Lenzrosen: Arten und Pflege

Die Lenzrose (bot. Helleborus orientalis) - auch als Frühlings-Christrose oder Orientalische Nieswurz bezeichnet - ist ein farbenprächtiger Frühjahrsblüher. Im Gegensatz zur verwandten Christrose blüht die Art nicht nur weiß, sondern auch in vielen anderen, kräftigen Tönen - und das oft bereits schon am Ende des Winters, wenn sich alle anderen Gartengewächse noch in tiefster Winterruhe befinden. Einmal angewachsen, braucht die Lenzrose nur wenig Pflege.

Orientalische Nieswurz
Lenzrosen blühen meist zartrosa oder weiß

Herkunft und Verbreitung

Die wilde Lenzrose oder auch Orientalische Nieswurz (bot. Helleborus orientalis) hat ihr natürliches Verbreitungsgebiet in Vorderasien zwischen der Türkei und dem Kaukasus. Hier wachsen die hübschen Frühblüher vornehmlich an Waldrändern sowie auf Lichtungen. Die Art ist eng mit den anderen Helleborus-Gattungen wie etwa der Christrose verwandt, mit denen sie sich auch kreuzen. Die daraus entstandenen (und immer noch entstehenden) Hybriden, die so genannten Helleborus orientalis-Hybriden, sind beliebte Zierpflanzen in vielen Gärten.

Verwendung

Als ausgesprochen früh blühende Art kommen Lenzrosen am besten zur Geltung, wenn Sie verschiedenfarbig blühende Sorten miteinander kombinieren oder Helleborus gemeinsam mit ebenso früh blühenden Sträuchern, frühen Stauden (etwa Lungenkraut) oder ebensolchen Zwiebelblumen vergesellschaften. Empfehlenswert sind vor allem Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Schneeglöckchen (Galanthus), Elfenblümchen (Epimedium) oder das Duftveilchen (Viola). Des Weiteren lassen sich spätere Lücken im Staudenbeet vermeiden, wenn Sie die Lenzrosen zusammen mit Farnen und Ziergräsern sowie später blühenden Stauden – beispielsweise dem Storchenschnabel (Geranium) – pflanzen.

Helleborus eignet sich zudem nicht nur für die Kultur im Gartenbeet, sondern kann auch in einem Kübel auf dem Balkon oder der Terrasse gepflegt werden.

Aussehen und Wuchs

Im Gegensatz zur verwandten Christrose sind Lenzrosen deutlich langlebiger: An einem passenden Standort können die lediglich bis ca. 50 Zentimeter hoch wachsenden Stauden bis zu 40 Jahre alt werden. Die wintergrünen Pflanzen wachsen sehr langsam und bilden allmählich buschige, lockere Horste aus. Die Art verwildert sehr leicht, wobei sich die verschiedenen Sorten miteinander mischen und sich so neue Kombinationen ergeben. Lenzrosen gehören wie alle Helleborus-Arten in die Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).

Blätter

Die langgestielten, auffallend ledrigen Blätter sitzen grundständig an den Rhizomen des kräftigen Wurzelwerks. Das robuste, dunkelgrüne Laub ist das ganze Jahr über an der Pflanze, wobei die alten Blätter nach dem Austrieb der neuen absterben.

Blüten und Blütezeit

Die meist einfachen Schalenblüten der Lenzrose weisen eine große Farbpalette auf: Im Handel sind Sorten mit einfarbig weißen, cremefarbenen, gelben, rosafarbenen bis hin zu dunkelroten Blüten ebenso wie gesprenkelte, punktierte oder gestreifte Varietäten erhältlich. Des Weiteren gibt es mittlerweile Züchtungen mit gefüllten Blüten. Die bis zu zehn Zentimeter im Durchmesser messenden Blütenschalen sitzen an lockeren, verzweigten Trieben und hängen charakteristischerweise leicht nach unten. Je nach Witterung erscheinen sie bereits ab Februar und können ihre Pracht oft bis Ende April zeigen. Wie Hortensien verfärben sich die fünf Blütenblätter im Verblühen häufig grün.

Früchte

Nach der Blüte bilden sich die für Hahnenfußgewächse typischen Balgfrüchte aus, die schon im Frühsommer reife Samen beinhalten. Schneiden Sie verblühte Triebe nach Möglichkeit nicht ab, denn Lenzrosen säen sich an geeigneten Standorten von selbst aus. Dabei geraten die Pflanzen aufgrund ihres eher behäbigen Wachstums nicht ins Wuchern, kommen aber, einmal in den Garten gepflanzt, oft jahrzehntelang immer wieder. Allerdings sind die Sämlinge nicht sortenecht, so dass die daraus entstehenden Pflanzen verschiedene Blütenfarben zeigen.

