Gartenhibiskus schneiden

So schneiden Sie Gartenhibiskus vorbildlich – Schnitt-Tutorial für Anfänger

Gartenhibiskus ist der einzige Vertreter innerhalb der Gattung Hibiskus mit zuverlässiger Winterhärte. Der opulente Blütenstrauch ist beheimatet in chinesischen Provinzen, wo das Klima rau und die Winter kalt sind. Zum spektakulären Sommerblüher entwickelt sich das Ziergehölz, wenn Sie einmal jährlich einen Rückschnitt auf dem Pflegeplan notieren. Wann und wie Sie Gartenhibiskus tadellos schneiden, erklärt dieses Tutorial detailliert und nachvollziehbar.

Gartenhibiskus jedes Jahr schneiden

Gartenhibiskus hält Hof mit verschwenderischer Blütenpracht im sonnigen, warmen und windgeschützten Beet. Seine malvenförmigen Einzelblüten erstrahlen von Juli bis September mit einer atemberaubenden Größe von bis zu 20 Zentimetern. Die Knospen für das sommerliche Blütenfestival legt ein Straucheibisch an den diesjährigen Trieben an, die einem stabilen Gerüst aus kräftigen Bodentrieben entsprießen. Ähnlich wie Sommerflieder, profitiert die Blütenfülle von einem alljährlichen, beherzten Rückschnitt. Ohne Schnittpflege stagniert das Blütenholz zusehends, die Anzahl und Größe der Blüten nimmt ab und die Blütezeit verkürzt sich auf wenige Wochen. Notieren Sie die folgenden Schnittarten und Termine im Pflegeprogramm:

Schnittart Ziel/Anlass bester Termin
Pflanzschnitt buschige Verzweigung, kompaktes Wachstum nach der Pflanzung
Aufbauschnitt stabiles Gerüst aufbauen als Basis für jährliches Blütenholz Anfang Februar bis Anfang März
Erhaltungsschnitt Blühfreudigkeit und Formschönheit erhalten Anfang Februar bis Anfang März
Ausputzen Verwelkte Blüten entfernen, Selbstaussaat unterbinden nach der Blütezeit
Verjüngungsschnitt alten Gartenhibiskus revitalisieren November bis Februar
Erziehung Hochstämmchen Hibiskus erziehen zum Hochstämmchen Ende Februar bis Anfang März
Erhaltung Hochstämmchen junge Blütenholz im Kronenbereich fördern Ende Februar bis Anfang März

Pflanzschnitt regt Verzweigung an

Traditionell wird Gartenhibiskus aufgebaut mit einem Trieb und mehreren bodennahen Seitenzweigen. Der Habitus ist zweifellos harmonisch und dekorativ. Allerdings birgt die Strauchstruktur den Nachteil, dass Schäden am dominierenden Trieb das gesamte Gehölz in Mitleidenschaft ziehen. Dieses Tutorial plädiert für einen Aufbau mit 5 bis 7 Bodentrieben als dauerhaftes Gerüst. Kommt ein Gerüsttrieb zu Schaden oder vergreist vorzeitig, hat ein Korrekturschnitt keine nachteiligen Auswirkungen auf die verbliebenen Bodentriebe. Folgender Pflanzschnitt leitet die Aufbauphase ein:

  • Bester Termin ist am Pflanztag
  • An blühender Jungpflanze den Pflanzschnitt im folgenden Februar nachholen
  • Beschädigte und schwache Triebe abschneiden
  • Kräftige Zweige um die Hälfte bis zwei Drittel zurückschneiden
  • Wenige Millimeter oberhalb einer Knospe schneiden

Bemessen Sie den Schnittumfang bitte nach der Faustregel: je schwächer die Jungpflanze, desto kräftiger der Pflanzschnitt. Primäres Ziel des Rückschnitts ist eine buschige Verzweigung am unteren Strauch-Ende. Indem Sie die Spitzenknospen entfernen, treiben tiefer gelegene Augen aus, die andernfalls im Ruhezustand verblieben wären. Das Ergebnis ist ein dicht verzweigter Gartenhibiskus von der Basis her.

