Igelkot erkennen und unterscheiden – So gelingt es

Das Privileg einer direkten Begegnung mit dem Igel ist Nachtschwärmern vorbehalten. Wer sich als Gärtner tagsüber abrackert für einen Igel-freundlichen Garten, muss nach deren Exkrementen Ausschau halten als Nachweis für die ersehnten Gäste im Stachelkleid. Lesen Sie in diesem Ratgeber, wie Sie Igelkot zuverlässig erkennen und von anderen Losungen unterscheiden.

Igelscheiße
Igelkot ist deutlich kleiner als Hundekot

Wie sieht Igelkot aus?

Des Igels Erscheinungsbild ist jedermann geläufig. Von Kindesbeinen an wecken die possierlichen Stacheltiere große Gefühle, denen sich auch hartgesottene Erwachsene nicht verschließen können. Unmittelbare Begegnungen mit den scheuen, nachtaktiven Tieren haben Seltenheitswert. Als wichtiges Indiz für die Anwesenheit von Igeln im Garten gelten deren Hinterlassenschaften. Stellt sich die Frage nach dem Aussehen von Igelkot, um enttäuschende Fehleinschätzungen auszuschließen. So sieht Igellosung aus:

  • Länge: 3 bis 6 cm
  • Dicke: 8 bis 12 mm
  • Farbe: glänzend schwarz bis dunkelbraun
  • Form: gerollt mit spitz zulaufenden Enden

Bei genauerem Hinsehen sind mitunter Reste von vertilgten Insekten in den Kotwürstchen zu erkennen. Vor allem unverdauliche Chitinsegmente von Käfern können in der Losung enthalten sein. Kerne von Obst geraten nur dann in die Exkremente, wenn die Insektenfresser reife Früchte nach saftigen Maden durchstöbert haben. In der Regel verschmähen Igel vegetarische Kost.

Hier können Sie dem Igel beim Koten zusehen:

Youtube

Wie muss Igelkot aussehen?

Exkremente sind zum einen ein aussagekräftiger Hinweis auf die jeweilige Tierart. Zum anderen dienen tierische Hinterlassenschaften als wichtiges Indiz für den gesundheitlichen Zustand, insbesondere wenn Sie das Tier nicht in Augenschein nehmen können. Haben Sie Igelkot am Aussehen identifiziert und wollen sichergehen, dass es sich um ein gesundes Tier handelt? Folgende Tabelle stellt die Eigenschaften von gesunder und kranker Igellosung gegenüber:

Igelkot Vergleichgesundkrank
Farbeglänzend schwarz bis dunkelbraungrün bis hellgrün
Formwalzenförmigunförmig, undefiniert
Konsistenzüberwiegend festweich, schleimig
Geruchwahrnehmbar, jedoch nicht unangenehmstinkt bestialisch

Deutet das Aussehen von Igelkot auf ein krankes Tier hin, nehmen Sie bitte Kontakt auf mit einer Igelauffangstation oder einem Tierarzt. Die erfahrenen Experten sind dankbar für jeden Hinweis auf einen hilfebedürftigen Igel und beraten mit Ihnen über das weitere Vorgehen. Bitte fangen Sie einen Igel nicht auf Verdacht ein. Alle Igel stehen unter Schutz und dürfen nicht ohne triftigen Grund gestört oder aus ihrem Lebensumfeld genommen werden.

Exkurs

Milch verursacht Durchfall

Um die Ernährung von Igeln ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden. Es gehört ins Land der Fabeln, dass Igel Obst auf ihrem stacheligen Rücken transportieren. Die Tiere sind weder Vegetarier noch betreiben sie Vorratswirtschaft. Ein häufiger Irrtum verleitet Tierfreunde, Schalen mit Milch aufzustellen. Diese gut gemeinte Geste mündet für durstige Stachelkugeln allerdings in massiven Qualen, denn Igel sind Lactose-intolerant. Trinken die Tiere Milch, leiden sie unter Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Der bessere Durstlöscher ist frisches Wasser, das den niedlichen Gartenbewohnern in flachen Schalen kredenzt wird.

