Furioser Blickfang für den Garten – der Taschentuchbaum

Der Taschentuchbaum zählt zu den spektakulärsten Zierbäumen aus der Hand von Mutter Natur. Wo sich seine weißen Blütenblätter im Wind wiegen, erinnern sie an Taschentücher auf der Leine oder einen Schwarm flatternder Tauben. Lieben Sie die gärtnerische Herausforderung? Dann klären Sie hier offene Fragen zur Kultivierung ab.

taschentuchbaum
Der Taschentuchbaum lenkt mit seiner beeindruckende Blüte alle Blicke auf sich

Taschentuchbaum richtig pflanzen

Damit der Taubenbaum zum Aufsehend erregenden Highlight im Garten avanciert, dirigieren Sie mit einer sachgemäßen Pflanzung das Wachstum in die richtige Richtung. Wählen Sie einen sonnigen Standort mit nährstoffreichem, frisch-feuchtem Boden. Der optimale Pflanztermin ist ein milder, trockener Tag im Herbst mit bedeckter Witterung. Während Sie die Beeterde vorbereiten, wird der Wurzelballen solange in weichem Wasser getränkt, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. So verläuft die Pflanzung nach allen Regeln der Gärtnerskunst:

  • Die Pflanzgrube weist das 1,5-fache Volumen des Wurzelballens auf
  • Den Aushub in eine Schubkarre schaufeln und dort vermischen mit Kompost und Hornspänen
  • In das Pflanzloch einen Stützpfahl einschlagen
  • Den jungen Taubenbaum in die Grube setzen und bis zum Wurzelhals einpflanzen
  • An Ballenware und wurzelnackter Ware einen Rückschnitt um 20-30 Prozent durchführen

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Treten Sie das Substrat fest und gießen den Taschentuchbaum an mit gesammeltem Regenwasser oder entkalktem Leitungswasser. Zuletzt verbinden Sie den Stamm mit dem Stützpfahl und breiten eine Mulchschicht aus.

Pflegetipps

Am Tag der Pflanzung setzt das Pflegeprogramm für den Taubenbaum bereits ein, denn eine regelmäßige Wasserversorgung ist unabdingbar für ein gesundes Anwachsen. In einem regenreichen Herbst darf das Gießen indes nicht überhand nehmen, denn Staunässe ist absolut tödlich für einen jungen Taschentuchbaum. Bevor der erste Frost einsetzt, bedecken Sie die Baumscheibe dick mit Laub und hüllen Krone sowie den Stamm ein mit Gartenvlies oder Jutebändern. Kommt der Winter mit trockener Kälte daher, gießen Sie den Baum an milden Tagen. Im April beginnt mit der Entfernung des Winterschutzes das normale Pflegeprotokoll:

  • Den Taschentuchbaum konstant leicht feucht halten
  • Im April und Juli mit Langzeitdünger versorgen
  • Alternativ bis August alle 3-4 Wochen organisch düngen
  • Rückschnitt einzig bei Bedarf im Februar/März unter Beachtung der bereits angelegten Knospen

Wiederholen Sie in den ersten 10 Jahren die Winterschutzmaßnahmen, da ein Taubenbaum sich seine Frosthärte erst erarbeiten muss. Später reduzieren sich die Vorkehrungen darauf, Holzbretter an den Stamm anzulehnen, damit die intensive Wintersonne der empfindlichen Rinde nicht schaden kann.

Welcher Standort ist geeignet?

Der Taubenbaum findet die ideale Wohlfühlatmosphäre vor am sonnigen bis halbschattigen Standort, windgeschützt und umrahmt von anderen Gehölzen. Da die Wurzeln sensibel auf Störungen reagieren, empfehlen wir einen Platz innerhalb von Rasenflächen und nicht unbedingt im eher unruhigen Umfeld eines Beetes. Überdies sollte die Nähe zu Gartenwegen vermieden werden, aufgrund der dort herrschenden Bodenverdichtungen.

Der richtige Pflanzabstand

Da ein Taubenbaum im mitteleuropäischen Klima eine Wuchshöhe von 2 bis 5 Metern erreicht und seine Maximalhöhe von 10 Metern frühestens nach 50 Jahren, gilt er als Kleinbaum. Bemessen Sie als Mindestabstand zum Haus die zu erwartende Baumhöhe, liegen Sie genau richtig. Im Nachbarschaftsrecht ist der Pflanzabstand zum Nachbargrundstücke präzise definiert, variiert hingegen in den Bundesländern. Als Faustregel gilt, dass ein Baum mit einer Höhe von mehr als 2 Metern in einer Distanz von mindestens 2 Metern zum Nachbarn zu pflanzen ist. Den genauen Wert für Ihre Region teilt das zuständige Ordnungsamt mit.