Hintergrund

Dominanz von Spitzenknospen aufheben für buschige Verzweigung

Eines der wichtigsten Wachstumsgesetze belehrt uns über die Vorherrschaft von Spitzenknospen im Pflanzenwachstum. Weil es an Triebspitzen am schnellsten aufwärts zum Licht geht, werden die oberen Knospen bevorzugt mit Nährstoffen versorgt. Damit Augen im unteren Strauchbereich nicht leer ausgehen, wirkt ein Pflanzschnitt der Dominanz von Spitzenknospen entgegen. Das gelingt ganz einfach durch den Rückschnitt von Trieben. Zuvor benachteiligte Augen sind die neuen Spitzenknospen, profitieren vom erhöhten Saftdruck und einer optimierten Nährstoffversorgung. Im Resultat treiben die Knospen aus und ein junger Gartenhibiskus gedeiht mit buschig verzweigter Basis. Der Effekt ist von Dauer und kann in späteren Jahren nicht nachträglich erzielt werden.

Gartenhibiskus etappenweise aufbauen

Ab dem zweiten Standjahr dreht sich die Schnittpflege um einen dekorativen Aufbau mit 5 bis 7 Gerüsttrieben. Wie untenstehende Abbildung veranschaulicht, versammeln sich 4 bis 6 Bodentriebe um einen leicht erhöhten Haupttrieb. Die Spitzenknospen der äußeren Gerüsttriebe weisen nach außen, was Ihrem Gartenhibiskus eine gefällige Form verleiht. So bauen Sie einen Straucheibisch gekonnt auf:

  • Bester Schnittzeitpunkt ist im Februar
  • Überzählige Bodentriebe am Ansatz abschneiden
  • Vorjährigen Zuwachs an jedem Gerüsttrieb um ein Drittel oder die Hälfte zurückschneiden
  • Trieb im Strauchzentrum 10 bis 15 Zentimeter höher belassen
  • Seitentriebe entlang eines gerüstbildenden Bodentriebs einkürzen auf 5 Zentimeter

Es fällt verständlicherweise schwer, die ohnehin langsam wachsenden Gerüsttriebe zurückzuschneiden. Wer sich zu diesem Schnitt durchringt, wird belohnt mit einem üppig verzweigenden Gartenhibiskus, dessen Bodentriebe alljährlich eine Fülle junger Blütentriebe hervorbringt.

Über welchen Zeitraum sich die Aufbauphase erstreckt, hängt von der gewünschten Endhöhe ab. Begleitet wird die Entwicklung von einer tendenziell zunehmenden Blütenpracht, sodass der Übergang vom Aufbau- zum Erhaltungsschnitt fließend ist.

Die perfekte Ausgangsposition für ein blütenreiches Wachstum bietet ein Gerüst aus 5 bis 7 Bodentrieben. Ein Gerüsttrieb bleibt viele Jahre lang vital und trägt das wertvolle diesjährige Blütenholz. Ein schöner Habitus gelingt, wenn 4 bis 6 Bodentriebe den dominanten Mitteltrieb einrahmen.

Exkurs

Mehr Freude am Hibiskus-Schnitt mit dem richtigen Werkzeug

Hibiskusholz zählt aus gutem Grund zu den meist genutzten Holzarten Asiens. Das leichte Holz ist gut zu schneiden und perfekt geeignet für die Herstellung von Türrahmen, Auslegerbooten, Planken und Kunstgegenständen. Holzstruktur und Schnittverträglichkeit machen die Schnittpflege von Gartenhibiskus zum Vergnügen, wenn das richtige Schneidwerkzeug zur Verfügung steht. Zweigstärken bis 2 Zentimeter schneiden Sie gekonnt mit einer Einhand-Gartenschere, wahlweise mit Bypass- oder Amboss-Mechanik. Dicke Triebe mit 2 bis 4 Zentimetern Stärke durchschneiden Sie glatt mit einer Zweihand-Astschere, idealerweise inklusive kraftverstärkendem Ratschengetriebe und Teleskoparmen. Zum Auslichten dicker Gerüsttriebe mit mehr als 4 Zentimetern Durchmesser empfehlen wir die handliche Klappsäge, auch bekannt als Japansäge.

