Bergenien: Pflanzen und pflegen

Bergenien werden zu Unrecht als stiefmütterlich bezeichnet. Immer mehr Hobbygärtner entdecken die Vorzüge dieser Blattschmuckstaude. Sie erweist sich als echter Überlebenskünstler und ist besonders pflegeleicht. Damit die Stauden in voller Pracht erblühen, sollten Sie einige Anforderungen beachten.

bergenien
Die hübsche Staude ist besonders pflegeleicht und oft immergrün

Herkunft

Bergenien gehören zur Gattung Bergenia, die auch als Wickelwurzen bezeichnet werden. Die sieben bis zwölf Arten sind den Steinbrechgewächsen untergeordnet und wachsen hauptsächlich in den mittleren und höheren Gebirgsregionen des zentralen und östlichen Asiens. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von China über den Himalaya bis nach Afghanistan.

Die im Handel erhältlichen Sorten stammen von der Altai-Bergenie (Bergenia cordifolia). Sie kommt ursprünglich aus dem gleichnamigen Gebirge. Die reine Art wird nur selten angeboten. Häufiger sind die Hybriden Bergenia ciliata × Bergenia crassifolia oder Bergenia cordifolia × Bergenia crassifolia erhältlich.

Wachstum

Die Mehrheit aller Bergenien wächst als immergrüne Pflanze. Die Kaschmir-Bergenie (Bergenia ciliata) ist die einzige Art mit sommergrünem Laub. Alle Bergenien sind ausdauernd und entwickeln ein dickes Rhizom, das flach unter der Erdoberfläche wächst. Im Laufe der Zeit verbreitet sich das Wurzelgeflecht im Boden, sodass die Pflanzen große Bestände bilden. Da das Wachstum sehr langsam voranschreitet, gerät die Ausbreitung im Garten nicht außer Kontrolle. Bergenien erreichen Wuchshöhen bis 50 Zentimeter.

Blätter

Bergenien sind attraktive Blattschmuckstauden. Die Blätter sind in grundständigen Rosetten angeordnet. Sie wachsen halb aufrecht und sind kurz gestielt. Ihre Blattspreite wird zwischen zehn und 40 Zentimeter lang und fünf bis 20 Zentimeter breit, wodurch sie rundlich erscheint. Die weich-ledrigen und etwas fleischigen Blätter sind von einer Wachschicht überzogen und glänzen in der Sonne. Ihre Blattränder sind gezähnt bis gekerbt oder glatt.

Die meisten Arten und Sorten entwickeln sattgrünes Laub. Einige Sorten tragen rötlich gefärbte Blätter. Es gibt Hybride, die mit interessanten Herbstfärbungen überzeugen. Die Palette der herbstlichen Farben reicht von Rot über Bronze bis zu Violett. Diese Färbungen bleiben bei den wintergrünen Stauden bis zum Frühjahr erhalten.

Blüte

Die Blüten drängen sich in dichten Blütenständen zusammen, die als Thyrsen bezeichnet werden. Sie erscheinen wickelförmig und setzen mit den auffallend großen Einzelblüten attraktive Akzente. Die Blüten folgen einem fünfzähligen Aufbau mit verwachsenen Kelchblättern und frei stehenden Kronblättern. Sie erscheinen glockenförmig und sind zwittrig.

Blütezeit

Die meisten Sorten blühen zwischen April und Mai. Einige Hybride kommen im Herbst zu einer zweiten Blüte. Die Kronblätter sind weiß, rosa, rot oder purpur gefärbt.

Frucht

Nach der Blüte entwickeln Bergenien Kapselfrüchte, die zur Fruchtreife austrocknen und aufspringen. Sie entlassen zahlreiche kleine Samen, die dunkelbraun gefärbt sind. Die Körner werden mit dem Wind verbreitet.

Verwendung

Bergenien werden als Bodendecker und Blattschmuckstauden gepflanzt. Sie bilden am geeigneten Standort dichte Bestände, ohne aufdringlich zu werden. In dieser Gestaltungsform harmoniert die Staude mit verschiedenen Seggen-Arten, Storchschnabel oder Sterndolden und Wolfsmilch-Arten.

Einsatzmöglichkeiten der Bergenien:

  • als Einfassung für Beete
  • für attraktive Akzente in Stein- und Kiesgärten
  • als Unterpflanzung lichter Gehölze

Ist Bergenien giftig?

