Zitronenbaum Rückschnitt
Durch Rückschnitte wird ein gleichmäßiges, formschönes Wachstum angeregt

Zitronenbaum korrekt schneiden – Anleitung im Tutorial

Der Zitronenbaum hat ein Faible, mit seinen Ästen kreuz und quer zu gestikulieren. Mit einem planvollen Formschnitt bringen Sie die mediterrane Schönheit zur Raison. Lesen Sie in diesem Tutorial alle Anleitungen für die perfekte Schnittpflege. So schneiden Sie ein Zitrusbäumchen richtig.

Warum ist ein Schnitt sinnvoll?

Immergrünes Laub, malerische Blüten und leuchtend gelbe Früchte, wecken Zweifel, ob ein Schnitt sinnvoll ist. In der Tat profitiert ein Zitronenbaum sichtlich von einem gelegentlichen Formschnitt. Von Natur aus neigen Zitrusgehölze zu einem sparrigen, unförmigen Wuchs. Eine harmonische Krone hat Seltenheitswert.

Hauptursache ist eine geringe Spitzenförderung. So wird die Eigenschaft heimischer Gehölze bezeichnet, an den Spitzenknospen ihrer Triebe stärker auszutreiben, als an weiter unten positionierten Knospen. Auf diesem Wachstumsgesetz basiert primär der Aufbau gut strukturierter Kronen von Apfel- oder Pflaumenbäumen.

Im Gegensatz dazu bildet ein Zitronenbaum selten einen einzigen senkrechten Mitteltrieb. Vielmehr ist das Wachstum geprägt durch mehrere gleichwertige Triebe, die zueinander in Konkurrenz stehen. Fernerhin treiben aus seitlichen Knospen häufig junge Triebe aus, die deutlich kräftiger beschaffen sind als der Haupttrieb. Mit welchen Schnittarten Sie einen desorganisierten Zitronenbaum eines Besseren belehren, bringt dieses Tutorial auf den Punkt.

Schnittarten und Termine

Bester Zeitpunkt für den Schnitt am Zitronenbaum ist im Februar. Das gilt für alle Schnittarten gleichermaßen, von der Erziehung über die Erhaltung bis hin zur Verjüngung. Obschon Sie Ihre Zitrone zu jeder Jahreszeit verschneiden können, bietet ein Termin im zeitigen Frühjahr die idealen Rahmenbedingungen. Primär ist das Zeitfenster für die Regeneration so lange geöffnet, dass die Krone den Substanzverlust problemlos ausgleichen kann.

Folgende Tabelle bietet einen Überblick über alle sinnvollen Schnittarten mit Hinweisen zu empfehlenswerten Terminoptionen:

SchnittartZiel/AnlassTermin-Option ITermin-Option II
Erziehungsschnittharmonischer Kronenaufbau1. bis 3. Jahr Mitte Februar1. bis 3. Jahr im Winter
ErhaltungsschnittKrone auslichten, Fruchtholz fördernab 3. oder 4. Jahr Mitte bis Ende Februarab 3. oder 4. Jahr nach der Ernte
Verjüngungsschnittvergreiste Zitronen revitalisierenEnde Dezember bis Ende Februarkeine

Formschöne Krone erziehen

Mit einem planvollen Erziehungsschnitt lenken Sie das Wachstum in einen harmonischen Kronenaufbau. Steht in den ersten drei Jahren in jedem Frühjahr ein Schnitt auf dem Pflegeplan, wird der Aufwand belohnt mit einem blühfreudigen Zitronenbäumchen, dessen wohlgeformte Krone alle Blicke auf sich zieht. Obendrein reduziert sich die Schnittpflege auf einen gelegentlichen Form- und Erhaltungsschnitt. So schneiden Sie richtig:

  • Bester Zeitpunkt ist Mitte bis Ende Februar
  • Kräftigsten Mitteltrieb zum Stamm ernennen und am senkrechten Stützstab befestigen bzw. aufbinden
  • Alle übrigen Bodentriebe als mögliche Konkurrenten am Ansatz abschneiden
  • Am Mitteltrieb drei bis vier gleichmäßig angeordnete, kräftige Seitenzweige auswählen
  • Seitenzweige soweit zurückschneiden, dass sich ihre Spitzen in Saftwaage befinden
  • Im zweiten und dritten Jahr Gerüsttriebe um ein Drittel einkürzen für eine kräftige Verzweigung

Ein gekonnter Erziehungsschnitt am Zitronenbaum bringt eine Krone auf den Weg mit diesen Komponenten: senkrechter Mitteltrieb als Stamm, drei bis vier gleichmäßig verteilte Leitäste in Saftwaage.

