Kastanie

Kastanie ziehen: So gelingt die Aufzucht Schritt für Schritt

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Kastanien aus Samen selber ziehen – eine spannende Herausforderung für geduldige Gärtner. Dieser Artikel begleitet Sie Schritt für Schritt von der Vorbereitung der Samen über die Pflege der Jungpflanze bis zur Auspflanzung des jungen Baumes.

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Kastanien können aus gekeimten Samen gezogen werden

Kastaniensamen vorbereiten: Keimruhe überwinden und Schale anrauen

Kastaniensamen besitzen eine natürliche Keimruhe, die überwunden werden muss, um die Keimung zu initiieren. Eine wichtige Maßnahme ist die Vorbereitung der harten Schale. Anstatt die Schale zu entfernen, was den Keimling schädigen könnte, wird empfohlen, die Schale vorsichtig mit Schmirgelpapier anzurauen. Dies erleichtert dem Keimling das Durchbrechen der Schale.

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Quellung und Kältereiz: Die Kastanien auf die Keimung vorbereiten

Nach dem Anrauen der Schale werden die Kastanien für etwa 48 Stunden in kalkfreiem Wasser eingeweicht. Dies ermöglicht den Samen, Wasser aufzunehmen und zu quellen. Anschließend werden die Kastanien in eine Plastiktüte mit feuchtem Sand gelegt und für sechs Wochen im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahrt. Der Sand muss während dieser Zeit stets feucht gehalten werden. Dieser Kältereiz simuliert winterliche Bedingungen und ist entscheidend für die Keimung der Kastanien.

Anzucht im Topf: Den Keimlingen einen geschützten Start ermöglichen

Nach der Kältebehandlung beginnen die Kastanien langsam, kleine Wurzeln zu bilden. Um die empfindlichen Keimlinge vor Witterungseinflüssen zu schützen, empfiehlt es sich, sie zunächst im Topf vorzuziehen. Das Frühjahr ist dafür ideal. Tiefe Anzuchttöpfe und Anzuchterde bieten den jungen Pflanzen optimale Bedingungen.

  1. Tiefe Anzuchttöpfe mit neutraler Einheits- oder Kräutererde füllen.
  2. Eine etwa zwei Zentimeter tiefe Mulde anlegen und den gekeimten Samen einsetzen.
  3. Mit kalkarmem Wasser angießen.
  4. Die Töpfe an einen halbschattigen Platz stellen und das Substrat kontinuierlich leicht feucht halten.

Während des ersten Jahres entwickelt die Kastanie eine bis zu 40 Zentimeter tiefe Pfahlwurzel und die ersten Laubblätter. Ab einer Wuchshöhe von 20 bis 30 Zentimetern sollte die Jungpflanze alle zwei Wochen mit Flüssigdünger versorgt werden. Sobald der Topf vollständig durchwurzelt ist, sollten Sie die Kastanie in einen größeren Topf umtopfen. Nutzen Sie dabei eine Drainageschicht aus Tonscherben, um schädliche Staunässe zu vermeiden.

Die Kastanie einpflanzen: Keimlinge in die Erde setzen

Beim Einpflanzen der Kastanienkeimlinge in die Erde sind folgende Schritte zu beachten:

  1. Eine etwa zwei Zentimeter tiefe Mulde in die Erde der vorbereiteten Töpfe bilden.
  2. Die Kastanie mit der Wurzel nach unten in die Mulde legen.
  3. Mulde wieder mit Erde auffüllen und die Erde mit kalkarmem Wasser anfeuchten.

Kastanienbäume bevorzugen sonnige bis halbschattige Standorte, daher sollten die Töpfe entsprechend platziert werden.

Den richtigen Zeitpunkt für das Auspflanzen wählen: Der Herbst ist ideal

Im Laufe der Zeit entwickelt sich die Jungpflanze zu einem kleinen Bäumchen und kann schließlich ins Freie gepflanzt werden. Der Herbst ist der ideale Zeitpunkt dafür, da die Pflanze von den kühlenden Temperaturen und erhöhten Niederschlägen profitieren kann. Kastanien bevorzugen einen nährstoffreichen, sandigen bis lehmigen Boden sowie einen sonnigen bis halbschattigen, windgeschützten Standort. Ein guter Bodenschluss ist wichtig, um das Wurzelsystem vor dem ersten Frost zu stabilisieren.

Den Standort vorbereiten: Bodenbeschaffenheit und Platzbedarf

Bevor die Kastanie ausgepflanzt wird, muss der Boden richtig vorbereitet werden.

  • Der Boden sollte frisch bis feucht und tiefgründig sein, am besten eignet sich sandig-lehmiger oder sandig-kiesiger Boden.
  • Verdichtete Böden müssen vor der Pflanzung gründlich aufgelockert werden.
  • Entfernen Sie Steine, Unkraut und Wurzelwerk anderer Pflanzen.
  • Ein leicht alkalischer Boden mit hohem Stickstoffanteil wird bevorzugt.

Kastanienbäume benötigen ausreichend Platz für ihr Wachstum, da sie sehr groß werden können und eine breite Krone entwickeln. Beachten Sie die Abstände zu Gebäuden, Straßen und Nachbargrundstücken, um zukünftige Probleme zu vermeiden.

Das Pflanzloch ausheben: Größe und Tiefe beachten

Während der Wurzelballen der Kastanie in einem Eimer mit kalkarmem Wasser Feuchtigkeit aufnimmt, wird ein Pflanzloch von etwa 60 Zentimetern Tiefe und doppelt so breit wie der Wurzelballen ausgehoben. Der Boden des Pflanzlochs wird mit einer Grabegabel gelockert und etwas Kompost hinzugefügt, um den Boden mit Nährstoffen zu versorgen.

Die Kastanie einpflanzen: Schritt-für-Schritt Anleitung

  1. Setzen Sie die Kastanie vorsichtig in das vorbereitete Pflanzloch.
  2. Füllen Sie das Pflanzloch mit der ausgehobenen Erde wieder auf.
  3. Geben Sie die Erde locker um den Wurzelballen und wässern Sie gut, um Lufteinschlüsse zu vermeiden.

Eine Stütze und ein gezielter Schnitt fördern die Stabilität und Form des jungen Baumes. Ein Pfahl wird neben dem Stamm in den Boden gesteckt, und der Haupttrieb wird vorsichtig angebunden. Entfernen Sie Wildtriebe und weit ausladende Seitenäste. Kürzen Sie die verbleibenden Leitäste leicht ein, um die Bildung einer stabilen Krone zu unterstützen.

Schutz vor Unkraut und Frost: Mulchschicht auftragen

Eine Mulchschicht um den Stamm der Kastanie bietet vielfältige Vorteile. Sie schützt den jungen Baum vor Unkraut, hält den Boden feucht und bietet im Winter Schutz vor Frost.

  • Eine dicke Mulchschicht verhindert, dass Licht an die Unkrautsamen gelangt, wodurch deren Wachstum unterdrückt wird.
  • Die Mulchdecke reduziert die Verdunstung des Bodenwassers und schützt so vor Austrocknung.
  • Im Winter wirkt die Mulchschicht als Isolierschicht und schützt die Wurzeln vor starkem Frost.

Diese Maßnahmen fördern die Gesundheit des jungen Baumes und unterstützen sein Wachstum in den ersten Jahren.

Bilder: Konovalov Yevhenii / Shutterstock