Waschbärkot erkennen und richtig beseitigen

Waschbären halten sich vermehrt in Siedlungsgebieten auf und richten in Gärten und auf Dachböden große Schäden an. Auch ihre Hinterlassenschaften sind überall zu finden, koten die Tiere doch in regelrechten Gemeinschaftstoiletten. Wie Sie Waschbärkot identifizieren und richtig beseitigen, davon handelt dieser Artikel.

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So niedlich Waschbären auch sind, im Haus sind sie nicht willkommen

Das Wichtigste in Kürze

  • Waschbären nutzen immer dieselben Kotplätze, die als Latrinen bezeichnet werden. Hier koten auch andere Waschbären desselben Gebietes.
  • Der Kot von Waschbären sieht je nach Jahreszeit und Nahrung immer wieder anders aus. An bestimmten Merkmalen können Sie ihn jedoch von anderem Tierkot unterscheiden.
  • Ziehen Sie neben Beschreibungen auch Fotos zur Identifikation hinzu.
  • Tragen Sie bei der Entfernung Schutzkleidung, da Waschbärenkot mit Spulwürmern, ihren Eiern und anderen Krankheitserregern kontaminiert sein kann.
  • Machen Sie es den Waschbären im Garten so ungemütlich wie möglich. Verschließen Sie vor allem Mülltonnen und Kompostbehälter.

Waschbären legen Gemeinschaftstoiletten an

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Waschbären gehen immer wieder am selben Ort auf „die Toilette“

Typisch für Waschbären ist das Anlegen so genannter Latrinen. Dabei handelt es sich im Gemeinschaftstoiletten, die mehrere Waschbären eines Gebietes zusammen genutzt werden. Das bedeutet, wenn Sie Waschbärkot auf dem Dachboden oder im Garten finden, handelt es sich häufiger um größere Ansammlungen von Fäkalien – und die stammen nicht nur von einem Tier.

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Diese Latrinen werden übrigens nicht nur von einer Waschbärenfamilie besucht, sondern auch von anderen, nicht zur selben Gruppe gehörenden, Tieren. Grund für dieses Verhalten ist schlicht Kommunikation, denn über ihre Hinterlassenschaften tauschen sich Waschbären miteinander aus und erfahren so, wer sich derzeit noch alles in der Nähe aufhält. Deshalb werden Stellen, die einmal als Latrinen ausgesucht wurden, immer wieder genutzt – gründliche Reinigung und Geruchsbeseitigung ist daher immens wichtig, da Sie das Problem sonst nicht loswerden.

Waschbärkot stets an erhöhten Plätzen

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal von Waschbärkot zu anderem Tierkot ist die Tatsache, dass die Kleinbären ihre Hinterlassenschaften stets an erhöhten Plätzen ablegen. So findet sich der Kot im Garten beispielsweise auf Ästen oder auch Brettern, auf dem Dachboden oder im Keller gegebenenfalls auf Schränken oder Regalen.

Waschbärkot erkennen – Typische Merkmale und Unterschiede

Die zweifelsfreie Identifikation von Waschbärkot ist auch deshalb schwierig, weil sich das Aussehen der Fäkalien je nach Zusammensetzung der Nahrung stark verändern kann. Waschbären sind Allesfresser, die sich sowohl von tierischer als auch pflanzlicher Nahrung ernähren und zudem gern in menschlichen Abfällen nach Fressbarem suchen. Demzufolge enthält Waschbärkot jahreszeitlich wie abhängig vom Nahrungsangebot unterschiedliche Beimengungen wie z. B. Kirsch- und andere Obstkerne, Reste von Sonnenblumenkernen und Nussschalen, Käferpanzern etc.

Eine rötliche Färbung des Kotes deutet darauf hin, dass der betreffende Waschbär Beeren gefressen hat. Die Tiere mögen sehr gern die für Menschen giftigen Früchte der Eibe , die sie völlig problemlos vertilgen und keinerlei Vergiftungserscheinungen davontragen. Ist der Kot also rosafarben und finden sich Samenkerne darin (Waschbären zerkauen die Eibensamen nicht), so handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um Waschbärenkot.