Kommen mehr als vier Seitentriebe in Betracht, wählen Sie diejenigen mit einer Winkelstellung zwischen 90° und 45° zum Mitteltrieb. Achten Sie fernerhin auf eine Streuung der Leitäste. Die Ansatzpunkte der Gerüsttriebe sollten sich am Stamm nicht auf gleicher Höhe befinden.

Schnittführung beachten

Eine sachkundige Schnittführung bestimmt maßgeblich über ein perfektes Resultat. Verschneiden Sie Zweige einer Zitronenbaum-Krone stets kurz vor einer Knospe oder einem Blatt. Schneiden Sie zu weit entfernt vom Auge oder Blatt, bleibt ein Triebstummel stehen, der die Gefahr von Fäulnis und Schädlingsbefall nach sich zieht. Größer als 2 bis 4 Millimeter sollte die Distanz zwischen Schnittstelle und Vegetationspunkt nicht sein.

Tipps

Die Anleitungen dieses Schnitt-Tutorials können Sie nahtlos übertragen auf die Schnittpflege vergleichbarer Zitrusgehölze, wie Mandarinen-, Orangen- und Limettenbäume. Fernerhin sind die Unterschiede zum Schneiden von Oleander- und Olivenbäumchen minimal.

Kronenform erhalten

Mit vollendetem Kronenaufbau mündet die Schnittpflege in einen gelegentlichen Form- und Erhaltungsschnitt. Wie untenstehende Abbildung illustriert, sollten Sie die Krone immer dann auslichten, wenn sie zu dicht wird. Eine lichtdurchflutete Struktur garantiert dafür, dass sich auch im Inneren weiße Blüten und leuchtend gelbe Zitronen bilden. Einen weiteren Anlass für den Griff zu Schere geben überlange, aus der Kronenform ragende Äste sowie erschöpft herabhängendes Fruchtholz. So schneiden Sie korrekt:

  • Vorweg abgestorbene Äste herausschneiden
  • Ins Kroneninnere weisende oder anderweitig ungünstig stehende Triebe am Ansatz abschneiden
  • Aus der Kronenform ragende Zweige zurückschneiden auf ein Blatt oder einen Seitentrieb
  • Von parallelen oder sich kreuzenden Zweigen den schwächeren wegschneiden

Zum guten Schluss widmen Sie sich leergepflückten Zweigen. Um das Wachstum von jungem Fruchtholz zu fördern, schneiden Sie alle Zweige um die Hälfte zurück, die zuletzt Zitronen getragen haben und sich nunmehr erschöpft zu Boden neigen. Damit der Schnitt an dieser Stelle keine Lücke hinterlässt, sollten Sie betreffendes Fruchtholz ableiten. Bei dieser Schnitt-Technik setzen Sie die Schere an, wo ein junger Seitentrieb abzweigt.

Zitronenbaum schneiden

Schneiden Sie einen Zitronenbaum bei Bedarf in Form. Totholz und Steiltriebe schneiden Sie am Ansatz ab. Überlange Triebe verschneiden Sie kurz über einem Blatt oder günstigen Seitentrieb. Hat ein Ast Früchte getragen, kürzen Sie ihn um ein Drittel oder die Hälfte ein mittels Ableitungsschnitt.

Exkurs

Wildtriebe zeitnah entfernen

Premium-Sorten sind häufig veredelt auf Sämlingen von Bitterorange. Diese Unterlage neigt dazu, zahlreiche Wildtriebe sprießen zu lassen. Ausgestattet mit einem unbändigen Wachstum, streben die frechen Wildlinge danach, die edle Krone zu überwuchern und ihr wertvolle Nährstoffe zu rauben. Zu identifizieren sind die ungebetenen Gäste an einer anderen Blattform. Im Idealfall entdecken Sie einen Wildtrieb, solange er noch jung und unverholzt ist. Reißen Sie ihn mitsamt seinem Astring ab. Hat sich der wilde Wasserschoss durchgemogelt und ist bereits verholzt? Dann schneiden Sie die Rinde am Zitronenbaum unterhalb der Ansatzstelle waagerecht ein und brechen den Wildtrieb nach unten ab.

