Schneeball vorbildlich schneiden – Tutorial für den perfekten Schnitt

Ein Schneeball formt seine edle Statur mit verschwenderischem Blütenkleid in Eigenregie. Von einem gelegentlichen Formschnitt profitiert das malerische Gehölz, wenn der Zahn der Zeit an ihm nagt. Lesen Sie in diesem Tutorial, wann und wie Sie Ihre Viburnum-Sträucher richtig schneiden.

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Der beste Zeitpunkt für einen Rückschnitt ist im Winter

Pflanzschnitt begünstigt Verzweigung

Wer sich am frisch gepflanzten Schneeball zu einem Pflanzschnitt durchringt, macht sich ein wichtiges Wachstumsgesetz zunutze. Das Prinzip der Spitzenförderung lehrt uns, dass endständige Knospen primär mit Wachstumsenergie versorgt werden. Tiefer positionierte Knospen ruhen oder treiben nur schwach aus. Indem Sie dominante Knospen abschneiden, regt der verstärkte Saftdruck bislang nachrangige Augen zum Wachstum an. Das Resultat ist eine üppige Verzweigung an der Strauchbasis. So gelingt der perfekte Pflanzschnitt:

  • Bester Zeitpunkt ist im Frühjahr nach der Pflanzung
  • Wurzelnackte Jungsträucher: alle Triebe um ein Drittel oder die Hälfte zurückschneiden
  • Faustregel für die Schnittführung: je schwächer die jungen Triebe, desto kräftiger der Pflanzschnitt
  • Getopfte Ware mit Wurzelballen: beschädigte, schwache Triebe abschneiden, übrige Triebe nicht schneiden

Bevor Sie einen wurzelnackten Viburnum-Strauch in die Erde setzen, unterziehen Sie die Wurzeln bitte einer genauen Prüfung. Abgeknickte, eingerissene oder in anderer Weise beschädigte Wurzelstränge schneiden Sie bitte ab. Überlange Wurzeln kürzen Sie ein auf eine Länge von 20 bis 25 Zentimetern.

Tipps

Einige der schönsten Viburnum-Arten tragen Blätter, die bedeckt sind mit hauchzarten Fasern. Allergiker und Asthmatiker sollten beim Schneiden der betreffenden Schneeball-Sorten Atemmaske und Schutzbrille anlegen, um einen Kontakt der Augen oder Atemwege mit den feinen Härchen zu vermeiden.

Sporadischer Form- und Erhaltungsschnitt

Seine wohlgeformte Silhouette bildet ein Schneeball aus eigener Kraft. In jungen Jahren können gärtnerische Eingriffe die natürliche Schönheit nicht optimieren. Bis zum sechsten oder achten Standjahr beschränkt sich die Schnittpflege darauf, abgeknickte oder befrorene Triebe zu entfernen. Untenstehende Abbildung illustriert, wie ein älterer Viburnum profitiert von einem gelegentlichen Form- und Erhaltungsschnitt, wenn spätestens nach acht Jahren seine Vitalität nachlässt. So schneiden Sie einen Schneeball richtig:

  • Bester Zeitpunkt ist nach der Blütezeit
  • Astschere schärfen, reinigen und mit Spiritus desinfizieren
  • Zu Beginn abgestorbene, quer wachsende und beschädigte Äste auslichten
  • Überlange, sich zu Boden neigende Triebe ableiten auf einen innen stehenden, einjährigen Seitentrieb

Mit Beginn des sechsten Standjahres beugen Sie Alterserscheinungen effektiv vor, indem Sie fortan in jedem Jahr den jeweils ältesten Bodentrieb auslichten. Als Ersatz ziehen Sie den kräftigsten Jungtrieb heran, den Sie in den ersten Jahren nicht verschneiden. Schwache Bodentriebe, die infolge der Auslichtung sprießen, müssen weichen für einen lichtdurchfluteten, luftigen Schneeball-Strauch.

Schneeball schneiden

Nach 6 bis 8 Jahren Standzeit profitiert ein Schneeballstrauch von einem Form- und Erhaltungsschnitt. Überlange Zweige leiten Sie ab auf einen tiefer stehenden, einjährigen Seitentrieb. Einen oder zwei der ältesten Bodentriebe sollten weichen, um das Wachstum junger Triebe zu fördern.

