Sarracenia richtig pflegen

Sarracenia oder auch Schlauchpflanze bzw. Trompetenpflanze ist eine aus acht Arten bestehende Gattung von fleischfressenden Pflanzen. Alle bekannten Arten sind in den küstennahen Regionen der USA sowie Kanadas verbreitet und stammen somit aus den gemäßigt warmen Zonen. Hier gedeihen sie vornehmlich in nährstoffarmen Böden, etwa in Moorgebieten, und peppen ihren Speisezettel mit vorbeifliegenden Insekten auf. Sarracenia können sowohl in Pflanzgefäßen als auch ausgepflanzt im Garten - beispielsweise in der Nähe eines Gartenteiches - kultiviert werden.

sarracenia
Die Sarracenia mag es feucht

Herkunft und Verbreitung

Alle acht Arten der Schlauchpflanze oder auch Trompetenpflanze (bot. Sarracenia) ist in den USA heimisch, wo sie entlang der gesamten Ostküste bis hoch nach Kanada sowie im Norden auch weit in den Westen hinein in den Moorgebieten und auf mageren, feuchten Wiesen wild wachsen. Am bekanntesten ist wahrscheinlich die Rote Schlauchpflanze (bot. Sarracenia purpurea), die sich aufgrund ihrer Winterhärte und Robustheit auch bei uns sehr gut als Garten- und Kübelpflanze kultivieren lässt. Darüber hinaus tritt die Art in vielen Teilen bereits verwildert auf, beispielsweise in Irland, aber auch in der Schweiz sowie in Deutschland. Nichtsdestotrotz gelten alle Sarracenia-Arten als in ihrem Bestand gefährdet, da ihr natürlicher Lebensraum – Sumpf- und Moorgebiete – durch den Menschen stark zurückgedrängt wurde.

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Somit trägt der Gärtner durch ihre Kultur zur Erhaltung der fleischfressenden Arten bei, zumal sich die Moor- und Sumpfpflanzen sich wunderbar im heimischen Wassergarten – etwa in Teich- oder Bachlaufnähe – kultivieren lassen.

Aussehen und Wuchs

Alle Sarracenia-Arten besitzen ein kurzes Rhizom, manchmal auch einen Stamm, aus denen eine immergrüne, grundständige Blattrosette sprießt. Die Pflanzen sind mehrjährig.

Blätter

Die Blätter der karnivoren Sarracenia sind immergrün, erneuernd sich jedoch ungefähr einmal jährlich. Wuchs und Aufbau sind charakteristisch und verleihen der Pflanze ihr eigentümliches Aussehen: Die Blätter wachsen gänzlich ohne Stiel direkt aus dem Rhizom straff aufrecht und besitzen am oberen Ende eine schlauchartige Öffnung, die praktisch wie ein Trichter (2,87€ bei Amazon*) fungiert und sowohl Regenwasser auffängt als auch als Falle für hineinfallende Insekten dient. Im Inneren der Blätter sammelt sich das Regenwasser zusammen mit Bakterien, anderen Kleinstlebewesen und verschiedenen Verdauungsenzymen und dient der Verdauung der eingefangenen Insekten. Diese werden übrigens mittels Duftstoffen und Absonderungen von süßem Nektar angelockt und haben, einmal hineingefallen, aufgrund der glatten Wände keine Chance zu entkommen. Lediglich das Laub der Papageien-Schlauchpflanze wächst nicht nach oben, sondern liegt waagerecht auf dem Boden.

Neben der auffälligen Form besitzen die Blätter zudem eine hübsche grüne und mit farbigen Blattadern durchzogener Färbung. So ist das Laub der Roten Schlauchpflanze etwa kräftig mit roten Adern durchzogen, das der Gelben Trompetenpflanze (bot. Sarracenia flava) hingegen mit gelblich-grünen.

Blüte und Blütezeit

Im zeitigen Frühjahr, zusammen mit den ersten neuen Blättern, bilden sich die rundlichen, lampionähnlichen Blüten der Schlauchpflanze. Diese sitzen hoch über den schlauchartigen Blättern einzeln an hohen Blütenstängeln, damit die bestäubenden Insekten – meist handelt es sich um Bienen – nicht gefährdet werden. Die je nach Art zwischen drei und zehn Zentimeter großen Blüten haben einen ungewöhnlichen Aufbau und sind intensiv gefärbt. Ebenfalls typisch ist der meist unangenehme Geruch, der mehr oder weniger stark ausfallen kann. Die etwa zwei Wochen lang geöffneten Blüten der Gelben Schlauchpflanze beispielsweise verströmen einen an Katzenurin erinnernden Duft.

Frucht und Samen

Nach einer erfolgreichen Bestäubung bildet Sarracenia fünfkammerige Kapselfrüchte aus, die bis zu 600 bis zu zwei Millimeter große Samen enthalten. Die Früchte brauchen ungefähr fünf Monate für die Reifung, bei der sie schließlich erst welken und dann aufreißen. Die winzigen Samen sind von einer wächsernen Hülle umgeben, die sie vor Feuchtigkeit schützt. Schließlich werden diese in der Natur über fließendes Wasser weggeschwemmt und so verbreitet.