Igelkot unterscheiden

Im naturnahen Garten geben sich wild lebende Kleintiere die Klinke in die Hand. Rigoroser Verzicht auf Pestizide, abwechslungsreiche Gartengestaltung mit Mischhecken, Laubhaufen, Wildstauden und Trockenmauern ziehen Wildtiere magisch an. Um willkommene Igel von unerwünschten Gästen, wie Marder und Ratten zu unterscheiden, geben deren Exkremente wichtige Hinweise. Folgende Tabelle nennt typische Unterscheidungsmerkmale:

UnterscheidungsmerkmaleIgelkotRattenkotMarderkotSiebenschläferkot
Größe3-6 cm lang1-2 cm lang8-10 cm lang1-2 cm lang
Formwalzenförmig, spitz zulaufendverjüngende Spindelformbleistiftdick, gedrehte Spitzebohnenförmig
Farbeschwarz bis dunkelbraun, glänzenddunkelbraunschwarz bis graudunkelbraun
Geruchkaum wahrnehmbar, kein Gestanknach Ammoniakunangenehmer Gestankschwach, nicht penetrant
Konsistenzfestweich, klebrigsichtbare Nahrungsrestenass durch Urin

Die genannten Unterscheidungsmerkmale gelten für Exkremente gesunder Tiere. Ist der Kot schleimig, weich, hellgrün bis grün und stinkt, laufen alle Versuche einer Identifizierung auf Basis optischer Hinweise ins Leere. Wenn das Aussehen keinen Aufschluss gibt, bringen Mikrobiologen Licht ins Dunkel. Spezial-Labore für Kot-Analysen ermitteln anhand eingeschickter Proben, um welches Tier es sich handelt.

Tipps

Letzte Zweifel an einer treffsicheren Identifizierung von Igelkot räumen Bilder aus der Welt. Detaillierte Fotos veröffentlicht die Online-Redaktion der Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement in Freiburg unter “wildlife.uni-freiburg.de. Auf den Seiten der österreichischen Igelauffangstation “igelinnot.at” sind aussagekräftige Bilder einzusehen über das Aussehen von Igelkot kranker Tiere.

Ist Igellosung gefährlich?

igelkot

Igel und ihr Kot können Parasiten übertragen

Als wild lebende Tiere haben Igel von Natur aus Parasiten und Bakterien im Gepäck, ohne zwingend selber krank zu sein. Hierzu zählen Außenparasiten, wie Flöhe, und Innenparasiten gleichermaßen. Diese Erreger können über den Kot auch auf Menschen und Haustiere übergehen. Salmonellen oder Leptospiren machen beispielsweise keinen Unterschied, welchen Organismus sie da gerade infizieren. Fernerhin lauern unangenehme Hautpilzinfektionen, wenn Sie mit den Exkrementen unmittelbar in Kontakt kommen.

Im Umgang mit Igeln und deren Hinterlassenschaften ist infolgedessen eine umsichtige Hygiene oberstes Gebot. Legen Sie stets Handschuhe an, waschen die Hände mit Seife und desinfizieren Geräte, die mit Igelkot in Berührung kamen. Entsorgen Sie die Exkremente nicht auf dem Kompost, weil sich pathogene Erreger über diesen Weg im Garten ausbreiten könnten.

Igelkot entfernen

Wo Igel sich die Ehre geben, zeugen Exkremente von ihrer Anwesenheit. Die stacheligen Besucher sind herzlich willkommen, ihre Hinterlassenschaften nicht. Aus hygienischen und ästhetischen Gründen sollte Igelkot zeitnah entfernt werden. In erster Linie besteht die Gefahr, dass sich Krankheitskeime, Parasiten und andere gesundheitsbedrohliche Verunreinigungen darin befinden. Immerhin handelt es sich bei Igeln um Wildtiere, denen keine medizinische Vorsorge zuteil wird. Wie Sie Igellosung von befestigten und unbefestigten Flächen entfernen, lesen Sie hier:

Befestigte Flächen reinigen

Häufig erledigen Igel ihr Geschäft auf Terrasse, Gartenwegen und gepflasterten Flächen, wenn sich dort eine Futterstelle befindet. Umso mehr kommt es auf penible Sauberkeit an, weil sich mitunter mehrere Igel dort tummeln. So entfernen Sie Igelkot von festem Untergrund:

  1. Katzenstreu-Schaufel zur Hand nehmen
  2. vorne an den Exkrementen ansetzen
  3. unter die Losung schieben und anheben
  4. gegebenenfalls mit Holzbrett oder Bürste auf die Schaufel drücken
  5. Kot in eine Bio- oder Papiertüte schütten und im Hausmüll entsorgen

Alternativ zur Katzenstreu-Schaufel entfernen Sie Igellosung mithilfe einer Kotzange. Die Spezial-Zange besteht aus zwei Greifarmen, mit denen Sie Tier-Exkremente aller Art von befestigtem Untergrund entfernen können. Die aufgesammelten Kotwürstchen eines Igels können direkt aus der Aufnahmevorrichtung in eine Tüte geworfen und im Restmüll entsorgt werden.

