Wandelröschen schneiden – Tutorial für den richtigen Schnitt

Wandelröschen stellen ihr südamerikanisches Temperament unter Beweis mit faszinierenden Modulationen ihrer Blütenfarben. Das florale Phänomen steht in engem Zusammenhang mit der richtigen Schnittpflege. Warum das so ist und wie Sie die exotischen Kübelpflanzen korrekt schneiden, beleuchtet dieses Tutorial in allen Details.

Wandelröschen Rückschnitt
Wandelröschen blühen am einjährigen Holz

Zahlreiche Schnittarten sind möglich

Das Wandelröschen (Lantana camara) zählt zu den beliebtesten Kübelpflanzen für Balkon und Terrasse. Seine Erfolgsgeschichte verdankt das Blütengehölz einer nicht enden wollenden Blütezeit vom Frühling bis zum Herbst. An den diesjährigen Trieben entfaltet sich die prachtvollste Blütendichte. Unübertroffen ist das phänomenale Farbenspiel seiner aparten Blütenköpfe. Im Verlauf der Blütezeit wechseln die Töne munter von gelb zu orange und rot. Neue Sorten fluktuieren von weiß zu gelb und violett. Der Farbumschlag hängt davon ab, wieviel Zeit seit der Knospenentfaltung vergangen ist.

Ihre Wandlungsfähigkeit verbinden Wandelröschen mit gutmütiger Schnittverträglichkeit, die dem Gärtner mannigfaltige Verwendungsmöglichkeiten offeriert. Die folgende Tabelle stellt Ihnen alle Schnitt-Optionen in Kurzfassung vor:

SchnittartZielZeitraum/Anlass
AufbauschnittBildung eines stabilen Grundgerüstes als Zierstrauch1. bis 5. Jahr
AuslichtungsschnittErhaltung von Form und Pflanzengesundheitab dem 6. Jahr
SommerschnittFörderung von Blütenfülle und Intensität im Farbumschlagjedes Jahr
ErziehungsschnittErziehung zum Hochstämmchen1. bis 5. Jahr
VerjüngungsschnittVergreistes Wandelröschen neu aufbauenbei fortschreitender Vergreisung
WurzelschnittWachstum in Höhe und Breite reduzierenbedarfsweise bei übermäßigem Wachstum

Bitte beachten Sie, dass zahlreiche moderne Lantana-Sorten mit 20 bis 30 Zentimetern Wuchshöhe kompakt gedeihen und nicht verholzen. Die innovative Lantana-Serie ‘Esperanta’ beispielsweise offeriert prächtige Zwergsorten für die einjährige Kultivierung im sommerlichen Blumenbeet, dem Balkonkasten und der Blumenampel. Im Gegensatz zu ein langtriebigen, klassischen Lantana-Sorten werden moderne Zwerg-Sorten am Ende der Blütezeit auf dem Komposthaufen ausgemustert.

Schnittverträglichkeit erlaubt mehrere Termine im Jahr

Die mannigfaltigen Schnittarten deuten bereits an, dass für Wandelröschen mehrere Termine für die Schnittpflege infrage kommen. Die folgende Übersicht nennt die jeweils optimalen Zeitpunkte, an denen die Ziergehölze vom Schnitt besonders profitieren:

  • Aufbau- und Auslichtungsschnitt: im zeitigen Frühjahr, kurz vor dem Ausräumen
  • Sommerschnitt: mehrmals während der Blütezeit
  • Erziehungsschnitt zum Hochstämmchen: im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr, spätestens bis April
  • Verjüngungsschnitt: zwischen Januar und März
  • Wurzelschnitt: im Frühjahr während des Umtopfens

Die genannten Termine finden vornehmlich während oder am Ende der winterlichen Wachstumsruhe statt. Das hat den Vorteil, dass Wandelröschen zu dieser Zeit im kühlen Winterquartier ihre Blätter abgeworfen haben und Sie einen besseren Blick auf die Zweige haben. Für Schnittmaßnahmen während des Sommers empfehlen wir eine Tageszeit, zu der sich das Ziergehölz nicht unter direkter Sonneneinstrahlung befindet.

