Welche Bedeutung hat die Eibe?

In Mitteleuropa gibt es mit der Europäischen Eibe (Taxus baccata) nur eine Eibenart, von der auch nur noch sehr wenige Wildbestände existieren. Der Eibenwald ist so selten geworden, dass die Baumart sogar als vom Aussterben bedroht angesehen wird.

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Die Eibe galt bei vielen Völkern als heiliger Baum

Was ist die Bedeutung des Wortes „Eibe“?

Die Eibe ist als Baumart schon seit Jahrtausenden bekannt und wurde von unseren germanischen wie keltischen Vorfahren verehrt. Der Begriff „Eibe“ geht daher vermutlich auf ein germanisches Wort aus dem 9. nachchristlichen Jahrhundert zurück. „Iwa“ bedeutet so viel wie „rot, rötlich“, womit sowohl die charakteristisch roten Beeren als auch das rötliche Holz gemeint sein können. In anderen Sprachen trägt die Eibe auch andere Namen:

  • litauisch: ieva, Faulbaum
  • griechisch: oie, Vogelbeerbaum

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Letzteres verweist darauf, dass die roten Eibenbeeren sehr gern von Vögeln gefressen werden. Diese wiederum scheiden die giftigen Samen unverdaut aus, aus denen schließlich junge Bäume nachwachsen könnten.

Warum wurde die Eibe einst als heiliger Baum verehrt?

Kelten, Germanen, Römer und Griechen sahen die Eibe als heiligen Baum an. Vermutlich aufgrund seiner Giftigkeit sowie seines düsteren Aussehens galt die Eibe in vielen Kulturen als Totenbaum, welcher verstorbene Menschen und Tiere ins Geisterreich geleitet bzw. als Mittler zwischen dem Dies- und dem Jenseits fungiert.

Bei den alten Griechen säumten etwa Eibenbäume den Weg zur Unterwelt. Allerdings ist die Eibe nicht nur ein Symbol für den Tod: Bei den alten Kelten galt die Eibe auch als „Baum der Wiedergeburt“ sowie als Verbindungstor zur Ewigkeit, weshalb heilige Gegenstände der Druiden (z. B. zum Schutz vor bösen Geistern) häufig aus Eibenholz gefertigt wurden.

Wie alt können Eiben werden?

Bis heute stehen auf vielen Friedhöfen alte Eiben, die viele hundert Jahre oder sogar über 1000 Jahre alt sein können. Die auf einem schottischen Friedhof stehende Fortingall Yew wird beispielsweise auf ein Alter von rund 2000 Jahren geschätzt. Die vermutlich älteste Eibe Deutschlands, die Alte Eibe von Balderschwang, soll auch ca. 1500 Jahre alt sein.

Allerdings sind diese Schätzungen mit Vorsicht zu genießen, da bei alten Eiben das Kernholz verrottet und daher keine Jahresringe gezählt werden können. Nichtsdestotrotz wachsen Eiben sehr langsam und altern deshalb extrem langsam.

Warum gibt es keine jungen Eibenbäume?

In früheren Jahrhunderten waren Eiben in Europa weit verbreitet, wurden jedoch vor allem im Mittelalter verstärkt und in vielen Regionen bis zur Ausrottung abgeholzt. Heute finden sich nur noch wenige wilde Bestände, die zudem aus eigener Kraft keine jungen Eiben ausbilden können.

Sämlinge gibt es oft viele, allerdings werden diese gern von Rehen gefressen. In Regionen mit einer Überpopulation an Rehen – für die das Eibengift völlig ungefährlich ist – ist die Baumart daher besonders selten. Jungbäume müssen die ersten Jahre besonders geschützt werden, um wachsen und gedeihen zu können.

Warum ist Eibenholz so wertvoll?

Eiben wurden in früheren Zeiten vor allem abgeholzt, weil sie so extrem giftig sind und deshalb beispielsweise Pferde vor einer Vergiftung bewahrt werden sollten. Aber auch ihres Holzes wegen, das gleichzeitig hart und besonders elastisch ist, waren die Bäume begehrt.

In England bauten die mittelalterlichen Bogenschützen ihre berüchtigten Langbögen bevorzugt aus Eibenholz. Auch in anderen Teilen Europas galt das Holz der Eibe als besonders gut geeignet für die Herstellung von Waffen und Musikinstrumenten. Heute nutzt man das rötliche Holz zudem gern zur Möbelherstellung.

Tipp

Eibe als Weihnachtsbaum

Die Eibe lässt sich sogar als Weihnachtsbaum verwenden, wovon allerdings in Haushalten mit Kindern und Haustieren Abstand genommen werden sollte. Ein immergrüner Eibenzweig (möglichst mit Früchten) über der Türschwelle soll nach volkstümlichen Aberglauben böse Geister fernhalten.

Text: Ines Jachomowski
Artikelbild: Iva Vagnerova/Shutterstock