Giftigkeit

Wie alle Nieswurzgewächse sind auch die hübschen Lenzrosen leider stark giftig. Schon der Verzehr geringer Mengen der Pflanze kann heftige Vergiftungserscheinungen hervorrufen, weshalb in einem solchen Fall sofort ein Arzt aufgesucht werden sollte. Giftig wirken vor allem das enthaltene Saponin sowie die gattungstypischen Glykoside Helleborein und Hellebrin. Austretender Pflanzensaft wirkt bei empfindlichen Menschen hautreizend, weswegen Sie etwa bei einem Rückschnitt stets Handschuhe sowie einen Augenschutz tragen sollten.

Den deutschen Namen “Nieswurz” verdankt die Pflanze übrigens der aus früheren Zeiten stammenden Angewohnheit, die Rhizome zu trocknen, zu pulverisieren und als Schnupfmittel zu gebrauchen. Während des Mittelalters waren Helleborus-Arten wie die Lenzrosen übrigens auch als Heilpflanzen gefragt, wovon heutzutage aufgrund ihrer Giftigkeit jedoch abgeraten wird.

Welcher Standort ist geeignet?

Am richtigen Standort kommen Lenzrosen von ganz allein immer wieder, auch ohne weitere pflegende Maßnahmen. Am wohlsten fühlen sich die Pflanzen an Plätzen, die ihren natürlichen Habitaten ähneln. Setzen Sie sie daher möglichst in den hellen Halbschatten unter größere Laubbäume oder Sträucher bzw. an den Rand von Gehölzpflanzungen. Dort darf es jedoch nicht zu dunkel sein, sonst tritt die aparte Blüte nicht in Erscheinung. Grundsätzlich fühlt sich Helleborus auch an vollsonnigen Standorten wohl, sofern der Boden an einem solchen ausreichend feucht ist.

Boden

Setzen Sie Lenzrosen in einen gut durchlässigen, frischen und humusreichen Lehmboden. Dieser kann ruhig kalkhaltig sein, denn ebenso wie die verwandten Christrosen sind Helleborus-Hybriden sehr kalktolerant. Auch einen säuerlichen pH-Wert vertragen die robusten Spätwinterblüher in der Regel sehr gut. Des Weiteren ist auf den im Alter wachsenden Platzbedarf der Pflanzen zu achten, denn diese breiten sich mit der Zeit allmählich aus.

Lenzrosen richtig pflanzen

Lenzrosen pflanzt man am besten nach der Blüte im Frühjahr. Gehen Sie dabei wie folgt vor:

  • Heben Sie ein ausreichend großes Pflanzloch aus.
  • Dieses sollte doppelt so groß wie der Wurzelballen sein.
  • Halten Sie einen Pflanzabstand von mindestens 15 Zentimetern ein.
  • Lockern Sie die Erde gut.
  • Fügen Sie dem Aushub reifen Gartenkompost und Laubhumus hinzu.
  • Pflanzen Sie die Lenzrosen ein.
  • Drücken Sie die Erde gut an und wässern Sie die Pflanzen.
  • Entfernen Sie bei frisch gepflanzten Lenzrosen die Blütenstängel.
  • So wachsen die Stauden schneller an.
  • Mulchen Sie den Wurzelbereich, um den Boden feucht zu halten.

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Lenzrosen gießen

Lenzrosen lieben einen stets leicht feuchten Boden und brauchen diesen auch, wenn sie im nächsten Frühjahr wieder üppig blühen sollen. Kurzzeitig kommen die Frühlingsboten zwar mit Trockenheit zurecht, bilden jedoch anschließend oft weniger Blüten aus. Achten Sie also vor allem während trockener Perioden in den Sommermonaten auf eine ausreichende Wasserversorgung. Übertreiben Sie es dabei jedoch nicht, denn übermäßige Feuchtigkeit oder sogar Staunässe quittiert die Lenzrose mit Wurzelfäule. Aus diesem Grund muss der Boden gut durchlässig sein, damit Regen- und Gießwasser schnell versickern kann.

Lenzrosen richtig düngen

Lenzrosen brauchen auf humusreichen Böden keine Düngung, weshalb eine Kompostgabe im Frühjahr vollkommen ausreichend ist.
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Lenzrosen richtig schneiden

Schnittmaßnahmen sind im Grunde nicht notwendig, allerdings sollten Sie im Spätherbst das alte Laub entfernen. Grund sind Pilzkrankheiten wie etwa die Schwarzfleckenkrankheit, die in der kalten Jahreszeit bevorzugt die Blätter der Lenzrose befällt. Zwecks Eindämmung der Selbstaussaat kann auch das Zurückschneiden der verblühten Triebe sinnvoll sein.

