Schattenrasen – ein spezielles Habitat

Es gibt einige Bereiche im Garten, deren Gestaltung etwas Kreativität verlangt. Wenn hohe Gebäude, Gehölzanpflanzungen oder andere Konstrukte den Boden beschatten, bleibt nicht viel Spielraum hinsichtlich einer Flächenbegrünung. Dennoch gibt es Varianten zur Bepflanzung. Schattenrasen benötigen trotz ihrer Anpassungsfähigkeit etwas Aufmerksamkeit.

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Rasen kann auch im Schatten angelegt werden

Das Wichtigste in Kürze

  • Lichtarme Verhältnisse verursachen bei vielen Pflanzen Mangelerscheinungen. Einige Grasarten kommen mit weniger Licht gut klar. Die Lägerrispe ist eine Art, die von allen Gräsern am meisten Schatten verträgt.
  • Mischungen mit Schattenrasen-Samen sollten das RSM-Siegel tragen. Testsieger ist der Schattenrasen von Wolf. Auch Discount-Angebote schneiden hinsichtlich Keimfähigkeit gut ab.
  • Idealer Zeitpunkt, um einen Schattenrasen zu säen, ist das Frühjahr. Wichtig ist die gründliche Bodenvorbereitung und Versorgung der Fläche nach der Aussaat. Als Alternative zur Saat kann Schattenrasen als Rollrasen verlegt werden.
  • Die Pflege umfasst das viermalige Düngen sowie die regelmäßige Bewässerung während des Sommers. Gemäht wird ein Schattenrasen generell monatlich.

Das Wachstum im Schatten

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Schatten ist keine gute Voraussetzung für das Wachstum von Rasen

Wenn die Lichtbedingungen reduziert sind, erleiden die meisten Pflanzen Mangelerscheinungen. Nur wenige sind an lichtarme Verhältnisse im Schatten angepasst. Auch Gräser streben zum Licht, bilden weniger Ausläufer und stecken ihre Energie in das Längenwachstum der Halme. Die hohe Feuchtigkeit in Luft und Boden, welche in schattigen Gartenecken begünstigt wird, erhöht die Anfälligkeit der Gräser für Pilzkrankheiten.

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Weitere Einflussfaktoren:

  • Konkurrenz durch Gehölze
  • eingeschränkte Versorgung mit Wasser und Nährstoffen
  • Laubfall verhindert Luftzirkulation

Wo Schatten anfängt

Der Lichtkompensationspunkt gibt an, bei welcher Lichtmenge die Photosynthese ideal abläuft. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen liegt dieser für Rasengräser zwischen 1.000 und 2.000 Lux. Zur Orientierung: in Würzburg wurde zur Mittagszeit an einem vollsonnigen Februartag eine Stärke von 11.000 Lux gemessen. Nach der flächigen Ausbreitung eines Schattiergewebes hat sich die Lichtmenge um 70 Prozent auf 3.500 Lux gesenkt, was für einen gesunden Stoffwechsel noch immer ausreicht.

Welche Grasarten eignen sich für den Schatten?

Der entscheidende Faktor für das Graswachstums ist die verfügbare Menge an Sonnenlicht. Damit die Arten gedeihen und gesund wachsen, sollte die Fläche nicht vollständig im Schatten liegen. Auch wenn der Schattenrasen für lichtarme Standorte gedacht ist, können sich die Arten oftmals nicht im Vollschatten entwickeln. In diesen extremen Lebensräumen sollten Sie über alternative Pflanzenarten wie Efeu oder Moos nachdenken. Die folgenden Gräser eignen sich für schattige Bereiche:

Schattenrasen: Mögliche Grasarten für den Schatten
 lateinischer NameAnsprücheBesonderheiten
Gewöhnliches RispengrasPoa trivialisfeuchter und nährstoffreicher Bodensehr schnittverträglich, schließt Lücken schnell
RotschwingelFestuca rubrageringe Ansprüche an Boden, Nährstoffe und Lichtverdrängt Unkräuter, sorgt für vitale Grasnarbe
Deutsches WeidelgrasLolium perennenormaler Gartenboden mit guter Nährstoff- und Wasserversorgungsehr schnelle Keimung
LägerrispePoa supinalockerer, frischer und nährstoffreicher Bodenunerreicht hohe Schattenverträglichkeit
WiesenrispePoa pratensishoher Nährstoffbedarfbildet durch Ausläufer dichte und strapazierfähige Grasnarbe

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

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Wie bei allem gibt es auch bei Rasensamen große Qualitätsunterschiede

Damit der Schattenrasen gut gedeiht und keine Mangelerscheinungen zeigt, sollten Sie auf Qualität achten. Wählen Sie geprüfte Rasenmischungen, welche an die besonderen Bedingungen angepasst sind. Damit ein Rasen in schattigen Lagen gedeiht, sollten die Gräser schattentolerant oder -resistent sein. Produkte mit 100 Prozent natürlichen Inhaltsstoffen verhindern unnötige Belastungen für Haus- und Wildtiere.