Welche Erde braucht die Pflanze?

Damit Sie möglichst schnell in den Genuss der sensationellen Blütenpracht gelangen, sollte die Bodenbeschaffenheit so gewählt sein:

  • Nährstoffreich, humos und vor allem konstant leicht feucht
  • Gut durchlässig, ohne Gefahr von Staunässe

Prüfen Sie im Vorfeld die Bodenreaktion, denn ein schwach saurer bis minimal alkalischer pH-Wert kommt dem Taubenbaum sehr entgegen.

Was ist die beste Pflanzzeit?

Mit einer Pflanzzeit im Herbst verschaffen Sie dem Taubenbaum perfekte Startbedingungen im Beet. Da zu dieser Jahreszeit das Erdreich tiefgründig von der Sonne erwärmt ist, können sich die empfindlichen Wurzeln ausgezeichnet etablieren, bis der Winter an die Gartenpforte klopft. Alternativ bietet sich das zeitige Frühjahr für die Pflanzung an, sodass dem Taschentuchbaum genügend Zeit zur Verfügung steht, um vor dem Winter zu verwurzeln.

Wann ist Blütezeit?

Die erste Taschentuch-Blüte präsentiert der Taubenbaum nach durchschnittlich 8 Jahren. Von April bis Juni/Juli entfalten sich die weißen Blütenblätter, die dem Baum seinen Namen verliehen. Mit einer gezielten Nährstoffversorgung können Sie Einfluß nehmen auf die Blütezeit. Düngen Sie überwiegend Stickstoff-betont, konzentriert sich das Ziergehölz auf das Höhen- und Laubwachstum. Legen Sie ab Juli das Augenmerk auf einen Phosphor-betonten Dünger, rückt die Knospenbildung in den Fokus.

Taschentuchbaum richtig schneiden

Nach einem alljährlichen Rückschnitt verlangt der Taubenbaum nicht, da er von Natur aus einen wunderschönen Habitus entwickelt und sehr langsam an Größe zunimmt. Wünschen Sie trotzdem einen Form- und Erhaltungsschnitt, gehen Sie so vor:

  • Im Februar an einem frostfreien Tag zu lange Triebe abschneiden
  • Die Schere in leichter Schräghaltung 2-3 mm über einem nach außen gerichteten Auge ansetzen
  • Totholz und kümmerliche Zweige an der Basis kappen

Bitte beachten Sie bei jedem Schnitt, dass ein Taubenbaum seine Knospen bereits im Vorjahr anlegt. Schneiden Sie zu tief in die Äste, berauben Sie sich im Frühjahr schlimmstenfalls des erhofften Blütenspektakels.

Taschentuchbaum gießen

Gießen Sie einen Taubenbaum regelmäßig, wenn die natürliche Regenmenge nicht ausreicht. Trockenstress verkraftet der recht empfindliche Baum ebensowenig wie Staunässe. Prüfen Sie im Kübel alle paar Tage die Erde, um zu gießen, sobald die oberen 3-4 cm angetrocknet sind. Verwenden Sie im Wechsel weiches Regenwasser und normales Leitungswasser, beugen Sie einem Kalküberschuss im Boden wirksam vor.

Taschentuchbaum richtig düngen

Im Hinblick auf die Nährstoffversorgung gibt sich ein Taubenbaum genügsam und anspruchslos. So handhaben Sie dieses Pflegethema richtig:

  • Im April und Juli einen Volldünger verabreichen
  • Alternativ ab April alle 3-4 Wochen Kompost mit Hornspänen (32,93€ bei Amazon*) oberflächlich einarbeiten
  • Im Kübel einen Flüssigdünger applizieren oder mit Stäbchen bzw. Kegeln düngen

Ab August sollte ein Taschentuchbaum nicht mehr gedüngt werden, damit seine Triebe bis zum ersten Frost gut ausreifen können.

Überwintern

Ein Taubenbaum muss sich seine Winterhärte im Laufe der Jahre erarbeiten. Erst im fortgeschrittenen Alter verkraftet er Frost bis -15 Grad Celsius. Folglich ist der Baum auf Ihre Unterstützung angewiesen, um gesund durch die kalte Jahreszeit zu kommen. So bewahren Sie das Prachtstück im Beet vor Schäden:

  • Die Baumscheibe dick anhäufeln mit Herbstlaub und Nadelreisig
  • Die Krone umhüllen mit Vlies oder einem Schattiernetz
  • Den Stamm vor der Wintersonne schützen mit Jutebändern, in späteren Jahren mit Holzbrettern
  • Spätestens Mitte April den Winterschutz wieder entfernen

Gießen Sie den Taubenbaum im Winter weiterhin, sofern Regen oder Schnee ausbleiben. Kommt es zu Schäden, resultieren diese sehr viel häufiger aus Trockenstress, denn aus Frost.