Lenzrosen vermehren

Lenzrosen lassen sich leicht sowohl durch Aussaat als auch durch Teilung vermehren, wobei die Nachkommen allerdings nicht sortenecht sind. Lassen Sie sich also überraschen, welche Blütenfarben die nachkommenden Generationen entwickeln.

Nehmen Sie die Teilung im Spätsommer oder im frühen Herbst vor und wählen Sie für diesen Zwecke eine bereits gut an ihrem Standort etablierte, größere Pflanze aus. Graben Sie diese aus und achten Sie darauf, dass jedes Teilstück mindestens zwei Triebe besitzt. Tragen Sie unbedingt Handschuhe, um nicht in Kontakt mit den Pflanzensäften zu kommen.

Die Samen müssen vor dem Keimen stratifiziert werden – d. h. eine Kälteperiode durchlaufen – und dürfen zudem bei der Aussaat nicht mit Erde bedeckt werden. Lenzrosen gehören zu den Lichtkeimern.
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Überwintern

Lenzrosen sind absolut winterhart und benötigen – mit Ausnahme von in Töpfen kultivierten Exemplaren – keinen speziellen Winterschutz. Im Herbst können Sie die Pflanzen lediglich neu mulchen und so für eine zusätzliche Nährstoffquelle sorgen. In regnerischen Wintern schützt ausgebrachter Reisig die Pflanzen vor übermäßiger Feuchtigkeit. Bei Temperaturen ab minus 15 Grad Celsius sterben die Blätter häufig ab, treiben jedoch im Frühjahr aufs Neue aus.

Krankheiten und Schädlinge

Im Hinblick auf Krankheiten und Schädlinge ist die Lenzrose recht unempfindlich. Problematisch kann im Herbst oder Winter lediglich die so genannte Schwarzfleckenkrankheit werden, die sich durch bräunliche bis schwarze Flecken auf den Blättern äußert. Schneiden Sie das Laub daher vorbeugend ab. Des Weiteren haben Blattläuse den Winterblüher zum Fressen gern, allerdings lassen sich diese mit einer gezielten Dusche bzw. dem gelegentlichen Besprühen mit Brennnesselsud schnell wieder vertreiben.

Tipps

Lenzrosen sind standorttreu und reagieren auf ein Umpflanzen meist ungnädig. Achten Sie daher auch beim Teilen der Staude darauf, dass diese ebenso tief wieder in den Boden kommt wie sie zuvor stand – und nicht etwa tiefer.

Arten und Sorten

Im Grunde handelt es sich bei den im Handel erhältlichen Lenzrosen-Hybriden nicht mehr um solche, sondern um Kreuzungen verschiedener Helleborus-Arten. Kaum eine Sorte gleicht der anderen, zudem entstehen immer wieder neue Varietäten – beispielsweise infolge der Selbstaussaat der Pflanzen im eigenen Garten. Die schönsten Sorten sind beispielsweise die folgenden:

  • ‘Blue Metallic Lady’: Wuchshöhe bis 40 Zentimeter, imposante Wuchsbreite bis 60 Zentimeter, metallisch glänzende, purpurrote Blüten
  • ‘Double Aubergine’: Wuchshöhe bis 60 Zentimeter, gefüllte, dunkelviolette Blüten
  • ‘Favorit’: sehr robuste, erst ab März blühende Sorte, Wuchshöhe bis 30 Zentimeter
  • ‘Frühlingstanz’: Wuchshöhe bis 60 Zentimeter, mehrfarbig rosafarbene und gelb gemusterte Blüten
  • ‘Gelber Schmetterling’: Wuchshöhe bis 60 Zentimeter, gelbe Blüten mit roter Maserung
  • ‘Party Dress Ewelina’: Wuchshöhe bis 40 Zentimeter, gefüllte, weiße Blüten mit auffallend roter Punktmaserung im Inneren
  • ‘Pink Lady’: Wuchshöhe bis 40 Zentimeter, einfache, kräftig pinkfarbene Blüten
  • ‘Red Lady’: Wuchshöhe bis 40 Zentimeter, einfache, dunkelrote Blüten
  • ‘Rock’n’Roll’: Wuchshöhe bis 60 Zentimeter, gefüllte Blüten mit auffällig gepunkteten, rosaroten Blütenblättern
  • ‘Tango’: Wuchshöhe bis 60 Zentimeter, gefüllte Blüten mit rosa-weiß gepunkteten Blütenblättern und gelber Mitte
  • ‘White Lady’: Wuchshöhe bis 40 Zentimeter, weiß-grünliche Blüten
  • ‘White Spotted Lady’: Wuchshöhe bis 40 Zentimeter, weiße, stark rot gepunktete Blüten
Text: Ines Jachomowski

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