Formschönes Wachstum von Anfang an – Anleitung für den Aufbauschnitt

Unter dem Einfluss des mitteleuropäischen Klimas gedeihen tropische Wandelröschen als sommergrüne Ziersträucher. Am sonnigen Standort mit einer ausgewogenen Wasser- und Nährstoffversorgung wachsen die Blütengehölze im Laufe der Jahre zu Büschen mit einem dichten Geflecht aus Zweigen heran. Indem Sie ein stabiles Grundgerüst aus Bodentrieben aufbauen, dirigieren Sie das Wachstum in Richtung einer gepflegten Optik. So gelingt der perfekte Aufbauschnitt:

  • Im ersten Jahr 3 bis 5 der kräftigsten Bodentriebe auswählen
  • Alle anderen Triebe bodeneben abschneiden
  • In den folgenden 4 Jahren die Gerüsttriebe in jedem Jahr um 10 Zentimeter verlängern
  • Seitentriebe entlang der gerüstbildenden Bodentriebe um ein Drittel oder die Hälfte zurückschneiden

Wandelröschen entwickeln sich als Strauch am schönsten, wenn die Gerüsttriebe sich zu einer Pyramide formieren. Mit breiter Basis und sich verjüngender Krone erziehen Sie einen lichtdurchfluteten Blütenstrauch, der auch im Inneren ein dichtes Blätterkleid und zahlreiche Seitentriebe mit endständigen Blütenköpfchen trägt. Im Verlauf der fünf Aufbaujahre entfernen Sie in jedem Spätwinter alle Triebe, die als Konkurrenten zu den Gerüsttrieben aus der Erde wachsen. Die empfohlene konische Erziehungsform für einen Wandelröschen-Strauch sollten Sie im Auge behalten, wenn die Schnittpflege nach dem Aufbau- in den Auslichtungsschnitt mündet.

Auslichtungsschnitt garantiert ein langes Pflanzenleben

Der Auslichtungsschnitt zielt ab auf die Erhaltung einer lichtdurchfluteten, konischen Strauchform. Zugleich beugt die Schnittart mithilfe einer kontinuierlichen Verjüngung von Gerüst- und Blütentrieben einer vorzeitigen Vergreisung effektiv vor. Die Schnittführung ist denkbar einfach. So meistern Sie den Auslichtungsschnitt mit Bravour:

  • Eingangs Totholz restlos herausschneiden
  • Beschädigte, quer, überkreuz und nach innen gerichtete Zweige abschneiden
  • Die abgeblühten Seitentriebe des Vorjahres um mindesten ein Drittel bis maximal zwei Drittel zurückschneiden
  • Ab dem sechsten Standjahr jedes Mal die beiden ältesten Gerüsttriebe bodeneben einkürzen
  • Parallel dazu alljährlich zwei kräftige Bodentriebe aufbauen als Ersatz im Sinne einer kontinuierlichen Verjüngung

Bitte beachten Sie beim Rückschnitt der Seitentriebe, dass ein kräftiger Rückschnitt auf 2 bis 4 Zentimeter kurze Zapfen den Beginn der Blütezeit etwas verzögert. Im Gegenzug erzielen Sie ein kompakteres Wachstum mit blühfreudigen, diesjährigen Zweigen. Um mindestens ein Drittel sollte die Strauchkrone verkürzt werden, damit sie während der Blütezeit nicht auseinander fällt.

Sie verleihen dem Wachstum und der Blühfreudigkeit zusätzlichen Schwung, wenn Sie nicht ausgelichteten, älteren Gerüsttriebe durch einen Ableitungsschnitt verschlanken. Zu diesem Zweck schneiden Sie die Triebspitzen zurück auf einen jungen Seitentrieb, der sich auf halber Höhe befindet.

Wandelröschen auslichten

An mehrjährigen Trieben sind Wandelröschen blühfaul. Schneiden Sie die einjährigen Seitentriebe am Gerüst daher alljährlich kräftig zurück auf kurze Zapfen von 2 bis 4 Zentimetern.

Sommerschnitt begünstigt Blütenpracht

Dem Sommerschnitt kommt an Wandelröschen besondere Bedeutung zu. Indem verwelkte Blüten entfernt werden, haben darunter sitzende Seitentriebe und deren endständige Knospen freien Zugang zum Sonnenlicht und setzen das faszinierende Farbenspiel erneut in Gang. Fernerhin verschandeln überlange Triebe das gepflegte Erscheinungsbild und sollten in die Form zurückgeschnitten werden. Greifen Sie daher an stark wachsenden Pflanzen mehrmals im Sommer zur Schere, um diese Schnittpflege durchzuführen:

  • Abgeblühte, diesjährige Seitentriebe abschneiden
  • Zu lange Zweige zurückschneiden auf ein nach außen gerichtetes Knospen- oder Blattpaar
  • Stark überhängende Gerüsttriebe ableiten auf einen tiefer stehenden Seitenast

Können Sie Ihren Wandelröschen kein helles, luftiges Winterquartier zur Verfügung stellen, sondern räumen die Kübelpflanzen in einen dunklen Kellerraum ein? Dann endet der Sommerschnitt vor dem Einräumen mit dem Rückschnitt aller Triebe um die Hälfte. Die Vorkehrung beugt häufigen Krankheiten und Schädlingen effektiv vor.