Erhaltungsschnitt für Gartenhibiskus

Eine formschöne Silhouette und opulente Blütenpracht bewahrt ein Gartenhibiskus, wenn ihm ein jährlicher Erhaltungsschnitt vergönnt ist. Folgende Schnittführung hat sich in der Gartenpraxis hervorragend bewährt:

  • Bester Schnitt-Termin ist im Februar
  • Zu Beginn abgestorbene Triebe auslichten sowie quer und nach innen gerichtete Zweige
  • Von 2 V-förmig wachsenden Vorjahrestrieben den schwächeren abschneiden
  • Gerüstbildende Bodentriebe zurückschneiden auf die gewünschte Endhöhe
  • Abgeblühte Seitenverzweigungen einkürzen auf 5 cm im Strauchinneren und 10 cm im äußeren Bereich
  • Stets in 3 bis 5 Millimetern Abstand zu einer nach außen gerichteten Knospe schneiden

Im Laufe der Jahre werden Sie im Rahmen des Erhaltungsschnitts konfrontiert mit überalterten Gerüsttrieben. Häufig neigen sich die Bodentriebe zu Boden, weil sie die Last zahlreicher Verzweigungen im oberen Bereich nicht mehr tragen können. Statt vergreisende Gerüsttriebe auszulichten, empfehlen wir eine Verschlankung durch Ableitung. Wie Sie einen Ableitungsschnitt vorbildlich ausführen, können Sie in untenstehender Hintergrund-Erläuterung nachlesen.

Lichten Sie Totholz rigoros aus für ein lichtdurchflutetes Strauchgerüst. Abgeblühte Triebe des Vorjahres schneiden Sie zurück auf 5 bis 10 Zentimeter. Vergreisende Gerüsttriebe leiten Sie ab auf einen günstig stehenden Seitentrieb.

Hintergrund

Ableitungsschnitt – genial einfach in der Ausführung – einfach genial im Resultat

Rundet die Schnitt-Technik der Ableitung Ihr gärtnerisches Können ab, profitiert ein Gartenhibiskus vom Know-how seiner pflegenden Hand. Ziel ist die Umleitung der Wachstumskräfte in einen vitalen, günstig positionierten Seitentrieb. Zu diesem Zweck beschneiden Sie einen alten, zu langen Gerüsttrieb nicht wahllos. Vielmehr suchen Sie auf der gewünschten Höhe nach einem geeigneten Ersatztrieb, der an dieser Stelle die Führungsposition übernimmt. Setzen Sie die Schere oder Säge an der Gabelung von altem und neuem Holz an. Schneiden Sie nicht in den neuen Trieb, sondern wenige Millimeter hinter der Verzweigung ins alte Holz. Ab sofort fließen die Säfte in die junge Rute, ohne dass die Maßnahme eine unschöne Lücke im Gartenhibiskus hinterlässt.

Ausputzen verhindert Selbstaussaat

Gartenhibiskus eilt der Ruf voraus, er neige zur invasiven Ausbreitung. In der Tat verwandeln sich seine malerischen Schalenblüten in Heerscharen keimfreudiger Samen. Ist die Selbstaussaat nicht in Ihrem Sinn? Dann nehmen Sie im Spätsommer verwelkte Blüten ins Visier. Gärtner mit einem langen Geduldsfaden und reichlich Zeit schneiden jeden verdorrten Blütenstand einzeln ab. In winterrauen Regionen birgt der späte Schnitt-Termin die Gefahr von Frostschäden unterhalb der Schnittstelle.

