Lorbeer perfekt schneiden – Tutorial mit allen Anleitungen

Im Kübel begeistert Lorbeer als immergrüne Augenweide auf Balkon und Terrasse oder im Wintergarten. Seine sattgrünen, dekorativen Blätter schenken Speisen delikate Kraft und Fülle. Eine gutmütige Schnittverträglichkeit rundet den bunten Reigen veritabler Eigenschaften ab. Das folgende Tutorial ist dem gekonnten Schnitt von Laurus nobilis gewidmet. So verschneiden Sie Lorbeer vorbildlich.

Lorbeer Rückschnitt
Mit der Erziehung vom Lorbeer wird früh begonnen

Schnittarten und Termine

Das florale Charisma von Lorbeer beruht nicht auf seinen zierlichen, gelblichen Blüten. Es sind die dunkelgrünen, elliptischen Blätter an aufrechten Trieben, die den mediterranen Zauber im Garten oder Haus verbreiten. Die subtropische Herkunft verbietet in den meisten Regionen, das immergrüne Gehölz auszupflanzen. Mehrheitlich entscheiden sich Hausgärtner für die Kübelhaltung. Deren Mobilität erlaubt, den grünen Botschafter vom Mittelmeer rechtzeitig vor dem Winter einzuräumen. Vor und nach den witterungsbedingten Standortwechseln profitiert ein Lorbeerstrauch von einem Schnitt. Aber auch zwischen Ein- und Ausräumen hat das Gehölz nichts gegen den Einsatz der Schere einzuwenden. Zusammenfassend stellt folgende Tabelle wichtige Schnittarten und Termine vor:

SchnittartZiel/AnlassTermin-Option ITermin-Option IITermin-Option III
Aufbauschnitt Strauchformschönes Wachstum, dichtes BlätterkleidFebruar/MärzJuni/Julivor dem Einräumen
Erziehungsschnitt HochstämmchenSchnitterziehung von Stamm und KroneFebruar/MärzJuni/Julivor dem Einräumen
Form- und ErhaltungsschnittWachstumkontrolle, Totholz auslichten, Form erhaltenvor dem AusräumenJuni/Julivor dem Einräumen
Verjüngungsschnittvergreisten Lorbeer revitalisierenSpätwinterkeinekeine

Lorbeerstrauch formschön aufbauen

Mit straff aufrechten, dicht beblätterten Zweigen ist Lorbeer als Strauch eine Zierde. Ein schrittweiser Aufbauschnitt leistet zum wohlgeformten Wachstum einen wertvollen Beitrag. Lassen Sie einen jungen Lorbeer nicht einfach in die Höhe wachsen. Indem Sie ihn mindestens einmal jährlich stutzen, erzeugen Sie einen Saftstau, der die Verzweigung fördert. So machen Sie es richtig:

  • Lorbeerstrauch aufbauen mit 5 bis 7 kräftigen Bodentrieben als Gerüst
  • Alle übrigen Bodentriebe am Ansatz abschneiden
  • Im Februar/März und Juni/Juli den vorherigen Zuwachs zurückschneiden bis zu einem gegenständigen Blattpaar

Verlängern Sie einen Gerüsttrieb um etwa 10 Zentimeter pro Jahr. Beschränken Sie fernerhin deren Anzahl. Auf diese Weise bauen Sie einen Lorbeerstrauch mit kompaktem Wachstum auf. Das ist die ideale Voraussetzung für künstlerische Formschnitte als Säule, Kegel, Spirale oder fantasievolle Skulptur.

Lorbeer zum Hochstämmchen erziehen

Die gute Schnittverträglichkeit macht Lorbeer zum idealen Kandidaten für die Erziehung zum repräsentativen Hochstämmchen. Die Erziehung nimmt am Pflanztag ihren Anfang und setzt sich fort über einige Jahre. So meistern Sie die Schnitterziehung vorbildlich:

  • Am Pflanztag den kräftigsten Bodentrieb auswählen und am Stützpfahl anbinden
  • Übrige Bodentriebe als Konkurrenten entfernen
  • Mitteltrieb als zukünftigen Stamm regelmäßig entlauben und am Pfahl aufleiten

Wie untenstehende Abbildungen illustrieren, leiten Sie mit dem Schnitt der Stammspitze die Verzweigung zur Krone ein. Warten Sie mit dem Kappen der Spitzenknospe, bis diese vier bis sechs Blattpaare über den geplanten Kronenansatz thront. Konkurrenztriebe zum Stamm entfernen Sie bitte ebenso zeitnah, wie alle Seitentriebe unterhalb der Krone.

