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Ahornbäume sollte nicht zur Wachstumsphase geschnitten werden

Ahorn richtig schneiden – Anleitung für den Baumschnitt

Steht ein Baumschnitt auf dem Pflegeprogramm, zeigen sich nahezu alle Ahorn-Arten von ihrer zimperlichen Seite. Ungezügeltes Wachstum und wild gestikulierende Zweige müssen Sie dennoch nicht hinnehmen. Diese Anleitung erklärt, wann und wie Sie einen Ahorn gekonnt beschneiden.

Bester Schnitt-Termin ist im Herbst

An den meisten Ahorn-Arten ist das Wachstum geprägt von einem starken Saftfluss, der lediglich im Herbst kurze Zeit nachlässt. Wenn Sie den Baum inmitten der Vegetationsperiode zurückschneiden, fließt der Pflanzensaft in Strömen. Um ein Ausbluten zu verhindern, trägt die Terminwahl für den Baumschnitt vornehmlich dieser besonderen Eigenschaft von Ahornbäumen Rechnung. Diese Kriterien zeichnen den besten Zeitpunkt aus:

  • Mildes, trockenes Wetter im Herbst
  • Keine pralle Sonne, kein Regen und kein Frost

Um einen Ahorn ohne starken Saftfluss zu beschneiden, sollte die Maßnahme bis spätestens Mitte/Ende Januar abgeschlossen sein. An früh austreibenden Arten und Sorten verstärkt sich bereits im Spätwinter der Saftdruck.

Zwei Ausnahmen von der Termin-Regel

Fest zementiert auf den Herbst ist der Zeitplan für den Baumschnitt freilich nicht. Robuster Feldahorn (Acer campestre) und asiatischer Schlitzahorn (Acer palmatum) bilden zwei Ausnahmen von der Regel. Damit Feldahorn als schnell wachsende Hecke sein gepflegtes Erscheinungsbild bewahrt, können Sie im Herbst, im zeitigen Frühjahr und nochmals im Juni zu lange Triebe zurückschneiden. Die malerischen Sorten des Schlitzahorns verschneiden Sie idealerweise im Frühling, kurz vor dem Austrieb der Blätter.

Vorbereitungsarbeiten – Darauf sollten Sie achten

Über jedem Baumschnitt am Ahorn baumelt das Damoklesschwert pilzlicher Infektionen. Verschneiden Sie den Baum oder Strauch bitte erst dann, wenn Sie das Schneidwerkzeug gereinigt und mit Alkohol desinfiziert haben. Zuvor schärfen Sie die Klingen mit einem Schleifstein, damit die Schnittwunden nicht ausfransen und pathogene Erreger auf den Plan rufen.

Schützen Sie fernerhin Ihre Haut und Kleidung vor dem klebrigen Pflanzensaft. Selbst inmitten der Wachstumsruhe fließt die sirupartige Flüssigkeit in kleinen Mengen aus der Rinde, wenn Sie die Äste beschneiden.

Schnittführung lässt altes Holz unberührt – So geht es

Die umsichtige Terminwahl im Herbst und die empfohlenen Vorbereitungen sind der perfekte Auftakt für den fachmännischen Baumschnitt. Folgen Sie dieser Anleitung für die Schnittführung, haben Sie alles richtig gemacht:

  • Zu lange Zweige ausschließlich im Bereich des einjährigen Holzes zurückschneiden
  • Einen Schnitt wenige Millimeter oberhalb eines Blattknotens oder schlafenden Auges ansetzen
  • Leicht schräg schneiden, damit Regenwasser und Pflanzensaft ablaufen können

Charakteristisch für Ahorn ist, dass der Baum oder Strauch aus altem Holz nicht oder zaghaft wieder austreibt. Beschränken Sie den Rückschnitt daher auf den Bereich, der im vergangenen Jahr gewachsen ist. Totholz sollten Sie bis auf Astring zurückschneiden und keine Stummel stehen lassen. Der kleine Wulst (Astring) zwischen Zweig und Stamm darf nicht beschädigt werden.

Dicke Ahorn-Äste auslichten – So machen Sie es richtig

Wenn Sie am alten, großen Ahornbaum einen dicken Ast entfernen möchten, erfordert die Maßnahme eine alternative Schnittführung. So geht es in 3 Schritten:

  • Im Abstand von 30-50 cm zum Stamm den Ast von unten ansägen bis zur Mitte
  • Nunmehr die Säge um 10 cm nach außen versetzen und von oben solange sägen, bis der Ast abbricht
  • Im dritten Schritt den restlichen Ast zurückschneiden bis kurz vor dem Astring

Zum guten Schluss glätten Sie die Schnittwunde mit einem scharfen, desinfizierten Messer.

Wann ist ein Baumschnitt obligatorisch?

Seine wohlgeformte Krone entfaltet ein Ahorn ohne einen regelmäßigen Baumschnitt. Mit Blick auf die geringe Schnitt-Toleranz sollten Sie Bäume und Sträucher dieser Gattung nur bei Bedarf beschneiden. In drei Fällen ist es dennoch unverzichtbar, dass Sie einen Ahorn zurückschneiden:

  • Nach der Pflanzung wurzelnackter Ware alle Triebe um ein Viertel bis ein Drittel beschneiden
  • Nach dem Umpflanzen die verloren gegangene Wurzelmasse ausgleichen durch einen proportionalen Rückschnitt
  • Kranke Triebe beschneiden bis ins gesunde Holz

Wundverschluss – ja oder nein?

Dank moderner Forschungsergebnisse ist Wundverschluss nach einem Baumschnitt in die Kritik geraten. Intensive Feldforschung durch Baumchirurgen erbrachte den Nachweis, dass eine luftdichte Versiegelung von Schnittwunden mehr schadet, als nutzt. Das verletzte Gewebe verheilt nicht, wie menschliche Haut. Vielmehr überwallt eine Kallusschicht die Wunde und kapselt das verletzte Holz ab. Über dieser Abschottung bildet sich dann frisches Holz, Kambium genannt.

Die Versiegelung mit Baumwachs würde den natürlichen Heilungsprozess nur stören. Einzig nach einem Baumschnitt im Herbst sollten größere Schnittwunden behandelt werden, um das wertvolle Kallusgewebe vor Frost zu schützen. Zu diesem Zweck bestreichen Sie die Wundränder mit Baumwachs oder Lac Balsam.

Tipps

Verschneiden von Ahornbäumen bezieht sich nicht einzig auf Äste und Krone. Mitunter rückt ein Wurzelschnitt in den Fokus, weil sich auf der Baumscheibe keine Lücke finden lässt für eine schöne Unterpflanzung. Es spricht nichts dagegen, an einem gut etablierten Ahorn störende Wurzeln zu beschneiden, solange Sie nicht mehr als ein Drittel der Stränge entfernen.

Text: Paula Jansen Artikelbild: Frank L Junior/Shutterstock

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