Schneller und sicherer geht es, indem Sie mit der Hand die Samenstände von unten nach oben abstreifen. Mit der anderen Hand halten Sie eine Schale, um herabfallende Samenkapseln aufzufangen. Entsorgt wird das Material idealerweise in der Mülltonne. Auf dem Kompost gelangen die langlebigen Samen früher oder später unter den organischen Dünger und werden unabsichtlich im Garten verteilt.

Gartenhibiskus verjüngen

Charakteristisch für Gartenhibiskus ist eine zunehmende Frostempfindlichkeit am älteren Holz. Zeigen sich an einem Gerüsttrieb Alterserscheinungen, wie geringer Neuzuwachs und trockene Stellen, kann ein regelmäßiger Erhaltungsschnitt die Vergreisung nur bedingt eindämmen. Sterben Bodentriebe sukzessive ab, behebt ein radikaler Verjüngungsschnitt das Problem. So revitalisieren Sie einen alten Gartenhibiskus richtig:

  • Bester Termin ist zwischen November und Februar, unter Beachtung des Bundesnaturschutzgesetzes
  • Überalterte Bodentriebe zurückschneiden bis auf einen kurzen Zapfen von 5 Zentimetern Länge
  • Übrige Gerüsttriebe ableiten auf eine untere Seitenverzweigung
  • Alternativ den gesamten Strauch auf 30 bis 50 Zentimeter zurückschneiden
  • Verjüngten Gartenhibiskus Anfang März düngen mit Kompost und Hornspänen

Nach einem starken Verjüngungsschnitt stellt ein Gartenhibiskus seine Wuchskraft unter Beweis. Bis zum folgenden Jahr treibt der Straucheibisch an vielen Stellen kräftig aus. Selektieren Sie sorgfältig die besten Triebe, um daraus ein neues Gerüst aufzubauen. Die Blütezeit fällt im Jahr nach der Verjüngung aus. Primäres Interesse der Pflanze ist ein zügiger Ausgleich verloren gegangener Äste aus schlafenden Augen heraus. Zu diesem Zweck legt Ihr Gartenhibiskus gezielt Blatt- und Triebknospen an und verzichtet auf Blütenknospen.

Einen vernachlässigten und vergreisten Gartenhibiskus erweckt ein Verjüngungsschnitt zum neuen Leben. Überalterte Bodentriebe schneiden Sie auf einen kurzen Stummel zurück. Unordentlich verästelte Gerüsttriebe verschlankt ein Ableitungsschnitt. Übrig gebliebene Seitentriebe kürzen Sie auf 5 Zentimeter ein.

Verjüngungsschnitt – Weckruf für schlafende Augen

Sie fragen sich, wie ein vergreister Straucheibisch aus altem Holz munter wieder austreibt? Das Geheimnis liegt tief verborgen und nahezu unsichtbar knapp unter der Rinde. Mit Beginn seines Pflanzenlebens legt Hibiskus ruhende Knospen an. Die Vegetationspunkte werden als schlafende Augen bezeichnet, weil sie inaktiv und winzig klein kurz unterhalb der Rinde verharren. Ihre einzige Lebensaufgabe besteht darin, verloren gegangene Triebe zu ersetzen. Ein radikaler Rückschnitt fungiert als floraler Weckruf für ruhende Knospen und setzt das Wachstum in Gang.

Infolge des Rückschnitts gelangt das Sonnenlicht ungehindert an die passiven Vegetationspunkte, was Fotosynthese und Austrieb verstärkt. Eine reichlich bemessene Portion Kompost und Hornspäne leistet einen wertvollen Beitrag zum Aktivierungsprozess. Statt einen alten Garteneibisch dem „alten Eisen“ zuzurechnen und zu roden, bauen Sie auf die „eiserne Reserve“ und setzen den Greis kurzerhand auf den Stock.

