Alles Wissenswerte rund um Humuserde

Jeder Gärtner wünscht sich prächtig wachsende und gesunde Pflanzen. Wesentlich dafür ist eine gute Nährstoffversorgung, die in erster Linie durch einen an Nährstoffen reichen Boden realisiert wird. Eine gute Humuserde versorgt Ihre Pflanzen mit allen wichtigen Elementen. Wie Sie diese beim Kauf erkennen oder sogar selbst herstellen können, verrät Ihnen dieser Artikel.

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Humus ist eine sehr nährstoffreiche Erde

Was ist Humus?

Das Wort “Humus” stammt aus der lateinischen Sprache und bedeutet übersetzt so viel wie “Erde” oder “Erdboden”. Im Allgemeinen bezeichnet man abgestorbenes organisches Material in seiner Gesamtheit als Humus, wobei zwischen Dauerhumus und Nährhumus unterschieden wird.

  • Nährhumus: Hierbei handelt es sich um schnell abgebaute Stoffe, die den im Boden lebenden Organismen als Nahrung dienen und für eine bessere Durchlüftung des Bodens sorgen. Nährhumus ist grundlegend für den Aufbau des Dauerhumus.
  • Dauerhumus: Dieser entsteht im letzten Abschnitt der Kompostierung und hat die Aufgabe, Wasser und Nährstoffe im Boden zu binden. Der weitaus größte Teil der Humusschicht im Boden besteht aus Dauerhumus.

Daneben unterscheiden Gärtner noch die Humusformen

  • Mull: Dieser wird aus leicht zersetzbaren Materialien gebildet und dient bodenwühlenden Insekten als Lebensraum.
  • Rohhumus: Hierunter fallen schwer zersetzbare Vegetationsrückstände, beispielsweise Streu. Sie zersetzen nur sehr langsam zu Humus.
  • Moder: Als Moder bezeichnet man eine Mischung als Mull und Rohhumus.

Kurz zusammengefasst handelt es sich bei Humus also um einen wesentlichen Bodenbestandteil, der aus verrotteten Pflanzenteilen entsteht.

Was ist Humuserde und woher bekommt man diese?

Die im Handel erhältliche Humuserde wiederum ist kein reiner Humus, stattdessen handelt es sich um mit Humus vermischte Pflanzerde. Eine gute Mischung besteht aus etwa gleichen Teilen Humus und Pflanzerde. Sie können Sie überall im Handel käuflich erwerben, da Humuserde von verschiedenen Herstellern sowohl in den Baumärkten und Gartencentern, aber auch bei Discountern oder im Internet angeboten wird. Doch Vorsicht beim Kauf: Wählen Sie möglichst hochwertige Markenware, da insbesondere die Discounterangebote oftmals aus minderwertigem Material bestehen. Auch torfhaltige Produkte sind nicht zu empfehlen, da sie einerseits aus ökologischen Gründen sehr kritisch zu sehen sind und andererseits keine optimale Pflanzerde ergeben.

Wofür wird Humuserde verwendet?

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Humuserde bietet Insekten ein bequemes Zuhause

Humus speichert nicht nur Nährstoffe und Wasser, sondern filtert auch Schadstoffe aus der Umgebung heraus. So leistet Humus einen wichtigen Beitrag zur Bindung und Speicherung von Kohlenstoff und anderen Spurengasen. Zugleich ist Humus ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche bodenlebende Tiere und Mikroorganismen. Im Garten ist Humuserde sehr vielseitig einsetzbar, eignet sich beispielsweise zur Bodenverbesserung, zum Einsetzen neuer Pflanzen, zum Düngen bestehender Pflanzungen und zur Reparatur beschädigter Rasenflächen. Für letztere Verwendung bringen Sie auf eine reparaturbedürftige Rasenfläche einfach breitwürfig und locker Humuserde auf, verteilen diese gleichmäßig mit einer Harke und wässern anschließend den Rasen. Bei Bedarf können Sie ihn auch neu aussäen.

Ist Humus und Kompost dasselbe?

Unser Wort “Kompost” leitet sich ab vom lateinischen Begriff “compositum”, was soviel bedeutet wie “das Zusammengestellte”. Kompost meint also einen auf einen Haufen zusammengetragenes organisches Material, welches unter Zuhilfenahme von Sauerstoff und Bodenlebewesen verrottet. Daher wird das ebenfalls sehr nährstoffhaltige Material auch als “Rotte” bezeichnet. Ein Teil des fertigen Komposts wiederum wandelt sich am Ende des Rotteprozesses zu Humus, was den besonders wertvollen Bestandteil dieses organischen Düngers ausmacht.

Exkurs

Wo kann man guten Kompost kaufen?