Alten Zitronenbaum etappenweise verjüngen

Stolze Besitzer eines betagten Zitronenbaumes werden mitunter konfrontiert mit einer zusehends kahlen, blühfaulen Krone. Mit einem kräftigen Schnitt drehen Sie das Rad der Zeit zurück und hauchen einer alten Zitrone neuen Lebensmut ein. Wie bei allen Gehölzen resultiert auch in diesem Fall ein kräftiger Schnitt in einem ebenso kräftigen Wachstum. Damit ein Verjüngungsschnitt perfekt gelingt, sollten Sie nach einer ersten Etappe am Ball bleiben und den Austrieb kontrollieren.

Erste Etappe

Die gutmütige Schnittverträglichkeit einer Zitrone erlaubt ein beherztes Vorgehen. Zu den mannigfaltigen Talenten von Citrus limon zählt, dass die Gehölze aus schlafenden Augen frisch austreiben. So absolvieren Sie die erste Etappe einer Verjüngung mit Bravour:

  • Im Februar alle dicken Äste zurückschneiden auf 10 bis 15 cm kurze Zapfen
  • Schnittwunden mit scharfem Messer glätten
  • Wundflächen nicht mit Baumwachs oder ähnlichen Mitteln bestreichen

Nach dem Schnitt topfen Sie den Zitronenbaum um in frisches Substrat. Damit sich das Zitrusgehölz von der Strapaze erholen kann, ist ein halbschattiger Standort für die folgenden drei bis vier Wochen empfehlenswert. Die diesjährige Blüte fällt nach der radikalen Schnittmaßnahme zwar aus. Im Gegenzug setzt ein munterer Austrieb ein.

Zweite Etappe

Die zweite Etappe einer Verjüngung nimmt noch im selben Jahr ihren Anfang. Aus den Zapfen sprießen zahlreiche neue Triebe. Wählen Sie ein bis zwei der kräftigsten Exemplare aus. Alle anderen müssen weichen. Um die Verzweigung am jungen Holz zu fördern, werden die Triebe im Sommer entspitzt. Das gelingt, indem Sie die Triebspitzen kurz über einer Knospe zwischen Daumen und Zeigefinger erfassen und abknipsen. Eingetrocknete Zapfenreste können Sie nach ein bis zwei Jahren problemlos entfernen.

Hintergrund

Steiltriebe blühen und fruchten nicht

Mit straff aufrechten Trieben strebt ein Zitronenbaum schnellstmöglich in Richtung des Sonnenlichts. Hier regiert das Wachstumsgesetz der Spitzenförderung, indem Reservestoffe primär in Blatt- und Triebknospen am höchsten Punkt gepumpt werden. Für die kraftraubende Bildung von Blüten und Früchten zeigt das Zitrusgehölz an dieser Stelle wenig Interesse. Es bestehen zwei Optionen, wie mit Steiltrieben zu verfahren ist: ansatzlos abschneiden oder abspreizen in eine abgeflachte Position im idealen 60°-Winkel zum Stamm oder Gerüstast.

Häufig gestellte Fragen

Sind Zitronenbäume selbstfruchtbar?

Abgesehen von wenigen Ausnahmen sind alle Citrus-Arten selbstfruchtbar. Für eine Ernte saftiger Zitronen genügt somit ein Baum. Wie bei den meisten Obstgehölzen, ist es vorteilhaft für Blütenpracht und Ernteertrag ist die Kombination aus zwei verschiedenen Sorten.

Gestern habe ich einen Amalfi-Zitronenbaum erworben im 3,5-Liter-Topf. Sollte ich das Bäumchen umpflanzen und einem Pflanzschnitt unterziehen?

Ein 3,5-Liter-Topf ist eindeutig zu klein für einen Zitronenbaum. Topfen Sie das Bäumchen zeitnah um in ein Gefäß mit 8 bis 10 Litern Volumen und frische, locker-durchlässige Zitruserde. Bei dieser Gelegenheit sollten Sie die Erziehung einer schönen Krone in die Wege leiten. Zu diesem Zweck binden Sie den Mitteltrieb an einen senkrechten Stab, damit er gerade wächst. Konkurrenztriebe zum zukünftigen Stamm schneiden Sie am Ansatz ab. Wählen Sie als Kronengerüst vier Seitenzweige als zukünftige Leitäste. Diese kürzen Sie um ein Drittel ein, um Wachstum und Stabilität zu fördern.