Tipps

Wo sich Garteneibisch wohlfühlt, gedeiht er als majestätischer Strauch mit einer Höhe von bis zu 3 Metern. Diese Eigenschaft machen sich kreative Gärtner zunutze und pflanzen das Blütengehölz als Hecke mit Sichtschutzfunktion zur Sommerzeit. Ein leicht modifizierter Erhaltungsschnitt unterstützt das blickdichte Wachstum. Beschneiden Sie im Februar ein Drittel der abgeblühten Vorjahrestriebe auf 2 Knospen, ein Drittel um die Hälfte und ein Drittel überhaupt nicht oder lediglich entlang der Triebspitzen, die aus der Hecke ragen.

Dekoratives Hochstämmchen erziehen

Die gute Schnittverträglichkeit erlaubt, Gartenhibiskus zum Hochstämmchen zu erziehen. Angesichts eines gemächlichen Wachstums von 10 bis 15 Zentimetern im Jahr, nimmt die Aufbauarbeit mehrere Jahre in Anspruch. Belohnt wird Ihre Geduld mit einem malerischen, verschwenderisch blühenden Blickfang in Beet und Kübel vom Frühsommer bis in den Herbst hinein. Bewährte Sorten für die Kultivierungsform sind ‚Ultramarine‘ und ‚Hamabo‘, die mit 15 bis 30 Zentimetern Jahreszuwachs schneller zum eleganten Endergebnis führen. So erziehen Sie Gartenhibiskus zum prächtigen Hochstämmchen:

  • Bester Schnittzeitpunkt ist alljährlich im Februar
  • Mitteltrieb ungeschnitten lassen, alle Seitentriebe abschneiden
  • Bis zur Erreichung der gewünschten Stammhöhe kontinuierlich alle Seitentriebe entfernen
  • Mitteltriebspitze abschneiden drei Knospen über der vorgesehenen Kronenhöhe
  • Die vier kräftigsten Triebe als Kronengerüst einkürzen auf 2 oder 3 Augen
  • Überzählige Seitentriebe zurückschneiden auf 3 bis 5 cm

Das Dickenwachstum des Mitteltriebs zum stabilen Stamm können Sie mit zwei zusätzlichen Schnittmaßnahmen forcieren. Zu diesem Zweck schneiden Sie im Mai und Juli der beiden ersten Erziehungsjahre alle Triebe ab, die aus dem zukünftigen Stamm austreiben. Infolgedessen wird keine Pflanzenenergie verschwendet, sondern zeitnah umgelenkt in das Wachstum des Mitteltriebs.

Obacht: Beschneiden Sie die Mitteltrieb-Spitze erst dann, wenn deren Spitzenknospe mindestens drei Knospen oberhalb vom gewünschten Kronenansatz thront. Der Schnitt einer Spitzenknospe aktiviert die Verzweigung zur Hochstamm-Krone. Das Höhen-Wachstum am Mitteltrieb wird nahezu vollständig gestoppt zugunsten des Wachstums von Seitentrieben. Ein Hochstämmchen nachträglich in die Höhe wachsen zu lassen, ist in der Regel nicht möglich.

Hochstämmchen formen und erhalten

Nach Abschluss der Erziehungsphase mündet die Schnittpflege am Hibiskus-Hochstämmchen in die Erhaltungsphase. In jedem Frühjahr widmen Sie sich den abgeblühten Trieben des Vorjahres. Ein Rückschnitt auf zwei Knospen macht den Weg frei für das diesjährige Blütenholz. Bei dieser Gelegenheit lichten Sie abgestorbene oder in die Krone wachsende Zweige aus.

