Gundermann im Rasen bekämpfen, vorbeugen und nutzen

Gundermann zählt bei vielen Hobbygärtnern als Unkraut, denn es breitet sich ungehindert aus und lässt sich nur schwer entfernen. Ohne Mühe sind die dichten Teppiche kaum zu beseitigen. Ein frühzeitiges Handeln ist sinnvoll, doch es gibt auch Alternativen zum Bekämpfen.

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Obwohl der Gundermann sowohl einen dekorativen als auch einen heilsamen Wert hat, ist er nicht immer gern gesehen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Mutterpflanze vom Gundermann sollte am besten per Hand oder mit Unkrautstecher oder Hacke rausgerissen werden
  • Durch Rasenmähen wird Gundermann nicht vernichtet
  • Gundermann ist ein Heilkraut, das unter anderem bei Magenproblemen, Husten, Halsschmerzen und zur Wundheilung eingesetzt wird
  • Gundermann mag schwere, feuchte Böden mit einem leicht sauren pH-Wert

Gundermann bekämpfen

Die Gundelrebe ist ein Flachwurzler und entwickelt lange Ausläufer, die auf dem Boden kriechen und alle acht bis 15 Zentimeter Seitensprosse bilden. Diese Seitensprosse wachsen aufrecht und bilden Blüten. Durch die kriechenden Sprossachsen, die an vielen Knoten wurzeln, kann sich die Pflanze ausbreiten. Ein Hauptspross erreicht bei optimalen Standortbedingungen eine Länge bis zwei Meter.

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So überwintert der Gundermann:

  • Pflanze ist wintergrün
  • Überwinterung mit zweiblättrigen Sprossteilen
  • Rosettenblätter überwintern ebenfalls

Händisch entfernen

Aufgrund des flachen Wurzelwerks ist ein händisches Jäten einfach zu bewerkstelligen. Sollte der Boden verdichtet sein, können Sie die Bereiche um eine Mutterpflanze mit einer Grabegabel auflockern. Allerdings kann diese Maßnahme je nach Ausbreitung der Pflanze sehr zeitaufwendig sein. Wenn Sprossteile übersehen werden und zurückbleiben, kann sich die Pflanze erneut ausbreiten. Daher ist ein gründliches Vorgehen äußerst wichtig.

So finden Sie die Mutterpflanze:

  • Ausläufer zum Ursprung verfolgen
  • kräftige Pflanze mit Rosettenblättern suchen
  • Hauptpflanze mit zahlreichen Ausläufern ausfindig machen

Mit Unkrautstecher und Hacke beseitigen

Rückenschonender sind Hilfsmittel, mit denen Sie die Pflanze aus der Erde holen können. Unkrautvernichter werden gelegentlich als Ampfervernichter bezeichnet, da sie tiefwurzelnde Pflanzen mit relativ wenig Kraftaufwand beseitigen. Die Geräte sind mit zwei Metallspitzen ausgestattet, die in die Erde gestochen werden. Anschließend werden die Pflanzen mitsamt ihrer Wurzeln aus dem Boden gehebelt. Bei Flachwurzlern wie dem Gundermann funktioniert ein Unkrautvernichter genauso gut. Im Beet können Sie der unerwünschten Pflanze mit der Hacke zu Leibe rücken.

Zwei Schritte gegen Unkraut

Worauf Sie verzichten sollten

Wenn Sie sich genauer mit Wachstum und Ökologie der Gundelrebe auseinandersetzen, werden Sie schnell zwischen unsinnigen und geeigneten Bekämpfungsmaßnahmen unterscheiden können. Sobald Reste der Ausläufer auf dem Rasen zurückbleiben, kann sich der Gundermann weiter ausbreiten.

Tipps

Verzichten Sie auf Spezialprodukte aus dem Handel, die nur den Gundermann bekämpfen sollen. Solche Mittel sind meist wirkungslos und schädigen den Rasen.

Vernichten durch Rasenmähen nicht möglich

Die Erfolgschancen, den bereits gut etablierten Gundermann mit dem Rasenmäher zu bekämpfen, sind eher gering. Diese Maßnahme unterdrückt konkurrierende Pflanzen, sodass die Gundelrebe durchaus vom Mähen profitiert. Hat sich die Mutterpflanze noch nicht ausgebreitet, kann sie durch regelmäßiges Mähen geschwächt werden. Sie zeigt sich empfindlich gegenüber dem regelmäßigen Betreten der Rasenfläche. Deshalb wächst die krautige Pflanze bevorzugt an Stellen, die zwar gemäht aber nicht anderweitig genutzt werden.

