Perückenstrauch vorbildlich schneiden – Tutorial für Anfänger

Der Perückenstrauch kombiniert einzigartige Pompon-Früchte und furiose Herbstfärbung mit einem raumgreifenden Wachstum. Diese Eigenschaften werfen Fragen auf zum richtigen Schnitt. Dieses Tutorial beleuchtet alle Optionen rund um die fachkundige Schnittpflege des Cotinus coggygria. So schneiden Sie einen Perückenstrauch richtig.

Perückenstrauch Rückschnitt
Ein regelmäßiger Rückschnitt trägt zu einem gesunden, gleichmäßigen Wachstum bei

Anlässe und Termine für einen Schnitt im Überblick

Der Perückenstrauch zählt zum illustren Kreis von Ziergehölzen, die auf einen Aufbauschnitt getrost verzichten können. Ein alljährlicher Form- und Auslichtungsschnitt ist ebenfalls nicht zwingend Teil des Pflegeprogramms. Gleichwohl gibt es verschiedene Anlässe, die den Griff zu Schere und Säge sinnvoll machen. Die folgende Tabelle nennt Ihnen alle Optionen für einen Schnitt am Perückenbaum:

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SchnittartZielZeitraum/AnlassTermin
Aufbauschnittkontrolliertes Wachstum, Regulierung der Ausbreitungab dem 2. Standjahrim Frühjahr vor dem Austrieb
AuslichtungsschnittErhaltung von Vitalität, Blüten- und Fruchtschmuckjedes Jahr oder alle 2 bis 3 Jahreim Spätwinter bis 1. März
FormschnittFörderung junger, intensiv gefärbter Blätterab dem 2. Standjahr oder ab Erreichen der Wunschhöhevor dem Austrieb
Verjüngungsschnittvergreisten Strauch neu aufbauenbei Vergreisung infolge versäumter Schnittpflegeim Spätwinter bis zum 1. März
RückschnittAusgleich verloren gegangenen Wurzelvolumensnach dem Umpflanzenunmittelbar nach dem Standortwechsel

Für Hausgärtner mit einem Faible für selbst gebundene Trockensträuße und einem Händchen für fantasievolle Gesteckkreationen gibt es eine weitere Schnitt-Option. Wenn die Zweige im Herbst mit ihren flauschigen Perücken prahlen, können die schönsten Triebe ohne Bedenken geschnitten werden.

Anleitung für einen Aufbauschnitt

Als Solitär zeigt ein Perückenstrauch sich von seiner schönsten Seite und benötigt keinen Aufbauschnitt. Im kleinen Garten oder vergesellschaftet mit anderen Ziergehölzen zur dekorativen Gruppe, rückt die Schnittart in den Fokus. Im Rahmen einer durchdachten Erziehung stellen Sie die Weichen für ein kontrolliertes Wachstum mit einer begrenzten Anzahl an Gerüsttrieben. Diese Schnittmaßnahme dämpft zugleich den Ausbreitungsdrang an Anfang an, weil sich kaum niederliegende Ausläufer bilden können. So gelingt ein mustergültiger Aufbauschnitt:

  • Im Frühjahr des 2. Standjahres die 5 bis 7 kräftigen Bodentriebe für die Gerüstbildung auswählen
  • Überzählige und schwache Bodentriebe an der Basis kappen
  • Gerüsttriebe nicht einkürzen zwecks Erhaltung der Blüten- und Fruchtstände

Kommen sich die ausgewählten Gerüsttriebe mit zahlreichen Seitenzweigen gegenseitig ins Gehege, schneiden Sie bitte nicht die Triebspitzen ab. Vielmehr entfernen Sie die schwächsten und ungünstig stehenden Seitentriebe. Mit diesem Schnitt verschlanken Sie den Perückenstrauch, ohne die natürliche Form zu beeinträchtigen.