Exkurs

Was hinter der Bezeichnung RSM steckt

Die Abkürzung steht für Regel-Saatgut-Mischung und bezeichnet insgesamt acht verschiedene Mischungen, die jeweils in Unterkategorien eingeteilt sind. Gräsermischungen, die geprüft wurden und offiziell für schattige Lagen geeignet sind, tragen die Bezeichnung RSM 8.1.4. Solche Rasenmischungen folgen gewissen Standards, denn sie wurden nach den Vorgaben der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau (kurz: FLL) produziert.

Diese Kriterien werden bewertet:

  • Vermögen zur Narbenbildung und Narbendichte
  • Konkurrenzstärke im Vergleich zu anderen Grasarten
  • Widerstandskraft gegen Krankheiten und Trockenheit
  • Vermögen zur Regeneration und Zuwachsrate

Firmen und Produkte

Verschiedene Gartenmagazine haben die unterschiedlichen Mischungen für Schattenrasen im Test miteinander verglichen. Immer wieder kristallisiert sich ein Testsieger heraus, der in verschiedenen Kategorien überzeugen kann. Doch wer einen größeren Fokus auf den Preis legt, der bekommt beispielsweise mit dem Gardenline Schattenrasen von Aldi ein hochwertiges Produkt mit guten Keimergebnissen. Das sind die gängigsten Produkte auf dem Markt:

 ProduktMengeVorteileNachteileerhältlich bei
WolfPremium-Rasen “Schatten und Sonne”2 kgRSM Qualitäthoher WasserbedarfObi
CompoSaat (R) Schatten-Rasen2 kgnatürliche Wachstumsstimulatorenviele negative Erfahrungen hinsichtlich KeimfähigkeitDehner
KiepenkerlSchatten-Rasen10 kgSchattenrasen auch für die Sonne geeignetkeine PrüfsiegelHornbach
GreenfieldSchattenrasen0,5 kggeringer Pflegeaufwandenthält ZusatzstoffeHornbach

Als Testsieger und somit bester Schattenrasen erweist sich der Wolf Schattenrasen. Die Mischung zeichnet sich durch eine gute Schatten- und Sonnentoleranz aus und unterdrückt Unkräuter effektiv. Die Grasnarbe ist sehr widerstandsfähig. Als einziger Nachteil stellt sich die fehlende Trockenheitsresistenz der Gräser heraus.

Tipps

Schattenverträgliche Gräser gibt es auch als Rollrasen. Bei dieser Variante profitieren Sie von einer schnellen Anwachszeit, sodass der Rasen nach kurzer Zeit betreten werden kann.

So legen Sie einen Schattenrasen an

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Schattenrasen kann von Frühling bis Herbst ausgesät werden

Bereiche, in denen nicht viel Licht hinfällt, benötigen etwas mehr Gestaltungsspielraum. Es gibt verschiedene Stauden und Farne, die an lichtarmen Standorten wachsen. Wenn Sie auf solchen Flächen einen Schattenrasen anlegen möchten, müssen Sie einige Aspekte beachten. Eine gute Vorbereitung des Bodens ist von großer Bedeutung, bevor Sie den Schattenrasen säen.

Die Lägerrispe hat von allen Gräsern, welche auf lichtarmen Standorten wachsen, die höchste Schattenverträglichkeit. Auch bei einer Lichtreduzierung von 50 bis 75 Prozent liegt ihr Deckungsgrad nach drei Jahren bei 80 Prozent.

Zeitpunkt und Vorbereitungen

Von April bis Oktober können Sie die Rasensamen im Garten ausbringen, wobei das Frühjahr ideal ist. Während dieser Jahreszeit haben Gehölze wenig Laub, sodass genügend Licht auf den Boden fällt. In den heißen Sommermonaten sollten Sie die Rasensamen nicht ins Beet streuen, da eine hohe Austrocknungsgefahr besteht. Sobald sich die heißen Temperaturen im Herbst gelegt haben, können Sie ebenfalls mit der Neuanlage eines Schattenrasens beginnen. Damit die Samen ideal keimen, sollte die Temperatur auch nachts nicht unter zwölf Grad fallen.