Einen Kronen-Leitast beschneiden Sie, solange er die gewünschte Endlänge noch nicht erreicht hat. Damit er kräftig und vital gedeiht, kürzen Sie den letztjährigen Zuwachs um die Hälfte bis zwei Drittel ein. Hat ein Leittrieb die angestrebte Endlänge erreicht, schneiden Sie den Zuwachs komplett zurück. Unterhalb der Krone aus dem Stamm austreibende Äste schneiden Sie auf Astring ab. Untenstehende Abbildung illustriert die richtige Vorgehensweise in der Übergangsphase vom Erziehungs- zum Erhaltungsschnitt.

Haben Kronen-Leitäste die gewünschte Länge erreicht, konzentriert sich der Erhaltungsschnitt auf vorjährige, abgeblühte Triebe. Diese schneiden Sie auf zwei Knospen zurück, damit frisches Blütenholz wachsen kann. Austrieb unterhalb der Krone wird entfernt.

Häufig gestellte Fragen

Ist Gartenhibiskus winterhart?

Als einzige Art der Hibiskus-Gattung ist Gartenhibiskus (Hibiscus syriacus) in unseren Breiten zuverlässig winterhart. Jungpflanzen müssen sich eine stabile Frosthärte im ersten Jahr erarbeiten. Im Pflanzjahr ist ein leichter Winterschutz daher ratsam. Bedecken Sie die Erde mit Laub und Reisig, kann strenger Frost dem Wurzelballen nichts anhaben. Adulter Garteneibisch ist am sonnigen bis halbschattigen und windgeschützten Standort winterhart bis – 20 Grad Celsius. Das gilt freilich nicht für die Kultivierung im Kübel. Als Strauch oder Hochstämmchen im Topf ist Garteneibisch angewiesen auf eine wärmende Schutzhülle aus Folie oder Vlies.

Wir möchten die Sorte ‚Marina‘ des Gartenhibiskus gerne als 4 Meter lange Hecke mit Sichtschutzfunktion pflanzen mit einer Höhe von mindestens 150 Zentimetern. Was ist bei Pflanzung und Schnitt zu beachten?

Für Gartenhibiskus charakteristisch ist ein vasenförmiges Wachstum. Im unteren Bereich gedeihen die Sträucher deutlich schmaler, als im Kronenbereich. Als Hecke sollten Sie daher eine Breite von mindestens 100 Zentimetern einkalkulieren. Fernerhin treibt Hibiskus erst im Laufe von April und Mai aus, sodass frühestens ab Juni Sichtschutz bieten kann. Damit sich eine dichte Hecke formiert, ist ein Pflanzabstand von 60 bis 80 Zentimetern ideal. Ein Pflanz- und Aufbauschnitt sorgt für eine gute Verzweigung im unteren Bereich. Ohne regelmäßigen Schnitt im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr kann Gartenhibiskus sukzessive aufkahlen und bleibt lediglich im oberen Bereich belaubt. Wichtig zu beachten ist, dass Sie ab Anfang Juli Hibiskussträucher nicht mehr verschneiden, da ab diesem Zeitpunkt die Blütenknospen angelegt werden.

Kann ich meinen 10 Jahre alten Garteneibisch umpflanzen? Wenn ja, wann ist der beste Zeitpunkt?

Das Zeitfenster für einen Standortwechsel ist geöffnet von Mitte Oktober bis Ende März. Warten Sie bitte unbedingt den Laubfall ab, bevor Sie Ihren Gartenhibiskus umpflanzen. Stechen Sie den Ballen in einem Radius aus, der dem Strauchumfang entspricht. Geben Sie keinesfalls Dünger hinzu. Gedüngt wird ausschließlich zwischen Ende März und Ende Juli. Um das verloren gegangene Wurzelvolumen auszugleichen, schneiden Sie die Triebe um die Hälfte bis zwei Drittel zurück. Innerhalb der ersten fünf Standjahre verläuft die Prozedur in der Regel erfolgreich. Bei einem 10 Jahre alten Hibiskus besteht die Gefahr, dass er anschließend nicht mehr anwächst. Der empfohlene Rückschnitt und regelmäßiges Gießen reduzieren das Risiko.