Anleitung für den Auslichtungsschnitt

Die häufigste Schnittart am Perückenstrauch konzentriert sich auf die Entfernung abgestorbener oder ungünstig stehender Triebe. Ziel ist ein luftiges, lockeres Wachstum von Bodentrieben und deren Verzweigungen. Kann sich ein Perückenstrauch am Standort frei entfalten, ist ein Auslichtungsschnitt in der Regel in Intervallen von 2 bis 3 Jahren empfehlenswert. So gehen Sie sachkundig vor:

  • Totholz auslichten
  • Bogig überhängende Spitzen ableiten auf junge, senkrecht stehende Triebe
  • Ins Strauchinnere gerichtete und überkreuz wachsende Triebe zurückschneiden oder entfernen
  • Niederliegende, im Boden wurzelnde Zweige am Ansatz abschneiden

Der Schlüssel zum Erfolg in der Schnittpflege ist eine gezielte Verschlankung des Perückenstrauchs, ohne die einjährigen Triebe mit der Schere zu behelligen. Das wertvolle junge Holz des Vorjahres identifizieren Sie an einem unverzweigten, aufrechten Wachstum. Untenstehende Abbildung verdeutlicht die richtige Vorgehensweise.

Perückenstrauch Auslichtungsschnitt

Abgestorbene und nach innen gerichtete Triebe werden ausgelichtet. Überhängende und stark verzweigte Äste werden abgeleitet und verschlankt. Einjährige Zweige tragen die schönsten Fruchtstände und bleiben vom Auslichtungsschnitt verschont.

Formschnitt fördert leuchtenden Blattschmuck

Einige der schönsten Sorten des Perückenstrauchs erstrahlen mit intensiv gefärbten Schmuckblättern. Die Premium-Sorte ‘Royal Purple’ begeistert mit schwarz-roten Blättern. Prächtig setzt sich ‘Golden Spirit’ mit gelb-goldenem Laubkleid in Szene. Je jünger die Blätter, desto intensiver die Färbung. Ein kräftiger Rückschnitt im Frühjahr erreicht, dass Triebe den ganzen Sommer hindurch nachwachsen und unablässig neue, farbintensive Blätter sprießen lassen.

Wahlweise beginnen Sie mit dem Schnitt bereits ab dem zweiten Standjahr oder Sie warten ab, bis der Perückenstrauch die gewünschte Höhe erreicht hat. So fördert ein Schnitt die Leuchtkraft der Blätter:

  • Im späten Frühjahr alle Triebe zurückschneiden auf 30 bis 100 cm
  • Die Astschere 3-5 mm oberhalb einer nach außen gerichteten Blattknospe ansetzen
  • Zusätzlich ab dem 5. Standjahr die 2 bis 3 ältesten Gerüst- oder Bodentriebe komplett abschneiden
  • Wahlweise nach dem Johannistag (24. Juni) den diesjährigen Zuwachs zurückschneiden

Indem Sie Ende Juni/Anfang Juli nochmals zur Schere greifen, nutzen Sie den zweiten Blattaustrieb für einen farbenfrohen Jahresausklang Ihres Perückenstrauchs. Unter der Voraussetzung geeigneter Witterungsbedingungen treibt das Ziergehölz im Spätsommer nochmals munter aus mit farbfrischen, jungen Schmuckblättern. Vor dem Laubabwurf mündet das Farbenfestival in warmen, herbstlichen Farbtönen.

Der Nachteil dieser Schnittpflege liegt im Verzicht auf die herbstlichen Fruchtstände. Seine Blütenknospen hat ein Perückenstrauch bereits im Vorjahr angelegt. Mit jedem Schnitt der einjährigen Triebe werden die Blütenanlagen für die diesjährige Saison ersatzlos vernichtet.