Exkurs

Übermäßiger Schnitt verursacht Blattlausbefall

Es sind nicht allein ästhetische Kriterien, die einen starken Rückschnitt an Schneeball-Sträuchern verbieten. Charakteristisch für Viburnum ist ein massiver Austrieb sehr langer, weicher Triebe als Antwort auf einen tiefreichenden Schnitt. Eine bedächtige Wuchsgeschwindigkeit von 10 bis 15 cm jährlich bewirkt, dass junge Triebe nur langsam verholzen. Diese Zusammenhänge offerieren Blattläusen ideale Bedingungen. Es ist dringend zu empfehlen, die Schnittpflege auf das unbedingt Notwendige zu beschränken. Im Ernstfall bekämpfen Sie Läuse an Viburnum mit praxiserprobten Hausmitteln, wie der bewährten Seifenlösung.

Verwelkte Blüten nicht ausputzen

Die ball- oder tellerförmigen Blüten verwandeln sich bis zum Herbst in blau-schwarze Beeren, die einen Schneeballstrauch bis weit in den Winter verzieren. Auf dem Weg dorthin sind die verwelkten Blütenstände für kurze Zeit wahrlich keine Augenweide. Wer die floralen Zeichen der Vergänglichkeit toleriert, wird belohnt mit einem prächtigen Fruchtschmuck. Ausputzen verblühter Viburnum-Blüten ist einzig im Familiengarten ratsam, weil unreife Beeren leicht giftig sind.

Alten Viburnum etappenweise verjüngen

Langsames Wachstum und geringer Schnittbedarf verleiten Hausgärtner dazu, die Schnittpflege vollkommen unter den Tisch fallen zu lassen. Ohne gelegentliches Auslichten von Totholz und Verschlanken überlanger Äste, vergreist der Schneeball zu einem undurchdringlichen, blütenarmen Dickicht. Wie gut, dass die meisten Viburnum-Arten schnittverträglich sind. Statt einen alten, vernachlässigten Strauch zu roden, behebt ein Verjüngungsschnitt das Problem. So gelingt es:

  • Viburnum in zwei Etappen verjüngen
  • Bester Zeitpunkt ist jeweils im Spätwinter bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt
  • Erstes Jahr: die Hälfte der Äste bodeneben abschneiden
  • Im Sommer: Jungtriebe im Juli um die Hälfte zurückschneiden
  • Zweites Jahr: zweite Hälfte der Bodentriebe auslichten
  • Im Sommer: aus der zweiten Etappe resultierende neue Bodentriebe um die Hälfte einkürzen

Der sommerliche Regulierungsschnitt des neuen Austriebs fördert primär die Standfestigkeit. Fernerhin bewirkt der Rückschnitt in der unteren Hälfte einen Saftstau, der dazu beiträgt, dass der verjüngte Schneeball am Ansatz üppig verzweigt. Das Blütengehölz ist gut aufgestellt mit einem Gerüst aus fünf bis sieben Bodentrieben. Überzählige Bodentriebe sollten entfernt werden für einen gelungenen Neuaufbau.

Hintergrund

Verjüngungsschnitt im Winter absolvieren

Die spätwinterlichen Wochen zwischen Mitte Januar und Anfang März sind in mehrfacher Hinsicht die beste Zeit, um einen alten Schneeballstrauch zu revitalisieren. Im Übergang von winterlicher Ruhepause zur sommerlichen Wachstumsperiode steigt der Saftdruck mächtig an. An langsam wachsenden Viburnum-Arten bewirken Schnittmaßnahmen jetzt den maximalen Effekt, den Sie am kräftigen Austrieb erkennen können. Fernerhin gehen Sie mit der winterlichen Terminwahl konform mit den Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes. Darin schreibt § 39 vor, dass ein umfangreicher Gehölzschnitt gestattet ist zwischen 1. Oktober und 28. Februar. Grund ist der Schutz wildlebender Tiere, insbesondere brütender Vögel.

Schnitt-Technik an Knospen beachten

Aus welchem Anlass auch immer Sie Ihrem Schneeball einen Schnitt verordnen, der Schüssel zum Erfolg ist die richtige Schnitt-Technik. Wählen Sie für die Schnittstelle eine kräftige Knospe, die nach außen gerichtet ist. Eine Distanz von 5 Millimetern sorgt dafür, dass Sie weder ins Auge schneiden noch einen langen Stummel stehen lassen. Untenstehende Abbildung demonstriert, wie Sie die Schere perfekt ansetzen.

Schneeball Rückschnitt

Schneiden Sie Schneeball-Zweige kurz über einer Knospe. Halten Sie die Schere leicht schräg, sodass sich der höchste Punkt genau über der Knospe befindet.