Lorbeer Spitze kappen

Kappen Sie die Spitze des Mittelstamms erst, wenn die gewünschte Stammhöhe erreicht ist. Die Spitzenknospe sollte sich mindestens 4 bis 6 Blätter über dem Kronenansatz befinden, wenn der Schnitt erfolgt. Eine nachträgliche Verlängerung in die Höhe gelingt selten.

Hintergrund

Spitzenknospe muss weichen für die Kronenbildung

Kappen der Spitzenknospe am Lorbeer-Hochstämmchen ist ein zweischneidiges Schwert. Schneiden Sie zu früh, bleibt das Stämmchen mickrig klein. Warten Sie zu lange, dauert es eine gefühlte Ewigkeit bis zur ersehnten Kronenverzweigung. Diskussionen um die Zusammenhänge räumt das Wachstumsgesetz der Spitzenförderung aus dem Weg. Demgemäß befördert das Gehölz den Großteil seiner Reservestoffe zur Spitzenknospe, um das Wachstum zum Licht anzukurbeln. Erst wenn die Position an der Stammspitze nicht mehr besetzt ist, verteilt sich der Saftdruck auf tiefere Knospen, die daraufhin austreiben und die Krone formen. Zugleich ist das Wachstum in die Höhe beendet.

Lorbeer formen und erhalten

Hat ein Lorbeer den Aufbau zum Strauch oder die Erziehung zum Hochstämmchen erfolgreich absolviert, zielt die Schnittpflege ab auf die Erhaltung. Die robuste Schnittverträglichkeit erlaubt es, vom Frühjahr bis zum Herbst regelmäßig zur Schere zu greifen. So bleiben Form und Vitalität bewahrt:

  • Im Frühjahr abgestorbene Triebe auslichten
  • Ebenso ungünstig stehende, ins Innere von Krone oder Strauch ragende Äste herausschneiden
  • Überlange Äste ableiten auf einen tiefer stehenden, nach außen weisenden Seitentrieb

Bester Zeitpunkt für den Hauptschnitt ist im Februar oder März, rechtzeitig vor Austriebsbeginn. Schneiden Sie am Lorbeer bitte jeden Zweig einzeln. Setzen Sie die Schere idealerweise 3 bis 5 Millimeter oberhalb eines Blattpaares an.

Lorbeer Erhaltungsschnitt

Mit 5 bis 7 Gerüsttrieben setzt sich ein Lorbeerstrauch repräsentativ in Szene. Aus der Form ragende, überlange Triebe schneiden Sie zurück. Abgestorbene und nach innen gerichtete Zweige werden entfernt.

Exkurs

Lorbeer schneiden mit Einhand-Gartenschere

Verwenden Sie für die Schnittpflege an Lorbeer eine hochwertige Gartenschere, idealerweise mit Bypass-Mechanismus. Widmen Sie sich Trieb für Trieb dem Schnitt, erstrahlen Strauch und Krone in neuem Glanz. Eine elektrische Strauchschere hinterlässt hingegen ein Bild der Verwüstung. Die großen Blätter verfangen sich in den Messerbalken und zerreißen. Daraus resultierende braune Ränder verschandeln Ihren Lorbeer auf lange Zeit.

Alten Lorbeer verjüngen

Wer seinen Lorbeer etliche Jahre nicht verschneidet, hadert mit einem verkahlenden, unförmigen Geflecht aus alten und jungen Trieben. Mit einem radikalen Verjüngungsschnitt verhelfen Sie dem vergreisten Gehölz zu einem glanzvollen Comeback. Das Geheimnis des Erfolgs liegt in schlafenden Augen, aus denen Laurus nobilis erneut austreibt. Der folgende Ablauf hat sich in der Schnittpraxis gut bewährt:

  • Bester Zeitpunkt ist im Spätwinter
  • Vorab sämtliches Totholz aus Strauch oder Krone entfernen
  • Verbliebene Triebe um die Hälfte bis zwei Drittel zurückschneiden

Eine strategische Schnittführung optimiert den Erfolg der Maßnahme. Nehmen Sie jeden alten Bodentrieb oder Kronenast einzeln in Augenschein. Hat der Trieb im unteren Bereich einen jungen, vitalen Seitenzweig zu bieten, verschneiden Sie altes und junges Holz an der Gabelung.

Häufig gestellte Fragen

Kann Lorbeer draußen überwintern?

