Ein Bienennest entfernen – was Sie wissen müssen

Viele Menschen fürchten sich, wenn sie ein Nest im Garten oder auf dem Dachboden entdeckt haben. Sie befürchten eine Gefahr für sich und ihre Kinder. Doch wenn Sie das Nest entfernen möchten, müssen Sie einige Aspekte beachten.

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Nicht überall sind Bienen gern gesehen

Wie Sie ein Bienennest erkennen

Es gibt neben Bienen andere staatenbildende Insekten, die ähnliche Nester anlegen. Viele von ihnen meiden die Nähe des Menschen, auch wenn sie sich in Gartenlauben oder auf dem Dachboden ansiedeln. Die meisten Arten sind harmlos und übernehmen nützliche Funktionen im Garten.

 NesthülleLebensraumBesonderheit
Bienennicht vorhandengeschützte, gut verborgene HohlräumeWabenplatten erkennbar
Deutsche Wespegraudunkle, geschützte Stellennutzen oberflächlich verwittertes Holz
Gemeine Wespebeigedunkle, geschützte Stellenmorsches Holz von verrottenden Baumstämmen
Hornisserotbraun bis orange gezontregengeschützte, dunkle HohlräumeLufttaschen an der Außenhülle, mit Bodenöffnung

Wo sich Bienen ansiedeln

In den seltensten Fällen sucht sich ein Schwarm aus Honigbienen einen neuen Lebensraum und siedelt sich in privaten Gärten an. Der örtliche Imker freut sich in diesem Fall über eine Information, wo sich sein Bienenvolk aufhält. Bienennester im Haus stammen meist von Wildbienen.

Erdbienen

Etwa 70 Prozent aller Wildbienen bauen ihre Nester in der Erde. Sie nutzen bereits vorhandene Gangsysteme im Boden, die von Wühlmäusen oder Maulwürfen hinterlassen wurden. Diese sogenannten Erd- oder Sandbienen sind häufig im Garten zu beobachten. Sie unterscheiden sich nicht nur durch ihre Färbung sondern auch durch die Körpergröße von Honigbienen. Erdbienen können zwischen vier und 16 Millimeter groß werden. Sie sind völlig harmlos und stellen keine Gefahr für den Menschen dar.

Mauerbienen

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Mauerbienen siedeln sich oft in Zwischenräumen an, sind aber sehr harmlos

Diese Wildbienen sind nicht selten im Haus, unter dem Dach oder im Rollladenkasten zu finden. Die harmlosen Kulturfolger nutzen verschiedene Hohlräume im Dachstuhl oder in Blumenkästen auf dem Balkon, um ihr Nest zu bauen. Runde und glatte Bohrlöcher mit einem Durchmesser von sechs bis acht Millimeter sind ideale Nistplätze.

So halten Sie Mauerbienen aus der Wohnung fern:

  • Nestbau unterbinden und Hohlräume vor der Ansiedlung verschließen
  • besiedeltes Möbelstück nach dem Ausflug im Herbst in einen Schuppen stellen
  • Hartholzblöcke als Nistplätze auf Balkon und Terrasse anbieten

Nestentfernung aussichtslos

Es ist nur mit großem Aufwand möglich, ein Nest von Mauerbienen umzusiedeln. Sie müssten solange warten, bis die Larven in ihren Kokons liegen. Anschließend werden Nestverschluss und Zwischenwände vorsichtig aufgekratzt, sodass der dahinter befindliche Kokon behutsam mit einem Draht herausgeholt werden kann.

Sind alle Kokons gerettet, werden diese einzeln in Bohrlöcher und Röhrchen der neuen Nisthilfe platziert. Die Löcher müssen mit einem Lehmtropfen verschlossen werden. Mauerbienen sind auf ihre Nistplätze fixiert und sind nicht in der Lage, ein neues Nest fertigzustellen. Da die Gefahr zu groß ist, dass bei dieser Aktion Tiere verletzt werden, sollten Sie darauf verzichten.

Bienennest selbst umsiedeln?