Exkurs

Vitalitätstest

Ein Perückenstrauch legt sein Blätter und Blütenkleid häufig erst Mitte Mai bis Anfang Juni an. Dieses Wuchsverhalten verleitet den Hausgärtner dazu, einen Trieb als Totholz zu entfernen, obschon er noch voller Leben ist. Mit einem Vitalitätstest gehen Sie diesem Trugschluss aus dem Weg. Am fraglichen Ast kratzen Sie ein wenig von der Rinde ab. Tritt helles bis grünes Gewebe hervor, ist der Trieb kein Fall für Schere oder Säge. Legen Sie indes braun verfärbtes, trockenes Gewebe frei, handelt es sich tatsächlich um Totholz.

Perückenstrauch verjüngen – so gelingt es

Ohne einen Auslichtungsschnitt altert ein Perückenstrauch schneller. Es entstehen kaum noch junge Bodentriebe, die alte Gerüsttriebe ablösen können. Im dichten Geflecht beschatten sich die Zweige gegenseitig, sodass die erlahmende Fotosynthese die Triebe verkahlen lässt. Blütenfülle und Fruchtschmuck lassen zusehends nach. Mit einem beherzten Verjüngungsschnitt stellen Sie das gepflegte Erscheinungsbild wieder her und revitalisieren den Strauch insgesamt. So gehen Sie Schritt für Schritt richtig vor:

  • Alle abgestorbenen Bodentriebe am Ansatz absägen
  • Vergreiste Gerüsttriebe mit überhängenden Besen ableiten auf einen unten stehenden, jungen Seitentrieb
  • Unter jungen Bodentrieben die gewünschte Anzahl an neuen Gerüsttrieben auswählen
  • Überzählige, schwache Bodentriebe entfernen

Untenstehende Abbildung demonstriert, wie Sie einen alten Perückenstrauch fachgerecht verjüngen. Abgesehen von der Vorgehensweise, ist die Terminwahl von besonderer Bedeutung. Gemäß Bundesnaturschutzgesetz sind radikale Schnittmaßnahmen an Gehölzen erlaubt zwischen dem 1. Oktober und 1. März. Diese Ausnahme gilt nur dann, wenn im Vorfeld sichergestellt wird, dass sich keine wild lebenden Tiere im Gehölz aufhalten.

Perückenstrauch Verjüngungsschnitt

Beim Verjüngungsschnitt am Perückenstrauch werden Bodentriebe nur dann entfernt, wenn sie tatsächlich abgestorben sind. Vergreiste Gerüsttriebe sollten abgeleitet werden auf eine junge Seitenverzweigung im unteren Bereich.

Standortwechsel erfordert gezielten Rückschnitt

Der Perückenstrauch gedeiht als Herzwurzler mit einem Wurzelsystem, das in die Tiefe und die Breite geht. Im Vergleich zu Flachwurzlern, wie Forsythien oder Pfeifensträucher, fällt es dem Perückenbaum schwer, nach einem Standortwechsel erneut zu verwurzeln. Innerhalb der ersten fünf Standjahre bestehen noch recht gute Aussichten, das Ziergehölz erfolgreich umzupflanzen. Die Gefahr eines Ausfalls wird deutlich reduziert, wenn ein Rückschnitt das verloren gegangene Wurzelvolumen ausgleicht. So gehen Umpflanzen und Schneiden Hand in Hand:

  • Perückenstrauch mit möglichst viel Wurzelvolumen ausgraben und am neuen Standort einpflanzen
  • Alle Triebe um ein Drittel bis die Hälfte zurückschneiden
  • Jeden Schnitt ansetzen in kurzer Distanz zu einer Knospe oder einem schlafenden Auge

Bestimmen Sie den Umfang des Rückschnitts so, dass am Ende die Balance zwischen unterirdischem und oberirdischem Wachstum wiederhergestellt ist.

Häufig gestellte Fragen

Ist der Perückenstrauch giftig?