Häufig gestellte Fragen

Ist der Schneeball giftig?

Alle Viburnum-Arten und Sorten werden den mäßig giftigen Pflanzen zugeordnet. Blätter, Rinde und unreife Früchte enthalten verschiedene Toxine, die bei Mensch und Tier in größeren Mengen Vergiftungserscheinungen verursachen können. Für die reifen, blauschwarzen Beeren gilt das nicht. In Osteuropa werden die Früchte im Herbst geerntet und zu Gelee verarbeitet.

An unserem Schneeball ‚Aurora‘ wachsen ringsherum etliche Triebe mit andersartigen, gelappten Blättern. Kann es sich um Wildtriebe handeln?

Bei Viburnum carlesii ‚Aurora‘ handelt es sich um eine Veredelung. Aus diesem Grund ist es keine Seltenheit, dass aus dem Wurzelstock naseweise Wildlinge sprießen. Die andersartigen Blätter sind ein deutlicher Hinweis. Entfernen Sie die Wildtriebe direkt von der Wurzel mit einem beherzten Ruck oder möglichst tiefen Schnitt. Das unterbindet das Wachstum weiterer Wildlinge.

Sollte ich die verwelkten Blüten stehen lassen, um in den Genuss des Fruchtschmucks zu kommen oder können die unschönen, braunen Reste abschnitten werden?

Die dekorativen Beerenfrüchte können sich nur dann entwickeln, wenn Sie verwelkte Blüten am Schneeball belassen. An frühblühenden und frostempfindlichen immergrünen Viburnum-Sorten sind nach starken Nachtfrösten häufig erfrorene Blütenstände zu beklagen. Daraus kann sich keine Frucht mehr bilden, sodass Sie die abgestorbenen Reste entfernen können.

Vergangenes Jahr haben wir einen Winterschneeball gepflanzt, der tatsächlich im Februar erblühte. Dann kam Anfang März der große Schnee, der einen mehr als dürftigen Strauch hinterlassen hat. Was können wir tun?

Gerade ein junger Schneeballstrauch profitiert von einem Rückschnitt seiner Triebe, um die Verzweigung anzuregen. Selbst wenn jetzt weitere Blüten und Knospen einem Schnitt zum Opfer fallen, sollten Sie alle Äste um die Hälfte zurückschneiden. Infolge von Schneedruck eingeknickte Triebe lichten Sie aus.

Meinen 10 Jahre alten Viburnum habe ich noch nie geschnitten. Wie geht das? Wann ist der beste Zeitpunkt?

Nach der Blütezeit ist der optimale Zeitpunkt für einen Rückschnitt. Schneiden Sie den Strauch von allen Seiten um etwa ein Drittel zurück. Für ein lichtdurchflutetes Wachstum ist eine rundliche Form ideal. Totes und erkennbar krankes Holz entfernen Sie komplett.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Lassen sich Gärtner durch die gutmütige Schnittverträglichkeit von Viburnum verleiten zu einem radikalen Schnitt, sind lange, weiche Triebe und Blattlausbefall vorprogrammiert. Ausputzen verwelkter Blüten beraubt den Schneeball seiner schmucken Beerentracht. Folgende Übersicht macht aufmerksam auf drei häufige Schnittfehler an Schneeball-Sträuchern mit Hinweisen für eine umsichtige Vorbeugung:

SchnittfehlerSchadbildVorbeugung
zu radikal geschnittenAustrieb langer, weicher Triebe, Blattlausbefallgelegentlich auslichten, vereinzelte überlange Äste ableiten
verwelkte Blüten abgeschnittenkein herbstlicher Fruchtschmuckabgeblühten Viburnum nicht ausputzen
stumpfe Astschere verwendetausgefranste Schnittwunden, Ausbreitung von KrankheitenScherenklingen frisch schärfen und penibel desinfizieren
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Tipps

Der seltene Schnittbedarf impliziert nicht, dass Sie bei Ihren schönsten Schneeballsträuchern auf die unkomplizierte Vermehrung durch Stecklinge verzichten müssen. Im Frühsommer ist die beste Zeit, halb verholzte, nicht blühende Triebspitzen abzuschneiden mit einer Länge von 8 bis 15 Zentimetern. Die untere Hälfte wird entlaubt, bevor Sie jeden Steckling in einen Topf mit Anzuchterde pflanzen und angießen.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: Valeriya Popova 22/Shutterstock

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