Auch wenn es zahlreiche Anleitungen gibt, wie Sie ein Bienennest selbst umsiedeln können, so sollten Sie von solchen Methoden Abstand halten. Dabei spielt es keine Rolle, wann das Nest umgesiedelt werden soll. Die Verletzungsgefahr ist für Sie und die Bienen zu hoch, auch wenn es sich noch um ein kleines Bienennest handelt.

Rechtliche Situation

Bienen zählen in Deutschland zu den besonders geschützten Arten. Der Schutzstatus bezieht sich sowohl auf Wildbienen, die nicht von einem Imker gepflegt werden, als auch auf Honigbienen. Die Insekten übernehmen wichtige Funktionen im Ökosystem. Sie sorgen dafür, dass unzählige Blütenpflanzen bestäubt werden und sichern auf diese Weise den Ernteertrag. Wer gegen das Gesetz handelt, riskiert Strafen zwischen 50.000 und 60.000 Euro.

Es ist verboten:

  • Bienen absichtlich zu töten oder einzufangen
  • Bienenvölker mutwillig zu stören
  • Nester zu beschädigen oder zu entfernen

Exkurs

Bienensterben

Der Begriff Bienensterben bezieht sich einerseits auf die Verluste innerhalb der Imkereikultur. In den letzten Jahrzehnten beobachten sie signifikante Verluste in ihren Bienenvölkern. Doch solange es Imker gibt, werden Honigbienen nicht aussterben. Die Bezeichnung wird aber auch als Fachbegriff verwendet, der sich auf das Sterben von Wildbienen bezieht. Mehr als 50 Prozent der deutschen Wildbienen stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. In den Medien wird der Begriff Bienensterben oft synonym für das allgemeine Insektensterben benutzt.

Honigbienennest entfernen lassen

Um keine rechtliche Strafe zu riskieren, sollten Sie sich an einen Fachmann wenden. Dieser kann einschätzen, ob das Nest umgesiedelt werden kann und muss. Punkte wie bestehende Allergien in der Familie oder die Nähe zu Kindergärten spielen bei der Analyse eine wichtige Rolle.

Bienen sind nützliche Insekten, die in friedlicher Koexistenz mit dem Menschen leben.

Imker konsultieren

Eine Umsiedlung durch einen örtlichen Imker ist die beste und kostengünstigste Variante. Bienenhalter verlangen im Durchschnitt 50 Euro für eine Umsiedlung. Viele Imker siedeln Nester von Honigbienen kostenlos um, da sie ihre Honigproduktion durch die Umsiedlung steigern können. Wenn Sie keinen Imker kennen, können Sie sich an den zuständigen Landesimkerverband oder an die Gemeinde wenden. Auch der NABU kann Ihnen bei der Suche helfen.

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Feuerwehr oder Kammerjäger nur im Notfall

Wenn akute Gefahr besteht, können Sie sich auch an die örtliche Feuerwehr wenden. Hier müssen Sie mit Kosten zwischen 100 und 150 Euro rechnen. Professionelle Kammerjäger können störende Nester ebenfalls entfernen. Da Bienen äußerst nützliche Tiere sind, sollten Sie Ihre Entscheidung gründlich überdenken und von einer Vernichtung durch einen Kammerjäger absehen.

Tipps

Insektensprays sind nicht nur für Bienen und andere nützliche Insekten sondern auch für den Menschen giftig. Wählen Sie zum Fernhalten ökologische Alternativen wie Duftkerzen oder Teebaumöl

Wildbienennest umsiedeln

Sollten sich Wildbienen in Ihrem Garten angesiedelt haben, müssen Sie einen Wildbienen-Experten konsultieren. Das zuständige Umweltamt entscheidet anschließend darüber, ob das Nest umgesiedelt werden darf. Um eine Genehmigung zu bekommen, muss ein triftiger Grund vorliegen. Dieser besteht, wenn nicht nur der Mensch sondern auch die Wildbienen gefährdet sind. Fällt die Entscheidung positiv aus, wird ein geeignetes Umsiedlungsverfahren gewählt. Dieses ist abhängig von der jeweiligen Art.