Tipps

Für den Schnitt an Wandelröschen eignen sich eine scharfe Rosen- oder Gartenschere. Da die Triebe sukzessive verholzen, sind scharfe, saubere Klingen wichtig für eine akkurate Schnittführung mit glatten Wundrändern. Eine Schere mit Bypass-Mechanik ist ratsam, da sie im Gegensatz zur Amboss-Schere über zwei scharfe Klingen verfügt. Um einen älteren Gerüsttrieb auszulichten, empfehlen wir die handliche Japansäge mit einklappbarem Sägeblatt.

Malerisches Hochstämmchen – Anleitung für den Erziehungsschnitt

Für den gekonnten Erziehungsschnitt zum Hochstämmchen rückt das Wachstumsgesetz der Spitzenförderung in den Fokus. Demnach besitzt eine Spitzenknospe überproportional mehr Wuchskraft, als tiefer liegende Knospen. Büßt die oberste Knospe durch einen Rückschnitt ihre Spitzenstellung ein, verteilt sich die Wuchskraft auf alle gleichgestellten Knospen. Die Gesetzmäßigkeit ist fundamental für die Bestimmung der Stammhöhe. Kappen Sie die Mitteltriebspitze zu früh, bleibt Ihr Wandelröschen-Hochstämmchen mickrig klein.

Die Zusammenhänge rund um die Spitzenförderung sind eng verknüpft mit dem Begriff der Saftwaage. Dieser Aspekt spielt eine zentrale Rolle für den Aufbau einer harmonischen Krone. Damit sich die Wuchskräfte gleichmäßig verteilen, sollten sich die Spitzenknospen der Leitäste auf gleichem Niveau befinden und keinen allzu großen Abstand zur Stammspitze aufweisen. Die folgende Anleitung zum Erziehungsschnitt erklärt, wie Sie es richtig machen:

  • Am jungen Wandelröschen einen straff aufrechten und kräftigen Bodentrieb zum zukünftigen Stamm bestimmen
  • Alle anderen Bodentriebe abschneiden
  • Mitteltrieb an einen Stützstab binden mit weichem Schlauchband
  • Seitenverzweigungen abschneiden, ohne die Rinde des Mitteltriebs zu verletzen
  • Mitteltrieb entlang der Stütze leiten bis zur erwünschten Kronenhöhe

Befindet sich die Spitzenknospe des Mitteltriebs 4 bis 5 Blattpaare oberhalb der gewünschten Kronenansatzes, können Sie die Spitze kappen, um das weitere Wachstum in die Höhe zu unterbinden. Die Kappung der Stammspitze leitet die Verzweigung zur Krone ein. Ähnlich dem Aufbauschnitt beim Strauch, ist ein Gerüst aus 3 bis 5 Leitästen vorteilhaft für die Erziehung einer blütenreichen Rundkrone mit zahlreichen diesjährigen Seitenverzweigungen. Am Hochstämmchen verfolgt der Auslichtungsschnitt das gleiche Ziel, wie beim Wandelröschen-Strauch, indem die abgeblühten Vorjahrestriebe auf kurze Stummel eingekürzt werden.

Vergreistes Wandelröschen verjüngen – so gelingt es

Die Schnittverträglichkeit von Wandelröschen erlaubt einen radikalen Verjüngungsschnitt. Diese Schnittart kommt zur Anwendung, wenn die alljährliche Schnittpflege mit dem kontinuierlichen Austausch alter Gerüsttriebe nicht stattfand. Mit dieser Schnittführung machen Sie die Versäumnisse ungeschehen:

  • Zu Beginn alles Totholz aus Strauch oder Krone herausschneiden
  • Vergreiste Gerüsttriebe einkürzen auf einen tiefer stehenden, vitalen Seitentrieb
  • Triebe ohne Seitenverzweigung auf 2 cm zurückschneiden
  • Junge Boden- oder Leittriebe aufbauen zum neuen Gerüst

Der Grad einer Vergreisung bestimmt darüber, wie lange der Neuaufbau von Strauch oder Krone nach einer Verjüngung in Anspruch nimmt. Verfügt ein Wandelröschenstrauch bereits über einige junge Bodentriebe, ist die Erziehung innerhalb von 2 bis 3 Jahren abgeschlossen und mündet in den Auslichtungsschnitt. Gleiches gilt für die Krone am Hochstämmchen, die sich zügig formt, wenn sich bereits Jungtriebe als neues Gerüst in Wartestellung befinden.