Es gibt keine Hinweise auf giftige Inhaltsstoffe. Sowohl für Mensch als auch Haustiere besteht kein Vergiftungsrisiko. Die Blätter der Dickblatt-Bergenie (Bergenia crassifolia) werden in der Mongolei für die Zubereitung eines sibirischen Tees genutzt. Geerntet werden die verwelkten Blätter im Frühjahr nach der Schneeschmelze, da zu diesem Zeitpunkt die natürlich stattfindende Fermentierung abgeschlossen ist.

Welcher Standort ist geeignet?

Die Elefantenohren erweisen sich als robuste Stauden, die sich sowohl von Hitze und Trockenheit als auch von Schatten und Wurzeldruck unbeeindruckt zeigen. Frühblühende Sorten sind durch Spätfröste gefährdet, wenn sie nicht von einer schützenden Schneeschicht bedeckt sind. Setzen Sie solche Gewächse an windgeschützte Stellen mit direkter Sonneneinstrahlung.

Da Bergenien in ihrem natürlichen Lebensraum an halbschattigen bis schattigen Waldstandorten wachsen, werden die Pflanzen auch im Garten in dunkle Ecken gesetzt. Die volle Blütenpracht kommt in der Sonne besser zur Geltung. Die Kaschmir-Bergenie bevorzugt als einzige sommergrüne Art dunklere Wuchsorte. Pflanzen Sie alle anderen Sorten mindestens in den lichten Halbschatten.

Welche Erde braucht die Pflanze?

Ideale Bedingungen finden die Blattschmuckstauden auf mäßig nährstoffreichen und leicht frischen Böden vor. Je magerer der Boden ist, desto deutlicher fällt die Blattfärbung aus.

Ideale Bodenbedingungen:

  • lehmig mit sandigen Anteilen
  • gut wasserdurchlässig
  • pH-Wert im alkalischen Bereich

Aussaat

Sammeln Sie Samen von verwelkten Blütenständen und lagern Sie diese bis zum nächsten Frühjahr an einem kühlen und trockenen Ort. Der beste Zeitpunkt für die Aussaat liegt zwischen März und April. Sie können die Samen auch im September aussäen.

Streuen Sie das Saatgut auf nährstoffarme Anzuchterde und bedecken Sie die Körner leicht mit Substrat. Stellen Sie das Gefäß an einen warmen Ort mit einer Temperatur von 21 Grad Celsius und halten Sie das Substrat gleichmäßig feucht. Nach etwa vier Wochen zeigen sich winzige Keimblätter. Anschließend können Sie das Pflanzgefäß an einem Standort mit 15 Grad Celsius platzieren.

Stecklinge

Im Frühjahr können Sie Bergenien über Rhizomschnittlinge vermehren. Graben Sie den Wurzelballen aus und schneiden Sie Teilstücke von der Wurzelknolle, die zwei bis drei Augen besitzen. Sie können die Wurzelstecklinge direkt in die Erde oder in Anzuchttöpfe setzen und an einen hellen und warmen Standort stellen.

Teilen

Nach der Blüte im Herbst werden Bergenien mit einem Spaten geteilt. Heben Sie das Wurzelgeflecht mit einer Grabegabel aus dem Boden und brechen Sie einzelne Blattschöpfe mitsamt ihres Wurzelstocks ab. Die Teilrhizome sollten etwa zehn Zentimeter lang sein und möglichst viele Feinwurzeln besitzen.

Die Tochterpflanzen werden am neuen Standort, der vorher gründlich aufgelockert wurde, eingesetzt und festgedrückt. Wässern Sie das Substrat und mischen Sie reifen Kompost unter, um den Pflanzen das Anwachsen zu erleichtern. Es dauert etwa drei Wochen, bis sich die Wurzeln im Substrat eingelebt haben.
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Bergenien im Topf

Bergenien eignen sich für die Kübelpflanzung. Wählen Sie einen Topf, der ein bis zwei Zentimeter größer ist als der Wurzelballen. Ideal geeignet sich Tongefäße mit Abzugslöchern, damit sich kein Gießwasser ansammelt. Bedecken Sie den Topfboden mit Tonscherben oder Kies und befüllen Sie den Kübel mit einem durchlässigen Substrat. Sie können handelsübliche Blumenerde mit Blähton mischen.

Bergenien gießen

Bergenien erweisen sich als trockenheitsverträglich. Wenn über längere Zeit kein Regen fällt, können Sie gelegentlich zur Gießkanne greifen.

Bergenien richtig düngen

Im März werden die Stauden mit Kompost versorgt, von dem sie das ganze Jahr über profitieren. Eine weitere Kompostgabe kann im Juni erfolgen.