Triftige Gründe für eine Umsiedlung:

  • Waldwege müssen befestigt werden
  • Felder und Äcker müssen vermehrt gedüngt werden
  • Nest befindet sich in einem privaten Brennholzstapel
  • Wildbienen nisten zwischen Blumengefäßen oder in Fensterdichtungen

Tipps

Halbieren Sie eine Zitrone und zerbröseln Sie darauf eine Gewürznelke. Bienen verabscheuen den Geruch und halten sich auf natürliche Weise von Ihnen fern.

Häufig gestellte Fragen

Was tun, wenn im Winter eine Biene in der Wohnung umher fliegt?

Jungköniginnen suchen sich im Herbst geschützte Stellen zum Überwintern. Das können Spalten und Nischen in Fassaden oder Fensterrahmen sein. Wachen sie während des Winters durch erhöhte Temperaturen im Haus auf, ist ihre Überlebenschance verschwindend gering.

Sie können der Biene dennoch helfen, indem sie ihr einen Teelöffel mit flüssigem Honig hinhalten. Statten Sie ein Glas mit feuchter Erde und Grasbüscheln aus und platzieren Sie die Biene im Gefäß. Stellen Sie das Glas für ein paar Tage in den Kühlschrank. Die wechselwarmen Tiere fahren ihren Stoffwechsel wieder zurück.

Wenn Sie sich noch mitten im Winter befinden, sollten Sie die Biene an einem frostfreien Wintertag nach draußen umsiedeln. Setzen Sie das Tier in einen regengeschützten Reisighaufen oder Holzstoß, wo die Biene bis zum nächsten Frühjahr überwintern kann. Steht der Frühling bevor, können Sie das Insekt bis zu den ersten warmen Frühlingstagen im Kühlschrank lassen und anschließend nach draußen setzen.

Wie leben Honigbienen?

Die Insekten gehören zu den staatenbildenden Tieren, die im Frühjahr ihre Nester bauen. Ein Teil des alten Bienenvolks schwärmt aus, um sich ein neues Zuhause zu suchen. So haben die Bienen genügend Zeit, um Vorräte für den Winter anzulegen. Zur Hochsaison kann das Volk bis zu 50.000 Individuen umfassen. Es besteht aus einer Königin, Arbeiterinnen und Drohnen.

Was ist das Bienenjahr?

Das Bienenjahr gliedert sich in etwa vier Phasen, welche an die Jahreszeiten geknüpft sind. Im Frühjahr wächst das Volk und Schwärme bilden sich, die neue Staaten gründen. In der folgenden Bevorratungszeit sammeln die Bienen Nektar und Pollen. Der Imker kann je nach Region und Witterung bis zu drei Ernten einfahren.

Im Spätsommer kommt es zur sogenannten Drohnenschlacht, bei der alle männlichen Bienen aus dem Bienenstock verbannt werden. Nach der letzten Honigernte werden die Bienen meist mit einer Rübenzuckerlösung gefüttert. Die Winterbienen schlüpfen und überwintern bis zum Frühjahr im Stock.

Wie kann ich Bienen fernhalten?

Eine friedliche Koexistenz von Mensch und Biene ist nicht nur ungefährlich sondern auch faszinierend. Damit sich die Wege nicht kreuzen, sollten Sie den Bienen einen ungestörten Bereich im Garten gönnen. Legen Sie einen blütenreichen Wildpflanzensaum an, der den Insekten Pollen und Nektar liefert. Bevorzugen Sie Pflanzen mit gelben und weißen Blüten. Diese reflektieren das für Bienen sichtbare ultraviolette Licht. Sie sind auch in der Lage, blaue Farbtöne zu erkennen.

Dagegen können sie Schwarz und Rot nicht voneinander unterscheiden. Diese Farben machen viele Bienen aggressiv, weswegen Sie auf dunkelfarbige Kleidung verzichten sollten. Wenn Sie Bienen von Balkon und Terrasse fernhalten möchten, können Sie Pflanztöpfe mit Basilikum und Zitronengras aufstellen. Die Gerüche wirken abschreckend auf Bienen und Wespen.

Text: Christine Riel
Artikelbild: simon berenyi/Shutterstock

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