Tipps

Sind Sie unsicher, ob ein Boden- oder Kronentrieb als Totholz auszulichten ist oder nicht? Dann beseitigt ein einfacher Vitalitätstest jegliche Bedenken. Kratzen Sie mit einer Messerspitze oder dem Fingernagel ein wenig Rinde ab. Erscheint braunes, trockenes Gewebe, haben Sie es mit abgestorbenen Holz zu tun. Grünes, helles und saftiges Gewebe signalisiert, dass in diesem Trieb das Leben pulsiert.

Wurzelschnitt hält Größenwachstum im Zaum

Wo sich Wandelröschen gut aufgehoben fühlen, schießen sie im Wachstum gerne einmal über das Ziel hinaus. Gärtner erhalten dann den offenkundigen Beweis, warum die Blütensträucher in ihren tropischen Heimatregionen als invasive Pflanzen verrufen sind. Für die Lösung des Problems spielt Ihnen die gutmütige Schnittverträglichkeit in die Hand, die sich bis auf den Wurzelballen erstreckt. So kontrollieren Sie übermäßigen Wachstum mit einem Wurzelschnitt:

  • Bester Zeitpunkt ist im Frühjahr in Verbindung mit dem alljährlichen Umtopfen
  • Wandelröschen austopfen und das Substrat abschütteln
  • Den bisherigen Topf gründlich reinigen und wiederverwenden
  • Mit einem langen, scharfen Messer den Wurzelballen rundherum reduzieren

Um mehr als 50 Prozent darf das Wurzelvolumen nicht verkleinert werden. Anschließend topfen Sie die Pflanze in gewohnter Manier in frisches Substrat ein und gießen durchdringend an. Wichtig zu beachten ist, dass Sie beim Auslichtungs- und Erhaltungsschnitt die Triebe proportional zum reduzierten Wurzelvolumen zurückschneiden. Das bedeutet konkret, dass ein Wurzelschnitt um ein Drittel oder die Hälfte in einen ebenso umfangreichen Rückschnitt der Zweige mündet.

Häufig gestellte Fragen

Der Platz im Winterquartier ist sehr begrenzt. Kann ich Wandelröschen im Herbst vor dem Einräumen stutzen?

Dankbare Wandelröschen verübeln Ihnen zu keiner Jahreszeit einen Rückschnitt. Die Termine, die in diesem Tutorial nachzulesen sind, benennen den jeweils optimalen Zeitpunkt für die betreffende Schnittart. Herrscht in Ihren Räumlichkeiten für die Überwinterung frostempfindlicher Kübelpflanzen drangvolle Enge, spricht nichts gegen den Zuschnitt auf die passende Größe. Bemessen Sie den Umfang bitte auf das unbedingt Notwendige und führen erst im Spätwinter den Hauptschnitt durch.

Kann das Schnittgut für die Vermehrung verwendet werden?

Mit Ausnahme von ausgelichtetem Totholz oder kümmerlichen, kranken Trieben, eignet sich das Schnittgut ausgezeichnet für die Vermehrung von Wandelröschen. Wählen Sie idealerweise junge, nicht verholzte Triebspitzen, die noch keine Blüten trugen. Schneiden Sie geeignete Stecklinge unterhalb eines Blattpaares auf eine Länge von 10 bis 15 Zentimeter zu. Entfernen Sie in der unteren Hälfte alle Blätter und stecken die Triebe in feuchte Anzuchterde. Am warmen, hellen Standort nimmt die Bewurzelung etwa vier Wochen in Anspruch.

Können Wandelröschen draußen überwintern?

Wandelröschen sind nicht winterhart und frösteln bereits bei Temperaturen unter 5 Grad Celsius. Für eine Überwinterung unter freiem Himmel sind die tropischen Blütenschönheiten somit nicht geeignet. Die fehlende Winterhärte impliziert nicht, dass Sie die emsigen Dauerblüher nach einer einzigen Saison entsorgen. In Bezug auf ein geeignetes Winterquartier sind die Ziergehölze nicht wählerisch, solange die Temperaturen sich zwischen 5 und 10 Grad Celsius bewegen.

Youtube

Tipps

Wandelröschen sind in allen Teilen giftig. In den Beeren befindet sich die höchste Giftkonzentration. Stellen Sie die Kübelpflanzen daher bitte außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren auf. Für die Schnittpflege legen Sie Handschuhe mit Stulpen an. Kommt der Pflanzensaft unter Sonneneintrahlung mit Ihrer Haut in Kontakt, drohen fototoxische Reaktionen.

Text: Paula Jansen

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