Botaniker ordnen den Perückenstrauch der Familie der Sumanachgewächse (Anacardiaceae) zu. Daher ist das Ziergehölz entfernt verwandt mit garstigen Pflanzen, wie dem gefürchteten Giftefeu. Es ist daher zu befürchten, dass der Pflanzensaft eines Perückenstrauchs nicht vollkommen unbedenklich ist. Empfindliche Menschen mit einer ausgeprägten Anfälligkeit für Allergien sollten vorsichtshalber bei der Schnittpflege Handschuhe tragen.

Wie winterhart ist ein Perückenstrauch wirklich?

Kompetente Baumschulen bieten den Perückenbaum an für alle Gärten ab der Winterhärtezone 6 a. Diese Kategorisierung impliziert eine Frostbeständigkeit bis – 23,3 Grad Celsius. Dieser Wert darf indes lediglich als Richtwert angesehen werden. Frisch gepflanzte Jungsträucher benötigen in den ersten beiden Standjahren einen leichten Winterschutz. Im Kübel kommt ein Perückenstrauch ohne eine lichtdurchlässige Haube und einen wärmenden Wintermantel aus Vlies nicht unbeschadet durch die kalte Jahreszeit.

Mein Perückenstrauch blüht nicht und trägt auch keine Perücken – woran liegt das?

Häufigste Ursache für den Ausfall der sommerlichen Blüte und herbstlichen Perückenfrüchte ist ein falsch gewählter Schnittzeitpunkt. Ein Perückenstrauch legt die Knospen für die nächste Blütezeit bereits im Vorjahr an. Erfolgt im Frühjahr ein Rückschnitt, fallen ihm die meisten Blütenknospen zum Opfer. Beschränken Sie die Schnittpflege auf einen Auslichtungsschnitt im Spätwinter. Schneiden Sie die einjährigen Triebe nicht zurück. Zu lange, bogig überhängende Äste leiten Sie ab auf einen jungen Seitenzweig.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Die gutmütige Schnittverträglichkeit eines Perückenstrauchs kann ein enttäuschendes Ergebnis nicht verhindern, wenn dem Gärtner einer der folgenden Fehler unterläuft. Diese Tabelle nennt Ihnen die 3 häufigsten Missgeschicke in der Schnittpflege und gibt praktische Tipps für die Regulierung oder Vorbeugung.

SchnittfehlerErgebnisKorrektur/Vorbeugung
nie ausgelichtetVergreisung, immer weniger Blüten und PerückenVerjüngungsschnitt, anschließend alle 1 bis 3 Jahre einen Auslichtungsschnitt
auf den Stock gesetztkein oder kümmerlicher NeuaustriebTotholz auslichten, vergreiste Äste ableiten auf einen jungen Seitentrieb
im Herbst geschnittenFrostschäden infolge späten Austriebsim Frühjahr schneiden, kurz vor dem Austrieb

Die gut Winterhärte von Perückensträuchern läuft ins Leere, wenn Ihnen einer der häufigsten Fehler unterläuft und Sie den Schnitt im Herbst durchführen. Die Wachstumsgesetze bewirken in diesem Fall einen frischen, weichen Austrieb an den Triebspitzen. Bis zum Wintereinbruch ist die Zeit zu knapp, dass die Zweigspitzen ausreifen und verholzen. Die Folge sind irreparable Frostschäden.

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Tipps

Im Laufe der Jahre legen sich am Perückenstrauch die äußeren Zweige schleppenartig auf den Boden und verwurzeln zügig. Diese Absenker eignen sich perfekt für die unkomplizierte Vermehrung. Schneiden Sie einen gesunden, kräftigen Trieb nicht ab, sondern warten ab, bis er ein eigenes Wurzelsystem entwickelt hat. Erst dann erfolgt die Trennung von Mutterpflanze und Ableger. Graben Sie den Nachwuchs mitsamt Wurzeln aus und pflanzen ihn an einen neuen Standort.

Text: Paula Jansen

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