Bestäubung – Definition, Funktionsweise und Arten der Pflanzenbestäubung

Ohne Bestäubung wäre die Auswahl an Obst und Gemüse auf unseren Tellern erstaunlich gering, weshalb wir Ihnen in diesem Artikel erläutern, was genau Pflanzenbestäubung ist, wie sie funktioniert - und weshalb Bestäubung und Befruchtung eben nicht das Gleiche sind.

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Nicht nur Bienen bestäuben Blüten

Das Wichtigste in Kürze

  • Bestäubung bezeichnet die geschlechtliche Vermehrung bei Pflanzen
  • vielfältige Formen, grundsätzliche Unterscheidung in Selbst- und Fremdbestäubung
  • alle Pflanzen brauchen Hilfe bei Bestäubung, meist durch Insekten oder Wind
  • nicht nur Bienen bestäuben Pflanzen, auch Hummeln, Schmetterlinge, Motten, Käfer, Fliegen etc.
  • viele Pflanzenarten haben sich auf Bestäubung durch bestimmte Insekten spezialisiert

Was ist Bestäubung?

Wie beim Menschen und bei vielen Tieren gibt es auch bei Pflanzen zwei verschiedene Geschlechter, deren Erbanlagen bei der Bestäubung zusammenkommen – die männlichen Pollen werden auf unterschiedliche Weise auf die weibliche Samenanlage (Narbe) übertragen. Hier keimt der Pollen und durchwächst den Blütengriffel. In diesem befindet sich die Embryosackzelle, in der männliche und weibliche Zellen schließlich endgültig miteinander verschmelzen. Nach erfolgreicher Befruchtung – denn um eine solche handelt es sich – bilden sich anschließend die samenhaltigen Früchte aus. Die Fortpflanzung ist geglückt.

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So funktioniert die Bestäubung

Exkurs

Gibt es einen Unterschied zwischen Bestäubung und Befruchtung?

Auch wenn diese beiden Begriffe häufig synonym verwendet werden, meinen sie doch nicht das Gleiche: Bestäubung beschreibt lediglich den Austausch von Pollen bzw. Blütenstaub zwischen Blüten, die Befruchtung erfolgt erst im Anschluss daran durch die Verschmelzung weiblicher und männlicher Geschlechtszellen. Nicht jede Bestäubung ist von einer Befruchtung gekrönt, aber ohne Bestäubung ist eine Befruchtung nicht möglich.

Arten von Bestäubung

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Kiwiblüten sind zweihäusig (hier: weibliche Blüten)

Grundsätzlich unterscheidet der Biologe zwischen einhäusigen und zweihäusigen Pflanzen:

  • einhäusige Pflanzen: weibliche und männliche Blüten sitzen an ein und derselben Pflanze (zwittrig), erscheinen entweder gleichzeitig oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten
  • zweihäusige Pflanzen: es gibt männliche und weibliche Pflanzen, ein Exemplar bildet jeweils nur Blüten eines Geschlechts aus

Je nach Häusigkeit einer Pflanzenart entscheidet sich ihre Bestäubungsart, wobei es zwei verschiedene Möglichkeiten gibt. Einhäusige Arten sind zur Selbstbestäubung fähig (sofern die verschiedengeschlechtlichen Blüten zur selben Zeit ausgebildet werden), zweihäusige hingegen stets auf eine Fremdbestäubung durch Tiere – meist Insekten – oder Wind angewiesen.

Selbstbestäubung

Selbstbestäuber sind in der Lage, selbst männliche und weibliche Erbanlagen auszubilden und sich so selbst zu bestäuben – sie sind also nicht auf eine zweite Pflanze derselben Art angewiesen. Deshalb handelt es sich immer um einhäusige Pflanzen, die sowohl männliche als auch weibliche Blüten tragen. Allerdings benötigen auch diese Pflanzen Insekten, Wind oder andere Hilfsmittel, um den Pollen auf die weiblichen Blüten zu übertragen.

Der Vorteil der Selbstbestäubung liegt darin, dass aus einem einzelnen Pflanzenexemplar ganz schnell ganze Kolonien wachsen können. Deshalb findet sich diese Fähigkeit häufig bei Pionierpflanzen – d. h. bei Arten, die Brachflächen als erstes besiedeln – oder auch bei Frühblühern. Typische Selbstbestäuber sind daher Erbsen, Bohnen und Gerste. Auch das Schneeglöckchen oder das Windröschen (Anemone) gehören in diese Gruppe.

Tipps

Viele Obstgehölze sind ebenfalls zur Selbstbefruchtung fähig. Allerdings fällt die Ernte häufig erheblich besser aus, wenn noch eine zweite Befruchterpflanze zur Verfügung steht.