Von unbefestigten Flächen entfernen

Mit Begeisterung huschen Igel bei Nacht über Grünflächen und Beete auf der Jagd nach leckeren Beutetieren. Dabei hinterlassen die stacheligen Jäger nicht nur kleine Löcher im Rasen, sondern auch ihren Kot. Was auf festem Untergrund mit Schaufel oder Kotzange ganz einfach gelingt, erfordert auf Rasen, Wiese oder Erde ein modifiziertes Vorgehen. So gelingt es:

  1. Einmal-Handschuhe anziehen
  2. Exkremente aufheben
  3. Handschuh abziehen und dabei den Kot einknoten
  4. im Hausmüll entsorgen

Zum guten Schluss übergießen Sie die gesäuberte Stelle mit Wasser und reinigen Ihre Hände mit einem Desinfektionsmittel.

Häufig gestellte Fragen

Unser Hund frisst Igelkot – was tun?

Von Igelkot geht eine gesundheitliche Gefahr für Hunde aus, weil sich darin Parasiten und Krankheitserreger befinden können. Fernerhin deutet es auf eine tiefgreifende Verhaltensstörung hin, wenn sich ein Hund an Igellosung oder anderen Exkrementen vergreift. Im ersten Schritt entfernen Sie die konsequent die Hinterlassenschaften der Igel, bevor Sie Ihren Hund in den Garten lassen. Im zweiten Schritt konsultieren Sie bitte einen Veterinär Ihres Vertrauens, um dem unnatürlichen Gebaren auf den Grund zu gehen und gegebenenfalls eine Verhaltenstherapie oder ein Anti-Kot-Fress-Training durchzuführen.

Woran erkenne ich Igelkot auf Anhieb?

Zwei optische Merkmale lassen keinen Zweifel, dass es sich im Garten, auf Rasen oder Terrasse um Igelkot handelt. Exkremente eines gesunden Igels sind tiefbraun bis schwarz. Fernerhin haben die Hinterlassenschaften die Form kleiner Würstchen mit einer Länge von maximal 6 Zentimetern. Halten Sie zum Vergleich einfach ein Streichholz daneben.

Wie kann ich erkennen, ob es sich um Igelkot oder Rattenkot handelt?

Form und Größe von Exkrementen liefern wichtige Hinweise darauf, ob Sie es mit Igelkot oder Rattenkot zu tun haben. Igel hinterlassen 3 bis 6 Zentimeter lange Würstchen, zumeist walzenförmig und spitz zulaufend. Losung von Ratten ist dagegen rundlich bis oval und mit 1 bis 2 Zentimetern deutlich kleiner. Ein weiterer Indikator ist der Fundort. Rattenköttel liegen zumeist verteilt entlang einer Wand oder Mauer. Igel wählen für den Toilettengang bevorzugt Grünflächen, Beete, befestigte Wege oder Terrassen.

Sollte ich Entwurmungsmittel ins Igelfutter geben, um die Infektionsgefahr durch Kot für meine Familie zu reduzieren?

Eine laienhafte Parasitenbehandlung an gesunden, frei lebenden Igeln kann fatale Folgen für die Tiere nach sich ziehen. Tatsächlich leben die meisten Igel mit Innenparasiten im natürlichen Gleichgewicht. Kommt es hingegen zu gesundheitlichen Problemen in Kombination mit schleimigen, grünen Exkrementen, führen Tierärzte zunächst eine Kotanalyse durch und entscheiden erst dann über eine Entwurmung. Auf Verdacht frei lebenden Igeln ein Mittel zu verabreichen, richtet häufig mehr Schaden als Nutzen an. Fernerhin werden sich Igel in freier Natur ohnehin rasch neue Parasiten einfangen.

Eigentlich mögen wir Igel. Allerdings verunreinigt ein dreister, stacheliger Kerl jede Nacht unseren Sitzplatz. Können wir den Igel vertreiben?

Igel zählen zu den geschützten Wildtieren. Unter anderem ist es untersagt, einen Igel zwecks Umsiedlung einzufangen. Stellen Sie im Vorfeld bitte sicher, dass es sich beim “Übeltäter” tatsächlich um einen Igel handelt. Igelkot ist 3-5 Zentimeter lang, hat die Form eines Würstchens und ist dunkelbraun bis schwarz. Damit sich der ungebetene Gast von Ihrem Sitzplatz fernhält, sollten Sie Hund oder Katze fortan im Haus füttern, denn die Futterschalen ziehen hungrige Igel magisch an. Hilfreich ist fernerhin ein 50 Zentimeter hoher Zaun, um den nächtlichen Besucher auszusperren.

Tipps

Frischer Igelkot im winterlichen Garten deutet hin auf ein Tier in Not. Mitten aus dem Winterschlaf gerissene oder zu früh erwachte Igel sind vom Hungertod bedroht. In diesem Ausnahmefall ist Füttern nicht nur erlaubt, sondern überlebenswichtig. Richten Sie eine katzensichere Futterstelle ein, bis es nicht mehr friert und sich natürliche Nahrungsquellen öffnen.

Text: Paula Jansen

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