Nördlich der Alpen ist Lorbeer nicht winterhart. Fällt das Thermometer unter – 5 Grad Celsius, sind fatale Frostschäden zu befürchten bis hin zum Totalausfall. Wir empfehlen für die meisten Regionen Deutschlands eine Kultivierung im Kübel. Ausnahmen gelten für geschützte Lagen in wintermilden Weinanbaugebieten oder in Tälern am Niederrhein. Ohne umfangreiche Schutzvorkehrungen kann ein Lorbeer als Strauch oder Hochstämmchen an keinem Standort überwintern. Eine wärmende Ummantelung aus Vlies und ein isolierender Holzfuß sind selbst an Ahr und Mosel unverzichtbar.

Sind die Blätter eines Lorbeerbäumchens essbar?

In der Tat handelt es sich bei Lorbeer um eine weltweit geschätzte Gewürzpflanze. Die aromatisch duftenden Blätter verleihen warmen und kalten Speisen eine besondere Würze. Hoch im Kurs stehen Lorbeerblätter als Zutat für Eintöpfe, Bratensoße, Gemüse und Fleischgerichte. Saure Gurken werden nach klassischem Rezept mit einigen Lorbeerblättern eingelegt. Übrigens können Sie die kleinen schwarzen Beeren ebenfalls kulinarisch verwerten. Geben Sie an Wildgerichte einige wenige Lorbeerbeeren, gelingt ein delikater Gaumenschmaus.

Kann ich Schnittgut von Lorbeersträuchern für die Vermehrung verwenden?

Zu den mannigfaltigen Vorzügen von Lorbeer zählt die rasche Bewurzelung von Stecklingen. Was Sie vom Schnittgut nicht als Gewürzvorrat für die Küche verwenden können, eignet sich für eine unkomplizierte Vermehrung. Bester Zeitpunkt ist im Spätsommer. Gut geeignet sind 15 Zentimeter lange, nicht vollständig verholzte, halbreife Triebspitzen, die Sie in der unteren Hälfte entlauben und in Anzuchterde stecken.

Mein Lorbeerbaum hat den Winter im Ahrtal (Winterhärtezone 7) draußen verbracht und ist jetzt im März teilweise braun. Ist das Bäumchen erfroren? Kann ein Rückschnitt die Pflanze retten?

Ein Lorbeerbaum darf nicht über längere Zeit frostigen Temperaturen unter – 5 Grad Celsius ausgesetzt sein. Diese Prämisse gilt auch für wintermilde Weinbauregionen. Solange die Zweige im Inneren noch grün bis cremefarben sind, können Sie das Bäumchen noch retten. Schneiden Sie alle befrorenen Triebe zurück bis ins gesunde Holz und verabreichen einen organischen Dünger für Grünpflanzen.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Lorbeer mit zerfetzten Blättern und braunen Rändern ist Opfer eines typischen Schnittfehlers. Ähnlich ist es einem Hochstämmchen ergangen, das auf einer mickrigen Höhe verharrt und einfach nicht mehr wachsen will. Um die Leser dieses Tutorials vor klassischen Schadbildern zu bewahren, nennt folgende Übersicht die drei häufigsten Fehler beim Schneiden von Lorbeer:

SchnittfehlerSchadbildVorbeugung
mit elektrischer Strauchschere geschnittenzerfetzte Blätter mit braunen Rändernstets schneiden mit einer Einhand-Gartenschere
Spitze am Hochstämmchen verfrüht gekapptsehr kleines Hochstämmchen ohne HöhenwachstumSpitzenknospe erst schneiden 4 bis 6 Knospen über dem Kronenansatz
nie geschnittenunförmiges Wachstum, Verkahlung von innen nach außenmindestens einmal jährlich verschneiden und auslichten

Tipps

Auf den ersten Blick sehen sich Echter Lorbeer und Kirschlorbeer zum Verwechseln ähnlich. Bei näherem Hinsehen fallen markante Unterschiede auf, die für eine Kultivierung weitreichende Folgen haben. Primär gedeiht Echter Lorbeer (Laurus nobilis) als kälteempfindliche Gewürzpflanze. Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) hingegen ist gut winterhart und hat sich zu einer der beliebtesten Heckenpflanzen in Mitteleuropa entwickelt. In Bezug auf ein prächtiges, immergrünes Laubkleid und eine robuste Schnittverträglichkeit ziehen beide Gehölze an einem Strang.

Text: Paula Jansen
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