone um Nährstoffe und sollten zeitnah entfernt werden.

Wir haben vom Nachbarn einen Feigenbaum übernommen und wollen ihn jetzt in unseren Garten umpflanzen. Wann ist der beste Zeitpunkt? Worauf ist zu achten?

Bester Zeitpunkt für den Standortwechsel ist nach dem Abwurf der Blätter im Herbst. Stechen Sie die Wurzeln rundherum in großem Radius mit dem Spaten ab. Abgerissene Wurzelstränge wachsen selten wieder an. Wählen Sie einen sonnigen Standort mit lehmiger, leicht saurer Erde, die gut durchlässig und reich an Nährstoffen ist. Wir empfehlen, den Boden anzureichern mit Rhododendronerde. Im Februar/März schneiden Sie die Triebe um ein Drittel zurück, um die verloren gegangene Wurzelmasse auszugleichen.

Wie groß sollte ein Kübel für den Feigenbaum sein? Welche Höhe kann eine Ficus carica im Topf erreichen? Darf ich die Zweige zurückschneiden für ein strauchartiges Wachstum?

Liefert Ihnen die Baumschule den jungen Feigenbaum mit einer Höhe von 80 bis 100 Zentimetern, benötigen Sie einen Kübel mit 40 bis 50 Litern Volumen. Bei ausreichender Wasser- und Nährstoffversorgung kann die Pflanze eine Höhe von bis zu 3 Metern erreichen. Die ausgeprägte Schnittverträglichkeit erlaubt es durchaus, in jungen Jahren eine strauchartige Verzweigung anzuregen.

Ist ein Feigenbaum selbstfruchtbar oder benötigt er eine benachbarte Sorte als Befruchter?

Die reine Art Ficus carica gedeiht als einhäusige Pflanze, sodass sie weibliche und männliche Blüten hervorbringt. Vorausgesetzt es kümmern sich Insekten um die Bestäubung, fruchtet eine Echte Feige ohne zusätzliche Befruchtersorte. Moderne Feigensorten, wie Dalmatica, Brunswick oder Brown Turkey können sogar auf Insekten verzichten, denn ihre Feigen wachsen als Jungfernfrüchte. Das Attribut ist vor allem für die Kultivierung in Wintergärten und Gewächshäusern vorteilhaft, wenn Bienen oder Hummeln keinen Zutritt haben.

Kann ich eine Feige als Spalierbaum anbauen?

Spaliererziehung ist nicht nur bei Platzmangel eine sinnvolle Anbaumethode für den Feigenbaum. Im Schutz einer sonnenverwöhnten Südwand des Hauses fungiert das mediterrane Obstgehölz als malerische Fassadenbegrünung und liefert saftig-süße Feigen bis zu zweimal im Jahr. Erziehen Sie die Feige mit zwei bis drei Haupttrieben, die Sie am Wandspalier anbinden. An diesem Gerüst sprießt das junge Fruchtholz, das im Frühling und Sommer erblüht und anschließend Früchte trägt. Ein alljährlicher Erhaltungsschnitt im Februar ist ratsam, wie ihn dieses Tutorial erklärt.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Wird ein Feigenbaum sich selbst überlassen, verwandelt er sich innerhalb weniger Jahre in ein verzweigtes Dickicht. Einem Rückschnitt zum falschen Zeitpunkt fallen Blütenknospen und Fruchtanlagen zum Opfer. Um Sie vor typischen Irrtümern im Schneiden von Feigen zu bewahren, nennt folgende Tabelle die drei häufigsten Schnittfehler mit Schadbild und Hinweisen für die Vorbeugung:

SchnittfehlerSchadbildVorbeugung
nie ausgelichtetvorzeitige Vergreisung, blühfaul, wenig Fruchtholzeinmal jährlich auslichten
nach der Blütezeit beschnittenkeine oder wenige Feigenim Februar schneiden
Vorjahrestriebe abgeschnittenAusfall der Sommerernte, wenige Früchte im Herbstmit Fruchtholzschnitt ein- und zweijährige Triebe fördern
Youtube

Tipps

Im Kübel ist ein Feigenbaum im Winter angreifbar für Frost. Selbst umfangreiche Schutzmaßnahmen reichen nicht aus, um das mediterrane Obstgehölz im Topf vor Frostschäden zu bewahren. Reservieren Sie bitte ein frostfreies, helles Winterquartier. Unreife Früchte können Sie hängen lassen, denn sie reifen im nächsten Frühling aus und bescheren Ihnen eine frühe Ernte.

Text: Paula Jansen

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