Fremdbestäubung

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Bienen sind die wohl bekanntesten Bestäuber

Fremdbestäuber sind hingegen nicht in der Lage, sich selbst zu befruchten. Hier müssen die männlichen Pollen der einen Pflanze auf den weiblichen Fruchtknoten einer anderen übergehen – anderenfalls ist eine Verschmelzung der Erbanlagen nicht möglich. Die Fremdbestäubung hat – im Gegensatz zur Selbstbestäubung – den Vorteil, dass die genetische Vielfalt größer und damit die Anpassungsfähigkeit der Art an ihre Umwelt größer ist. Fremdbestäuber finden sich immer bei den zweihäusigen Pflanzen, aber auch viele einhäusige Arten fallen in diese Gruppe – etwa, wenn diese männliche und weibliche Blüten zu unterschiedlichen Zeiten tragen.

Manche Arten sind sogar zu beidem in der Lage, können sowohl sich selbst als auch andere Exemplare der eigenen Varietät bestäuben. Doch egal ob Selbst- oder Fremdbestäubung: Alle Pflanzen sind bei diesem Vorgang auf Hilfe von außen angewiesen. Die Pollen müssen entweder durch

  • Insekten wie Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Käfer
  • zufällig vorbeigehende (und die Pollen mitnehmende) Tiere verschiedener Arten
  • Vögel (z. B. Kolibri) und nektarsaugende Fledermäuse
  • Elemente wie Wind oder Wasser

übertragen werden. Die meisten Pflanzenarten verhindern eine Selbstbestäubung, da diese evolutionär weniger erfolgreich ist als eine Fremdbestäubung. Ergo handelt es sich bei der Selbstbestäubung um eine Art von Verlegenheitslösung, wenn kein passender Bestäuber zur Verfügung steht.

Insektenbestäubung

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Auch Schmetterlinge bestäuben Blüten

“Stirbt die Biene, stirbt der Mensch? Dieses Zitat ist aus mehreren Gründen falsch!”

Viele Pflanzen setzen bei der Bestäubung auf die fleißige Hilfe verschiedener Insektenarten. Erkennbar sind “insektenblütige” Arten an typische Blütenmerkmalen wie

  • leuchtende, bunte Blütenfarben (vor allem rot, rosa, gelb, violett oder blau)
  • stark duftende Blüten
  • spezielle Blütenformen

Diese Charakteristika dienen dazu, die bestäubenden Insekten anzulocken. Dabei haben sich viele Pflanzenarten auf die Bestäubung durch bestimmte Insekten spezialisiert, so dass etwa

  • Nektarzusammensetzung
  • Blütenformen
  • Blütezeit und -dauer

genau auf die Flugzeiten, Schlupfzeiten und Bedürfnisse der Bestäuberinsekten angepasst sind.

Dass Bienen Pflanzen bestäuben, ist gemeinhin bekannt. Weniger bewusst ist vielen Menschen hingegen, dass nicht nur Bienen diese wichtige Aufgabe übernehmen – sondern auch Hummeln, Schmetterlinge, Motten, Käfer, Fliegen und andere Insekten tätig sind. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass in vielen Fällen die Bestäubung weniger durch Bienen als vielmehr durch andere Arten erfolgt – oder aber erfolgreicher ist, wenn sich verschiedene Insektenarten auf den Blüten tummeln. Aus diesem Grund ist das häufig zitierte Wort, dass es nach dem Aussterben der Biene bald keine Pflanzen mehr gäbe und vier Jahre später auch der Mensch stürbe, schlicht falsch. Ganz abgesehen davon, dass Einstein (dem das Zitat zugeschrieben wird) dies auch nie behauptet hat.

Exkurs

Warum spricht man vom Bienensterben? Gibt es die Honigbiene bald nicht mehr?

Viele Menschen denken beim Stichwort “Biene” spontan an die Honigbiene. Diese allerdings ist nicht gemeint, wenn es um das Bienen- bzw., allgemeiner gesprochen, Insektensterben geht. Tatsächlich sind Honigbienen Nutztiere und sind als solche nicht vom Aussterben bedroht. Stattdessen bezieht sich das Bienensterben auf die rund 560 verschiedenen Arten von Wildbienen, die – zusammen mit anderen Insektenarten wie Hummeln, Falter und Käfer – zudem für die Bestäubung von Pflanzen wesentlich wichtiger als Honigbienen sind.

Es gibt nicht “die” Ursache für das Insektensterben, allerdings spielen Faktoren wie die industrielle Landwirtschaft mit ihren gigantischen Monokulturen und der Verwendung von Pestiziden und anderen Giften sowie das Verschwinden von Blütenpflanzen aus Gärten – an deren Stelle vermehrt Rasenflächen und “Schottergärten” treten – eine große Rolle. Diese Entwicklungen rauben Insekten sowohl Nahrung als auch Versteck- und Nistmöglichkeiten.

