Oleander Rückschnitt
Beim Schneiden von Oleander sollten unbedingt Handschuhe getragen werden

So schneiden Sie Oleander richtig – Schnitt-Tutorial für Hausgärtner

Nördlich der Alpen gedeiht ein frostempfindlicher Oleander als Kübelpflanze, um Balkon und Terrasse in ein malerisches Blütenmeer zu verwandeln. Die Kombination aus reichlich Sonne, Wasser und Nährstoffen alleine garantiert nicht für eine lang anhaltende Blütezeit und ein dichtes Laubkleid. Das mediterrane Blütenmärchen steht überdies in engem Zusammenhang mit der richtigen Schnittpflege. Wann und wie Sie Nerium oleander richtig schneiden, erklärt dieses Tutorial praxisbezogen und nachvollziehbar.

Von diesen Schnittarten profitiert Oleander

Oleander nimmt seinem Gärtner keinerlei Schnittmaßnahmen übel. Im Gegenteil reagiert das mediterrane Ziergehölz positiv auf eine fachkundige Schnittpflege. Der Schlüssel zum Erfolg ist die richtige Kombination aus Schnittart und Zeitpunkt. Die folgende Tabelle führt die erfolgversprechendsten Schnittarten mit Terminen auf:

Schnittart Ziel Termin-Option I Termin-Option II
Pflanzschnitt dichte Verzweigung an der Strauchbasis erste Etappe nach der Pflanzung zweite Etappe ein Jahr später im März/April
Aufbauschnitt stabiles Grundgerüst aufbauen vor dem Einräumen im dritten und vierten Standjahr im März/April des dritten und vierten Standjahres
Form- und Erhaltungsschnitt gleichmäßiges Wachstum, üppige Blüte, dichtes Blattkleid im Herbst vor dem Einräumen im März oder kurz vor dem Ausräumen
Pflegeschnitt Blütezeit verlängern, Form bewahren bei Bedarf während der Wachstumsperiode keine
Verjüngungsschnitt überalterten, verkahlten Oleander revitalisieren im Frühjahr bei Austriebsbeginn keine
Erziehungsschnitt Hochstämmchen Aufbau einer Jungpflanze zum Hochstämmchen nach der Pflanzung vor dem Einräumen

Etappenweiser Pflanzschnitt kurbelt dichte Verzweigung an

Lassen Sie sich von preisgünstigen, buschigen Oleanderpflanzen vom Discounter nicht zum Kauf verleiten. Diese entstammen einer lieblosen Massenproduktion. Hierbei werden zehn und mehr Stecklinge in einen kleinen Topf zusammen gepfercht, um ein dichtbuschiges Wachstum zu simulieren. Das Ende vom Lied sind unübersichtliche, überwiegend krautige Pflanzen, an denen sich Schnittmaßnahmen schwierig bis unmöglich gestalten.

Die wertvollsten Oleander sind aus einem Steckling gezogen und besitzen erste, kurze Seitentriebe. Ein beherzter Pflanzschnitt zielt ab auf die Bildung etlicher Neutriebe an der Pflanzenbasis, die sich zu einem stabilen Triebgerüst formieren. Wie untenstehende Abbildungen illustrieren, verläuft der perfekte Pflanzschnitt in zwei Etappen:

  • Nach der Pflanzung den Mitteltrieb über der dritten Blattrosette von unten abschneiden
  • In den folgenden 12 Monaten ein ungehindertes Wachstum zulassen
  • Ein Jahr später im März/April die Zweige in der oberen Pflanzenhälfte über der dritten Blattrosette einkürzen
  • Die Triebe in der unteren Pflanzenhälfte über der vierten Blattrosette abschneiden

Der Pflanzschnitt war ein voller Erfolg, wenn ein Oleander mit Beginn des dritten Standjahres eine gut verholzte und reich verzweigte Basis entwickelt hat. Parallel zum Wachstum in die Höhe und Breite, verkahlt der Strauch zukünftig nicht von unten her, weil aus dem Wurzelstock immer wieder neue Triebe sprießen.