Im Garten erfüllt Komposterde ähnliche Aufgaben wie Humuserde, zudem werden beide Substratarten des Öfteren synonym verwendet. Hochwertige Komposterde erhalten Sie entweder aus dem eigenen Garten – oder aber den öffentlichen Kompostieranlagen der örtlichen Stadt- bzw. Gemeindeentsorgungsbetriebe. Diese werden auch als Recyclinghöfe bezeichnet. Sie erhalten den fertigen Kompost lose und zu einem vergleichsweise günstigen Preis, müssen ihn aber selbst beim zuständigen Recyclinghof bzw. direkt am Kompostierwerk abholen. Achten Sie hier darauf, den nährstoffreichen Bio-Kompost zu erwerben, da der oft getrennt kompostierte Grünschnittkompost eher arm an Nährstoffen ist.

So erkennen Sie gute Humuserde

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Gute Humuserde riecht lecker und ist feinkrümelig und torffrei

Gute Humuserde erkennen Sie in erster Linie am Geruch sowie an seiner Textur. Bevor Sie größere Mengen einer bestimmten Marke erwerben (und dann eventuell feststellen, dass diese Humuserde von mangelhafter Qualität ist), sollten Sie zunächst eine Geruchs- und Tastprobe von einer kleineren Menge nehmen. Humuserde von hoher Qualität

  • besteht aus dem idealen Mischungsverhältnis von 1:1 Humus- und Pflanzerde
  • ist torffrei
  • ist feinkrümelig
  • fühlt sich leicht und feucht an
  • hat eine für Sie angenehme Textur
  • und duftet angenehm nach Waldboden
  • auch ein leicht pilziger Geruch ist vollkommen in Ordnung

Handelt es sich hingegen um voll ausgereifte Komposterde, so ist hier kein Geruch feststellbar. Humuserde von schlechter Qualität hingegen

  • fühlt sich trocken und möglicherweise staubig an
  • riecht unangenehm bis faulig

Manche industriell hergestellten Humuserden entwickeln zudem erst nach dem ersten Wässern einen teils extrem unangenehmen Geruch.

Humuserde richtig verwenden

Humuserde lässt sich auf ganz unterschiedliche Weisen im Garten und auch für Kübelpflanzen verwenden:

  • Herbstpflanzungen: Im Herbst in den Garten gesetzte Pflanzen (beispielsweise viele Gehölze) versorgen Sie mit nährstoffarmem Humus wie etwa Grünkompost oder auch die im Handel erhältlichen Humusziegel. Diese bestehen häufig aus Kokosfasern. Verabreichen Sie zudem einen Kaliumdünger, um die Frosthärte der Pflanzen zu verbessern.
  • Frühjahrspflanzungen: Hier wählen Sie nährstoffreichen Humus, schließlich dient dieser als Startschuss in die Vegetationssaison. Biokompost ist hier eine gute Wahl, zudem können Sie bei besonders starkzehrenden Pflanzen weitere organische Dünger – etwa Hornspäne oder Stallmist – einsetzen.
  • Kübelpflanzen: Die Wahl der Humuserde hängt hier vom Nährstoffbedarf der jeweiligen Pflanzen ab. Starkzehrende Gewächse setzen Sie in Biokompost, Pflanzen mit einem geringeren Nährstoffbedarf dagegen in Grünkompost.
  • Bodenverbesserung: Nicht jeder Boden enthält ausreichende Anteile an Humus. Solche Böden lassen sich durch die Zugabe von Humuserde verbessern. Dies können Sie sowohl im Frühjahr als auch im Herbst durchführen. Verteilen Sie das Material großzügig auf der gesamten Bodenfläche und arbeiten Sie es oberflächlich in den Boden ein.
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Im Frühjahr brauchen Pflanzen nährstoffreiche Erde

Exkurs

Flächenkompostierung für eine bessere Nährstoffversorgung

Nun ist Humus nicht endlos haltbar, sondern zersetzt sich mit der Zeit. Sie müssen also dem Boden regelmäßig Nährstoffe zuführen, damit der Prozess der Humusbildung stetig weiterläuft. Sehr gut für diesen Zweck eignet sich eine sogenannte Flächenkompostierung. Bringen Sie hierzu entweder Grünschnitt (z. B. Rasenschnitt oder auch Spinat) als Mulch zwischen den Pflanzen aus oder säen Sie ein abgeerntetes Beet mit Gründüngungspflanzen ein. Beides lassen Sie verrotten und arbeiten es anschließend in die Erde ein.