Fußabdruck und Kot eines Waschbärs

 

Ansonsten erkennen Sie den Kot von Waschbären an diesen Merkmalen:

  • in Form und Größe dem Kot von kleinen Hunden sehr ähnlich
  • verschiedene Brauntöne möglich, je nach Futterzusammensetzung
  • enthält sehr viele Haare (grau-weiße Farben), da sich die Tiere gründlich mit der Zunge putzen
  • jahreszeitlich abhängige Nahrungsreste, auch mit verschlungene, unverdauliche Reste aus dem Hausmüll
  • stechender Geruch

Finden sich zudem die charakteristischen Pfotenabdrücke um Umkreis der Fäkalien, so liegt der Fall eigentlich klar. Haben Sie den Verdacht, dass sich einige Waschbären bei Ihnen eine Latrine eingerichtet haben, so verstreuen Sie am besten großflächig Mehl im betreffenden Bereich – dort können Sie anhand der Pfotenabdrücke deutlich erkennen, ob wirklich ein Waschbär bei Ihnen sein Unwesen treibt.

Waschbären treiben ihr Unwesen zumeist in Siedlungen und Gärten, die sich in Waldnähe befinden. Hier tummeln sich des Öfteren auch Dach, Fuchs und andere tierische Gesellen auf Futtersuche. Falls Sie sich bei der Identifikation des Kots unsicher sind, hilft vielleicht die folgende Tabelle bei der Bestimmung des Verursachers.

Aussehen und Größe des Kots verschiedener Tiere

Tierart Ablageort Form Konsistenz Färbung Besonderheiten
Dachs meist in Erdlöchern, oft unter Gehölzen zylindisch trocken oder breiig, je nach Nahrungszusammensetzung, enhält unverdauliche Nahrungsreste unterschiedliche Brauntöne, je nach gefressener Nahrung raue und unebene Oberfläche
Eichhörnchen praktisch überall, keine bevorzugten Kotablageorte walzenförmig, klein fest und eher trocken, enthält meist Nahrungsreste dunkelbraun bis schwarz geruchslos
Fuchs gerne auf erhöhten Plätzen, z. B. Erdhügeln, an Beeträndern oder auf Steinen bis zu zehn Zentimeter lange und bis zu zwei Zentimeter dicke „Wurst“ fest, enthält häufig Nahrungsreste grau bis schwarz Vorsicht: können Eier des Fuchsbandwurms enthalten!
Igel praktisch überall, kotet im Laufen walzenförmig, spitzes Ende enthält oft Nahrungsreste schwarz, glänzend bildet keine „Haufen“, verteilt sich über größere Flächen
Katze Kot wird in weicher, lockerer Erde oder im Sand vergraben wurstförmig, häufig spiralig enthält keine sichtbaren pflanzlichen Nahrungsreste dunkelgrau bis schwarz intensiver, sehr unangenehmer Geruch
Marder legt Kot direkt auf der Erde ab wurstförmig, häufig spiralig, bis zu zehn Zentimeter lang und zwei Zentimeter dick fest, sichtbare Nahrungsreste dunkelgrau bis schwarz intensiver, sehr unangenehmer Geruch

Hinweis: Größere Ansammlungen von bis zu drei Zentimeter langen, leicht gebogenen „Würstchen“ auf dem Dachboden oder im Keller kann übrigens auch ein Hinweis auf einen akuten Rattenbefall sein. Rattenkot riecht intensiv und unangenehm nach Ammoniak.

Waschbärkot entfernen

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Waschbärkot sollte mit Handschuhen und Mundschutz entfernt werden

Natürlich kann der gefundene Waschbärenkot nicht einfach auf dem Dachboden oder im Garten liegenbleiben – der Geruch lockt mit ziemlicher Sicherheit weitere Kleinbären aus der Umgebung an, die sich bei Ihnen ein fröhliches Stelldichein geben. Zudem ist der Kot mit Krankheitserregern und Parasiten verseucht und sollte deshalb schon aus Hygienegründen entfernt werden. Gehen Sie bei der Kotentfernung wie folgt vor:

  1. Tragen Sie alte Kleidung, zudem Überschuhe, einen Mund-Nasenschutz und Einmalhandschuhe.
  2. Kehren Sie den Waschbärenkot restlos mit einer Schaufel o. ä. auf.
  3. Füllen Sie die Fäkalien in eine Plastiktüte und verschließen Sie sie fest.
  4. Sowohl die gefüllte Plastiktüte als auch die Einmal-Schutzkleidung werfen Sie anschließend in den Hausmüll.
  5. Dies gilt auch für bei der Reinigung verwendete Lappen u. ä.
  6. Behandeln Sie die gereinigten Stellen mit einem Desinfektionsspray.
  7. Waschen Sie Ihre Kleidung gründlich bei 60 °C.
  8. Reinigen und desinfizieren Sie die Schaufel und andere verwendete Geräte.

