Bestäuben Wespen eigentlich auch Blüten?

Wespen sind für viele ein eher leidiges Thema. Während Bienen derzeit wegen ihrer Schutzbedürftigkeit einen besonderen Sympathiezuwachs genießen, haben Wespen immer noch eher den Ruf, nur lästig zu sein. Dabei sind auch sie wertvolle Nützlinge für den Garten.

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Auch Wespen bestäuben Blüten

Ungeahnte Dienstleistungen der Wespe

Wenn sie sich hartnäckig zu uns an den Gartentisch gesellen und uns Kuchen, Eis und Grillfleisch streitig machen, schimpft man natürlich schnell über Wespen. Gerade ab August, wenn sie über beide Ohren in der Versorgungsarbeit für die heranzuziehenden Geschlechtstiere im Staat stecken, können sie sich sehr offensiv verhalten. Auch mit dem Stechen sind sie im Zweifelsfall, also wenn sie sich angegriffen fühlen, nicht schüchtern. Denn im Gegensatz zu Bienen können sie mehrmals im Leben zustechen.

Dennoch ist es ratsam, sich ein Stück weit mit den Tieren anzufreunden. Denn erstens ist ärgerliche Konfrontation angesichts der Gefährlichkeit, die sie im Massenverbund durchaus haben, nicht wirklich klug. Und zweitens leisten sie im Garten auch wertvolle Dienste. Dazu gehört vor allem:

  • Blütenbestäubung
  • Schädlingsbekämpfung

Da sie sich im Spätsommer so selbstbewusst auf unsere Plunderteilchen und Obstsalate stürzen, machen Wespen auf Viele den Eindruck, einfach nur Schmarotzer zu sein. Allerdings ist ihre Hauptnahrungsquelle immer noch Blütennektar. Von ihm, und nebenbei auch von Honigtau und süßen Pflanzensäften, ernähren sich die erwachsenen Arbeiterinnen in erster Linie. Dabei sind sie sogar auf ganz bestimmte Blütenarten spezialisiert – und diese auch auf die Wespen. Biologisch wird diese Anpassung der Blumen an die Wespen als Sphecophilie bezeichnet.

Blumen, die sphecophil sind, also den saugwerkzeuglosen Wespen einen besonders leichten Zugang zu ihrem Nektar bieten, sind meist bräunlich, grünlich oder weiß gefärbt und haben eine für die Wespen gut erreichbare Form, zum Beispiel eine Rachen- oder Doldenform. Typische Wespenblumen sind etwa Efeu, Braun- und Ragwurz. Beim Nektarsammeln übernehmen die Tieren ganz nebenbei auch die Aufgabe der Bestäubung.

Über diese positive Eigenschaft hinaus vertilgen Wespen außerdem eine Menge Schädlinge im Garten. Denn im Gegensatz zu den adulten Tieren brauchen die Larven zum Wachsen viel tierisches Eiweiß. Die Arbeiterinnen sammeln dafür fleißig Raupen von diversen Schädlingen, Spinnen, Heuschrecken und Blattläuse, die sie zerkaut an ihre Nachkommenschaft verfüttern.

Text: Caroline Strauss
Artikelbild: Bildagentur Zoonar GmbH/Shutterstock
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