Exkurs

Ein Standortschwerpunkt des Gundermanns

Wirtschaftswiesen gehören zu den schwerpunktmäßigen Lebensräumen der Gundelrebe, denn hier besteht eine auf lange Zeit gute Versorgung mit Wasser und Stickstoff. Besonders häufig kommt die Pflanze in Glatthafer-Fettwiesen vor. Sie blüht zusammen mit Wiesen-Schaumkraut und Löwenzahn, aber auch mit anderen niedrigwüchsigen Kräutern. Außerhalb der Wirtschaftswiesen ist der Gundermann weit verbreitet auf Vielschnittrasen in Gärten und Parks.

Bekämpfung durch Vertikutieren unsinnig

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Gegen Gundermann im Rasen hilft weder Mähen noch Vertikutieren

Der Begriff Vertikutieren setzt sich aus den Begriffen „vertical“ (senkrecht) und „cut“ (schneiden) zusammen. Er könnte pauschal mit „senkrecht schneiden“ übersetzt werden, denn genau das wird beim Vertikutieren gemacht. Die rotierenden Messer schneiden einige Millimeter tief in den Rasenfilz. Die Messer erreichen in der Regel nicht die Graswurzeln.

Die Maßnahme erweist sich als kontraproduktiv bei der Bekämpfung von ausläuferbildenden Unkräutern. Zwar werden die oberirdischen Kriechtriebe des Gundermanns ebenfalls zerstückelt. Allerdings können diese anschließend noch schwerer von der Fläche entfernt werden. Bleiben Sprossreste zurück, wachsen diese weiter und bilden neue Mutterpflanzen.

Keine chemischen Mittel anwenden

Es gibt chemische Total-Unkrautvernichter mit hoher Wirksamkeit, die auch hartnäckige Unkräuter beseitigen. Oft sind solche Mittel für gärtnerisch genutzte Flächen zulässig. Die Pflanzen müssen komplett benetzt werden, sodass eine optimale Wirkstoffaufnahme gewährleistet wird. Dadurch kommen auch Kulturpflanzen mit dem toxischen Substanzen in Kontakt. Solche Mittel selektieren zwischen ein- und zweikeimblättrigen Pflanzen, aber nicht zwischen unerwünschten und bewusst gepflanzten Blumen.

Vorbeugende Maßnahmen

Der Gundermann kann sich nur unter bestimmten Umweltfaktoren gut entwickeln. Bei ausreichend Sonnenlicht bildet die Pflanze zahlreiche Verzweigungen. Wird sie beschattet, reduziert das Gewächs die Ausbildung von Verzweigungen. Stattdessen investiert es die Energie in die Ausbildung von Blattmasse. In nährstoffreicheren Böden entwickeln sich die Feinwurzeln rascher und zahlreicher als in nährstoffarmen Substraten.

  Maßnahme Wirkung
Rasennutzung Trittbelastung erhöhen Störung
Düngen auf Düngung verzichten Nährstoffentzug
Rasenschnitt nach dem Mähen entfernen Stickstoffentzug
Pflanzung konkurrierende Blühpflanzen säen Beschattung
Entsorgung gejätete Pflanzen vor dem Kompostieren auf Steinplatten trocknen Austrocknung der Samen und Wurzeln

Tipps

Sorgen Sie für eine dichte Grasnarbe, denn hier hat es der Gundermann schwer.

Nutzen der Gundelrebe

Wenn sich der Gundermann nur an bestimmten Bereichen im Garten ausgebreitet hat, kann er den Zierwert erhöhen und sich positiv auf die Artenvielfalt auswirken. Punktuell ausgebreitet stört die krautige Pflanze nicht, denn ein gesunder und gut entwickelter Rasen kann die Gundelrebe auf natürliche Weise in Schach halten. Sie können das Kraut auch in der Küche verwenden.

Wichtige Nektarpflanze

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Gundermann ist nicht für jeden ein Unkraut

Gundelreben blühen zwischen April und Juli. Diese frühe Blütezeit macht sie zu wichtigen Nahrungslieferanten. Die krautigen Pflanzen sind eine wichtige Nektarquelle im blütenarmen Frühjahr. Die Blüten werden von zahlreichen Insekten angeflogen, welche die Befruchtung sicherstellen. Insgesamt dient der Gundermann rund 30 verschiedenen Arten als Nahrungsquelle.

Welche Insekten auf den Gundermann fliegen:

  • Bienen: Pelzbienen und Hummeln
  • Zweiflügler: Schwebfliegen, Wollschweber
  • Schmetterlinge: Aurorafalter, Zitronenfalter, Grünaderweißling

Heilkraut

Die Gundelrebe hat in der Volksmedizin zahlreiche Anwendungsgebiete. Ein Tee hilft gegen Magenverstimmung und Appetitlosigkeit, Durchfälle und Beschwerden von Galle, Leber und Nieren. Der Auszug kann zum Gurgeln bei Entzündungen des Mund- und Rachenraums genutzt werden. Pasten werden äußerlich zur Wundbehandlung eingesetzt.