Selbst nach der gründlichen Entfernung des Waschbärenkots ist der unangenehme Geruch immer noch nicht verschwunden. Diesen können Sie mit chemischen Reinigungsmitteln oder Essig bekämpfen, die Sie großflächlich und großzügig auf dem Boden aufbringen und dort einwirken lassen. Wer mag, kann den Gestank zudem mit in die Luft versprühten Dufterfrischern übertünchen. Diese Maßnahmen haben übrigens auch den Zweck, die Latrine für die Waschbären unkenntlich zu machen – so müssen sich die Tiere einen anderen Platz suchen, der sich hoffentlich nicht auf Ihrem Grundstück befindet.

Exkurs

Sind Spulwürmer im Waschbärkot für Menschen und Haustiere gefährlich?

Waschbärkot kann tausende Eier des Waschbärspulwurms (Baylisascaris procyonis) enthalten, die für sich genommen harmlos sind. Allerdings können sich daraus Spulwürmer entwickeln, die im Dünndarm infizierter Tiere leben. Da Menschen und größere Säugetiere für diese Spezies Fehlwirte sind, können sich bei einer Infektion (etwa durch Kontakt mit infiziertem Waschbärkot) keine Spulwürmer ausbilden – diese sind auf dem Waschbären angewiesen, in den sie wiederum über Zwischenwirte wie Nager und Vögel zurück gelangen. Doch Vorsicht: Gelegentlich wurden Waschbärspulwürmer auch schon bei Hunden nachgewiesen.

Waschbären vertreiben

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Sämtliche Eingänge ins Haus sollten gut verschlossen werden

„Der Waschbär ist ein munterer, schmucker Bursche, welcher durch große Regsamkeit und Beweglichkeit sehr erfreut.“ (Alfred Brehm)

Damit die Plagegeister Ihnen nicht immer wieder einen Besuch abstatten, sollten Sie Ihr Haus möglichst unzugänglich und das Speisenangebot im Garten wenig verlocken machen. Dabei helfen diese Maßnahmen:

  • Nahrungsreste nur in gut verschließbare Mülltonnen entsorgen.
  • Dies gilt vor allem für gehaltvolle Nahrung wie Fleisch, Fisch und Milchprodukte.
  • Diese sind bei Waschbären besonders beliebt.
  • Mülltonnen (v. a. den Gelben Sack) erst unmittelbar vor der Abholung nach draußen stellen.
  • Mülltonnen regelmäßig reinigen.
  • Decken mit einem großen Stein beschweren.
  • Wer kompostiert, verwendet am besten einen gut verschließbaren Kompostbehälter.
  • Kein Katzen- oder anderes Tierfutter auf der Terrasse oder im Garten stehen lassen.
  • Waschbären fressen auch sehr gern Igelfutter.

Übrigens sind die Kleinbären hervorragende Kletterkünstler, die auf vielerlei Wegen ins Haus gelangen können. Um ihnen den Weg zu versperren, helfen diese Maßnahmen:

  • Katzenklappen verschließen.
  • Fassadenbegrünung bzw. Rankpflanzen an der Hauswand entfernen oder auf eine Anpflanzung verzichten.
  • Hohe Hecken in Hausnähe stark beschneiden.
  • Ebenso ans Haus heranreichende Äste von Bäumen etc.
  • Fallrohre und Regenrinnen mit Manschetten aus Blech versehen.
  • Schlupflöcher im Haus und am Dach stets gut verschließen, z. B. verschobene Dachziegel.

Selbstverständlich sollten Sie die possierlichen Tiere nicht füttern – auf diese Weise locken Sie sie nur an anstatt sie zu vertreiben. In Waschbärkreisen spricht sich schnell herum, wo es etwas Leckeres zu fressen gibt!

Was Sie auf gar keinen Fall tun dürfen

So mancher verliert angesichts von umgeworfenen Mülltonnen, zerwühlten Komposthaufen, geplünderten Obstbäumen und verdrecktem Dachboden die Geduld und versucht, die Kleinbären mit finalen Lösungen loszuwerden. Das ist verständlich, dennoch sollten Sie sich an bestehende Gesetze halten – die Strafen sind, im Falle des Erwischtwerdens, immens! Diese Methoden sind streng verboten:

  • Waschbären dürfen nicht mit ausgelegtem Gift getötet werden.
  • Auch das Aufstellen von Fallen ist ohne Fangerlaubnis verboten.
  • Dies gilt auch für Lebendfallen, sofern Sie den darin gefangenen Waschbär anschließend töten oder an einer weiter entfernten Stelle aussetzen wollen.
  • Lebendfallen sind nur dann erlaubt, wenn das Tier gleich hinter der Grundstücksgrenze wieder ausgesetzt wird.
  • Schließlich könnte es sich um eine Waschbärmutter handeln, deren Jungtiere nun verhungern müssten.
  • Hetzen Sie niemals Ihren Hund auf einen Waschbären – die Tiere sind im Falle eines Angriffs aggressiv und sehr wehrhaft. Im Zweifelsfall zieht eher Ihr Hund den Kürzeren.