Hintergrund

Pflanzschnitt knüpft an Gesetz der Spitzenförderung an

Die präzise Vorhersage über die Reaktion auf den Pflanzschnitt basiert auf einem der drei Wachstumsgesetze, die jedem Hausgärtner geläufig sein sollten. Das Gesetz der Spitzenförderung beruht auf der Tatsache, dass an jeder Pflanze die Knospe mit der höchsten Position am stärksten austreibt. Weil sich der Vegetationspunkt am nächsten zum Licht befindet, ist der Saftdruck an dieser Stelle überproportional stärker, als an allen anderen Knoten. Wird die Spitzenknospe im Rahmen des Pflanzschnitts entfernt, verteilen sich die Wuchskräfte auf tiefer liegende Knospen. Das Resultat ist eine dauerhafte Stärkung des Wachstums an der Pflanzenbasis.

Oleander profitiert von stabilem Grundgerüst – Tipps für den Aufbauschnitt

Ein fachgerechter Pflanzschnitt resultiert zugleich im Wachstum frischer Bodentriebe aus dem Wurzelballen. Indem Sie diesen Prozess klug nutzen für den weiteren Aufbau, dirigieren Sie den jungen Oleander in die perfekte Strauchform. Wählen Sie daher als Ergänzung zum Mitteltrieb die sieben bis zehn vielversprechendsten Bodentriebe als Gerüst. Alle anderen Triebe aus dem Wurzelballen kürzen Sie ebenerdig ein.

Anleitung für den Form- und Erhaltungsschnitt

Für einen Oleander nördlich der Alpen beginnt die Zeit der Überwinterung Mitte bis Ende November. In Verbindung mit dem Einräumen steht ein Rückschnitt auf dem Pflegeprogramm, wenn im Winterquartier Platzmangel herrscht. Der bessere Schnittzeitpunkt ist im Frühjahr, kurz vor Beginn des neuen Wachstums. Sofern Sie nicht über Platzprobleme für die Überwinterung zu klagen haben, unterziehen Sie Ihren Oleander erst später dem Form- und Erhaltungsschnitt. Mit dieser Schnittführung machen Sie es richtig:

  • Verwelkte Blüten ausputzen
  • Abgestorbene, überkreuz wachsende oder nach innen wachsende Zweige herausschneiden
  • Zu lange Äste zurückschneiden bis kurz oberhalb der nächsten Knospe oder einer gesunden Blattrosette
  • Bogig überhängende Triebe ableiten auf einen jungen Seitenzweig
  • Bodennahe, über den Kübelrand hängende Zweige entfernen
  • Ab dem sechsten Jahr 2 bis 3 der ältesten Bodentriebe am Ansatz abschneiden

Bitte beachten Sie bei der Schnittführung, dass ein Oleander im Frühsommer an den Knospen erblüht, die er im Vorjahr angelegt hat. Seine Blütenpracht im Hochsommer entsteht aus den Knospen an diesjährigen Trieben. Ein moderates Vorgehen bei der Schnittführung sollte die überwinterten Knospen verschonen. Ein Bodentrieb bleibt 5 bis 8 Jahre lang vital und blühfreudig. Die kontinuierliche Verjüngung durch Auslichtung der jeweils ältesten Bodentriebe nimmt daher frühestens im sechsten Standjahr ihren Anfang.

Exkurs

Bodentriebe für die Vermehrung nutzen

Schneiden Sie beim alljährlichen Auslichtungsschnitt nicht alle Triebe in Bodennähe ab. Es handelt sich um natürliche Absenker, mit deren Hilfe sich Oleander in seinen Heimatregionen vermehrt. Sie nutzen einen Bodentrieb für die Nachzucht, indem Sie einen mit Anzuchterde gefüllten Topf neben den Oleander-Kübel stellen. Legen Sie den Trieb auf das Substrat und ritzen die Rinde an der Kontaktstelle leicht an. Beschweren Sie den Absenker mit einem Stein zur Verbesserung des Bodenkontaktes. Die Mutterpflanze versorgt den Trieb weiterhin mit Nährstoffen, während er sein eigenes Wurzelsystem entwickelt. Die Trennung beider Pflanzen erfolgt, wenn der Nachkömmling seinen Anzuchttopf weitgehend durchwurzelt hat.

Sommerlicher Pflegeschnitt fördert lange Blütezeit

Schneiden Sie im Verlauf der Sommerzeit verwelkte Blüten kontinuierlich ab. Vollständig abgeblühte Triebe kürzen Sie um ein Drittel ein. Setzen Sie die Schere gezielt in kurzer Distanz zu einer Knospe oder einem Blattquirl an. Mit einem Pflegeschnitt tragen Sie maßgeblich zu einer nicht enden wollenden Blütezeit bei. Regelmäßiges Ausputzen und moderates Zurückschneiden hindert den Oleander am kräftezehrenden Prozess der Samen- und Früchtebildung. Stattdessen konzentriert sich die Pflanze darauf, bis zum Herbst neue Knospen und Blüten hervorzubringen.