Diese Wirkungen werden dem Gundermann nachgesagt:

  • lindert bei Husten und Atemwegsbeschwerden
  • förder äußerlich angewendet die Wundheilung
  • wirkt leicht harntreibend und adstringierend
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Küchenkraut

Der Gundermann ist reich an Bitterstoffen, Tanninen, Vitamin C und Mineralstoffen. Seine Blätter haben einen leicht scharfen und bitteren Geschmack, weswegen diese wohldosiert werden sollten. Als Gewürzkraut verfeinert die Gundelrebe Pfannengerichte wie Bratkartoffeln oder Eierkuchen. Sie kann in Wildfleischgerichten oder für Wildkräutersalate, Kräuterquark und Kräuterbutter genutzt werden.

Rezept für einen sommerlichen Salat:

  • verschiedene Wildkräuter wie Sauerampfer, Kerbel, Schafgarbe, Gundermann und Giersch klein hacken
  • Zwiebel, Knoblauchzehe und Schnittlauch klein schneiden
  • Kräutersalz mit Obstessig, Kürbiskernöl und Olivenöl vermischen und mit saurer Sahne verfeinern
  • Salat mit Soße übergießen und gut durchrühren

Zeigerpflanze

Die Gundelrebe ist ein typisches Gewächs auf Böden mit guter Stickstoff-, Calcium- und Phosphatversorgung. Sie wächst hauptsächlich auf schweren Böden mit einer guten Wasserversorgung. Am häufigsten ist der Gundermann auf Böden mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 7,5 anzutreffen. Leicht saure Böden bereiten dem Kraut allerdings keine Probleme. Salz verträgt die Pflanze nicht.

Häufig gestellte Fragen

Wo kommt der Gundermann vor?

Die Gundelrebe ist eine Zeigerpflanze, die auf stickstoffreiche und frische bis feuchte Böden hindeutet. Obwohl sie auf Licht angewiesen ist, kann sie sich auch zwischen dicht und hoch wachsender Konkurrenz durch Stauden behaupten. Um die Lichtmenge optimal zu nutzen, investiert die Pflanze viel Energie in die Ausbildung von Blattmasse. Außerdem wächst sie in schattigen Bereichen oft höher. Der Gundermann ist typisch für Wirtschaftswiesen und Vielschnittrasen mit guter Nährstoffversorgung.

Was hilft gegen Gundermann im Rasen?

Gundermann ist äußerst widerstandsfähig und kann nur durch gründliches Jäten entfernt werden. Bleiben Reste von Sprossachsen zurück, bilden sich schnell neue Pflanzen. Nutzen Sie einen Unkrautstecher, um die Mutterpflanze aus dem Boden zu holen. Ziehen Sie vorsichtig die oberirdischen Ausläufer aus dem Rasen und achten Sie darauf, dass kein Trieb abreißt. Regelmäßige Trittbelastungen führen dazu, dass sich der Gundermann nicht weiter ausbreitet.

Wie wurde Gundermann in der Vergangenheit gesehen?

Längst sind die Zeiten vergangen, in denen der Gundelrebe Zauberkräfte zugeschrieben wurden. Als eine der insgesamt neun Gründonnerstagskräuter sollte der Gundermann das ganze Jahr über gegen Krankheiten schützen. Blätter wurden zum Johannistag in Pflaumenkuchenteig gebacken und als Gewürz zum Bier gegeben.

Auch Haustiere sollten von den positiven Eigenschaften profitieren. Wenn Hühner mit dem Brüten begonnen haben, wurde ein Kranz aus Gundermann um das Nest gelegt. Dieser sollte vor Dämonen schützen. Durch die Beigabe von Gundermannkraut zum Kuhfutter haben sich die Menschen eine bessere Milchproduktion erhofft.

Warum ist Gundermann nicht nur Unkraut sondern auch Zierpflanze?

Wenn die Bodenfeuchte ausreichend hoch ist und der Boden gut mit Nährstoffen versorgt wird, gedeiht der Gundermann auch unter schattigen Bedingungen. Durch seine langen Ausläufer bildet er dichte Teppiche, die auch im Winter grün bleiben. Diese Eigenschaft macht das Kraut zu einer beliebten Unterpflanzung an Standorten, die sonst schwer von anderen Blütenpflanzen besiedelt werden.

Gibt es Zuchtsorten des Gundermanns?

Während sich viele Hobbygärtner Maßnahmen überlegen müssen, wie sie den Gundermann bekämpfen können, so holen sich andere Naturfreunde attraktive Zuchtformen der Pflanze in den Garten. Besonders beliebt sind Sorten mit zweifarbigem Laub wie Glechoma hederacea ‚Variegata‘. Sie können mit verschiedenen Frühjahrs- und Sommerblüten kombiniert werden und verschönern Hängeampeln und Blumenkästen.(149,00€ bei Amazon*)

Text: Christine Riel
Artikelbilder: Niferure/Shutterstock, encierro/Shutterstock, Fotoz by David G/Shutterstock

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