Schlauchpflanzen lassen sich mit etwas Sachkenntnis sehr gut über Samen vermehren, allerdings dauert es zwischen drei und fünf Jahre bis die Sämlinge ausgewachsen sind und erstmals Blüten ausbilden. Sie bilden jedoch von Anfang an noch einfacher aufgebaute, doch bereits funktionsfähige Insektenfallen aus. Übrigens gehören alle Sarracenia-Arten zu den Kaltkeimern, deren Samen ihre Keimhemmung erst durch einen Kältereiz verlieren.

Giftigkeit

Im Allgemeinen gelten Schlauchpflanzen für Mensch und Haustier als ungiftig. Allerdings enthalten manche Sarracenia-Arten (beispielsweise die Kleine Schlauchpflanze, Sarracenia minor) geringe Mengen des Giftes Coniin, welches auch der hochgiftige Gefleckte Schierling (Conium maculatum) produziert. Höchstwahrscheinlich dient das Gift dazu, gefangene Insekten zu betäuben.

Welcher Standort ist geeignet?

Damit sich die Sarracenia im Beet wohlfühlt, braucht sie einen passenden Standort. Am besten eignet sich ein möglichst vollsonniger, luftiger Platz, an dem die Pflanze mindestens sechs Stunden täglich Sonne bekommt. Lediglich die pralle Mittagssonne kann zu Verbrennungen führen und sollte daher vermieden werden. Hinsichtlich der Temperatur fühlt sich die Schlauchpflanze bei warmen 20 bis 25 °C am wohlsten, verträgt, zumindest ausgepflanzt im Beet, jedoch auch 30 °C und mehr – vorausgesetzt, sie erhält genug Feuchtigkeit.

Auch als Zimmer- bzw. Terrariumpflanze kultivierte Sarracenia benötigen viel Licht, welches notfalls mittels Pflanzenleuchten installiert werden sollte. Da die Pflanzen zudem eine hohe Luftfeuchtigkeit benötigen und trockene Umgebungsluft nicht vertragen, halten Sie sie bestenfalls in einem Gefäß oder Terrarium aus Glas. Hier lässt sich das benötigte Kleinklima am einfachsten herstellen. Gartenexemplare setzen Sie hingegen in die Nähe eines Wasserlaufs bzw. eines Gartenteichs.

Boden / Substrat

Pflanzen Sie die Schlauchpflanze am besten in Moorbeeterde, die schwach sauer bis sauer und möglichst feucht sein sollte. Der Pflanze schadet es auch nicht, mehrere Zentimeter tief im Wasser zu stehen. Aus diesem Grund eignet sie sich auch wunderbar als Randbepflanzung für (künstlich angelegte) Gewässer im Garten.

Übrigens lässt sich ein Moorbeet relativ unkompliziert selbst anlegen. Dazu müssen Sie lediglich eine etwa 40 bis 60 Zentimeter tiefe Grube in der gewünschten Größe ausheben, mit Teichfolie auskleiden und mit Torf- bzw. Moorbeeterde füllen. Wichtig ist allerdings, dass die verwendete Pflanzerde ungedüngt ist, da die fleischfressenden Sarracenia auf zusätzliche Düngung sehr empfindlich reagieren. Durchtränken Sie das Beet zum Schluss mit reichlich Wasser und bepflanzen Sie es.

Werden die Schlauchpflanzen hingegen im Topf kultiviert, sollten Sie sie in eine spezielle Karnivorenerde, in Moorbeeterde oder alternativ in ein Gemisch aus Weißtorf und Sand setzen.

Sarracenia richtig pflanzen

Der beste Zeitpunkt zum Pflanzen der Sarracenia ist das Frühjahr, damit die Stauden sich bis zum Winter noch gut an ihrem neuen Standort etablieren können. Wählen Sie einen milden Tag im Mai, möglichst nach den Eisheiligen, wenn eventuelle Spätfröste nicht mehr zu befürchten sind. Dieser Zeitpunkt ist auch optimal für ein Umpflanzen der Schlauchpflanzen.

Sarracenia gießen

Sarracenia ist eine typische Moorbeetpflanze, der es im Grunde nicht nass genug sein kann. Im Gegensatz zu vielen anderen Garten- und auch Zimmerpflanzen sollten Schlauchpflanzen konstant feucht stehen und vertragen auch Staunässe sehr gut. In Töpfen kultivierte Exemplare sollten Sie täglich gießen und dabei das Wasser vorzugsweise direkt in den Untersetzer geben.

Verwenden Sie auf keinen Fall Leitungswasser, denn wie alle karnivoren Pflanzen reagieren auch Sarracenia auf Kalk sehr empfindlich und würden über kurz oder lang eingehen. Nehmen Sie stattdessen Regen- oder Teichwasser bzw. , falls beides nicht vorhanden ist, gut entkalktes Leistungswasser. Zudem sollten Topfpflanzen als auch bei Trockenheit ausgepflanzte Gartenexemplare mit handwarmem, entkalktem Wasser besprüht werden.