Verjüngungskur mit der Gartenschere – so gelingt es

Alte, selten geschnittene Oleander sind häufig verkahlt. Blätter tragen die Gehölze lediglich an den Zweigenden, sodass sie an ein Gerippe erinnern. Soweit muss es nicht kommen, wenn Sie rechtzeitig Gegenmaßnahmen treffen über den Weg einer Verjüngungskur. Die radikalste aller Schnittarten zielt ab auf eine Revitalisierung und ebnet den Weg zu einem Neuaufbau. Da Oleander über die Fähigkeit verfügen, aus altem Holz frisch auszutreiben, bestehen gute Erfolgsaussichten. So gelingt der Verjüngungsschnitt:

  • Bester Zeitpunkt ist im Frühjahr, sobald der Austrieb einsetzt
  • Zu Beginn alle abgestorbenen Äste auslichten
  • Daraufhin verbliebene Triebe zurückschneiden auf 10 bis 30 Zentimeter
  • Idealerweise wenige Millimeter über einer Blattrosette oder schlafenden Augen schneiden

Im Anschluss an den Verjüngungsschnitt ist Ihr Oleander dankbar, wenn Sie ihn zeitnah umtopfen. Der Wechsel in frisches Substrat weckt die floralen Lebensgeister, was den Austrieb aus dem alten Holz des Wurzelstocks vorantreibt. In den folgenden zwei bis drei Wochen darf sich die Pflanze von den Strapazen erholen am halbschattigen, warmen Standort. Erst im Anschluss an die Regeneration sollte der verjüngte Oleander ausgeräumt werden, sofern es die Witterungsbedingungen erlauben. Bitte beachten Sie, dass ein radikaler Verjüngungsschnitt den Ausfall der diesjährigen Blüte nach sich zieht.

Hintergrund

Ableiten ist besser als verjüngen

Ein radikaler Verjüngungsschnitt stellt Ihren Oleander auf eine harte Probe. Es ist schon heikel, einen heimischen Strauch auf den Stock zu setzen. Greifen Sie an Ziergehölzen aus fernen Ländern zu dieser Maßnahme, ist ein erneuter Austrieb fraglich. Solange Ihr Rosenlorbeer über den einen oder anderen jungen Seitentrieb verfügt, sollten Sie stattdessen eine Verjüngung mittels Ableitungsschnitt durchführen. Zu diesem Zweck kürzen Sie vergreiste und überlange Äste auf einen unverzweigten, jungen Seitenzweig in der unteren Triebregion ein. Setzen Sie Schere oder Säge genau dort an, wo Alt und Jung sich gabeln. Das junge Holz übernimmt die Führungsposition, profitiert vom verstärkten Saftdruck und treibt kräftig aus.

Oleander zum Hochstämmchen erziehen – so geht es

Als Hochstämmchen ist Oleander eine Augenweide und viel gefragt. Fertig erzogene Pflanzen sind kostspielig, weil die Aufbauarbeit sehr zeitintensiv ist. Grund genug für den begeisterten Hobbygärtner, das anspruchsvolle Projekt selbst in die Hand zu nehmen. Die beste Ausgangslage bietet ein junger Oleander mit kräftigem Mitteltrieb. So gelingt der Erziehungsschnitt zum Hochstämmchen vorbildlich:

  • Vom Mitteltrieb alle Seitenverzweigungen abschneiden
  • Stützstab mit der Länge der angestrebten Stämmchenhöhe neben den Mitteltrieb in die Erde stecken
  • Mit Schlauchbindern den Mitteltrieb am Stützstab fixieren
  • Den Mitteltrieb schrittweise am Stützstab aufleiten
  • Kontinuierlich alle Seitentriebe abschneiden zur Förderung des Höhen- und Dickenwachstums

Befindet sich die Spitzenknospe drei bis vier Blätter oberhalb der angestrebten Kronenhöhe, erfolgt der Schnitt der Triebspitze. Gemäß dem Wachstumsgesetz der Spitzenförderung leiten Sie mit diesem Schnitt die Verzweigung zur Krone ein. Wählen Sie die kräftigsten Seitentriebe als Kronentriebe aus und kürzen diese auf drei Blattquirle ein. In der Folge formt sich eine kugelige, blütenreiche Oleander-Krone.