Was passiert, wenn es keine Bienen mehr gibt, zeigt das folgende Video zum Thema alternative Bestäubung eindrücklich:

Youtube

Windbestäubung

Die evolutionär älteste Form der Bestäubung ist die Windbestäubung: In den urzeitlichen Wäldern, in denen zunächst nur Nadelbäume standen – Laubbäume bildeten sich erst viel später heraus – wehte der Wind die Pollen zu den weiblichen Blüten. Aus diesem Grund sind auch heute noch alle Nadelbäume windbestäubt – viele andere Arten wie etwa Birken, Pappeln, Erlen und Haselnusssträucher haben diese Form erst danach entwickelt. Typische Merkmale von windbestäubten Pflanzen sind:

  • hängende, lange Kätzchenblüten
  • diese sind immer männlich und tragen Millionen Pollen
  • diese sind häufig als Blütenstaub erkennbar
  • weibliche Blüten sind unscheinbar
  • haben keine Blütenblätter oder ähnliches Zierwerk
  • und tragen nur wenige Samenanlagen
  • es wird kein Nektar ausgebildet

Weitere typische Vertreter von windbestäubten Arten sind Gräser, Seggen, Binsen sowie Brennnesselgewächse.

Häufig gestellte Fragen

Was versteht man unter Wasserbestäubung?

Wasserbestäubung (auch Wasserblütigkeit bzw. Hydrophilie) nennt man die Bestäubung von Wasserpflanzen durch Wasser. Dieses sorgt durch seine Bewegungen für den Transport der Pollen von einer Blüte zur anderen. Dieses Phänomen tritt nur bei wenigen Wasserpflanzen auf, die Sie an ihren unscheinbaren Blüten erkennen. Beispiele hierfür sind das Große Nixenkraut (Najas marina), das Gewöhnliche Seegras (Zostera marina) oder die verschiedenen Wasserpest-Arten (Elodea).

Wie kann man Bienen und anderen Insekten helfen?

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Eine möglichst große Vielfalt an Blumen lockt bestäubende Insekten in den Garten

Wer etwas gegen das Bienen- bzw. Insektensterben tun möchte, hat mit ein paar einfachen Mitteln die Möglichkeit dazu: keine Pestizide oder andere Giftstoffe im Garten verwenden, Garten möglichst naturnah bewirtschaften und Versteckmöglichkeiten anbieten (Totholz, Steinhaufen, Sandflächen, Insektenhotel (7,82€ bei Amazon*) etc.), viele Blütenpflanzen (mit ungefüllten Blüten!) säen oder pflanzen – vor allem Doldenblütler sind bei Insekten begehrt, aber auch blühende Sträucher, für reichlich Blütenpflanzen zeitig und spät im Jahr sorgen (Blütezeitraum ab März und ab Juli bis in den Oktober hinein).

Weshalb ist es keine gute Idee, Wildbienen zu kaufen und künstlich anzusiedeln?

Grundsätzlich klingt diese Idee verlockend: Man kauft einfach Wildbienen bestimmter Arten und siedelt sie in seinem Garten an – und schon tut man etwas gegen das Bienensterben. So einfach ist das leider nicht, wie viele Naturschutzorganisationen betonen. Denn durch das künstliche Ansiedeln von Wildbienen fördern Sie nicht die Biodiversität, sondern gefährden sie.

Weshalb? Weil die gekauften Bienen einheimische Arten (und damit deren Genpool) verdrängen! Das gilt sogar, wenn es sich um dieselbe Art handelt, denn unterschiedliche Populationen aus verschiedenen Regionen besitzen auch unterschiedliche Erbinformationen – und sind zudem an ihre jeweilige Heimat durch Evolution angepasst.

Gibt es auch Pflanzen, die ganz ohne Bestäubung auskommen?

So ganz ohne Bestäubung kommt wohl keine Pflanze aus. Allerdings gibt es viele Pflanzen, die ganz ohne die Bestäubung von Insekten auskommen. Schätzungsweise 60 Prozent aller Blütenpflanzen weltweit benötigen Bienen & Co. für ihre Fortpflanzung – bei 40 Prozent erledigen dies andere Helfer wie etwa der Wind. Bei unseren Nahrungspflanzen trifft dies etwa auf Getreide wie Weizen, Roggen und Gerste zu, aber auch auf Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen. Ohne Insektenbestäubung wäre unser Tisch jedoch weniger reichhaltig gedeckt, da beispielsweise die meisten Obstsorten (wie Äpfel, Birnen, Kirschen oder Erdbeeren) auf Fremdbestäubung angewiesen sind.

Tipps

Wer Interesse hat, kann sich auch als Imker betätigen und Honigbienen halten – dies wird sogar finanziell durch den Staat gefördert! Fragen Sie einfach bei Ihrem örtlichen Imkerverein nach.

Text: Ines Jachomowski

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