So bereiten Sie den Boden vor:

  1. Flach durchhacken und gründlich auflockern
  2. Unkräuter, Wurzelreste und Steine entfernen
  3. Organischen Langzeitdünger in das Substrat einarbeiten
  4. Karge Böden mit torffreier Rasenerde verbessern
  5. Fünf Zentimeter dicke Humusschicht auftragen
  6. Substrat einebnen und mit einer Rasenwalze verdichten

Saat ausbringen

Idealerweise bringen Sie die Grassamen mit einem Streuwagen aus. Arbeiten Sie die Fläche zuerst in Längs- und anschließend in Querbahnen ab. Pro Quadratmeter wird eine Menge von 25 Gramm Saatgut ausgestreut. Bedecken Sie die Fläche anschließend dünn mit Gartenerde und drücken Sie das Substrat vorsichtig mit einem Brett an. Wässern Sie die frisch gesäte Rasenfläche in den ersten Wochen täglich und vermeiden Sie Trockenheit.

Tipps

Durch Lichtmangel ist die Regenerationsfähigkeit von Schattenrasen grundsätzlich niedriger als bei Nutzrasen unter besseren Lichtbedingungen. Warten Sie daher mit der Trittbelastung, bis sich eine durchgängige Grasnarbe entwickelt hat.

Schattenrasen pflegen

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Schattenrasen sollte nicht zu oft gemäht werden

Obwohl sich Schattenrasen als wenig aufwändig in der Pflege erweisen, sollten Sie der Fläche genügend Aufmerksamkeit schenken. Es gilt einige Aspekte zu beachten, da es unter diesen besonderen Wachstumsbedingungen schnell zu einer Artenverschiebung kommen kann.

Grundsätzliche Pflegetipps:

  • jährliches Vertikutieren zwischen April und Mai bekämpft Moos und Unkraut
  • jedes Jahr etwas Kalk ausbringen, um Mooswachstum zu unterbinden
  • Laub im Herbst entfernen, um Luftzirkulation zu gewährleisten

Düngen

Die Nährstoffversorgung mit einem Rasenlangzeitdünger sollte möglichst frühzeitig im Jahr stattfinden, noch bevor die Blätter der Gehölze austreiben und die Fläche beschatten. Zeitlich können Sie sich an der Forsythienblüte orientieren. Gedüngt wird maximal vier Mal pro Jahr im März, Mai, Juli und September. Im Herbst können Sie auf einen kalibetonten Dünger zurückgreifen, der die Winterhärte der Gräser verbessert.

Bewässern

Beschattete Flächen halten Tau- und Regenwasser länger als besonnte Bereiche. Daher sollten die den Schattenrasen nur bewässern, wenn das Substrat austrocknet. In den Sommermonaten sollten Sie die Bodenfeuchte regelmäßig überprüfen, da es an heißen Tagen auch unter Gehölzen schnell trocknen kann. Das richtige Maß ist von großer Bedeutung, da die Kombination aus Lichtmangel und hoher Feuchtigkeit eine unerwünschte Begleitflora oder Krankheiten begünstigen kann.

So gießen Sie richtig:

  • im Sommer ein- bis zwei Mal wöchentlich
  • durchdringend und wurzeltief bewässern
  • ideal sind zehn bis 15 Liter Wasser pro Quadratmeter

Mähen

Die Rasenfläche wird regelmäßig aber nicht zu häufig gemäht. Ideal ist ein Abstand von drei bis vier Wochen zwischen den Mahdterminen, bei welchen Sie etwa ein Drittel der Blattmasse schneiden. Sie sollten eine Schnitthöhe von sechs bis acht Zentimeter nicht unterschreiten. Die Gräser profitieren von einer größeren Photosynthesefläche, wodurch sie sich besser gegen Unkräuter und Moos behaupten können. Entfernen Sie das anfallende Schnittgut direkt von der Fläche, damit diese atmen kann.

Nachsaat

Wenn sich trotz guter Pflege Algen und Moos im Rasen niederlassen, können Sie die Fläche im kommenden Frühjahr ab Mai vertikutieren. Auf diese Weise kämmen Sie den Moosbewuchs aus der Grasnarbe. Da bei dieser Methode oft Lücken im Rasen entstehen, sollten Sie direkt schnellkeimende Schattenrasensamen nachsäen.

Häufig gestellte Fragen

Was muss ich beachten, damit Schattenrasen richtig gedeiht?