Humuserde selbst herstellen

Für viele Pflanzen – wenn auch nicht für alle – ist ein hoher Humusgehalt im Boden von Vorteil. Um den Humusgehalt Ihres Gartenbodens signifikant zu erhöhen, brauchen Sie jedoch nicht zwangsläufig teure Humuserde kaufen. Stattdessen verbessern Sie die Erde allmählich mit den in der Tabelle dargestellten Maßnahmen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Einzelmaßnahmen, denn erst in der Summe entwickelt sich der Boden entsprechend: Das Bodenleben nimmt zu, ebenso wie die nährstoffreiche Humusschicht.

MethodeMaterialienWann ausbringen?Worauf achten?
GrunddüngungGartenkompostFrühjahr und bei Bedarf Herbsteignet sich nicht für alle Pflanzen: Vorsicht bei Kräutern und Moorbeetpflanzen
MistdüngungStallmist (v. a. Rind, Pferd, Hühner)Herbst sowie bei starkzehrenden Pflanzen auch im Frühjahrnur gut verrotteten Mist verwenden, da frischer zu scharf ist
Mulchenorganische Materialien und Gartenabfälle (Rasenschnitt, Herbstlaub etc.)während der Vegetationsperiodebei stickstoffarmen Materialien (Rindenmulch, Holzhäcksel) Hornspäne untermischen
Gründüngungabgeerntete Beete mit Gründüngungspflanzen einsäenim Herbst, im Frühjahr untergrabenmanche Pflanzen erhöhen den Stickstoffgehalt im Boden erheblich

Für die Humusbildung unverzichtbar sind im Boden lebende Tiere wie Regenwürmer. Sie können den Prozess beschleunigen, indem Sie im Regenwürmer gezielt aussetzen. Sie können die Tiere entweder in der Natur sammeln (warten Sie hierzu einen Regenguss ab) oder käuflich im Handel erwerben. In einem Kompostierbehältnis können Sie Humuserde in kleineren Mengen herstellen: Vermischen Sie hierzu Gartenerde mit Buchenlaub und zerhäckseltem Stroh und setzen Sie Regenwürmer darin aus.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Terra Preta und kann man das selbst herstellen?

Bei Terra Preta handelt es sich um eine Art von Kompost, der mit zerstoßener Holzkohle vermischt wird und dadurch besonders nährstoffreich sein soll. Das Prinzip stammt von südamerikanischen Ureinwohnern aus dem Amazonasgebiet, die auf diese Weise seit Jahrhunderten ihre Gärten düngen. Nun haben wir hier keine Regenwaldpflanzen und können somit auch keine originale Terra Preta “nachbauen”. Sie können allerdings Ihren Kompost mit Pflanzenkohle vermischen und diese Erde somit wertvoller für die Pflanzenernährung machen – Holzkohle enthält viele wichtige Nährstoffe in leicht verfügbarer Form.

Was ist Schwarzerde?

Bei Schwarzerde handelt es sich um einen besonders humusreichen Boden. Grundsätzlich lässt sich die Fruchtbarkeit des Gartenbodens an seiner Farbe erkennen: Je dunkler diese ist, desto höher ist der Humusanteil und desto fruchtbarer die Erde. Allerdings handelt es sich hierbei nur um eine Faustregel, denn andere Faktoren wie etwa der pH-Wert sind für diesen Zusammenhang ebenfalls relevant. So ist Moorbeeterde zwar ebenfalls sehr dunkel, hat aber einen sauren pH-Wert. Schwarzerde hat jedoch sowohl den passenden pH-Wer als auch ein reiches Bodenleben.

Ist Humus dasselbe wie Mutterboden?

Nein, Humus und Mutterboden ist nicht dasselbe. Stattdessen handelt es sich bei Mutterboden um die oberste, fruchtbare Erdschicht, die zu einem großen Anteil Humus sowie weitere Bestandteile enthält. Guter Mutterboden beinhaltet außerdem Mineralien in Form von Sand, Ton, Lehm oder Schluff, viele Nährstoffe (u. a. Stickstoff, Phosphor etc.) sowie unzählige Bodenlebewesen.

Wie tief sollte der Mutterboden sein?

Bei der Neuanlage eines Gartens sollten Sie eine etwa 40 bis 60 Zentimeter dicke Schicht Mutterboden aufbringen. Das reicht für das Wachstum der meisten Pflanzen vollkommen aus, zumal Sie durch eine gute Bodenpflege einiges zur stetigen Humusentwicklung im Boden beitragen können. Mutterboden ist nämlich nicht “statisch”, sondern verändert und entwickelt sich mit der Zeit.

Tipps

Viele mediterrane Pflanzen vertragen keinen Humus und wachsen auf mineralischen, humusarmen Böden besser. Dazu gehören beispielsweise Kräuter wie Salbei, Rosmarin oder Lavendel.

Text: Ines Jachomowski
Artikelbilder: showcake/Shutterstock, 13Imagery/Shutterstock, Antonio Gravante/Shutterstock, KaliAntye/Shutterstock

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