Ist ein Zitronenbaum winterhart, wenn er auf einer frostharten Unterlage veredelt ist?

Wenn Sie einen Zitronenbaum im Fachhandel erwerben, erhalten Sie ein veredeltes Gehölz. Hier wurde ein Edelreis mit einer robusten Wurzelunterlage verbunden. Das Edelreis selbst entstammt einem etablierten Zitronenbaum, der bereits Früchte getragen hat. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass selbst kleine Zitronenbäumchen im Kübel blühen und fruchten können. Bei der Unterlage handelt es sich in der Regel um die nahezu winterharte Bitterorange oder Dreiblättrige Orange. Die Frostverträglichkeit hat indes keine Auswirkungen auf das Edelreis. Ein Zitronenbaum ist nördlich der Alpen immer angewiesen auf ein frostfreies Winterquartier.

Über den Sommer ist mein Zitronenbaum im Kübel zu groß geworden für das Winterquartier. Kann ich die Krone vor dem Einräumen verkleinern? Worauf ist zu achten?

Einen Zitronenbaum können Sie zu jeder Jahreszeit verschneiden. Es ist ohne Weiteres möglich, die Krone vor dem Einräumen zu verkleinern, damit das Bäumchen ins Winterquartier passt. Bitte achten Sie darauf, überlange Triebe kurz vor einer Knospe, einem Blatt oder einem kurzen Seitentrieb zu schneiden. Trägt Ihr Zitronenbaum unreife Früchte, können Sie diese hängen lassen bis zur Vollreife.

Wann sind Zitronen reif?

Eine reife Zitrone erkennen Sie an zwei Kriterien: die Schale glänzt und gibt unter leichtem Druck nach. Fernerhin ist eine Zitrone erntereif, wenn die Frucht ausgewachsen ist. Die richtige Größe richtet sich nach der kultivierten Citrus-Sorte. Übrigens sagt die Farbe nichts darüber aus, ob eine Zitrone reif ist oder nicht. Grüne Früchte können durchaus genussreif sein. Ihre gelbe Farbe erhalten Zitronen erst unter dem Einfluss kühler Nachttemperaturen. Ein Zitronenbaum im temperierten Wintergarten mit kontinuierlichen Zimmertemperaturen beschert Ihnen reife Zitronen, die nicht funkeln, wie ein Saphir.

Sollten Zitronen bei der Ernte abgepflückt oder abgeschnitten werden?

Charakteristisch für Zitronen ist eine feste Verbindung mit ihrem tragenden Ast. Folglich birgt Pflücken reifer Früchte die Gefahr, den Zweig ebenfalls abzureißen oder zu beschädigen. In der Praxis hat sich gut bewährt, reife Zitronen mit der Schere abzuschneiden. Setzen Sie den Ernteschnitt direkt an der Frucht an. Alternativ schneiden Sie einen kompletten Fruchttrieb mitsamt mehrerer Früchte und Blätter ab.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Bleiben nach dem Schnitt kurze oder lange Stummel zurück, sind Fäulnis und Krankheiten vorprogrammiert. Ohne einen gelegentlichen Erhaltungsschnitt verkommt eine Zitronenkrone zum undurchdringlichen, blütenlosen Astgewirr. Wer Wildtriebe am Zitronenbaum gewähren lässt, wird mit einer überwucherten Krone hadern. Die häufigsten drei Schnittfehler mit Tipps für die gekonnte Vorbeugung fasst diese Tabelle zusammen:

SchnittfehlerSchadbildVorbeugung
auf Zapfen geschnittenAusbreitung von Krankheiten und FäulnisTriebe immer direkt am Ansatz abschneiden
nie ausgelichtetdichtes Astgeflecht, verkahlende, blütenlose TriebeKrone alle paar Jahre auslichten
Wildtriebe nicht entferntüberwucherte KroneWildtriebe unverholzt und zeitnah abreißen
Youtube

Tipps

Mit malerischer Krone und mediterranem Charme lässt ein Zitronenbaum vergessen, dass seine Äste mit spitzen Dornen bewehrt sind. Wenn Sie sich der Schnittpflege widmen, legen Sie bitte dornenfeste Handschuhe mit langen Stulpen an. Schon kleine Ritzer auf der Haut können unangenehme Infektionen nach sich ziehen, wenn sie nicht bemerkt und behandelt werden.

Text: Paula Jansen

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