Wie pflanze ich richtig um?

Ein Taubenbaum ist standorttreu und arrangiert sich mit Störungen nur schwerlich. Ein Umpflanzen ist daher nur selten von Erfolg gekrönt. Sofern ein Standortwechsel unumgänglich ist, sollte er innerhalb der ersten fünf Standjahre durchgeführt werden, mit einer Vorbereitungszeit von 1 Jahr. So gehen Sie dabei vor:

  • Im Herbst die Wurzeln in möglichst großem Radius mit dem Spaten abstechen
  • Einen kleinen Graben von 10-15 cm Breite rund um den Wurzelballen ausheben
  • Diesen Graben verfüllen mit einem Mix aus Gartenerde, Kompost und Lauberde
  • Bis zum nächsten Herbst regelmäßig wässern, damit sich zahlreiche Feinwurzeln entwickeln

Im darauffolgenden Herbst heben Sie den Taubenbaum aus dem Boden heraus, um ihn am neuen Standort einzupflanzen.

Taschentuchbaum im Topf

Im großen Topf bedarf ein Taubenbaum sehr viel umfangreicherer Zuwendungen, als im Beet. Wählen Sie diese Form der Kultivierung einzig dann, wenn Sie bereits über einen langjährigen Erfahrungsschatz als Hobbygärtner verfügen. Verwenden Sie als Substrat eine hochwertige Kübelpflanzenerde auf Kompostbasis, optimiert mit Lavagranulat (14,00€ bei Amazon*) oder Blähton.(18,86€ bei Amazon*) Über dem Wasserablauf fügen Sie eine Drainage aus Tonscherben ein, zum Schutz vor Staunässe. So verläuft die Pflege fachgerecht:

  • Taubenbaum gleichmäßig feucht halten, ohne Staunässe zu verursachen
  • Im Wechsel mit weichem Regenwasser und Leitungswasser gießen
  • Im April Stickstoff-betont und im Juli Phosphor-betont düngen
  • Alle 2-3 Jahre umtopfen in einen größeren Kübel und frisches Substrat

Da für den Wurzelballen im Topf stets die Gefahr besteht, im Winter durchzufrieren, kommen Sie um adäquate Vorkehrungen nicht herum. Umhüllen Sie den Kübel vor dem ersten Frost mit Noppenfolie und bedecken das Substrat mit Laub, Holzwolle oder Stroh. Schieben Sie dem Topf einen Holzblock unter, damit die Kälte nicht von unten her angreift. Die Krone erhält eine Haube aus atmungsaktivem Vlies oder Jutebändern. Den Stamm schützen Sie mit Bast- oder Schilfmatten vor intensiver Wintersonne.

Ist Taschentuchbaum giftig?

Als Hausbaum für eine Familie mit Kindern und Haustieren ist der Taubenbaum perfekt geeignet. Weder in seinen Blättern, noch in den Blüten oder Früchten befinden sich giftige Bestandteile.

Wie gelingt die Anzucht aus Samen?

Die Aussaat von Samen eines Taschentuchbaumes erfordert ein gehöriges Maß an Geduld und Sachkenntnis. In freier Natur nehmen sich die hartschaligen Samen bis zu 18 Monate Zeit, ehe sie sich zur Keimung entscheiden. Wenn Sie so lange nicht warten möchten, wenden Sie den gärtnerischen Kniff einer Stratifizierung an. So gelingt es:

  • Eine kleine Plastikbox füllen mit leicht feuchtem Sand und die Samen dort hineinlegen
  • Im Gemüsefach des Kühlschranks für 4-8 Wochen deponieren
  • Anschließend kleine Töpfe mit Anzuchterde füllen und jeweils einen Samen 1 cm tief einsetzen

Am halbschattigen Fensterplatz bei 18-20 Grad Celsius konstant feucht halten, bis sich die Keimblättchen zeigen. Dann etwas kühler platzieren, weiterhin regelmäßig gießen und alle 4 Wochen düngen mit stark verdünntem Flüssigdünger.

Trivia

Die aufwändige Suche nach dem Taschentuchbaum mündete im ersten Schritt in der Entdeckung der Kiwi. Nachdem der englische Pflanzenjäger Ernest Henry Wilson in 1899 nach seiner Anreise in China enttäuscht feststellen musste, dass der erste, 35 Jahre zuvor entdeckte Taubenbaum gefällt war, begab er sich auf die Suche nach weiteren Exemplaren. Bevor er im Mai 1900 in der Provinz Hubei fündig wurde, entdeckte er dort eine ungewöhnliche Kletterpflanze mit köstlichen Früchten, heute bekannt als Kiwi.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: Kristin Westby/Shutterstock

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