Sarracenia richtig düngen

Wie alle karnivoren Pflanzen muss – oder besser: darf – Sarracenia nicht gedüngt werden. Die Pflanzen versorgen sich über gefangene Insekten selbst. Bitte kommen Sie auch nicht in Versuchung und füttern die Gewächse: Auch hierbei ist ein „Überfüttern“ möglich, zudem verfügen die Pflanzen über Wurzeln, die bei ausbleibenden Insekten ebenfalls für die Nährstoffversorgung verwendet werden.

Sarracenia richtig schneiden

Schlauchpflanzen sollten nicht zurückgeschnitten oder anderweitig mit einer Schere bzw. einem Messer behelligt werden.

Sarracenia vermehren

Ist Ihre Begeisterung für die interessante Schlauchpflanze geweckt? Dann können Sie mit relativ wenig Aufwand selbst für Nachwuchs sorgen:

  • Teilung größerer Pflanzen im Frühjahr
  • Aussaat selbst gesammelter oder gekaufter Samen

Die im Herbst reifenden Samen können eingesammelt und, in feuchtem Sand sowie in einem gut verschlossenem Gefäß, bis zu einem Jahr gelagert werden. Bewahren Sie sie möglichst im Gemüsefach des Kühlschranks auf. Sie können Sie zudem entweder im Herbst gleich ins Beet aussäen oder aber in Töpfen vorziehen. Davor allerdings müssen sie auf jeden Fall für mindestens zwei Monate im Kühlschrank stratifiziert werden. Säen Sie sie anschließend in kleine Töpfe oder Schalen mit sehr feuchter Erde aus und kultivieren Sie diese bei etwa zehn bis 15 °C. Die Sämlinge keimen nach etwa drei bis vier Wochen und sollten so schnell wie möglich pikiert werden. Ab Ende Mai können die jungen Sarracenia schließlich ins Beet.

Überwintern

Sarracenia gehören zu den wenigen bei uns winterharten karnivoren Pflanzen. Auch Zimmerexemplare benötigen eine Winterruhe, weshalb Sie sie zwischen November und März bei Temperaturen zwischen zwei und höchstens zehn °C kühl, aber frostfrei pflegen. Gießen Sie die Pflanzen während dieser Zeit deutlich weniger.

In Töpfen kultivierte Sarracenia, die den Sommer über draußen auf dem Balkon oder der Terrasse stehen, sollten ebenfalls ins Haus geholt werden.

Tipps

Schlauchpflanzen harmonieren im Moorbeet sehr gut zusammen mit Sumpfveilchen (Viola lanceolata), Moorlilien (Narthecium ossifragum), Moornelken (Helonias bullata) sowie anderen Karnivoren wie etwa dem Rundblättrigen Sonnentau (Drosera rotundifolia) oder der Venusfliegenfalle (Dionea muscipula).

Arten und Sorten

Die Gattung der Schlauchpflanzengewächse umfasst zwar lediglich acht verschiedene Arten, ist aber reich an den unterschiedlichsten Hybriden. Vor allem die Arten Sarracenia purpurea, S. flava und S. leucophylla haben sich unter mitteleuropäischen Bedingungen als frosthart erwiesen und fühlen sich hier überaus heimisch.

  • Gelbe Schlauchpflanze (Sarracenia flava): bis 100 Zentimeter hoch, Blätter gelblich gefärbt und oft rot marmoriert, Blütenstand gelb und rot geädert, intensiver, unangenehmer Duft
  • Rote Schlauchpflanze (Sarracenia purpurea): häufigste Art mit kräftig rot geäderten Blätter und tiefroten Blüten
  • Weiße Schlauchpflanze (Sarracenia leucophylla): Wuchshöhe bis zu 120 Zentimeter, weiße Blätter, dunkelrote Blüten
  • Blasse Schlauchpflanze (Sarracenia alata): Wuchshöhe bis 80 Zentimeter, gelblichgrüne Blätter mit roter Spitze, cremeweiße Blüten
  • Kleine Schlauchpflanze (Sarracenia minor): niedriger Wuchs zwischen 25 und 35 Zentimeter, hellgelbe Blüten
  • Grüne Schlauchpflanze (Sarracenia oreophila): Wuchshöhe bis 70 Zentimeter, gelbgrüne Blätter mit rot geädertem Deckel, gelbe Blüten
  • Papageien-Schlauchpflanze (Sarracenia psittacina): seltene Art mit roten Blättern und weißen Hauben sowie roten Blüten, Wuchshöhe bis 40 Zentimeter
  • Braunrote Schlauchpflanze (Sarracenia rubra): braunrot gemusterte Blätter, rote Blüten, Wuchshöhe bis 40 Zentimeter
Text: Ines Jachomowski
Artikelbild: Natascha Zhdanova/Shutterstock

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