Häufig gestellte Fragen

Ist Oleander giftig?

Das hochgiftige Herzglykosid Oleandrin schränkt die Freude am opulenten Oleander erheblich ein. Schon eine kleine Menge von 15 bis 20 Gramm frischer Oleanderblätter reicht für einen erwachsenen Menschen aus, um akute Vergiftungserscheinungen auszulösen, wie Krämpfe, Übelkeit und starkes Erbrechen. Häufig kommt es zu Herzrhythmusstörungen, die ohne ärztliches Eingreifen tödlich verlaufen können. Eine winzige Dosis Oleandrin ist für Kinder und Haustiere lebensbedrohlich. Nehmen Sie einen Oleander nur dann in den Gestaltungsplan auf, wenn Kindern und Tieren der Zugang zur Pflanze unmöglich ist. Für alle Pflege- und Schnittarbeiten schützen Sie sich bitte mit geeigneter Kleidung, Handschuhen und einer Schutzbrille.

Im Winterquartier ist Oleander Opfer von Schildläusen, die in Horden auf den Blättern sitzen. Was kann ich tun?

Mit starkem Schildlaus-Befall ist Ihr Oleander angezählt. Als Sofortmaßnahme duschen Sie die Pflanze mit möglichst kräftigem Wasserstrahl ab. Die im Anschluss immer noch am stärksten befallenen Triebe schneiden Sie ab. Weniger stark mit Schildläusen besiedelte Zweige sollten stehen bleiben, damit die nächste Blütezeit nicht vollständig ausfällt. Bekämpfen Sie das Gesindel mit einer Lösung aus 1-2 Esslöffeln reiner Schmierseife je 1 Liter kalkfreiem Wasser sowie 1-2 Spritzern Spiritus. Hilfreich ist regelmäßiges Abwischen der Plagegeister mit einem Alkohol-getränkten Tuch.

Wohin mit Oleander-Schnittgut?

Alle Pflanzenteile von Oleander enthalten hochgiftiges Oleandrin, das schon in kleinen Mengen tödlich ist für Mensch und Tier. Auf dem Komposthaufen hat das Schnittgut folglich nichts verloren. Geben Sie abgeschnittene Zweige, ausgezupfte Blätter und verwelkte Blüten in die Biomülltonne. Fällt aufgrund eines Verjüngungsschnitts reichlich Schnittgut an, füllen Sie es in einen stabilen Sack und geben ihn bei der nächstgelegenen Müllentsorgungsanlage ab. Vergraben Sie die Reste bitte nicht, damit keine Maulwürfe oder andere unterirdische Gartenbewohner dem Toxin zum Opfer fallen.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Erinnert ein Oleander nur noch vage an einen verschwenderischen Blütenstrauch, ist die Ursache zumeist in einer falschen Schnittpflege zu suchen. Können Sie Standortdefizite, Schädlingsbefall und Krankheiten ausschließen, ziehen Sie bitte folgende Tabelle zu Rate mit den 3 häufigsten Schnittfehlern, typischen Schadbildern und Tipps für Vorbeugung oder Korrektur:

Schnittfehler Schadbild Vorbeugung/Korrektur
kein Pflanzschnitt kahle Strauchbasis nach der Pflanzung und im Folgejahr zurückschneiden
nie ausgelichtet vorzeitige Verkahlung zu einem blattlosen Gerippe Totholz und quer stehende Äste einmal jährlich auslichten
verwelkte Blüten nicht ausgeputzt kurze Blütezeit und Wachstum giftiger Früchte abgeblühte Triebe kontinuierlich einkürzen

Tipps

Die gutmütige Schnittverträglichkeit von Oleander erstreckt sich bis zu den Wurzeln. Topfen Sie den Blütenstrauch im Frühjahr um, können Sie den bisherigen Kübel erneut verwenden. Ein Wurzelschnitt sorgt dafür, dass die Kapazität für ein weiteres Jahr ausreicht. Zu diesem Zweck verkleinern Sie den Wurzelballen seitlich und unten mit einem scharfen Messer. Greifen Sie auf einen Wurzelschnitt bitte nur zurück, wenn für Ihren Oleander kein weiteres Wachstum in Höhe und Breite erwünscht ist.

Text: Paula Jansen

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