Gartenhibiskus mit Frostschäden – was tun?

Ein strenger Winter hinterlässt an Gartenhibiskus mitunter zurückgefrorene Triebe. Das ist kein Grund zur Beunruhigung. Das Ziergehölz legt Knospen für den diesjährigen Zuwachs und die sommerliche Blüte erst im Frühling an. Schneiden Sie im Februar/März befrorene Triebe zurück bis ins gesunde Holz. Gesundes Holz ist zu erkennen, wenn Sie ein wenig Rindengewebe abkratzen. Wo saftig-grünes Gewebe zum Vorschein kommt, haben frostige Temperaturen keinen Schaden angerichtet. Setzen Sie dort die Schere an in kurzem Abstand zu einem nach außen gerichteten Auge.

Mein Gartenhibiskus öffnet seine Blüten nicht – was tun?

Gerät ein Gartenhibiskus unter Hitzestress, hält er seine Blüten unter Verschluss. Von Vorteil ist, wenn Sie den Boden etwas abkühlen, indem Sie eine Schicht aus Rindenmulch verteilen. Formen Sie zugleich einen Gießring, damit Gießwasser nicht zur Seite hin abläuft, sondern in die tieferen Erdschichten am Wurzelballen versickert. Verabreichen Sie einen phosphorhaltigen Dünger, um die Blüte in Schwung zu bringen. Gut geeignet ist beispielsweise organischer Beerendünger.

Ist Garteneibisch geeignet für die Kultivierung im Kübel? Wenn ja, wie groß sollte der Topf mindestens sein?

Kübelhaltung ist für einen Gartenhibiskus kein Problem. Sind Wasser- und Nährstoffversorgung sichergestellt, wird sich der Blütenstrauch prächtig entwickeln. Primäre Voraussetzungen sind ein sonniger bis halbschattiger Standort sowie eine locker-durchlässige und nährstoffreiche Pflanzenerde. Die Kübelgröße hängt ab von der gekauften Jungpflanze. Ein geeigneter Topf sollte an beiden Seiten 10 bis 15 Zentimeter größer sein, als der Anzucht-Container.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Ausfall der ersehnten Hibiskusblüte, vorzeitige Vergreisung und ein mickriges Hochstämmchen sind das Resultat typischer Schnittfehler. Damit Ihr Gartenhibiskus von diesen Schadbildern verschont bleibt, nennt die folgende Tabelle die drei häufigsten Sünden in der Schnittpflege und gibt Hinweise für eine umsichtige Vorbeugung:

Schnittfehler Schadbild Vorbeugung
zum falschen Zeitpunkt geschnitten Ausfall der Blütezeit, dramatische Frostschäden, Totalausfall im Februar schneiden
nie ausgelichtet oder beschnitten vorzeitiges Nachlassen der Blühfreudigkeit, undurchdringliches Triebgestrüpp jedes Jahr im Spätwinter auslichten und kräftig zurückschneiden
Stammspitze zu früh abgeschnitten zu kleines Hochstämmchen Spitzenknospe nicht zu früh abschneiden

Tipps

Im naturnahen Garten wird Gartenhibiskus mit ungefüllten Blüten ein Logenplatz eingeräumt. Sorten mit üppig gefüllten Blüten sind für fleißige Bienen, Hummeln und Schmetterlinge eine florale Mogelpackung. Staubblätter verwandeln sich in reine Schaublätter und produzieren keinen wertvollen Pollen mehr. Die zahlreichen Kronblätter werden für Insekten zur unüberwindlichen Barriere auf dem Weg zu Nektar-produzierenden Blütenorganen, sofern diese nicht ohnehin verkümmert sind. Garteneibisch mit einfachen Schalenblüten offeriert Insekten hingegen einen reich gedeckten Tisch.

Text: Paula Jansen

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