Vergessen Sie nicht, dass es sich bei Waschbären um Wildtiere handelt, die sich bei Bedarf sehr schmerzhaft verteidigen können!

Exkurs

Weshalb sind die possierlichen Waschbären in Deutschland ein Problem?

Keine Frage: Waschbären sind niedliche Tiere und haben sich über die Jahrzehnte in Deutschland etabliert. Allerdings vermehren sich die Räuber wegen fehlender Feinde rasant – jedes Jahr töten Jäger mehr als 100.000 Exemplare und trotzdem steigen die bekannten Populationen. Das wird für viele Vogelarten, aber auch für Fledermäuse und Sumpfschildkröten zum Problem, denn Waschbären sind effektive Nesträuber und tragen so erheblich zur Gefährdung dieser Arten bei.
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Häufig gestellte Fragen

Wo kommt der Waschbär her?

Der Waschbär ist ursprünglich in Nordamerika beheimatet. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts hat er seinen Siegeszug durch Mitteleuropa angetreten, nachdem Tiere ausgesetzt wurden oder aus Wildgehegen und Pelztierfarmen entkommen konnten. Übrigens ist auch der Marderhund (auch Enok, Nyctereutes procyonoides) ursprünglich nicht in Mitteleuropa heimisch. Die aus Asien stammende Art siedelte sich hier an, nachdem Tiere aus Pelztierfarmen entkommen konnten.

Wo halten sich Waschbären tagsüber auf?

Waschbären sind in der Regel (mit Ausnahme mancher Populationen, etwa in Thüringen) nacht- und dämmerungsaktiv. Tagsüber schlafen die Kleinbären versteckt in Baumhöhlen oder ähnlich erhöht gelegenen Plätzen. Die Tiere kommen in Regionen mit Laub- und Mischwäldern vor und bevorzugen die Nähe von Gewässern.

Sind Waschbären gefährlich?

Die Kleinbären können – ebenso wie Marder, Ratten oder Wühlmäuse – im Garten regelrecht zur Plage werden, indem sie schwere Schäden verursachen. Insbesondere wenn sie Jungen aufziehen, sind die possierlichen Waschbären mit Vorsicht zu genießen: So manche Waschbär-Mutter hat, um ihren Nachwuchs zu schützen, Menschen angegriffen und gebissen. Problematisch ist allerdings vor allem die Tatsache, dass der Kot der Tiere gefährliche Krankheitserreger enthält. Diese infizieren nicht nur Menschen, sondern auch Haustiere, etwa mit der gefürchteten Staupe.

Töten Waschbären auch Hühner?

Tatsächlich sind Waschbären schon dabei beobachtet worden, wie sie Hühner getötet und gefressen haben. Schließlich handelt es sich um Allesfresser, für die, ebenso wie beim Fuchs, das Federvieh eine leckere und damit willkommene Mahlzeit bedeutet.

Welche Laute geben Waschbären von sich?

Waschbären geben eine Vielzahl von Lauten von sich, mit deren Hilfe die geselligen Tiere miteinander kommunizieren. Die Kleinbären knurren, keckern oder kreischen.

Stehen Waschbären unter Naturschutz?

Nein, anderes als viele andere Wildtiere steht der Waschbär nicht unter Naturschutz, sondern unterliegt dem Jagdrecht. Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie die Tiere beliebig töten (etwa vergiften) dürfen, das darf nur ein Jäger oder innerhalb von Siedlungsgebieten ein Schädlingsbekämpfer. Zudem ist eine Ausnahmegenehmigung erforderlich.

Tipps

Auf dem Grundstück abgestellter Sperrmüll, Baumaterialien oder Bretterhaufen üben auf Waschbären ebenfalls eine magische Anziehungskraft aus, schließlich nutzen die Tiere diese Plätze sehr gern zum Verstecken sowie als Schlafmöglichkeit.

Text: Ines Jachomowski
Artikelbilder: Mikhail Varentsov/Shutterstock, John Arehart/Shutterstock, EleniMac/Shutterstock, Benjamin Clapp/Shutterstock

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