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Jeder Rasensamen braucht Licht zum Keimen

Auch schattentolerante Grasarten benötigen ein gewissen Maß an Licht, um zu keimen. Bekommen die Samen zu keiner Tageszeit Sonnenlicht ab, wird sich im Laufe der Zeit eine Moosschicht entwickeln. Dadurch haben die Grassamen noch weniger Chancen auf eine Keimung. In der Nähe von Nadelbäumen haben Schattengräser ebenfalls eingeschränkte Wachstumsmöglichkeiten. Die flachwurzelnden Gehölze konkurrieren mit den Gräsern um Wasser und Nährstoffe in den obere Bodenschichten.

Welche Schattenrasenmischungen sind günstig und gut?

Bei Discountern wie Aldi oder Toom gibt es saisonale Angebote zu Rasenmischungen für schattige Bereiche meist im Frühjahr. Trotz des günstigen Preises sollten Sie auf die Artenzusammensetzung und deren Qualität achten. Nicht alle Mischungen sind gleichermaßen gut für schattige Bereiche geeignet. Positive Rezensionen bezüglich des Keimerfolges hat die Schattenrasenmischung von Grandiol, die gelegentlich bei Lidl angeboten wird.

Günstige Mischungen mit guten Erfahrungen:

  • Lord: 10 kg Schattenrasenmischung für ca. 50 Euro
  • Pegasus: 1 kg Rasenmischung Schattenrasen für rund 10 Euro
  • Kas: 10 kg Saatgutmischung Schattenrasen für knapp 40 Euro

Wie wächst Schattenrasen in der Sonne und im Schatten?

Es gibt Gräser, die mit dunkleren Standorten deutlich besser zurecht kommen. Dazu zählt die Lägerrispe, die allerdings in Mischungen für Schattenrasen nur in geringem Teil enthalten ist. Im lichten Schatten gedeihen Schattenrasenmischungen sehr gut. Allerdings sind diese Flächen weniger belastbar als eine Rasenfläche in der Sonne. Im Vollschatten lässt die Vitalität der Gräser zunehmend nach und Moose setzen sich durch. Auch in der Pflege gibt es Unterschiede. Schattenrasen sollten nicht tiefer als zwei bis drei Zentimeter geschnitten werden, damit die Gräser noch ausreichen Photosynthesefläche zur Verfügung haben.

Was muss ich vor der Neuanlage eines Schattenrasens beachten?

Wichtig ist, dass die Luftzirkulation in den Bodenporen optimal stattfinden kann. Das Substrat sollte nicht zu stark verdichtet sein. Lockern Sie die Fläche gründlich auf und entfernen Sie grobe Bestandteile, die das Wurzelwachstum der Gräser negativ beeinflussen. Durch die Zugabe von Sand können Sie schwere Böden auflockern, sodass sich keine Staunässe bildet. Eine ausgewogene Wasser- und Nährstoffversorgung sorgt für ein gesundes Graswachstum. Zu sauer sollte das Substrat nicht sein. Messen Sie mit einem pH-Meter, ob der Wert im neutralen Bereich zwischen 6,0 und 7,0 liegt.

Unter welchen Bedingungen keimen Schattengräser optimal?

Achten Sie bei der Aussaat auf eine Witterung, die das Wachstum positiv beeinflusst. Bei zu kaltem oder heißem Wetter keimt das Saatgut nicht, oder die Keimlinge sterben schnell ab. Ideal sind Bodentemperaturen zwischen acht und zehn Grad, die über einen längeren Zeitraum anhalten. Trockenheit ist ein starker Stressfaktor während der ersten zwei Wochen nach der Keimung. Das Substrat sollte während der Wurzelbildungsphase feucht aber nicht nass sein. Um das Wurzelwachstum zu unterstützen, eignet sich ein phosphorbetonter Startdünger.

Ist die Pflege eines Schattenrasens einfach?

Ein gut etablierter Rasen im Schatten erweist sich als vergleichsweise pflegeleicht. Wichtig sind eine ausgewogene Nährstoffversorgung sowie die richtige Bewässerung. Da Gräser im Schatten nicht tiefschnittverträglich sind, sollten bestimmte Schnitthöhen bei der Mahd nicht unterschritten werden.

Für reguläre Mischungen empfiehlt sich eine Schnitttiefe von sechs Zentimeter. Schattenrasen mit Poa supina können bis auf drei Zentimeter gekürzt werden. Unter lichtarmen Bedingungen kann der Deckungsgrad der Gräser unter 80 Prozent fallen, wenn die Pflege nicht stimmt. Lichte Stellen sollten im Frühjahr nachgesät werden, damit die Rasenfläche optisch ansprechend bleibt.

Text: Christine Riel

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