Bergenien richtig schneiden

Regelmäßige Schnittmaßnahmen sind nicht notwendig. Wenn die Staude aus der Form geraten ist und viele vertrocknete Triebe besitzt, können Sie die Pflanze im Herbst radikal zurückschneiden. Dabei werden sämtliche Pflanzenteile knapp über dem Substrat abgeschnitten.

Wie pflanze ich richtig um?

Sollte Ihre Bergenie Müdigkeitserscheinungen zeigen und keine neuen Seitentriebe entwickeln, kann ein Standortwechsel Abhilfe verschaffen. Die Stauden können im Herbst problemlos umgepflanzt werden. Bei dieser Maßnahme können Sie den Wurzelstock teilen, um so die Bestandsbildung zu unterstützen

Umtopfen

Wenn das Pflanzgefäß zu klein wird oder die Nährstoffe im Substrat aufgebraucht sind, empfiehlt sich ein Umtopfen von Kübelpflanzen. Die Maßnahme findet bei frühblühenden Sorten im Herbst statt, wenn die Blüten verwelkt sind. Entwickeln die Stauden ihre Blüten im Herbst, sollten Sie bis zum nächsten Frühjahr abwarten.

So topfen Sie richtig um:

  • ein etwas größeres Gefäß wählen
  • Drainage anlegen
  • nährstoffarmes und gut durchlässiges Substrat einfüllen
  • Wurzelballen einsetzen und Lücken mit Erde auffüllen
  • andrücken und bewässern

Winterhart

Bergenien erweisen sich als winterhart. Wenn im Frühjahr nach dem frischen Austrieb Spätfröste aufkommen, sollten die Stauden mit Reisig oder Tannenzweigen abgedeckt werden. Verteilen Sie das Material erst kurz vor der Blütezeit zwischen und auf den Blättern. Im Winter sorgen die frostigen Temperaturen für die intensive Rotfärbung des Laubes.

Wenn Sie Ihre Bergenie im Kübel kultivieren, kann dieser ebenfalls im Winter draußen stehen bleiben. Wickeln Sie den Topf in Vlies ein, da das Substrat schnell einfriert und die Wurzeln absterben. An frostfreien Tagen sollte der Wurzelballen gewässert werden, um ein Austrocknen der Blätter zu vermeiden.

Schädlinge

Selten kommt es zu einem Befall durch Dickmaulrüssler. Die gefräßigen Schädlinge hinterlassen buchtenförmige Fraßspuren entlang der Blattränder. Ihre Larven leben im Boden und fressen die Feinwurzeln, sodass die Stauden nicht mehr ausreichend Wasser und Nährstoffe aufnehmen können. Sie werden mit Nematoden bekämpft, die mit dem Gießwasser verabreicht werden. Die Käfer sind nachtaktiv und werden in der Dämmerung abgesammelt oder mit speziellen Nematodenfallen gefangen.

Bergenien blüht nicht

Wenn Sie Ihre Bergenien frisch vermehrt haben, benötigen die Pflanzen etwas Zeit zum Anwachsen. Sie blühen erst ab dem zweiten Jahr, wenn ihr Wurzelwerk fest im Boden verankert ist. Zu viele Nährstoffe regen die Pflanze zum Wachstum an, sodass keine Blüten entwickelt werden. Stauende Nässe schwächt die Pflanze, da ihre Wurzeln absterben und den Nährstoffkreislauf nicht aufrecht erhalten können. Auch an schattigen Standorten kann die Blüte spärlich ausfallen oder komplett ausbleiben.

Tipps

Zu dieser wuchtigen Blattstaude passen filigrane und fein strukturierte Gräser oder Farne, ganz im Sinne des Harfe-und-Pauke-Prinzips des großen Staudengärtners Karl Foerster. Solche Pflanzenarrangements erzeugen ein harmonisches Gesamtbild.

Sorten

  • Abendglut: Laub grün mit rötlichen Nuancen. Blütenkrone dunkel purpurrot gefärbt. Wächst bis 40 Zentimeter hoch.
  • Eroica: Blätter im Herbst und Winter rot. Blüten purpurviolett bis purpurrot, reich blühend. Erreicht Wuchshöhen bis 40 Zentimeter.
  • Oeschberg: Langgestieltes Laub, aufrecht wachsend, im Winter rot. Blütenkrone hellrosa, Zentrum weiß. Spätblühend. Wächst bis 50 Zentimeter hoch.
  • Bressingham White: Laub kräftig grün gefärbt. Blüten weiß mit rosafarbenen Nuancen, auf dunklen Stielen. Bis 30 Zentimeter hoch.

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Text: Christine Riel
Artikelbild: YURY TARANIK/Shutterstock

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